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A. Katerpoesie
Morgentöne
Guten Morgen! schreit das Menschentier; Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier.
Guten Morgen! schreit auch der Tyrann; Früh fängt Er zu regieren an.
An den Weltrand will ich heute gahn; Dort will ich einmal Fliegen fahn.
Guten Morgen! schreit der Kriegersmann; Ach, der ist immerzu im Tran.
Guten Morgen! schreit man dort und hier; Und meine Uhr schlägt schon halb vier.
Und mancher Schuft trinkt jetzt noch Bier; Guten Morgen! schreit das Menschentier.
Hopp! Hopp! Hopp!
Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen! Hopp! Hopp! Hopp! Wo willst du hin?
Über jene hohe Mauer? Ach, was kam dir in den Sinn?
Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen! Hopp! Hopp! Hopp! Wo willst - Du - hin?
Ich hab ein Auge ...
Ich hab ein Auge, das ist blau. Mir gestern Abend geschlagen.
Ich schrie fünfhundertmal "Au! Au!" Was wollt ich damit sagen?
Ich weiß es heute selber nicht; Ich hab ein Heldenangesicht.
Delirium! Delirium!
Ein Décadencebild
Alte Knaben sitzen auf den leersten Tonnen, Und die Nächte siegen über alle Sonnen. Hinten nagen unsichtbare weiße Mäuse An dem bös zerbeulten großen Hirngehäuse. Hör doch, wie die ganze Schädelhöhle quarrt! Ist die alte Rinde "wirklich" noch so hart? Alles geht zu Ende - auch der dickste Kopf! Ach, die weißen Mäuse haben dich am Schopf! Glaubst du, Läuse sitzen bloß in deinem Puder? Nein, du bist ein unverschämtes dummes Luder, Und die Frechheit kommt in erster Reihe ran.
Die große Sehnsucht
Wenn die große Sehnsucht wieder kommt, Wird mein ganzes Wesen wieder weich. Und ich möchte weinend niedersinken - Und dann möcht ich wieder maßlos trinken.
Rixráx, der Sonnenbruder
Rixráx, was willst du? Ich stopfe den Mond In meine Riesenkanone. Rixráx, was willst du? Ich schieße den Mond Wie eine Riesensaubohne Hinaus in die ewige Nacht; Das hat noch keiner gemacht. Rixráx, was willst du? Was? Du willst eine Sonnenkanone Und eine Milchstraßenkrone? Brüderchen, geh doch nach Haus! Sei friedlich und schlaf dich aus! Alter Sonnenbruder!
Vernünftige Devise
Trinke, wenn du trinken willst, Nie mit deinen Kameraden - Sonst wird dir der schönste Suff Leider überall nur schaden.
Dicker roter Mond
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen! Über dem dunkelgrünen Myrtentor Thront ein dicker roter Mond. - Ob es später wohl noch lohnt, Wenn man auf dem Monde wohnt? Über dem dunkelgrünen Myrtentor? Wär's nicht möglich, daß uns drüben "Längre" Seligkeiten küßten? Wenn wir das genauer wüßten! Hier ist alles zu schnell aus. Jeder lebt in Saus und Braus. Wem das schließlich nicht gefällt, Hält die ganze große Welt Auch bloß für ein Narrenhaus! Ach, ich kann ja gar nicht schlafen! Alter Mond, ich lach dich aus! Doch du machst dir nichts daraus!
Frage
Meine ganze Welt ist kantig, Und die Bäume sind verrückt. Sage, Wilhelm, sage, Sauhirt, Warum gehst du so gebückt?
Die Welt ist laut ...
Die Welt ist laut, Und ich bin still! Erloschen sind die Flammen.
Ich kann nicht mehr, So wie ich will! Den Rausch muß ich verdammen.
Die Welt ist laut, Ich möcht so viel! Doch bring ich's nicht zusammen.
Grausamkeit
Der König saß auf seinem Thron Und sagte: "Lieber guter Sohn, Hast du das Gift genossen? Genieß es schleunigst unverdrossen!"
