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L.
Wenn ich so viele Kälte dir verzeihe, Geschieht's, indem ich bei mir selber sage: Er weiß ja nicht, wie sehr ich meiner Tage Zufriedenheit an seinen Namen reihe!
Er weiß ja nicht, wie sehr ich ihm verleihe, Was Liebevolles ich im Herzen trage, Was gerne teilt des Lebens Lust und Plage, Ja, was dem Leben giebt die höchste Weihe!
Du weißt es nicht, und soll ich dir's beschwören? O nein! ich wage kaum, mit dir zu sprechen, Um nicht den Traum, der mich beglückt, zu stören.
Wie sehr mich Schönheit auch und Reiz bestechen, So fürcht ich doch, sie könnten mich betören, Es könnte doch an Liebe dir gebrechen!
LI.
Entschuldigungen wirst du kaum bedürfen, Wenn du mich liebst; es kann dich nicht erniedern: Verlieren würden in der Gunst der Biedern, Die meine Gunst mir vor die Füße würfen.
Ich würde viele Freunde zählen dürfen, Wenn ich die Freundschaft aller könnt erwidern, Auch der Entfernten, welche bloß aus Liedern Die ganze Flamme meiner Seele schlürfen.
Ein warmes Herz, und wenn auch du mit herben, Gehässigen Geschossen nach ihm zielest, Muß doch sich manchen warmen Freund erwerben!
Du aber, der du jetzt den Harten spielest, Laß einst mich nur an deinem Busen sterben, Und schließ ein Auge, dem du wohlgefielest!
LII.
Du prüfst mich allzuhart. Von deiner Senne Kommt Pfeil auf Pfeil in meine Brust geflogen: Du hast mir mehr als Einen vorgezogen, Den ich als Körper ohne Seele kenne.
Doch während ich in deiner Flamme brenne, Bekämpf ich stets in mir die stürm'schen Wogen, Damit ich zürnend nicht und oft betrogen Mit einem bittern Namen dich benenne!
O nein, Geliebter! Keine Klage schände, Von schwarzem Unmut weibisch hingerissen, Den liebenswürdigsten der Gegenstände!
Wenn meiner Freundschaft nie du dich beflissen, War mein die Schuld: man beut ja nicht die Hände Zum Bunde bloß, man muß zu fesseln wissen.
LIII.
Man schilt mich stolz, doch hat mich's nie verdrossen, Daß ich so wenig dir gefallen habe; Denn deine blonde Jugend, süßer Knabe, Verschmäht den melancholischen Genossen.
So will in Scherz ich mich ergehn, in Possen, Anstatt ich jetzt mich bloß an Tränen labe, Und um der Fröhlichkeit mir fremde Gabe Hab ich den Himmel anzuflehn beschlossen.
Zwar dank ich viel dem wohlgelaunten Glücke, Von dem ich mehr, als ich verdient, empfangen, Doch nichts, wodurch ich meinen Freund entzücke:
Wer aber gäbe mir die vollen Wangen Der ersten Jugend und den Glanz zurücke, Woran allein der Menschen Blicke hangen?
LIV.
Wenn unsre Neider auch sich schlau vereinen, Um uns zu hindern und getrennt zu halten, Noch zähl ich nicht dich zum Geschlecht der Kalten, Noch geht ein Weg von deinem Blick in meinen.
Doch allzuselten seh ich dich erscheinen, Und wenn ich rings das Auge lasse walten, Vermiß ich stets die liebste der Gestalten, Die liebsten Züge fehlen stets, die deinen!
Ermanne dich, und lege nicht die Zäume Der Liebe furchtsam in die Hand des Neides, Der gern uns schiede durch entlegne Räume!
Sei ganz du selbst, dann wird die Zeit des Leides Verronnen sein, dann werden unsre Träume Verkörpert werden. Wir verdienen beides.
LV.
Ich möchte, wenn ich sterbe, wie die lichten Gestirne schnell und unbewußt erbleichen, Erliegen möcht ich einst des Todes Streichen, Wie Sagen uns vom Pindaros berichten.
