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An die Sonne
Preis dir, die du dorten heraufstrahlst, Tochter des Himmels! Preis dem lieblichen Glanz Deines Lächelns, der alles begrüßet und alles erfreuet! Trüb in Schauern und Nacht Stand begraben die prächtige Schöpfung: tot war die Schönheit Lang dem lechzenden Blick; Aber liebevoll stiegst du früh aus dem rosigen Schoße Deiner Wolken empor, Wecktest uns auf die Morgenröte; und freundlich Schimmert' diese herfür Über die Berg und verkündete deine süße Hervorkunft. Schnell begann nun das Graun Sich zu wälzen dahin in ungeheuern Gebürgen. Dann erschienest du selbst, Herrliche du, und verschwunden waren die neblichte Riesen! Ach! wie Liebende nun, Lange getrennt, liebäugelt der Himmel zur Erden, und diese Lächelt zum Liebling empor; Und es küssen die Wolken am Saume der Höhe die Hügel; Süßer atmet die Luft; Alle Fluren baden in deines Angesichts Abglanz Sich, und es wirbelt der Chor Des Gevögels aus der vergoldeten Grüne der Wälder Freudenlieder hinauf; Alle Wesen taumeln wie am Busen der Wonne: Selig die ganze Natur!
Und dies alles, o Sonn! entquoll deiner himmlischen Liebe. Vater der Heilgen, vergib, O vergib mir, daß ich auf mein Angesicht falle Und anbete dein Werk! - Aber nun schwebet sie fort im Zug der Purpurgewölke Über der Könige Reich, Über die unabsehbarn Wasser, über das Weltall: Unter ihr werden zu Staub Alle Thronen, Moder die himmelaufschimmernden Städte; Ach! die Erde ist selbst Grabeshügel geworden. Sie aber bleibt in der Höhe, Lächelt der Mörderin Zeit Und erfüllet ihr großes Geschäft, erleuchtet die Sphären. O besuche noch lang, Herrlichstes Fürbild der Edeln! mit mildem, freundlichem Blicke Unsre Wohnung, bis einst Vor dem Schelten des Ewigen sinken die Sterne Und du selbsten erbleichst.
Laura am Klavier
Wenn dein Finger durch die Saiten meistert - Laura, itzt zur Statue entgeistert, Itzt entkörpert steh ich da. Du gebietest über Tod und Leben, Mächtig wie von tausend Nervgeweben Seelen fordert Philadelphia; -
Ehrerbietig leiser rauschen Dann die Lüfte, dir zu lauschen; Hingeschmiedet zum Gesang, Stehn im ewgen Wirbelgang, Einzuziehn die Wonnefülle, Lauschende Naturen stille, Zauberin! mit Tönen, wie Mich mit Blicken, zwingst du sie.
Seelenvolle Harmonien wimmeln, Ein wollüstig Ungestüm, Aus den Saiten, wie aus ihren Himmeln Neugeborne Seraphim; Wie, des Chaos Riesenarm entronnen, Aufgejagt vom Schöpfungssturm die Sonnen Funkend fuhren aus der Finsternus, Strömt der goldne Saitenguß.
Lieblich itzt wie über bunten Kieseln Silberhelle Fluten rieseln, - Majestätisch prächtig nun Wie des Donners Orgelton, Stürmend von hinnen itzt, wie sich von Felsen Rauschende, schäumende Gießbäche wälzen, Holdes Gesäusel bald, Schmeichlerisch linde, Wie durch den Espenwald Buhlende Winde, Schwerer nun und melancholisch düster, Wie durch toter Wüsten Schauernachtgeflüster, Wo verlornes Heulen schweift, Tränenwellen der Cocytus schleift.
Mädchen, sprich! Ich frage, gib mir Kunde: Stehst mit höhern Geistern du im Bunde? Ists die Sprache, lüg mir nicht, Die man in Elysen spricht?
Von dem Auge weg der Schleier! Starre Riegel von dem Ohr! Mädchen! Ha! schon atm ich freier, Läutert mich ätherisch Feuer? Tragen Wirbel mich empor? --
Neuer Geister Sonnensitze Winken durch zerrißner Himmel Ritze - Überm Grabe Morgenrot! Weg, ihr Spötter, mit Insektenwitze! Weg! Es ist ein Gott - - - -
Die Herrlichkeit der Schöpfung
Eine Phantasie
Vorüber war der Sturm, der Donner Rollen Das hallende Gebirg hinein verschollen, Geflohn die Dunkelheit; In junger Schöne lächelten die Himmel wieder Auf ihre Schwester, Gottes Erde, nieder Voll Zärtlichkeit. Es lagen lustig da die Auen und die Tale, Aus Maigewölken von der Sonnen Strahle Holdselig angelacht: Die Ströme schimmerten, die Büsch und Wäldchen alle Bewegten freudig sich im tauigen Kristalle, In funkelndlichter Pracht. Und sieh! da hebt von Berg zu Berg sich prächtig ausgespannt Ein Regenbogen übers Land. - In dieser Ansicht schwamm vom Brocken oben Mein Auge trunken, als ich aufgehoben Mich plötzlich fühlte... Heilig heilge Lüfte kamen, Umwebten zärtlich mich, indessen über mir, Stolztragend übers All den Ewigen daher, Die innre Himmel majestätisch schwammen.