Indianerlied
Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!
Sei sanft und höhnisch!
Charakter-Cyklus
Charakter ist nur Eigensinn; Ich bin mit mir zufrieden. Ich geh nach allen Seiten hin; Wir sind ja so verschieden.
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Geht mir mit der Quälerei! Sie macht wirklich kein Vergnügen; Mir kann nur die Wurschtigkeit Toll und voll und ganz genügen.
*
Was wie ein Schienenpaar zerfahren ist, Das ist noch härter als der Antichrist.
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Ich möcht am liebsten meine Tinte Dem Menschenvolk ins Blutgeäder spritzen. Ich will mich bloß nicht so erhitzen.
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Glaube mir: Ich streichle dir Die zarten vollen Wangen. Glaube mir: Ich hab nach dir Wahrhaftig kein Verlangen. Ich will dir immer gut sein! Bleibe mir nur ewig fern Wie der stille Abendstern.
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Ich hab die ganze Nacht gelacht - Natürlich - nur im Traume! Jetzt bin ich endlich aufgewacht - Natürlich - noch im Raume! Ich kann nun nicht mehr lachen! Was soll ich also machen? Weiterwachen?
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Sei klein - dann ist die Welt so groß! Sei schwach - dann ist die Welt so stark! Sei dumm - dann ist die Welt so klug! Sei stumm - dann ist die Welt so laut! Sei arm - dann ist die Welt so reich!
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Reimerei und Schweinerei! Mir ist alles einerlei! Alte Katzen sind nicht blöde. Aber jene Untermenschen, Die ich täglich braten möchte, Machen mir die Welt so öde. Mir ist alles einerlei! Mensch, sei frei!
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Ach, nur im Dunkeln Funkeln die Sterne.
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Freche Fratze, Deine Glatze Ist nicht alt, Auch nicht jung, Bloß voll Dung, Hast du bald Dung genung?
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Die Eitelheit, die Eitelkeit - Die steckt ja wohl im Narrenkleid. Doch bei den steifen ernsten Leuten - Da steckt sie unter allen Häuten.
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Der Nebel meiner Lebensqual Ist dunkel, trüb und fett. Ich liege still zu Bett.
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Fahrig, lax, frivol und wischig Ist die große Alterskunst - Gräßlich ist der ganze Dunst.
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Doch die stillen Flaggenstöcke - Freunde, die laßt stehen, Wenn auch die Spektakelfeste Lichterloh vergehen.
Die Flaggenstöcke gingen tief In unsre alte Erde 'rein. Wir aber gingen immer schief - Im Sonnen- wie im Mondenschein.
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Alte böse Menschen schimpfen Über meine Lustigkeit. Und das ist doch weiter nichts als Alter, dunkelgelber Neid.
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Du kindische Kröte, Dich quetsch ich zu Brei. Ich mag doch nicht hören Die Mopslitanei, Die sich lustig macht Über den, der lacht.
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Ich schmiß einen Menschen zum Fenster hinaus - Natürlich - nur im Traume! Ich fragte höflich die Mama: Wozu ist das Männchen da?
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Was denkt sich denn der junge Fant? Ich liebte nie mein Vaterland. Das tun ja schon so viel Soldaten! So selbstgefällig bin ich nicht!
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Lieber süßer Kannibale, Liebst du meine Tante Male? Friß sie auf - sie ist gesund - Ihre Welt wird ihr zu bunt.
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Klarheit wollt ihr? Dicke Klarheit? Seid ihr echte Untermenschen? Wollt ihr nicht den kummervollen Rausch der Ewigkeit umhalsen? Wollt ihr nicht den götterhaften Allempfindungsdünkel kosten? Aber nein: ihr seid gescheidter; Eure Sehnsucht will ins Bettchen, Denn der liebe Sandmann kam.
*
Ich weiß, was ich begehrte; Nie klar wird das Verklärte.
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Mit den Ketten will ich rasseln, Daß das Trommelfell euch platze! Es erblüh in euern Dasseln Alles Glück in einem Satze.
