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In böser Stunde
Ein schwaches Stäbchen ist die Liebe, Das deiner Jugend Rebe trägt, Das wachsend bald der Baum des Lebens Mit seinen Ästen selbst zerschlägt
Und drängtest du mit ganzer Seele Zu allerinnigstem Verein, Du wirst am Ende doch, am Ende Nur auf dir selbst gelassen sein.
Und war es auch ein großer Schmerz
Und war es auch ein großer Schmerz, Und wär's vielleicht gar eine Sünde, Wenn es noch einmal vor dir stünde, Du tätst es noch einmal, mein Herz.
Zwischenreich
Meine ausgelaßne Kleine, Ach, ich kenne sie nicht mehr; Nur mit Tanten und Pastoren Hat das liebe Herz Verkehr.
Jene süße Himmelsdemut, Die der Sünder Hoffart schilt, Hat das ganze Schelmenantlitz Wie mit grauem Flor verhüllt.
Ja, die brennend roten Lippen Predigen Entsagung euch; Diese gar zu schwarzen Augen Schmachten nach dem Himmelreich.
Auf die Tiziansche Venus Ist ein Heil'genbild gemalt; Ach, ich kenne sie nicht wieder, Die so schön mit uns gedahlt.
Nirgends mehr für blaue Märchen Ist ein einzig Plätzchen leer; Nur Traktätlein und Asketen Liegen haufenweis umher.
Wahrlich, zum Verzweifeln wär es - Aber, Schatz, wir wissen schon, Deinen ganzen Götzenplunder Wirft ein einz'ger Mann vom Thron.
Vom Staatskalender
1
Die Tochter spricht:
"Ach, die kleine Kaufmannstochter, Wie das Ding sich immer putzt! Fehlt nur, daß mit unsereinem Sie sich noch vertraulich duzt.
Setzt sich, wo wir auch erscheinen, Wie von selber nebenbei; Präsidentens könnten meinen, Daß es heiße Freundschaft sei.
Und es will sich doch nicht schicken, Daß man so mit jeder geht, Seit Papa im Staatskalender In der dritten Klasse steht.
Hat Mama doch auch den Diensten Anbefohlen klar und hell, Fräulein hießen wir jetzunder, Fräulein, und nicht mehr Mamsell.
Ach, ein kleines bißchen adlig, So ein bißchen - glaub, wir sind's! Morgen in der goldnen Kutsche Holt uns ein verwünschter Prinz!"
2
Ein Golem
Ihr sagt, es sei ein Kämmerer, Ein schöner Staatskalenderer; Doch sieht denn nicht ein jeder, Daß er genäht aus Leder?
Kommt nur der rechte Regentropf Und wäscht die Nummer ihm vom Kopf, So ruft gewiß ein jeder: Herrgott, ein Kerl von Leder!
Gesegnete Mahlzeit
Sie haben wundervoll diniert; Warm und behaglich rollt ihr Blut, Voll Menschenliebe ist ihr Herz, Sie sind der ganzen Welt so gut.
Sie schütteln zärtlich sich die Hand, Umwandelnd den geleerten Tisch, Und wünschen, daß gesegnet sei Der Wein, der Braten und der Fisch.
Die Geistlichkeit, die Weltlichkeit, Wie sie so ganz verstehen sich! Ich glaube, Gott verzeihe mir, Sie lieben sich herzinniglich.
Von Katzen
Vergangnen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen! Die Köchin aber - Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche -, Die wollte von den sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte dies verruchte Weib. Ich half ihr heim! - Der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen, Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd; Ja, wie die Köchin auch ingrimmig dreinsah, Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster Probierten sie die allerliebsten Stimmchen. Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe, Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. - Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen, Und Maitag ist's! - Wie soll ich es beschreiben, Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet! Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen! Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen, In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen, Die Alte gar - nein, es ist unaussprechlich - Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette! Und jede, jede von den sieben Katzen Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen! Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers; Ersäufen will sie alle neunundvierzig! Mir selber! ach, mir läuft der Kopf davon - O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren! Was fang ich an mit sechsundfunfzig Katzen!