Und itzt trieb ein Wind Fort die Wolken, mich auf ihrem Zuge, Unter mir wichen im Fluge Schimmernde Königesstädte zurück, Schnell wie ein Blick Länderbeschattende Berge zurück, Und das schönste Gemisch von blühenden Feldern, Goldenen Saaten und grünenden Wäldern, Himmel und Erde im lachenden Glanz Wiegten sich um mich im sanftesten Tanz.
Da schweb ich nun in den saphirnen Höhen Bald überm unabsehlich weiten Meer; Bald seh ich unter mir ein langes Klippenheer, Itzt grausenvolle Felsenwüsten stehen, Und dort den Frühling mir entgegenwehen; Und hier die Lichteskönigin, Auf rosichtgoldnen Wolken hingetragen, Zu ihrer Himmelsruhe ziehn.
O welch Gesicht! Mein Lied! wie könntest du es sagen, Was dieses Auge trank vom weltumwandelnden Wagen? Der Schöpfung ganze Pracht, die Herrlichkeit, Die in dem Einsamen der dunkeln Ewigkeit Der Allerhöchste ausgedacht Und sich zur Augenlust, und euch, o Menschen! Zur Wohnung hat gemacht, Lag vor mir da!... Und welche Melodien Dringen herauf? welch unaussprechlicher Klang Schlägt mein entzücktes Ohr?... Der große Lobgesang Tönt auf der Laute der Natur!... In Harmonien Wie einen süßen Tod verloren, preist Den Herrn des Alls mein Geist!
Elegie auf den Tod eines Jünglings
Banges Stöhnen, wie vorm nahen Sturme, Hallet her vom öden Trauerhaus, Totentöne fallen von des Münsters Turme, Einen Jüngling trägt man hier heraus: Einen Jüngling - noch nicht reif zum Sarge, In des Lebens Mai gepflückt, Pochend mit der Jugend Nervenmarke, Mit der Flamme, die im Auge zückt; Einen Sohn, die Wonne seiner Mutter (O das lehrt ihr jammernd Ach), Meinen Busenfreund, ach! meinen Bruder - Auf! was Mensch heißt, folge nach!
Prahlt ihr Fichten, die ihr hoch veraltet Stürmen stehet und den Donner neckt? Und ihr Berge, die ihr Himmel haltet, Und ihr Himmel, die ihr Sonnen hegt? Prahlt der Greis noch, der auf stolzen Werken Wie auf Wogen zur Vollendung steigt? Prahlt der Held noch, der auf aufgewälzten Tatenbergen In des Nachruhms Sonnentempel fleugt? Wenn der Wurm schon naget in den Blüten: Wer ist Tor, zu wähnen, daß er nie verdirbt? Wer dort oben hofft noch und hienieden Auszudauren - wenn der Jüngling stirbt?
Lieblich hüpften, voll der Jugendfreude, Seine Tage hin im Rosenkleide, Und die Welt, die Welt war ihm so süß - Und so freundlich, so bezaubernd winkte Ihm die Zukunft, und so golden blinkte Ihm des Lebens Paradies; Noch, als schon das Mutterauge tränte, Unter ihm das Totenreich schon gähnte, Über ihm der Parzen Faden riß, Erd und Himmel seinem Blick entsanken, Floh er ängstlich vor dem Grabgedanken - Ach, die Welt ist Sterbenden so süß.
Stumm und taub ists in dem engen Hause, Tief der Schlummer der Begrabenen; Bruder! ach, in ewig tiefer Pause Feiern alle deine Hoffnungen; Oft erwärmt die Sonne deinen Hügel, Ihre Glut empfindest du nicht mehr; Seine Blumen wiegt des Westwinds Flügel, Sein Gelispel hörest du nicht mehr; Liebe wird dein Auge nie vergolden, Nie umhalsen deine Braut wirst du, Nie, wenn unsre Tränen stromweis rollten, - Ewig, ewig sinkt dein Auge zu.
Aber wohl dir! - köstlich ist dein Schlummer, Ruhig schläft sichs in dem engen Haus; Mit der Freude stirbt hier auch der Kummer, Röcheln auch der Menschen Qualen aus. Über dir mag die Verleumdung geifern, Die Verführung ihre Gifte spein, Über dich der Pharisäer eifern, Fromme Mordsucht dich der Hölle weihn, Gauner durch Apostelmasken schielen, Und die Bastardtochter der Gerechtigkeit Wie mit Würfeln so mit Menschen spielen, Und so fort bis hin zur Ewigkeit.
Über dir mag auch Fortuna gaukeln, Blind herum nach ihren Buhlen spähn, Menschen bald auf schwanken Thronen schaukeln, Bald herum in wüsten Pfützen drehn - Wohl dir, wohl in deiner schmalen Zelle; Diesem komischtragischen Gewühl, Dieser ungestümen Glückeswelle, Diesem possenhaften Lottospiel, Diesem faulen fleißigen Gewimmel, Dieser arbeitsvollen Ruh, Bruder! - diesem teufelvollen Himmel Schloß dein Auge sich auf ewig zu.