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Ach, nur im Dunkeln Funkeln die Sterne. Breite Nachtkapuzen, Ich will euch nur uzen! Keiner sticht euch tot! Alles ist im Lot!
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Überwinden, überwinden Wollen wir die letzten Trümpfe. Und wenn wir das Letzte finden, Machen wir uns auf die Strümpfe.
*
Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin! Schluß!!
Ruhmeslied
Meine Welt ist nicht von Pappe! Dieses sag ich dir im Traum! Trägst du eine Narrenkappe, Trag sie unterm Lorbeerbaum!
Wanderlied
Wie weit der Weg! Im tiefen Tale glänzt Der Tau der letzten Sommernacht. Wie weit der Weg! Im hohen Weltall glüht Der großen Sonnen Glück so heiß. Wie weit der Weg! In tollen Köpfen kreist Die Schöpferkraft des ganzen Alls. O still! Zum Ziel! Es wird zu viel!
Fliegenlied
Fliege, fliege, kleine Fliege! Fliege, fliege in die Wiege! Siege! Siege!
Donnerkarl, der Schreckliche
Ein Heldengedicht
Reich mir meine Platzpatronen, Denn mich packt die Raserei! Keinen Menschen will ich schonen, Alles schlag ich jetzt entzwei. Hunderttausend Köpfe reiß ich Heute noch von ihrem Rumpf! Hei! Das wilde Morden preis ich, Denn das ist der letzte Trumpf! Welt, verschrumpf!
Ein Säufertraum
Ich war im Traume betrunken Und sah ein altes Kamel, Das war zu Boden gesunken - Es lachte - bei meiner Seel!
Und bald lag mein ganzes Genie Neben dem lachenden Vieh. Der Himmel lachte über mir, Und ich trank immer noch für Vier.
Mein Kamel kam nicht zu kurz dabei; Ich ließ es trinken fast für Drei. Dies war meine schönste Zecherei; Ich fühlte mich so groß und frei.
Ich trinke - bei meiner ewigen Seele! - Nur noch mit einem alten Kamele. Mit Menschen trinken ist der größte Kohl - Kamele nur verstehn den Alkohol.
Gemeinplatz
Ich lobe mir die Freiheit auf den Gassen, Jedoch das Weib soll man zu Hause lassen.
Abschiedslied
Fahr wohl, du alte Schraube! Mir warst du sehr egal. Mir schmeckt die Lebenstraube, Und dir ist alles Qual! Tu immer, was du wolltest; Ich stör dich nicht dabei. Ich weiß nicht, was du solltest; Ich laß dich gerne frei. Und wenn du wieder grolltest, So wär's mir einerlei. Schrei nur, mein Liebchen, schrei!
Ermitage
Die Maske der Betrunkenheit hab ich nun abgelegt! Ich bin allein - und tue, was ich wollte. Wer jemals über Albernes sich kindlich aufgeregt, Der weiß nun endlich, daß ich stets ihm grollte. Ich lächle nur und lächle immer wieder - wieder! Mir hängt die Luft voll kreischend-toller Jubellieder!
Notturno
Ich liege ganz still. Der Nachtwind rauscht leise vorbei. Eine große Sehnsucht zieht mich noch tiefer. Diese Sehnsucht - nach - ich weiß nicht was! Das macht so traurig. Ich möchte - ich weiß nicht was! Ich denke an ferne, ferne Zeiten ...
Das gute Schaf
Ein erschöpfendes Gedicht
Du bist mein Schaf; Ich bin dir niemals böse. Und er ist baff; Er schaut ins Weltgekröse.
Du bist mein Schaf, Erlöse ihn, erlöse Auch mich von dem Getöse Der auferstandnen Jugendzeit; Sie steht vor mir im Leichenkleid.
Säulenlied
Ich steh auf meiner Säule Und schau ins weite Meer. Ich höre dein Geheule Und wundre mich nicht mehr. Ich steh auf meiner Säule Mir wird mein Herz nicht schwer.
Schlußweisheit
Wer sich mit Anderen verbindet, Auf Erden niemals Ruhe findet.