Ich will ja nicht im Leben oder Dichten Den großen Unerreichlichen erreichen, Ich möcht, o Freund, ihm nur im Tode gleichen; Doch höre nun die schönste der Geschichten!
Er saß im Schauspiel, vom Gesang beweget, Und hatte, der ermüdet war, die Wangen Auf seines Lieblings schönes Knie geleget:
Als nun der Chöre Melodien verklangen, Will wecken ihn, der ihn so sanft geheget, Doch zu den Göttern war er heimgegangen.
LVI.
Die Liebe scheint der zarteste der Triebe, Das wissen selbst die Blinden und die Tauben, Ich aber weiß, was wen'ge Menschen glauben, Daß wahre Freundschaft zarter ist als Liebe.
Die Liebe wird mit feurigem Betriebe Sich in sich selber zu verzehren schnauben; Doch meines Freundes kann mich nichts berauben, Bis nicht ich selbst in leichten Staub zerstiebe.
Er zeigt mir Kälte nur und Übelwollen, Er spottet mein, er hat mich längst vergessen, Doch dacht ich nie daran, mit ihm zu grollen.
Nie wird er meine Hand in seine pressen, Stets aber werd ich neues Lob ihm zollen, Und was man lobt, hat man im Geist besessen.
LVII.
O süßer Tod, der alle Menschen schrecket, Von mir empfingst du lauter Huldigungen: Wie hab ich brünstig oft nach dir gerungen, Nach deinem Schlummer, welchen nichts erwecket!
Ihr Schläfer ihr, von Erde zugedecket, Von ew'gen Wiegenliedern eingesungen, Habt ihr den Kelch des Lebens froh geschwungen, Der mir allein vielleicht wie Galle schmecket?
Auch euch, befürcht ich, hat die Welt betöret, Vereitelt wurden eure besten Taten, Und eure liebsten Hoffnungen zerstöret.
Drum selig Alle, die den Tod erbaten, Ihr Sehnen ward gestillt, ihr Flehn erhöret, Denn jedes Herz zerhackt zuletzt ein Spaten.
LVIII.
Die letzte Hefe sollt ich noch genießen, Im Schmerzensbecher, den du mir gereichet! O wär ein Kind ich, schnell und leicht erweichet, Daß ich in Tränen könnte ganz zerfließen!
Da mich so hart von ihrer Seite stießen, Die unermeßlich ich geliebt, erbleichet Der letzte Glaube, bittre Kälte schleichet In ein Gemüt, das Lieb und Mut verließen.
O wohl mir, daß in ferne Regionen Ich flüchten darf, an einem fremden Strande Darf atmen unter gütigeren Zonen!
Wo mir zerrissen sind die letzten Bande, Wo Haß und Undank edle Liebe lohnen, Wie bin ich satt von meinem Vaterlande!
LIX.
Dies Land der Mühe, dieses Land des herben Entsagens werd ich ohne Seufzer missen, Wo man bedrängt von tausend Hindernissen Sich müde quält und dennoch muß verderben.
Zwar mancher Vorteil läßt sich hier erwerben, Staatswürden, Wohlstand, eine Last von Wissen, Und unsre Deutschen waren stets beflissen, Sich abzuplagen und geplagt zu sterben.
Ein Solcher darf zu keiner Zeit ermatten, Er fördre sich, er schmeichle jeder Mode, Und sei dabei, wo Glück und Macht sich gatten.
Mir, der ich bloß ein wandernder Rhapsode, Genügt ein Freund, ein Becher Wein im Schatten, Und ein berühmter Name nach dem Tode.
LX.
Wer wußte je das Leben recht zu fassen, Wer hat die Hälfte nicht davon verloren Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren, In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?
Ja, der sogar, der ruhig und gelassen, Mit dem Bewußtsein, was er soll, geboren, Frühzeitig einen Lebensgang erkoren, Muß vor des Lebens Widerspruch erblassen.
Denn Jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache, Allein das Glück, wenn's wirklich kommt, ertragen, Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.
Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen: Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache, Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.
LXI.