Fahr dann wohl, du Trauter unsrer Seele, Eingewiegt von unsern Segnungen, Schlummre ruhig in der Grabeshöhle, Schlummre ruhig bis auf Wiedersehn! Bis auf diesen leichenvollen Hügeln Die allmächtige Posaune klingt Und nach aufgerißnen Todesriegeln Gottes Sturmwind diese Leichen in Bewegung schwingt Bis, befruchtet von Jehovas Hauche, Gräber kreißen - auf sein mächtig Dräun In zerschmelzender Planeten Rauche Ihren Raub die Grüfte wiederkäun -
Nicht in Welten, wie die Weisen träumen, Auch nicht in des Pöbels Paradies, Nicht in Himmeln, wie die Dichter reimen, - Aber wir ereilen dich gewiß. Daß es wahr sei, was den Pilger freute? 90 Daß noch jenseits ein Gedanke sei? Daß die Tugend übers Grab geleite? Daß es mehr denn eitle Phantasei? -- Schon enthüllt sind dir die Rätsel alle! Wahrheit schlirft dein hochentzückter Geist, Wahrheit, die in tausendfachem Strahle Von des großen Vaters Kelche fleußt. -
Zieht dann hin, ihr schwarzen stummen Träger! Tischt auch den dem großen Würger auf! Höret auf, geheulergoßne Kläger! Türmet auf ihm Staub auf Staub zuhauf! Wo der Mensch, der Gottes Ratschluß prüfte? Wo das Aug, den Abgrund durchzuschaun? Heilig! Heilig! Heilig! bist du, Gott der Grüfte, Wir verehren dich mit Graun! Erde mag zurück in Erde stauben, Fliegt der Geist doch aus dem morschen Haus! Seine Asche mag der Sturmwind treiben, Seine Liebe dauert ewig aus!
Rousseau
Monument von unsrer Zeiten Schande! Ewge Schandschrift deiner Mutterlande! Rousseaus Grab, gegrüßet seist du mir. Fried und Ruh den Trümmern deines Lebens! Fried und Ruhe suchtest du vergebens, Fried und Ruhe fandst du hier.
Kaum ein Grabmal ist ihm überblieben, Den von Reich zu Reich der Neid getrieben, Frommer Eifer umgestrudelt hat. Ha! Um den einst Ströme Bluts zerfließen, Wems gebühr, ihn prahlend Sohn zu grüßen, Fand im Leben keine Vaterstadt.
Und wer sind sie, die den Weisen richten? Geisterschlacken, die zur Tiefe flüchten Vor dem Silberblicke des Genies. Abgesplittert von dem Schöpfungswerke Gegen Riesen Rousseau kindsche Zwerge, Denen nie Prometheus Feuer blies.
Brücken vom Instinkte zum Gedanken, Angeflicket an der Menschheit Schranken. Wo schon gröbre Lüfte wehn. In die Kluft der Wesen eingekeilet, Wo der Affe aus dem Tierreich geilet, Und die Menschheit anhebt abzustehn.
Neu und einzig - eine Irresonne Standest du am Ufer der Garonne Meteorisch für Franzosenhirn. Schwelgerei und Hunger brüten Seuchen, Tollheit rast mavortisch in den Reichen - Wer ist schuld - das arme Irrgestirn.
Deine Parze - hat sie gar geträumet? Hat in Fieberhitze sie gereimet Die dich an der Seine Strand gesäugt? Ha! schon seh ich unsre Enkel staunen, Wann beim Klang belebender Posaunen Aus Franzosengräbern - Rousseau steigt!
Wann wird doch die alte Wunde narben? Einst wars finster - und die Weisen starben, Nun ists lichter - und der Weise stirbt. Sokrates ging unter durch Sophisten, Rousseau leidet - Rousseau fällt durch Christen, Rousseau - der aus Christen Menschen wirbt.
Ha! mit Jubel, die sich feurig gießen, Sei, Religion, von mir gepriesen, Himmelstochter, sei geküßt! Welten werden durch dich zu Geschwistern, Und der Liebe sanfte Odem flistern Um die Floren, die dein Flug begrüßt.
Aber wehe - Basiliskenpfeile Deine Blicke - Krokodilgeheule Deiner Stimme sanfte Melodien, Menschen bluten unter deinem Zahne, Wenn verderbengeifernde Imane Zur Erennys dich verziehn.
Ja! im acht und zehnten Jubeljahre, Seit das Weib den Himmelsohn gebare (Chroniker, vergeßt es nie), Hier erfanden schlauere Perille Ein noch musikalischer Gebrülle, Als dort aus dem ehrnen Ochsen schrie.
Mag es, Rousseau! mag das Ungeheuer Vorurteil ein türmendes Gemäuer Gegen kühne Reformanten stehn, Nacht und Dummheit boshaft sich versammeln, Deinem Licht die Pfade zu verrammeln, Himmelstürmend dir entgegen gehn.
Mag die hundertrachigte Hyäne Eigennutz die gelben Zackenzähne Hungerglühend in die Armut haun, Erzumpanzert gegen Waisenträne, Turmumrammelt gegen Jammertöne, Goldne Schlösser auf Ruinen baun.