Moderner Gassenhauer
Der Eremit ist dick und groß; Er haßt die Nebenmenschen bloß. Er liebt nur seine Klause Und bleibt daher zu Hause. Die ganze Welt ist ihm Pomade. Die Nebenmenschen sagen: schade! Das aber rührt den Teufel nicht. Hat er nur stets sein Leibgericht, So ist ihm alles piepe - Der Haß und auch die Liepe.
Groglied
In meinen Adern brennt der stramme Grog; Pompöser Kohl durchrast mein Eingeweide. Die kalte Nase steckt im Weltgehirn; Die heißen Hengste führ ich auf die Weide. Jetzt, Erdenbürger: Leide! Leide! Leide!
Hobelphantasie
Mir klappern alle Zähne; Der alte Brei der Welt ist dick. Doch lange Wunderspäne Umringeln all mein Mißgeschick.
Abendtöne
Wozu mich mein Schuh drückt? Das willst du wissen? Leg dich nur ruhig Auf dein Ruhekissen; Es wird zum Luftballon. Mit dem gehst du davon. Und deine Locken - Die werden klingen; Du sollst mit ihnen, Da sie rot sind, Die gelben Sterne umschlingen! Ach ja, dein verfluchter, Alter, dammlicher Luftballon Wird dich weit bringen.
*
Durch die alte Türe, Die so herrisch knarrt, Kommt der Ofenmann Mit vielen schwarzen Bechern, Die so traurig sind wie schwarze Briefe. Na - was will denn der Ofenmann? Will er den alten Zechern Die letzten Tropfen schenken? Der Ofenmann hat kurze Beinchen; Sein Leib ist ein großes viereckiges Steinchen. Und auf dem Steinchen sitzt ein Wachskopf - Der geht natürlich ganz entzwei, Denn der Ofen ist ja warm. Und die schwarzen Becher fallen Diesem alten Ofenmann Aus den schwarzen alten Händen Auf die stillen weißen Dielen. Und der Wein macht die Dielen naß. Das macht den Zechern Spaß. Die Beinchen des Ofenmanns Brechen entzwei. Und der schwarze Ofen Steht an der Wand - wie einst.
Die großen Flammen
So nehm ich denn die Finsternis Und balle sie zusammen Und werfe sie, so weit ich kann, Bis in die großen Flammen, Die ich noch nicht gesehen habe Und die doch da sind - irgendwo Lichterloh ...
Eine Lichthetäre
Wie ein Lichtstrahl war ich einst, Zuckte hin und her Durch die Weltenpracht In dem Äthermeere. Quintillionen Wettersterne Hab ich prickelnd angeblickt. Oh, ich war geschickt - Eine Lichthetäre.
Alter Spaß
Ja - meine Sonnenkälber Sind mit Öl begossen, Sind naß wie Badelaken Und erweichte Schrippen. Ich weiß mit diesen feuchten Märchenweltschleimtieren Nichts anzufangen - nichts. Solche alten Späße Sind doch eigentlich abscheulich.
Hafentraum
Ich hab in dieser ganzen Nacht Still wie ein Stall geschlafen. Ich hab in dieser ganzen Nacht Geträumt von tausend Schafen.
*
Sie waren alle dick und rund, Ich aber war nicht ganz gesund, Ich kam allmählich auf den Hund; Es war in einem Hafen.
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In diesem Hafen trank ich viel Mit großen Welt-Matrosen, Die spielten Handharmonika Und mit den tausend Schafen.
Ingrimm
Eine wilde Fratze Muß ich schneiden, Denn dies Leben Macht mir keinen Spaß. Oh, ich möchte nur Ein altes Rabenaas Mit verrückter Wollust In zehntausend Stücke reißen, Und dann möcht ich Hübsche Mädchenköpfe Balsamieren mit verfaultem Tran Oder andrer ekler Flüssigkeit. Und dann möcht ich In den Himmel springen Und die Sterne fressen Und zuletzt: Den ganzen Lebensunsinn Ohne weiteres vergessen Und als Ätherwolke Traumlos weiterschweben. Dieses, glaub ich, wird mir Noch einmal gelingen.