Engel-Ehe
Wie Flederwisch und Bürste sie regiert! Glas und Gerät, es blitzt nur alles so Und lacht und lebt! Nur, ach, sie selber nicht. Ihr schmuck Gesicht, dem Manne ihrer Wahl, Wenn ihre wirtschaftliche Bahn er kreuzt, Gleich einer Maske hält sie's ihm entgegen; Und fragt er gar, so wirft sie ihm das Wort Als wie dem Hunde einen Knochen zu. Denn er ist schuld an allem, was sie plagt, Am Trotz der Mägde, an den großen Wäschen, Am Tagesmühsal und der Nächte Wachen, Schuld an dem schmutz'gen Pudel und den Kindern. - Und er? - Er weiß, wenn kaum der grimme Tod Sein unverkennbar Mal ihm aufgeprägt, Dann wird, der doch in jedem Weibe schläft, Der Engel auch in seinem Weib erwachen; Ihr eigen Weh bezwingend, wird sie dann, Was aus der Jugend Süßes ihr verblieb, Heraufbeschwören; leuchten wird es ihm Aus ihren Augen, lind wie Sommeratem Wird dann ihr Wort zu seinem Herzen gehn. - Doch wähnet nicht, daß dies ihn tröste! Nein, Den künft'gen Engel, greulich haßt er ihn; Er magert ab, er schlottert im Gebein, Er wird daran ersticken jedenfalls. Doch eh ihm ganz die Kehle zugeschnürt, Muß er sein Weib in Himmelsglorie sehn; Die Rede, die er brütend ausstudiert, Womit vor seinem letzten Atemzug, Jedwedes Wort ein Schwert, auf einen Schlag Er alles Ungemach ihr hat vergelten wollen, Er wird sie nimmer halten; Segenstammeln Wird noch von seinen toten Lippen fliehn. Das alles weiß er, und es macht ihn toll; Er geht umher und fluchet innerlich. Ja, manches Mal im hellsten Sonnenschein Durchfährt es ihn, als stürz er in das Grab. Es war sein Weib, sie sprach ein sanftes Wort; Und zitternd blickt er auf: "Oh, Gott sei Dank, Noch nicht, noch nicht das Engelsangesicht!"
Stoßseufzer
Am Weihnachtsonntag kam er zu mir, In Jack' und Schurzfell, und roch nach Bier Und sprach zwei Stunden zu meiner Qual Von Zinsen und von Kapital; Ein Kerl, vor dem mich Gott bewahr! Hat keinen Festtag im ganzen Jahr.
In der Frühe
Goldstrahlen schießen übers Dach, Die Hähne krähn den Morgen wach; Nun einer hier, nun einer dort, So kräht es nun von Ort zu Ort. Und in der Ferne stirbt der Klang - Ich höre nichts, ich horche lang. Ihr wackern Hähne, krähet doch! Sie schlafen immer, immer noch.
Aus der Marsch
Der Ochse frißt das feine Gras Und läßt die groben Halme stehen; Der Bauer schreitet hinterdrein Und fängt bedächtig an zu mähen.
Und auf dem Stall zur Winterszeit, Wie wacker steht der Ochs zu kauen! Was er als grünes Gras verschmäht, Das muß er nun als Heu verdauen.
Am Aktentisch
Da hab ich den ganzen Tag dekretiert; Und es hätte mich fast wie so manchen verführt: Ich spürte das kleine dumme Vergnügen, Was abzumachen, was fertigzukriegen.
Sturmnacht
Im Hinterhaus, im Fliesensaal Über Urgroßmutters Tisch' und Bänke, Über die alten Schatullen und Schränke Wandelt der zitternde Mondenstrahl. Vom Wald kommt der Wind Und fährt an die Scheiben; Und geschwind, geschwind Schwatzt er ein Wort, Und dann wieder fort Zum Wald über Föhren und Eiben.
Da wird auch das alte verzauberte Holz Da drinnen lebendig; Wie sonst im Walde will es stolz Die Kronen schütteln unbändig, Mit den Ästen greifen hinaus in die Nacht, Mit dem Sturm sich schaukeln in brausender Jagd, Mit den Blättern in Übermut rauschen, Beim Tanz im Flug Durch Wolkenzug Mit dem Mondlicht silberne Blicke tauschen.
Da müht sich der Lehnstuhl, die Arme zu recken, Den Rokokofuß will das Kanapee strecken, In der Kommode die Schubfächer drängen Und wollen die rostigen Schlösser sprengen; Der Eichschrank unter dem kleinen Troß Steht da, ein finsterer Koloß. Traumhaft regt er die Klauen an, Ihm zuckt's in der verlornen Krone; Doch bricht er nicht den schweren Bann. - Und draußen pfeift ihm der Wind zum Hohne Und fährt an die Läden und rüttelt mit Macht, Bläst durch die Ritzen, grunzt und lacht, Schmeißt die Fledermäuse, die kleinen Gespenster, Klitschend gegen die rasselnden Fenster. Die glupen dumm neugierig hinein - Da drinn' steht voll der Mondenschein.