Geh, du Opfer dieses Trillingsdrachen, Hüpfe freudig in den Todesnachen, Großer Dulder! frank und frei. Geh, erzähl dort in der Geister Kreise, Diesen Traum vom Krieg der Frösch und Mäuse, Dieses Lebens Jahrmarktsdudelei.
Nicht für diese Welt warst du - zu bieder Warst du ihr, zu hoch vielleicht zu nieder - Rousseau, doch du warst ein Christ. Mag der Wahnwitz diese Erde gängeln! Geh du heim zu deinen Brüdern Engeln, Denen du entlaufen bist.
Die seligen Augenblicke
An Laura
Laura, über diese Welt zu flüchten, Wähn ich - mich in Himmelmaienglanz zu lichten, Wenn dein Blick in meine Blicke flimmt, Ätherlüfte träum ich einzusaugen, Wenn mein Bild in deiner sanften Augen Himmelblauem Spiegel schwimmt; -
Leierklang aus Paradieses Fernen, Harfenschwung aus angenehmern Sternen Ras ich, in mein trunken Ohr zu ziehn, Meine Muse fühlt die Schäferstunde, Wenn von deinem wollustheißem Munde Silbertöne ungern fliehn; -
Amoretten seh ich Flügel schwingen, Hinter dir die trunknen Fichten springen Wie von Orpheus' Saitenruf belebt, Rascher rollen um mich her die Pole, Wenn im Wirbeltanze deine Sohle Flüchtig wie die Welle schwebt; -
Deine Blicke - wenn sie Liebe lächeln, Könnten Leben durch den Marmor fächeln, Felsenadern Pulse leihn, Träume werden um mich her zu Wesen, Kann ich nur in deinen Augen lesen: Laura, Laura mein! -
Wenn dann, wie gehoben aus den Achsen Zwei Gestirn, in Körper Körper wachsen, Mund an Mund gewurzelt brennt, Wollustfunken aus den Augen regnen, Seelen wie entbunden sich begegnen In des Atems Flammenwind, ---
Qualentzücken -- Paradiesesschmerzen! -- Wilder flutet zum beklommnen Herzen, Wie Gewappnete zur Schlacht, das Blut, Die Natur, der Endlichkeit vergessen, Wagts, mit höhern Wesen sich zu messen, Schwindelt ob der acherontschen Flut.
Eine Pause drohet hier den Sinnen, Schwarzes Dunkel jagt den Tag von hinnen, Nacht verschlingt den Quell des Lichts - Leises... Murmeln... dumpfer... hin.. verloren... Stirbt... allmählich.. in.. den trunknen... Ohren... Und die Welt ist.... Nichts....
Ach, vielleicht verpraßte tausend Monde, Laura, die Elysiumssekunde, All begraben in dem schmalen Raum; Weggewirbelt von der Todeswonne, Landen wir an einer andern Sonne, Laura! und es war ein Traum.
O daß doch der Flügel Chronos' harrte, Hingebannt ob dieser Gruppe starrte Wie ein Marmorbild -- die Zeit! Aber ach! ins Meer des Todes jagen Wellen Wellen - Über dieser Wonne schlagen Schon die Strudel der Vergessenheit.
Spinoza
Hier liegt ein Eichbaum umgerissen, Sein Wipfel tät die Wolken küssen, Er liegt am Grund - warum? Die Bauren hatten, hör ich reden, Sein schönes Holz zum Baun vonnöten Und rissen ihn deswegen um.
Die Kindsmörderin
Horch - die Glocken weinen dumpf zusammen, Und der Zeiger hat vollbracht den Lauf. Nun, so seis denn! - Nun, in Gottes Namen! Grabgefährten, brecht zum Richtplatz auf! Nimm, o Welt, die letzten Abschiedsküsse, Diese Tränen nimm, o Welt, noch hin! Deine Gifte - o sie schmeckten süße! Wir sind quitt, du Herzvergifterin.
Fahret wohl, ihr Freuden dieser Sonne, Gegen schwarzen Moder umgetauscht! Fahre wohl, du Rosenzeit voll Wonne, Die so oft das Mädchen lustberauscht! Fahret wohl, ihr goldgewebten Träume, Paradieseskinder-Phantasien! Weh! sie starben schon im Morgenkeime, Ewig nimmer an das Licht zu blühn.
Schön geschmückt mit rosenroten Schleifen Deckte mich der Unschuld Schwanenkleid, In der blonden Locken loses Schweifen Waren junge Rosen eingestreut; - Wehe! - die Geopferte der Hölle Schmückt noch itzt das weißlichte Gewand, Aber ach! - der Rosenschleifen Stelle Nahm ein schwarzes Totenband.
Weinet um mich, die ihr nie gefallen, Denen noch der Unschuld Lilien blühn, Denen zu dem weichen Busenwallen Heldenstärke die Natur verliehn! Wehe! - menschlich hat dies Herz empfunden! - Und Empfindung soll mein Richtschwert sein! - Weh! vom Arm des falschen Manns umwunden, Schlief Louisens Tugend ein.