Der lachende Engel
Wie war's doch nur? Im Himmel schwebten Große blanke Diskusscheiben - Auf denen drehten sich blutrote Nüsse. Doch alles schlug ein böser Geist entzwei. Ein Engel lacht dazu Und spritzt mit Vitriol. Jawohl! Jawohl!
Die Zappelpappeljöhre
Mal ist mir alles astral Und mal so ganz egal. Ich kenne den längsten Strahl Und auch das Jammertal, Wo ich beinah nicht hingehöre. O du Zappelpappeljöhre!
Die alte Laube
Ich habe so viel vergessen. Ich weiß nicht mehr Woher ich komme. Ich saß in einer Laube Von großen grünen Smaragden; Sie schimmerten wie Glühwurmlicht. Mehr aber weiß ich nicht. Es war ganz hinten im Raume Und fast wie in dem Traume, Der uns der allerliebste ist.
Ach ja!
Ach ja! Jetzt weiß ich's ganz genau! Von Max und Moritz kam ich her! Die lagen in einem Syrupmeer Und waren blöde wie der große Stier. Es kam ein Strahl durch das Revier Und hüpfte mit uns Dreien. Das sollte uns bald entzweien. Nach jenem Trubel durft ich endlich So selig ruhen auf dem Zuckersterne, Der mir aus allen seinen Kratern Ein glückliches Vergessen dampfte.
Singende Schlangen
Ich war schon wo, Da ging es wüste zu; Ich hatte weder Hemd noch Schuh, Nur grüne Schlangen In beiden Händen. Ich konnte mich nicht drehen Und nicht wenden. Doch viele Beutelsterne Drehten sich um meine Arme Und sahen aus Wie schlaffe Luftballons. Die Schlangen aber sangen.
Der Frack-Komet
Ich lebte vor langer langer Zeit In einem Raume, Der ganz voll Licht war; Es leuchteten wohl sämtliche Atome. Und da kam plötzlich Eine schwarze Sonne an, Die schwarze Strahlen Durch das Lichtreich sandte. Die schwarzen Strahlen waren kühl Und kühlten auch meinen heißen Leib, Der selbstverständlich nicht Aus dicken Stoffen sich zusammensetzte. Nun brach sich jenes schwarze Licht, Das ganz besondre Qualitäten zeigte, In meinem heißen Leibe so, Daß ich einen - Schwarzen Schweif bekam; Und spalten tat sich dieser Schweif Und sah beinah so aus Wie jene langen Streifen, Die sich an Menschenfräcken Unter den Händen Fleißiger Schneider bilden. Ich ward in jener alten alten Zeit Ein Frack-Komet. Ob sich für unsre Erde Noch mal Kometen Sichtbar machen könnten - In Frackform?
B. Die Mopsiade
Mopsiade
Für den ersten Welterlöser Muß ich mich natürlich halten. Also sprach der kleine Mops, Der zu Hause lebt von Klops.
Das quiekende Ei
Und wärmer wird's im Frühlingswald. Die alte Sonne scheint nicht kalt, Sie scheint wie tausend Öfen. Im Wasser lag das weiße Ei. Es quiekte auf dem Schreibtisch Eine schöne Dichterei.
Maßlied
Liebe, labe, lobe mich! Aber nicht so fürchterlich! Denn die großen Freuden Sind mir viel zu viel ... Lebe, liebe dich nur aus -! Doch mit Laben, Loben halte Haus!
Schlingwahn!
"Alte Jacken!" "Alte Jacken!" Ruft das alte Weib. Und es bläst in ihren Nacken Der Hansnarr zum Zeitvertreib.
"Laßt ihn blasen!" "Laßt ihn blasen!" Schreit das alte Weib. Und sie setzt sich auf den Rasen Mit dem alten Leib.
"Grüß den Springhahn!" "Grüß den Springhahn!" Krächzt das alte Weib. Und sie singt von einer Hinkbahn, Sagt zum Narren: "Bleib!"