Aber droben im Haus Im behaglichen Zimmer Beim Sturmgebraus Saßen und schwatzten die Alten noch immer, Nicht hörend, wie drunten die Saaltür sprang, Wie ein Klang war erwacht Aus der einsamen Nacht, Der schollernd drang Über Trepp' und Gang, Daß drin in der Kammer die Kinder mit Schrecken Auffuhren und schlüpften unter die Decken.
Waldweg
Fragment Durch einen Nachbarsgarten ging der Weg, Wo blaue Schlehn im tiefen Grase standen; Dann durch die Hecke über schmalen Steg Auf eine Wiese, die an allen Randen Ein hoher Zaun vielfarb'gen Laubs umzog; Buscheichen unter wilden Rosenbüschen, Um die sich frei die Geißblattranke bog, Brombeergewirr und Hülsendorn dazwischen; Vorbei an Farrenkräutern wob der Eppich Entlang des Walles seinen dunklen Teppich. Und vorwärtsschreitend störte bald mein Tritt Die Biene auf, die um die Distel schwärmte, Bald hörte ich, wie durch die Gräser glitt Die Schlange, die am Sonnenstrahl sich wärmte. Sonst war es kirchenstill in alle Weite, Kein Vogel hörbar; nur an meiner Seite Sprang schnaufend ab und zu des Oheims Hund; Denn nicht allein wär ich um solche Zeit Gegangen zum entlegnen Waldesgrund; Mir graute vor der Mittagseinsamkeit. - Heiß war die Luft, und alle Winde schliefen; Und vor mir lag ein sonnig offner Raum, Wo quer hindurch schutzlos die Steige liefen. Wohl hatt ich's sauer und ertrug es kaum; Doch rascher schreitend überwand ich's bald. Dann war ein Bach, ein Wall zu überspringen; Dann noch ein Steg, und vor mir lag der Wald, In dem schon herbstlich rot die Blätter hingen. Und drüberher, hoch in der blauen Luft, Stand beutesüchtig ein gewalt'ger Weih, Die Flügel schlagend durch den Sonnenduft; Tief aus der Holzung scholl des Hähers Schrei. Herbstblätterduft und Tannenharzgeruch Quoll mir entgegen schon auf meinem Wege, Und dort im Walle schimmerte der Bruch, Durch den ich meinen Pfad nahm ins Gehege. Schon streckten dort gleich Säulen der Kapelle Ans Laubgewölb die Tannenstämme sich; Dann war's erreicht, und wie an Kirchenschwelle Umschauerte die Schattenkühle mich.
Eine Frühlingsnacht
Im Zimmer drinnen ist's so schwül; Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl.
Im Fieber hat er die Nacht verbracht; Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.
Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand; Er hält die Uhr in der weißen Hand.
Er zählt die Schläge, die sie pickt, Er forschet, wie der Weiser rückt;
Es fragt ihn, ob er noch leb' vielleicht, Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht.
Die Wartfrau sitzt geduldig dabei, Harrend, bis alles vorüber sei.-
Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod; Und draußen dämmert das Morgenrot.
An die Fenster klettert der Frühlingstag. Mädchen und Vögel werden wach.
Die Erde lacht in Liebesschein, Pfingstglocken läuten das Brautfest ein;
Singende Bursche ziehn übers Feld Hinein in die blühende, klingende Welt.-
Und immer stiller wird es drin; Die Alte tritt zum Kranken hin.
Der hat die Hände gefaltet dicht; Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.
Dann geht sie fort. Stumm wird's und leer; Und drinnen wacht kein Auge mehr.
Der Zweifel
Der Glaube ist zum Ruhen gut, Doch bringt er nicht von der Stelle; Der Zweifel in ehrlicher Männerfaust, Der sprengt die Pforten der Hölle.
Februar
Im Winde wehn die Lindenzweige, Von roten Knospen übersäumt; Die Wiegen sind's, worin der Frühling Die schlimme Winterzeit verträumt.
März
Und aus der Erde schauet nur Alleine noch Schneeglöckchen; So kalt, so kalt ist noch die Flur,Es friert im weißen Röckchen.
April
Das ist die Drossel, die da schlägt, Der Frühling, der mein Herz bewegt; Ich fühle, die sich hold bezeigen, Die Geister aus der Erde steigen. Das Leben fließet wie ein Traum - Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
Mai
1
Die Kinder schreien "Vivat hoch!" In die blaue Luft hinein; Den Frühling setzen sie auf den Thron, Der soll ihr König sein.