Ach vielleicht umflattert eine andre, Mein vergessen, dieses Schlangenherz, Überfließt, wenn ich zum Grabe wandre, An dem Putztisch in verliebten Scherz? Spielt vielleicht mit seines Mädchens Locke? Schlingt den Kuß, den sie entgegenbringt? Wenn, verspritzt auf diesem Todesblocke, Hoch mein Blut vom Rumpfe springt.
Joseph! Joseph! auf entfernte Meilen Folge dir Louisens Totenchor, Und des Glockenturmes dumpfes Heulen Schlage schröcklichmahnend an dein Ohr - Wenn von eines Mädchens weichem Munde Dir der Liebe sanft Gelispel quillt, Bohr es plötzlich eine Höllenwunde In der Wollust Rosenbild!
Ha Verräter! nicht Louisens Schmerzen? Nicht des Weibes Schande, harter Mann? Nicht das Knäblein unter meinem Herzen? Nicht was Löw und Tiger milden kann? Seine Segel fliegen stolz vom Lande, Meine Augen zittern dunkel nach, Um die Mädchen an der Seine Strande Winselt er sein falsches Ach! --
Und das Kindlein - in der Mutter Schoße Lag es da in süßer, goldner Ruh, In dem Reiz der jungen Morgenrose Lachte mir der holde Kleine zu, Tödlichlieblich sprang aus allen Zügen Des geliebten Schelmen Konterfei; Den beklommnen Mutterbusen wiegen Liebe und - Verräterei.
"Weib, wo ist mein Vater?" lallte Seiner Unschuld stumme Donnersprach, "Weib, wo ist dein Gatte?" hallte Jeder Winkel meines Herzens nach - Weh, umsonst wirst, Waise, du ihn suchen, Der vielleicht schon andre Kinder herzt, Wirst der Stunde unsrer Wollust fluchen, Wenn dich einst der Name Bastard schwärzt.
Deine Mutter - o im Busen Hölle! - Einsam sitzt sie in dem All der Welt, Durstet ewig an der Freudenquelle, Die dein Anblick fürchterlich vergällt. Ach, in jedem Laut von dir erwachet Toter Wonne Qualerinnerung, Jeder deiner holden Blicke fachet Die unsterbliche Verzweifelung.
Hölle, Hölle, wo ich dich vermisse, Hölle, wo mein Auge dich erblickt, Eumenidenruten deine Küsse, Die von seinen Lippen mich entzückt! Seine Eide donnern aus dem Grabe wieder, Ewig, ewig würgt sein Meineid fort, Ewig - hier umstrickte mich die Hyder - Und vollendet war der Mord -
Joseph! Joseph! auf entfernte Meilen Jage dir der grimme Schatten nach, Mög mit kalten Armen dich ereilen, Donnre dich aus Wonneträumen wach, Im Geflimmer sanfter Sterne zucke Dir des Kindes grasser Sterbeblick, Es begegne dir im blutgen Schmucke, Geißle dich vom Paradies zurück.
Seht, da lag es - lag im warmen Blute, Das noch kurz im Mutterherzen sprang, Hingemetzelt mit Erinnysmute, Wie ein Veilchen unter Sensenklang; - Schröcklich pocht schon des Gerichtes Bote, Schröcklicher mein Herz! Freudig eilt' ich, in dem kalten Tode Auszulöschen meinen Flammenschmerz.
Joseph! Gott im Himmel kann verzeihen, Dir verzeiht die Sünderin. Meinen Groll will ich der Erde weihen, Schlage, flamme, durch den Holzstoß hin - Glücklich! Glücklich! Seine Briefe lodern, Seine Eide frißt ein siegend Feur, Seine Küsse! - wie sie hochan flodern! - Was auf Erden war mir einst so teur?
Trauet nicht den Rosen eurer Jugend, Trauet, Schwestern, Männerschwüren nie! Schönheit war die Falle meiner Tugend, Auf der Richtstatt hier verfluch ich sie! - Zähren? Zähren in des Würgers Blicken? Schnell die Binde um mein Angesicht! Henker, kannst du keine Lilie knicken? Bleicher Henker, zittre nicht! ---
In einer Bataille
Von einem Offizier
Schwer und dumpfig, Eine Wetterwolke, Durch die grüne Ebne schwankt der Marsch. Zum wilden eisernen Würfelspiel Streckt sich unabsehlich das Gefilde. Blicke kriechen niederwärts, An die Rippen pocht das Männerherz, Vorüber an hohlen Totengesichtern Niederjagt die Front der Major: "Halt!" Und Regimenter fesselt das starre Kommando.
Lautlos steht die Front.
Prächtig im glühenden Morgenrot Was blitzt dorther vom Gebürge? Seht ihr des Feindes Fahnen wehn? Wir sehn des Feindes Fahnen wehn, Gott mit euch, Weib und Kinder! Lustig! hört ihr den Gesang? Trommelwirbel, Pfeifenklang Schmettert durch die Glieder -
Wie braust es fort im schönen wilden Takt! Und braust durch Mark und Bein.
Gott befohlen, Brüder! In einer andern Welt wieder!