"Auf zur Hinkbahn!" "Auf zur Hinkbahn!" Blärrt das alte Weib. Doch der Narr sagt: "Nur der Schlingwahn Ist ein dummer Zeitvertreib."
"Alte Jacken!" "Alte Jacken!" Preist das alte Weib. Doch der Narr sagt: "Laß die Schnaken! Denn die füllen keinen Leib."
Was ist ein Original?
Was ist ein Original? Ein Ei ohne Schal'. - Zum Fressen für die Helläugigen ... Wie lebt ein Original? In Angst und Qual. - Schließlich, schließlich wird's nur Gefressen von den Helläugigen ... Wer sieht dann das Original? Was weiß ich? Fürchterlich - fürchterlich - Ein Ei ohne Schal'. Ich weiß - ich weiß: Nur eine Rettung gibt's - Kocht hart, kocht hart Das Ei ohne Schal'! Laß dich vom rauhen Leben Hart kneten, du Original! Dann liegst du den Helläugigen Recht schwer im Magen - Sie können dich dann nicht vertragen.
Noch ein Mal!
Laß dich noch ein Mal im tollsten Rausche Verzückt umfangen -
Laß dir noch ein Mal So selig küssen Auf Hals und Wangen -
Laß mich noch ein Mal, Ach nur noch ein Mal Zu dir gelangen -
Hurrah!
Der große Mann und der Schlaukopp oder Der gegenseitige Kultus
"Mein Freund, Du bist der größte Mann! Es zweifelt keine Seele dran! Ich lese jedes Wort von Dir. Die Andern liefern nur Geschmier. Du bist der Einz'ge, der was kann! O glaub's, Du bist der größte Mann! Was Andre reden, ist nur Quatsch. Drum reich mir freundlich Deine Patsch! Wir gründen einen Männerbund Und hauen los auf jeden Schund! Damit man endlich doch mal seh, Worin die wahre Kunst besteh! Und will einmal ein Schweinehund Verhöhnen unsern Männerbund, So kommen wir mit Knüppeln an Und zeigen, was ein Mann noch kann. Vor uns muß Jeder tief sich bücken Und dabei weg sein vor Entzücken!" So sang voll Hohn ein Bösewicht Dem Freunde Süßes ins Gesicht. Und dieser Gute merkte nicht, Wie leicht das Süße an Gewicht. "Der größte Mann", rief er voll Stolz, "Der sei jetzt länger nicht von Holz!" Und er begann vergnügt zu zechen Und mußte schrecklich dabei blechen. Der Bösewicht, der freut sich drob, Er wird beim zwölften Glase grob. Jedoch der größte Mann vergißt, Daß ihm sein Freund oft lästig ist. Er freut sich seines großen Ruhms, Gedenkt nicht seines Eigentums. Bald ist sein Hab und Gut verschwendet. Der Bösewicht sich von ihm wendet. Denn große Männer ohne Geld Sind doch das Schlimmste in der Welt. So geht's dem Dummen, der gemütlich Des Freundes Lob hält für sehr gütlich! Der Schmeichler ist ein Bösewicht - Oh, kluger Mensch, vergiß das nicht! Auch arme Menschen sollen lächeln, Wenn sie ein Schmeichler will umfächeln. Verrate deine Größe nie! Sei nur ein heimliches Genie!
Die Galle
Ein Tafelgedicht
Mit Euch an einem Tisch zu sitzen Macht mir den größten Höllenspaß. Ich träume schon von Euren Witzen. Wohl dem, der mit Euch Austern aß.
Denn was Ihr trinkt Ist pure Galle. Und was Ihr eßt Ein alter Quark.
Recht grob möcht ich Euch Allen sagen, Daß Ihr mir nie mehr könnt behagen. Ihr seid das Luderpack der Welt Und habt mir manchen Tag vergällt!