2
Die Kinder haben die Veilchen gepflückt, All, all, die da blühten am Mühlengraben. Der Lenz ist da; sie wollen ihn fest In ihren kleinen Fäusten haben.
Juli
Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht, Seine Ähren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur - Junge Frau, was sinnst du nur?
August
Inserat
Die verehrlichen Jungen, welche heuer Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken, Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen Wo möglich insoweit sich zu beschränken, Daß sie daneben auf den Beeten Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.
Im Garten
Hüte, hüte den Fuß und die Hände, Eh sie berühren das ärmste Ding! Denn du zertrittst eine häßliche Raupe Und tötest den schönsten Schmetterling.
Komm, laß uns spielen
Wie bald des Sommers holdes Fest verging! Rauh weht der Herbst; wird's denn auch Frühling wieder?
Da fällt ein bleicher Sonnenstrahl hernieder - Komm, laß uns spielen, weißer Schmetterling!
Ach, keine Nelke, keine Rose mehr; Am Himmel fährt ein kalt Gewölk daher!
Weh, wie so bald des Sommers Lust verging - O komm! Wo bist du, weißer Schmetterling?
Herbst
1
Schon ins Land der Pyramiden Flohn die Störche übers Meer; Schwalbenflug ist längst geschieden, Auch die Lerche singt nicht mehr.
Seufzend in geheimer Klage Streift der Wind das letzte Grün; Und die süßen Sommertage, Ach, sie sind dahin, dahin!
Nebel hat den Wald verschlungen, Der dein stillstes Glück gesehn; Ganz in Duft und Dämmerungen Will die schöne Welt vergehn.
Nur noch einmal bricht die Sonne Unaufhaltsam durch den Duft, Und ein Strahl der alten Wonne Rieselt über Tal und Kluft.
Und es leuchten Wald und Heide, Daß man sicher glauben mag, Hinter allem Winterleide Lieg' ein ferner Frühlingstag.
2
Die Sense rauscht, die Ähre fällt, Die Tiere räumen scheu das Feld, Der Mensch begehrt die ganze Welt.
3
Und sind die Blumen abgeblüht, So brecht der Äpfel goldne Bälle; Hin ist die Zeit der Schwärmerei, So schätzt nun endlich das Reelle!
Hinter den Tannen
Sonnenschein auf grünem Rasen, Krokus drinnen blau und blaß; Und zwei Mädchenhände tauchen Blumen pflückend in das Gras.
Und ein Junge kniet daneben, Gar ein übermütig Blut, Und sie schaun sich an und lachen - O wie kenn ich sie so gut!
Hinter jenen Tannen war es, Jene Wiese schließt es ein - Schöne Zeit der Blumensträuße, Stiller Sommersonnenschein!
Vor Tag
1
Wir harren nicht mehr ahnungsvoll Wie sonst auf blaue Märchenwunder; Wie sich das Buch entwickeln soll, Wir wissen's ganz genau jetzunder.
Wir blätterten schon hin und her - Denn ruchlos wurden unsre Hände -, Und auf der letzten Seite sahn Wir schon das schlimme Wörtlein Ende.
2
Und geht es noch so rüstig Hin über Stein und Steg, Es ist eine Stelle im Wege, Du kommst darüber nicht weg.
3
Schlag erst die Stunde, wo auf Erden Dein holdes Bildnis sich verlor, Dann wirst du niemals wieder werden, So wie du niemals warst zuvor.
4
Da diese Augen nun in Staub vergehen, So weiß ich nicht, wie wir uns wiedersehen.
Zur Taufe
Ein Gutachten
Bedenk es wohl, eh du sie taufst! Bedeutsam sind die Namen; Und fasse mir dein liebes Bild Nun in den rechten Rahmen. Denn ob der Nam' den Menschen macht, Ob sich der Mensch den Namen, Das ist, weshalb mir oft, mein Freund, Bescheidne Zweifel kamen; Eins aber weiß ich ganz gewiß: Bedeutsam sind die Namen! So schickt für Mädchen Lisbeth sich, Elisabeth für Damen; Auch fing sich oft ein Freier schon, Dem Fischlein gleich am Hamen, An einem ambraduftigen, Klanghaften Mädchennamen.
Morgane
An regentrüben Sommertagen, Wenn Luft und Flut zusammenragen Und ohne Regung schläft die See, Dann steht an unserm grauen Strande Das Wunder aus dem Morgenlande, Morgane, die berufne Fee.