Schon fleugt es fort wie Wetterleucht, Dumpf brüllt der Donner schon dort. Die Wimper zuckt, hier kracht er laut, Die Losung braust von Heer zu Heer, Laß brausen in Gottes Namen fort, Freier schon atmet die Brust.
Der Tod ist los - schon wogt sich der Kampf; Eisern im wolkigten Pulverdampf, Eisern fallen die Würfel.
Nah umarmen die Heere sich. Fertig! heults von P'loton zu P'loton; Auf die Knie geworfen Feurn die vordern, viele stehen nicht mehr auf, Lücken reißt die streifende Kartätsche, Auf Vormanns Rumpfe springt der Hintermann, Verwüstung rechts und links und um und um, Bataillone niederwälzt der Tod.
Die Sonne löscht aus - heiß brennt die Schlacht, Schwarz brütet auf dem Heer die Nacht. Gott befohlen, Brüder! In einer andern Welt wieder!
Hoch spritzt an den Nacken das Blut, Lebende wechseln mit Toten, der Fuß Strauchelt über den Leichnamen - "Und auch du, Franz?" - "Grüße mein Lottchen, Freund!" Wilder immer wütet der Streit. "Grüßen will ich" - Gott! Kameraden! seht, Hinter uns wie die Kartätsche springt! - "Grüßen will ich dein Lottchen, Freund! Schlummre sanft! wo die Kanone sich Heischer speit, stürz ich Verlaßner hinein."
Hieher, dorthin schwankt die Schlacht, Finstrer brütet auf dem Heer die Nacht - Gott befohlen, Brüder! In einer andern Welt wieder!
Horch! was strampft im Galopp vorbei? Die Adjutanten fliegen: Dragoner rasseln in den Feind, Und seine Donner ruhen. Viktoria, Brüder! Schrecken reißt die feigen Glieder! Und seine Fahne sinkt.
Entschieden ist die scharfe Schlacht, Der Tag blickt siegend durch die Nacht! Horch! Trommelwirbel, Pfeifenklang Stimmen schon Triumphgesang! Lebt wohl, ihr gebliebenen Brüder! In einer andern Welt wieder!
An die Parzen
Nicht ins Gewühl der rauschenden Redouten Wo Stutzerwitz sich wunderherrlich spreißt Und leichter als das Netz der fliegenden Bajouten Die Tugend junger Schönen reißt; -
Nicht vor die schmeichlerische Toilette, Wovor die Eitelkeit, als ihrem Götzen, kniet, Und oft in wärmere Gebete Als zu dem Himmel selbst entglüht;
Nicht hinter der Gardinen listgen Schleier, Wo heuchlerische Nacht das Aug der Welt betrügt Und Herzen, kalt im Sonnenfeuer, In glühende Begierden wiegt,
Wo wir die Weisheit schamrot überraschen, Die kühnlich Phöbus' Strahlen trinkt, Wo Männer gleich den Knaben diebisch naschen, Und Plato von den Sphären sinkt -
Zu dir - zu dir, du einsames Geschwister, Euch Töchtern des Geschickes, flieht Bei meiner Laute leiserem Geflister Schwermütig süß mein Minnelied.
Ihr einzigen, für die noch kein Sonett gegirret, Um deren Geld kein Wucherer noch warb, Kein Stutzer noch Klag-Arien geschwirret, Kein Schäfer noch arkadisch starb.
Die ihr den Nervenfaden unsers Lebens Durch weiche Finger sorgsam treibt, Bis unterm Klang der Schere sich vergebens Die zarte Spinnewebe sträubt.
Daß du auch mir den Lebensfaden spinntest, Küß ich, o Klotho, deine Hand; - Daß du noch nicht den jungen Faden trenntest, Nimm, Lachesis, dies Blumenband.
Oft hast du Dornen an den Faden, Noch öfter Rosen drangereiht, Für Dorn' und Rosen an dem Faden Sei, Klotho, dir dies Lied geweiht.
Oft haben stürmende Affekte Den weichen Zwirn herumgezerrt, Oft riesenmäßige Projekte Des Fadens freien Schwung gesperrt;
Oft in wollüstig süßer Stunde War mir der Faden fast zu fein, Noch öfter an der Schwermut Schauerschlunde Mußt er zu fest gesponnen sein:
Dies, Klotho, und noch andre Lügen Bitt ich dir itzt mit Tränen ab, Nun soll mir auch fortan genügen, Was mir die weise Klotho gab.
Nur laß an Rosen nie die Schere klirren, An Dornen nur - doch wie du willst. Laß, wenn du willst, die Totenschere klirren, Wenn du dies eine nur erfüllst:
Wenn, Göttin, itzt an Laurens Mund beschworen Mein Geist aus seiner Hülse springt, Verraten, ob des Totenreiches Toren Mein junges Leben schwindelnd hängt,
Laß ins Unendliche den Faden wallen, Er wallet durch ein Paradies, Dann, Göttin, laß die böse Schere fallen! O laß sie fallen, Lachesis!
Der Triumph der Liebe
Eine Hymne
Selig durch die Liebe Götter - durch die Liebe Menschen Göttern gleich! Liebe macht den Himmel Himmlischer - die Erde Zu dem Himmelreich.