Sommernacht
Nun laßt uns wieder preisen Die große prächtige Sommernacht! Nun laßt uns wieder trinken Den schweren Feuertrank! Nun laßt uns wieder jubeln! Wir sind ja gar nicht müd und krank. Nun laßt uns wieder dichten Den wildesten tollsten Bacchantengesang! Nun laßt uns lustig selig sein! Wein! Wein in die alte Laube hinein!
Schon funkeln die Sterne da oben. Hei! Stürmisch das Glas erhoben! Sommernacht, sei gepriesen! Die bunten Lampen bringt auch herbei! Und auch die besten Zigarren! In einer prächtigen Sommernacht Soll man prassen, schlemmen und schwelgen!
Der springende Ton
Der springende Ton, Der springende Ton, Der ist mein Sohn! Und ich bin seine Mutter. Die backt mit guter Butter Für ihren Sohn, Den springenden Ton Kuchen! - Kuchen! Daß er sich freuen kann. - Er wird ein großer Mann - Mein lieber Sohn, Der springende Ton! Der braucht ein gutes Futter! Das backt ihm seine Mutter! Schweige du Hohn! Es lebe mein Sohn!
Manches Gedicht
Manches Gedicht mit viel Genie Ist nur Verhöhnung der Poesie.
Die letzten Trümpfe
Überwinden, überwinden Wollen wir die letzten Trümpfe. Und wenn wir das Letzte finden, Machen wir uns auf die Strümpfe.
Die Reifen
Diese Welt besteht aus Reifen, Die voll Ärger immer pfeifen, Daß sie Garnichts mehr begreifen! Sollen sie sich weiter schleifen, Dürfen sie sich nicht versteifen Auf das ewig dumme Keifen! Laßt sie täglich anders pfeifen - Sonst gehören diese Reifen, Die uns immer wieder kneifen, Nicht zu jenen guten Pfeifen, Deren Wohlklang wir begreifen.
Kein Gedicht
Ich möchte so gern wie ein Vogel Durch die Lüfte fliegen. Ich möchte so gern wie ein Löwe In der Wüste liegen. Ich möchte so gern wie ein König die lange Weile besiegen. Doch der Glanz der ewigen Sonnen Begeistert mich heute nicht. Ich habe Vieles begonnen. Doch das macht noch kein Gedicht.
Das Festland
Tief unten, wo die Zwerge Hämmern und feilen, Muß man eilen.
Hoch oben, wo die Adler Jagen und morden, Muß man auch eilen -
Nur auf dem Festlande Kann man ruhig sitzen, Ohne zu schwitzen -
Man kann da auch liegen. Ja, ein Festland ist das feste Land! Wüßt ich nur, wo das Festland liegt!
???
Und laßt Ihr mich allein, So will ich mich nicht haben! Ich werde mein Pein Schon selber mal begraben.
Frühling
(Parodie auf die Belebung der Blasierten)
Das soll mein feinster Frühling sein! Es leuchten tausend Sonnen, Und hinter den Bergen Wogen die Meere des ewigen Sommers. Ich komme noch hin. Ich komme mit Welten Und lache gewaltig. Die Berge sind hoch, Aber rüber komm ich doch. Tausend Sonnen beleuchten Den wilden höckrigen Pfad. Das soll mein feinster Frühling sein. Das Sonnenlicht macht Alles rein. Alte, alte Wunderwelt!
Nun geh zur Ruh
Nun geh zur Ruh! Es ist schon spät, Nun träume deinen Traum, Die Welt ist gut, Die Nacht ist kurz. Nun träume deinen Traum Von Liebeslust Und Seligkeit Und freundlichen guten Augen Träume! Träume Von allen denen, Die du liebst, Damit sie dich Auch lieben -
Ein Abschiedsvers
Weit in die Welt Spring nur hinein Mit wildem Geschrei! Liebst du die Welt? Spring nur hinein! Das Leben lacht! Grüße die Welt! Fall nur hinein! Mein Leben lacht nicht! Das wird ein Gedicht Und muß ernster sein. Weit in die Welt Spring nur hinein! Ich bleibe zurück Und wünsche dir Glück!
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