Arglistig halb und halb von Sinne, Verschmachtend nach dem Kelch der Minne, Der stets an ihrem Mund versiegt, Umgaukelt sie des Wandrers Pfade Und lockt ihn an ein Scheingestade, Das in des Todes Reichen liegt.
Von ihrem Zauberspiel geblendet, Ruht manches Haupt in Nacht gewendet, Begraben in der Wüste Schlucht; Denn ihre Liebe ist Verderben, Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuß ist Sterben, Die schönen Augen sind verflucht.
So steht sie jetzt im hohen Norden An unsres Meeres dunklen Borden, So schreibt sie fingernd in den Dunst; Und quellend aus den luft'gen Spuren Erstehn in dämmernden Konturen Die Bilder ihrer argen Kunst.
Doch hebt sich nicht wie dort im Süden Auf rosigen Karyatiden Ein Wundermärchenschloß ins Blau; Nur einer Hauberg graues Bildnis Schwimmt einsam in der Nebelwildnis, Und keinen lockt der Hexenbau.
Bald wechselt sie die dunkle Küste Mit Libyens sonnengelber Wüste Und mit der Tropenwälder Duft; Dann bläst sie lachend durch die Hände, Dann schwankt das Haus, und Fach und Wände Verrinnen quirlend in die Luft.
Ostern
Es war daheim auf unserm Meeresdeich; Ich ließ den Blick am Horizonte gleiten, Zu mir herüber scholl verheißungsreich Mit vollem Klang das Osterglockenläuten.
Wie brennend Silber funkelte das Meer, Die Inseln schwammen auf dem hohen Spiegel, Die Möwen schossen blendend hin und her, Eintauchend in die Flut die weißen Flügel.
Im tiefen Kooge bis zum Deichesrand War sammetgrün die Wiese aufgegangen; Der Frühling zog prophetisch über Land, Die Lerchen jauchzten und die Knospen sprangen. -
Entfesselt ist die urgewalt'ge Kraft, Die Erde quillt, die jungen Säfte tropfen, Und alles treibt, und alles webt und schafft, Des Lebens vollste Pulse hör ich klopfen.
Der Flut entsteigt der frische Meeresduft; Vom Himmel strömt die goldne Sonnenfülle; Der Frühlingswind geht klingend durch die Luft Und sprengt im Flug des Schlummers letzte Hülle.
O wehe fort, bis jede Knospe bricht, Daß endlich uns ein ganzer Sommer werde; Entfalte dich, du gottgebornes Licht, Und wanke nicht, du feste Heimaterde! -
Hier stand ich oft, wenn in Novembernacht Aufgor das Meer zu gischtbestäubten Hügeln, Wenn in den Lüften war der Sturm erwacht, Die Deiche peitschend mit den Geierflügeln.
Und jauchzend ließ ich an der festen Wehr Den Wellenschlag die grimmen Zähne reiben; Denn machtlos, zischend schoß zurück das Meer - Das Land ist unser, unser soll es bleiben!
Nach Reisegesprächen
Vorwärts lieber laß uns schreiten Durch die deutschen Nebelschichten, Als auf alten Träumen reiten Und auf römischen Berichten! Denn mir ist, als säh ich endlich Unter uns ein Bild entfalten; Dunkel erst, doch bald verständlich Sich erheben die Gestalten; Hauf an Haufen im Getümmel, Nun zerrissen, nun zusammen; An dem grauverhangnen Himmel Zuckt es wie von tausend Flammen. Hört ihr, wie die Büchsen knallen? Wutgeschrei durchfegt die Lüfte; Und die weißen Nebel wallen, Und die Brüder stehn und fallen Hoher Tag und tiefe Grüfte!
Im Herbste 1850
Und schauen auch von Turm und Tore Der Feinde Wappen jetzt herab, Und rissen sie die Trikolore Mit wüster Faust von Kreuz und Grab;
Und müßten wir nach diesen Tagen Von Herd und Heimat bettelnd gehn - Wir wollen's nicht zu laut beklagen; Mag, was da muß, mit uns geschehn!
Und wenn wir hülfelos verderben, Wo keiner unsre Schmerzen kennt, Wir lassen unsern spätsten Erben Ein treu besiegelt Testament;
Denn kommen wird das frische Werde, Das auch bei uns die Nacht besiegt, Der Tag, wo diese deutsche Erde Im Ring des großen Reiches liegt.