Einstens hinter Pyrrhas Rücken, Stimmen Dichter ein, Sprang die Welt aus Felsenstücken, Menschen aus dem Stein.
Stein und Felsen ihre Herzen, Ihre Seelen Nacht, Von des Himmels Flammenkerzen Nie in Glut gefacht.
Noch mit sanften Rosenketten Banden junge Amoretten Ihre Seelen nie - Noch mit Liedern ihren Busen Huben nicht die weichen Musen, Nie mit Saitenharmonie.
Ach! noch wanden keine Kränze Liebende sich um! Traurig flüchteten die Lenze Nach Elysium.
Ungegrüßet stieg Aurora Aus dem Schoß Oceanus', Ungeküsset sank die Sonne In die Arme Hesperus'.
Wild umirrten sie die Haine, Unter Lunas Nebelscheine, Trugen eisern Joch. Sehnend an der Sternenbühne Suchte die geheime Träne Keine Götter noch.
Und sieh! der blauen Flut entquillt Die Himmelstochter sanft und mild, Getragen von Najaden Zu trunkenen Gestaden.
Ein jugendlicher Maienschwung Durchwebt wie Morgendämmerung Auf das allmächtge Werde Luft, Himmel, Meer und Erde.
Schon Schmilzt der wütende Orkan (Einst züchtigt' er den Ozean Mit rasselndem Gegeißel) In lispelndes Gesäusel.
Des holden Tages Auge lacht In düstrer Wälder Winternacht, Balsamische Narzissen Blühn unter ihren Füßen.
Schon flötete die Nachtigall Den ersten Sang der Liebe, Schon murmelte der Quellen Fall In weiche Busen Liebe.
Glückseliger Pygmalion! Es schmilzt! es glüht dein Marmor schon! Gott Amor Überwinder! Glückseliger Deukalion, Wie hüpfen deine Felsen schon! Und äugeln schon gelinder! Glückseliger Deukalion, Umarme deine Kinder!
Selig durch die Liebe Götter - durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer - die Erde Zu dem Himmelreich.
Unter goldnem Nektarschaum Ein wollüstger Morgentraum, Ewig Lustgelage, Fliehn der Götter Tage.
Prächtig spricht Kronions Donnerhorn, Der Olympus schwankt erschrocken, Wallen zürnend seine Locken - Sphärenwirbeln gibt sein Atem Sporn, Göttern läßt er seine Throne, Niedert sich zum Erdensohne, Seufzt arkadisch durch den Hain, Zahme Donner untern Füßen, Schläft, gewiegt von Ledas Küssen, Schläft der Riesentöter ein.
Majestätsche Sonnenrosse Durch des Lichtes weiten Raum Leitet Phöbus' goldner Zaum, Völker stürzt sein rasselndes Geschosse; Seine weißen Sonnenrosse, Seine rasselnden Geschosse Unter Lieb und Harmonie Ha! wie gern vergaß er sie!
Zitternd vor der Götterfürstin Krümmen sich die Götter, dürsten Nach der Gnade goldnem Tau. Sonnenglanz ist ihre Schminke, Myriaden jagen ihrem Winke, Stolz vor ihrem Wagen prahlt der Pfau.
Schöne Fürstin! ach die Liebe Zittert mit dem süßen Triebe, Deiner Majestät zu nahn. Seht ihr Kronos' Tochter weinen? Geister kann ihr Wink verneinen, Herzen weißt sie nicht zu fahn.
Selig durch die Liebe Götter - durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer - die Erde Zu dem Himmelreich.
Liebe sonnt das Reich der Nacht, Amors süßer Zaubermacht Ist der Orkus untertänig: Freundlich schmollt der schwarze König, Wenn ihm Ceres' Tochter lacht; Liebe sonnt das Reich der Nacht.
Himmlich in die Hölle klangen Und den wilden Beller zwangen Deine Lieder, Thrazier - Minos, Tränen im Gesichte, Mildete die Qualgerichte,
Zärtlich um Megärens Wangen Küßten sich die wilden Schlangen, Keine Geißel klatschte mehr;
Aufgejagt von Orpheus' Leier Flog von Tityon der Geier; Leiser hin am Ufer rauschten Lethe und Cocytus, lauschten Deinen Liedern, Thrazier, Liebe sangst du, Thrazier.
Selig durch die Liebe Götter - durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer - die Erde Zu dem Himmelreich.
Durch die ewige Natur Düftet ihre Blumenspur, Weht ihr goldner Flügel. Winkte mir vom Mondenlicht Aphroditens Auge nicht, Nicht vom Sonnenhügel? Lächelte vom Sternenmeer Nicht die Göttin zu mir her, Wehte nicht ihr Flügel In des Frühlings Balsamhauch, Liebe nicht im Rosenstrauch, Nicht im Kuß der Weste - Stern und Sonn und Mondenlicht, Frühling, Rosen, Weste nicht Lüden mich zum Feste. Liebe, Liebe lächelt nur Aus dem Auge der Natur Wie aus ihrem Spiegel!
