Ir sult sprechen willekomen

Ir sult sprechen willekomen:
der iu mære bringet, daz bin ich.
allez daz ir habt vernomen,
daz ist gar ein wint: nû frâget mich.
ich wil aber miete:
wirt mîn lôn iht guot,
ich gesage iu lîhte daz iu sanfte tuot.
seht waz man mir êren biete.

Ich wil tiuschen frouwen sagen
slhiu mære daz si deste baz
al der werlte suln behagen:
âne grôze miete tuon ich daz.
waz wold ich ze lône?
si sint mir ze hêr.
sô bin ich gefüege und bite si nihtes mêr
wan daz si mich grüezen schône.

Ich hân lande vil gesehen
unde nam der besten gerne war:
übel müeze mir geschehen,
kunde ich ie mîn herze bringen dar
daz im wol gevallen
wolde fremeder site.
nû waz hulfe mich, ob ich unrechte strite?
tiuschiu zuht gât vor in allen.

Von der Elbe unz an den Rîn
und her wider unz an Ungerlant
mugen wol die besten sîn,
die ich in der werlte hân erkant.
kan ich rehte schouwen
guot gelâz und lîp,
bezzer sint danne ander frouwen.

Tiusche man sint wol gezogen,
rehte als engel sint diu wîp getân.
swer si schildet, derst betrogen:
ich entkan sîn anders niht verstân.
tugent und reine minne,
swer die suochen wil,
der sol komen in unser lant: da ist wünne vil!
lange müeze ich leben dar inne!

Der ich vil gedienet hân
und iemer mêre gerne dienen wil,
diust von mir vil unerlân.
iedoch sô tuot si leides mir sô vil.
si kan mir versêren
herze und den muot.
nû vergebez ir got dazs an mir missetuot.
her nâch mac si sichs bekêren.



 Under der linden

Under der linden
an der heide,
dâ unser zweier bette was,
dâ muget ir vinden
schône beide
gebrochen bluomen unde gras.
vor dem walde in einem tal,
tandaradei,
schône sanc diu nahtegal.

Ich kam gegangen
zuo der ouwe:
dô was mîn friedel komen ê.
dâ wart ich empfangen
hêre frouwe
daz ich bin sælic iemer mê.
kust er mich? wol tûsentstunt:
tandaradei,
seht wie rôt mir ist der munt.

Dô hete er gemachet
alsô rîche
von bluomen eine bettestat.
des wirt noch gelachet
inneclîche,
kumt iemen an daz selbe pfat.
bî den rôsen er wol mac
tandaradei,
merken wâ mirz houbet lac.

Daz er bî mir læge,
wesse ez iemen
(nu enwelle got!), so schamte ich mich.
wes er mit mir pflæge,
niemer niemen
bevinde daz wan er und ich
und ein kleinez vogellîn:
tandaradei,
daz mac wol getriuwe sîn.



  der keiser als spileman

Ob ich mich selben rüemen sol,
sô bin ich des ein hübescher man,
daz ich sô manege unfuoge dol
sô wol als ichz gerechen kan.
ein klôsenære, ob erz vertrüege? ich wæne, er nein.
hæt er die stat als ich si hân,
bestüende in danne eine zörnelîn,
ez wurde unsanfter widertân.
swie sanfte ichz alsô lâze sîn,
daz und ouch mê vertrage ich doch dur eteswaz.

Frouwe, ir sît schoene und sît ouch wert:
der zwein stêt wol genâde bî.
waz schadet iu daz man iuwer gert?
joch sint iedoch gedanke frî.
wân und e wunsch daz wolde ich allez ledic lân:
höveschent mîne sinne dar,
waz mag ichs, gebents iu mînen sanc?
des nement ir lîhte niender war:
sô hân ichs doch vil hôhen danc.
treit iuch mîn lop ze hove, daz ist mîn werdekeit.

Frouwe, ir habt mir geseit alsô,
swer mir beswære mînen muot,
daz ich den mache wider frô;
er schame sich lîhte und werde guot.
diu lêre, ob si mit triuwen sî, daz schîne an iu.
als fröwe iuch, ir beschwærtet mich:
des schamt iuch, ob ichz reden getar,
lât iuwer wort niht velschen sich,
und werdet guot: sô habt ir wâr.
vil guot sît ir, dâ von ich guot von guote wil.

Frouwe, ir habet ein werdez tach
an iuch geslouft, den reinen lîp,
wan ich nie bezzer kleit gesach:
ir sît ein wol bekleidet wîp.
sin unde sælde sint gesteppet wol dar in.
getragene wât ich nie genam:
dise næm ich als gerne ich lebe.
der keiser wurde ir spileman,
umb also wünneclîche gebe,
dâ keiser spil. nein, hêrre keiser, anderswâ!

Gedichte von von der Vogelweide