Ein Wehe nur und eine Schande Wird bleiben, wenn die Nacht verschwand: Daß in dem eignen Heimatlande Der Feind die Bundeshelfer fand;
Daß uns von unsern eignen Brüdern Der bittre Stoß zum Herzen drang, Die einst mit deutschen Wiegenliedern Die Mutter in den Schlummer sang;
Die einst von deutscher Frauen Munde Der Liebe holden Laut getauscht, Die in des Vaters Sterbestunde Mit Schmerz auf deutsches Wort gelauscht.
Nicht viele sind's und leicht zu kennen - O haltet ein! Ihr dürft sie nicht In Mitleid noch im Zorne nennen, Nicht in Geschichte noch Gedicht.
Laßt sie, wenn frei die Herzen klopfen, Vergessen und verschollen sein, Und mischet nicht die Wermutstropfen In den bekränzten deutschen Wein!
Gräber an der Küste
Mit Kränzen haben wir das Grab geschmückt, Die stille Wiege unsrer jungen Toten; Den grünsten Efeu haben wir gepflückt, Die spätsten Astern, die das Jahr geboten.
Hier ruhn sie waffenlos in ihrer Gruft, Die man hinaustrug aus dem Pulverdampfe; Vom Strand herüber weht der Meeresduft, Die Schläfer kühlend nach dem heißen Kampfe.
Es steigt die Flut; vom Ring des Deiches her Im Abendschein entbrennt der Wasserspiegel; Ihr schlafet schön! Das heimatliche Meer Wirft seinen Glanz auf euren dunklen Hügel.
Und rissen sie die Farben auch herab, Für die so jung ihr ginget zu den Bleichen, Oh, schlafet ruhig! Denn von Grab zu Grab Wehn um euch her der Feinde Wappenzeichen.
Nicht euch zum Ruhme sind sie aufgesteckt; Doch künden sie, daß eure Kugeln trafen, Daß, als ihr euch zur ew'gen Ruh gestreckt, Den Feind ihr zwanget, neben euch zu schlafen.
Ihr aber, denen ohne Trommelschlag Durch Feindeshand bereitet ward der Rasen, Hört dieses Lied! und harret auf den Tag, Daß unsre Reiter hier Reveille blasen! -
Doch sollte dieser heiße Lebensstreit Verlorengehn wie euer Blut im Sande Und nur im Reiche der Vergangenheit Der Name leben dieser schönen Lande:
In diesem Grabe, wenn das Schwert zerbricht, Liegt deutsche Ehre fleckenlos gebettet! Beschützen konntet ihr die Heimat nicht, Doch habt ihr sterbend sie vor Schmach gerettet.
Nun ruht ihr, wie im Mutterschoß das Kind, Und schlafet aus auf heimatlichem Kissen; Wir andern aber, die wir übrig sind, Wo werden wir im Elend sterben müssen!
Schon hatten wir zu festlichem Empfang Mit Kränzen in der Hand das Haus verlassen; Wir standen harrend ganze Nächte lang, Doch nur die Toten zogen durch die Gassen.-
So nehmet denn, ihr Schläfer dieser Gruft, Die spätsten Blumen, die das Jahr geboten! Schon fällt das Laub im letzten Sonnenduft - Auch dieses Sommers Kranz gehört den Toten.
Ein Epilog
Ich hab es mir zum Trost ersonnen In dieser Zeit der schweren Not, In dieser Blütezeit der Schufte, In dieser Zeit von Salz und Brot.
Ich zage nicht, es muß sich wenden, Und heiter wird die Welt erstehn, Es kann der echte Keim des Lebens Nicht ohne Frucht verlorengehn.
Der Klang von Frühlingsungewittern, Von dem wir schauernd sind erwacht, Von dem noch alle Wipfel rauschen, Er kommt noch einmal, über Nacht!
Und durch den ganzen Himmel rollen Wird dieser letzte Donnerschlag; Dann wird es wirklich Frühling werden Und hoher, heller, goldner Tag.
Heil allen Menschen, die es hören! Und Heil dem Dichter, der dann lebt Und aus dem offnen Schacht des Lebens Den Edelstein der Dichtung hebt!
1. Januar 1851
Sie halten Siegesfest, sie ziehn die Stadt entlang; Sie meinen, Schleswig-Holstein zu begraben. Brich nicht, mein Herz! Noch sollst du Freude haben; Wir haben Kinder noch, wir haben Knaben, Und auch wir selber leben, Gott sei Dank!
Im Zeichen des Todes
Noch war die Jugend mein, die schöne, ganze, Ein Morgen nur, ein Gestern gab es nicht; Da sah der Tod im hellsten Sonnenglanze, Mein Haar berührend, mir ins Angesicht.