Liebe rauscht der Silberbach, Liebe lehrt ihn sanfter wallen; Seele haucht sie in das Ach Klagenreicher Nachtigallen, Unnachahmliches Gefühl In der Saiten Wonnespiel, Wenn sie Laura! hallen. Liebe, Liebe lispelt nur Auf der Laute der Natur.
Weisheit mit dem Sonnenblick, Große Göttin, tritt zurück, Weiche vor der Liebe. Nie Erobrern, Fürsten nie Beugtest du ein Sklavenknie, Beug es itzt der Liebe. Wer die steile Sternenbahn Ging dir heldenkühn voran Zu der Gottheit Sitze? Wer zerriß das Heiligtum, Zeigte dir Elysium Durch des Grabes Ritze? Lockte sie uns nicht hinein, Möchten wir unsterblich sein? Suchten auch die Geister Ohne sie den Meister? Liebe, Liebe leitet nur Zu dem Vater der Natur, Liebe nur die Geister.
Selig durch die Liebe Götter- durch die Liebe Menschen Göttern gleich. Liebe macht den Himmel Himmlischer - die Erde Zu dem Himmelreich.
Klopstock und Wieland
als ihre Silhouette nebeneinander hingen
Gewiß! bin ich nur überm Strome drüben, Gewiß will ich den Mann zur Rechten lieben, Dann erst schrieb dieser Mann für mich. Für Menschen hat der linke Mann geschrieben, Ihn darf auch unsereiner lieben - Komm, linker Mann! Ich küsse dich.
Gespräch
A. Hört, Nachbar, muß Euch närrisch fragen, Herr Doktor Sänftel, hör ich sagen, Ist Euch noch frisch und ganz, Wenn zu Paris gar herben Tanz Herr Onkle tat am Pferdeschwanz, Und hat doch 'n Kurfürsten totg'schlagen?
B. Drum seid auch nicht so bretterdumm, Das macht, er hat Euch 'n Diplom, Das tät jener nicht haben.
A. Ei! 'n Diplom! Kauft sich das auch in Schwaben?
Vergleichung
Frau Ramlerin befiehlt, ich soll sie wem vergleichen, Ich sinne nach und weiß nicht, wem und wie. Nichts unterm Mond will mir ein Bildnis reichen, Wohl! mit dem Mond vergleich ich sie.
Der Mond schminkt sich und stiehlt der Sonne Strahlen, Tut auf gestohlen Brot sich wunderviel zugut. Auch sie gewohnt ihr Nachtgesicht zu malen Und kokettiert mit einer Büchse Blut.
Der Mond - und das mag ihm Herodes danken! - Verspart sein Bestes auf die liebe Nacht. Frau Ramlerin verzehrt bei Tag die Franken, Die sie zu Nachtzeit eingebracht.
Der Mond schwillt an und wird dann wieder mager, Wenn eben halt ein Monat über ist; Auch dieses hat Frau Ramlerin vom Schwager, Doch, sagt man, braucht sie längre Frist!
Der Mond prunkiert auf sein Paar Silberhörner Und dieses macht er schlecht, Sie sieht sie an Herrn Ramler gerner, Und darin hat sie recht.
Die Rache der Musen
Eine Anekdote von Helikon
Weinend kamen einst die Neune Zu dem Liedergott. "Hör, Papachen", rief die Kleine, "Wie man uns bedroht!
Junge Dintenlecker schwärmen Um den Helikon, Raufen sich, hantieren, lärmen Bis zu deinem Thron.
Galoppieren auf dem Springer, Reiten ihn zur Tränk, Nennen sich gar hohe Sänger, Barden einge, denk!
Wollen uns - wie garstig! nöten, Ei! die Grobian! Was ich, ohne Schamerröten, Nicht erzählen kann;
Einer brüllt heraus vor allen, Schreit: Ich führ das Heer! Schlägt mit beiden Fäust und Ballen Um sich wie ein Bär.
Pfeift wohl gar - wie ungeschliffen! - Andre Schläfer wach. Zweimal hat er schon gepfiffen, Doch kommt keiner nach.
Droht, er komm noch öfter wieder; Da sei Zeus dafür! Vater, liebst du Sang und Lieder, Weis ihm doch die Tür!"
Vater Phöbus hört mit Lachen Ihren Klagbericht: "Wollens kurz mit ihnen machen, Kinder, zittert nicht!
Eine muß ins höllsche Feuer, Geh, Melpomene! Leihe Kleider, Noten, Leier Einer Furie.
Sie begegn' in dem Gewande, Als wär sie verirrt, Einem dieser Jaunerbande, Wenn es dunkel wird.
Mögen dann in finstern Küssen An dem artgen Kind Ihre wilden Lüste büßen, Wie sie würdig sind."
Red' und Tat! - Die Höllengöttin War schon aufgeschmückt; Man erzählt, die Herren hätten Kaum den Raub erblickt,
Wären, wie die Geir auf Tauben, Losgestürzt auf sie - Etwas will ich daran glauben, Alles glaub ich nie.
Waren hübsche Jungens drunter, Wie gerieten sie, Dieses, Brüder, nimmt mich wunder, In die Kompanie?
Die Göttin abortiert hernach: Kam raus ein neuer - Almanach.
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