Die Welt erlosch, der Himmel brannte trübe; Ich sprang empor entsetzt und ungestüm. Doch er verschwand; die Ewigkeit der Liebe Lag vor mir noch und trennte mich von ihm.
Und heute nun - im sonnigen Gemache Zur Rechten und zur Linken schlief mein Kind; Des zarten Atems lauschend, hielt ich Wache, Und an den Fenstern ging der Sommerwind.
Da sanken Nebelschleier dicht und dichter Auf mich herab; kaum schienen noch hervor Der Kinder schlummerselige Gesichter, Und nicht mehr drang ihr Atem an mein Ohr.
Ich wollte rufen; doch die Stimme keuchte, Bis hell die Angst aus meinem Herzen schrie. Vergebens doch; kein Schrei der Angst erreichte, Kein Laut der Liebe mehr erreichte sie.
In grauer Finsternis stand ich verlassen, Bewegungslos und schauernden Gebeins; Ich fühlte kalt mein schlagend Herz erfassen, Und ein entsetzlich Auge sank in meins.
Ich floh nicht mehr; ich fesselte das Grauen Und faßte mühsam meines Auges Kraft; Dann überkam vorahnend mich Vertrauen Zu dem, der meine Sinne hielt in Haft.
Und als ich fest den Blick zurückgegeben, Lag plötzlich tief zu Füßen mir die Welt; Ich sah mich hoch und frei ob allem Leben An deiner Hand, furchtbarer Fürst, gestellt.
Den Dampf der Erde sah empor ich streben Und ballen sich zu Mensch- und Tiergestalt; Sah es sich schütteln, tasten, sah es leben Und taumeln dann und schwinden alsobald.
Im fahlen Schein im Abgrund sah ich's liegen Und sah sich's regen in der Städte Rauch; Ich sah es wimmeln, hasten, sich bekriegen Und sah mich selbst bei den Gestalten auch.
Und niederschauend von des Todes Warte, Kam mir der Drang, das Leben zu bestehn, Die Lust, dem Feind, der unten meiner harrte, Mit vollem Aug ins Angesicht zu sehn.
Und kühlen Hauches durch die Adern rinnen Fühlt ich die Kraft, entgegen Lust und Schmerz Vom Leben fest mich selber zu gewinnen, Wenn andres nicht, so doch ein ganzes Herz. -
Da fühlt ich mich im Sonnenlicht erwachen; Es dämmerte, verschwebte und zerrann; In meine Ohren klang der Kinder Lachen, Und frische, blaue Augen sahn mich an.
O schöne Welt! So sei in ernstem Zeichen Begonnen denn der neue Lebenstag! Es wird die Stirn nicht allzusehr erbleichen, Auf der, o Tod, dein dunkles Auge lag.
Ich fühle tief, du gönnetest nicht allen Dein Angesicht; sie schauen dich ja nur, Wenn sie dir taumelnd in die Arme fallen, Ihr Los erfüllend gleich der Kreatur.
Mich aber laß unirren Augs erblicken, Wie sie, von keiner Ahnung angeweht, Brutalen Sinns ihr nichtig Werk beschicken, Unkundig deiner stillen Majestät.
Weihnachtabend
Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus. Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.
Und wie der Menschenstrom mich fortgespült, Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr: "Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.
Ich schrak empor, und beim Laternenschein Sah ich ein bleiches Kinderangesicht; Wes Alters und Geschlechts es mochte sein, Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.
Nur von dem Treppenstein, darauf es saß, Noch immer hört ich, mühsam, wie es schien: "Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn Unterlaß; Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.
Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham, Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? Eh meine Hand zu meiner Börse kam, Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.
Doch als ich endlich war mit mir allein, Erfaßte mich die Angst im Herzen so, Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.
Abschied
Kein Wort, auch nicht das kleinste, kann ich sagen, Wozu das Herz den vollen Schlag verwehrt; Die Stunde drängt, gerüstet steht der Wagen, Es ist die Fahrt der Heimat abgekehrt.
Geht immerhin - denn eure Tat ist euer - Und widerruft, was einst das Herz gebot; Und kauft, wenn dieser Preis euch nicht zu teuer, Dafür euch in der Heimat euer Brot!
Ich aber kann des Landes nicht, des eignen, In Schmerz verstummte Klagen mißverstehn; Ich kann die stillen Gräber nicht verleugnen, Wie tief sie jetzt in Unkraut auch vergehn.-
Du, deren zarte Augen mich befragen - Der dich mir gab, gesegnet sei der Tag! Laß nur dein Herz an meinem Herzen schlagen, Und zage nicht! Es ist derselbe Schlag.
Es strömt die Luft - die Knaben stehn und lauschen, Vom Strand herüber dringt ein Möwenschrei; Das ist die Flut! Das ist des Meeres Rauschen! Ihr kennt es wohl; wir waren oft dabei.
Von meinem Arm in dieser letzten Stunde Blickt einmal noch ins weite Land hinaus, Und merkt es wohl, es steht auf diesem Grunde, Wo wir auch weilen, unser Vaterhaus.
Wir scheiden jetzt, bis dieser Zeit Beschwerde Ein andrer Tag, ein besserer, gesühnt; Denn Raum ist auf der heimatlichen Erde Für Fremde nur und was den Fremden dient.
Doch ist's das flehendste von den Gebeten, Ihr mögt dereinst, wenn mir es nicht vergönnt, Mit festem Fuß auf diese Scholle treten, Von der sich jetzt mein heißes Auge trennt! -
Und du, mein Kind, mein jüngstes, dessen Wiege Auch noch auf diesem teuren Boden stand, Hör mich! - denn alles andere ist Lüge - Kein Mann gedeihet ohne Vaterland!
Kannst du den Sinn, den diese Worte führen, Mit deiner Kinderseele nicht verstehn, So soll es wie ein Schauer dich berühren Und wie ein Pulsschlag in dein Leben gehn!
Für meine Söhne
Hehle nimmer mit der Wahrheit! Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue; Doch, weil Wahrheit eine Perle, Wirf sie auch nicht vor die Säue.
Blüte edelsten Gemütes Ist die Rücksicht; doch zuzeiten Sind erfrischend wie Gewitter Goldne Rücksichtslosigkeiten.
Wackrer heimatlicher Grobheit Setze deine Stirn entgegen; Artigen Leutseligkeiten Gehe schweigend aus den Wegen.
Wo zum Weib du nicht die Tochter Wagen würdest zu begehren, Halte dich zu wert, um gastlich In dem Hause zu verkehren.
Was du immer kannst, zu werden, Arbeit scheue nicht und Wachen; Aber hüte deine Seele Vor dem Karrieremachen.
Wenn der Pöbel aller Sorte Tanzet um die goldnen Kälber, Halte fest: du hast vom Leben Doch am Ende nur dich selber.
Crucifixus
Am Kreuz hing sein gequält Gebeine, Mit Blut besudelt und geschmäht; Dann hat die stets jungfräulich reine Natur das Schreckensbild verweht.
Doch die sich seine Jünger nannten, Die formten es in Erz und Stein, Und stellten's in des Tempels Düster Und in die lichte Flur hinein.
So, jedem reinen Aug ein Schauder, Ragt es herein in unsre Zeit; Verewigend den alten Frevel, Ein Bild der Unversöhnlichkeit.
Auf dem Segeberg
Hier stand auch einer Frauen Wiege, Die Wiege einer deutschen Frau; Die schaut mich an mit Augen blau, Und auf dem Felsen, drauf ich liege, Schließt sie mich plötzlich an die Brust. Da werd ich mir des Glücks bewußt; Ich seh die Welt so unvergänglich, Voll Schönheit mir zu Füßen ruhn; Und alle Sorgen, die so bänglich Mein Herz bedrängten, schweigen nun. Musik! Musik! Die Lerchen singen, Aus Wies' und Wäldern steigt Gesang, Die Mücken in den Lüften schwingen Den süßen Sommerharfenklang. Und unten auf besonnter Flur Seh ich des Kornes Wellen treiben, In blauen Wölkchen drüber stäuben Ein keusch Geheimnis der Natur. - Da tauchen an des Berges Seite Zwei Köpfchen auf aus dem Gestein; Zwei Knaben steigen durchs Gekräute; Und sie sind unser, mein und dein. Sie jauchzen auf, die Felsen klingen; Mein Bursche schlank, mein Bursche klein! Schau, wie sie purzeln, wie sie springen, Und jeder will der erste sein. In Kinderlust die Wangen glühen; Die Welt, die Welt, o wie sie lacht! Nun hängen sie an deinen Knien, Nun an den meinen unbedacht; Der Große hier, und hier der Kleine, Sie halten mich so eng umfaßt, Daß in den Thymian der Steine Mich hinzieht die geliebte Last. Die Schatten, die mein Auge trübten, Die letzten, scheucht der Kindermund; Ich seh der Heimat, der geliebten, Zukunft in dieser Augen Grund.
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