Hier, wo von Schnee der Alpen Gipfel glänzen, Gedenk ich still vergangner Mißgeschicke, Zurück nach Deutschland wend ich kaum die Blicke, Ja, kaum noch vorwärts nach Italiens Grenzen.
Vergebens hasch ich nach geträumten Kränzen, Daß ich die Stirne, die mich brennt, erquicke, Und Seufzer wehn, die selten ich ersticke, Als könnten Seufzer das Gemüt ergänzen!
Wo ist ein Herz, das keine Schmerzen spalten? Und wer ans Weltenende flüchten würde, Stets folgten ihm des Lebens Truggestalten.
Ein Trost nur bleibt mir, daß ich jeder Bürde Vielleicht ein Gleichgewicht vermag zu halten Durch meiner Seele ganze Kraft und Würde.
LXII.
Es sehnt sich ewig dieser Geist ins Weite, Und möchte fürder, immer fürder streben: Nie könnt ich lang an einer Scholle kleben, Und hätt ein Eden ich an jeder Seite.
Mein Geist, bewegt von innerlichem Streite, Empfand so sehr in diesem kurzen Leben, Wie leicht es ist, die Heimat aufzugeben, Allein wie schwer, zu finden eine zweite.
Doch wer aus voller Seele haßt das Schlechte, Auch aus der Heimat wird es ihn verjagen, Wenn dort verehrt es wird vom Volk der Knechte.
Weit klüger ist's, dem Vaterland entsagen, Als unter einem kindischen Geschlechte Das Joch des blinden Pöbelhasses tragen.
Oden
I. An König Ludwig
1825
Vom Sarg des Vaters richtet das Volk sich auf, Zu dir sich auf, mit Trauer und Stolz zugleich: Vertraun im Blick, im Munde Wahrheit, Schwört es dem Sohne der Wittelsbacher.
Des Thrones glatte Schwelle, wie selbstbewußt, Wie fest betrittst du sie, wie gereift im Geist! Ja, leichter hebt dein freies Haupt sich, Seit die metallene Last ihm zufiel.
Dir schwellt erhabne Güte das Herz, mit ihr, Was mehr noch frommt als Güte - der tiefe Sinn: Wo dieser Schöpfer mangelt, sehn wir Alles zerstückelt und schnell verunglückt.
Dein Auge spähte durch die Vergangenheit, Es lag das Buch der Zeiten auf deinem Knie, Gedanken pflücktest du, wie Blumen, Über dem Grabe der deutschen Vorwelt.
Dein Volk, du kennst es. Jeglichem Zeitgeschick, Das ihm zu Teil ward, fühltest und sannst du nach, Und still, in eigner Brust verheimlicht, Trugst du den lachenden Lenz der Zukunft.
Du hast mit uns erlitten den Fluch des Kriegs, Gezählt die Todesnarben der Jünglinge, Die deiner Ahnherrn Strom, der Rhein, sah Seelen verhauchen für deutsche Freiheit.
Und nicht umsonst verhauchen, du fühlst es wohl! Nach jenes Cäsars tragischem Untergang, Was könnten kleinre Scheindespoten Anders erregen, als frostig Lachen?
Du aber teilst die heilige Glut mit uns, Vor der in Staub sank jener geprüfte Held, Und fallen ließest du mit uns ihr Eine begeisterte, warme Träne.
Dem Stein des Rechts, den edelgesinnt und treu Dein Vater legte, bläsest du Atem ein, Du siehst im Marmor keinen Marmor, Aber ein künftiges Jovisantlitz.
Allein wie sehr du Wünsche des Tags verstehst, Nicht horchst du blindlings jedem Geräusch, du nimmst Das Zepter, jenem Joseph ungleich, Nicht in die weltliche Faust der Neurung.
Ehrfurcht erweckt, was Väter getan, in dir, Du fühlst verjährter Zeiten Bedeutsamkeit, Ins Wappenschild uralter Sitte Fügst du die Rosen der jüngsten Freiheit.
Heil dir und Heil der Lieblichen neben dir, Heil jedem Sprößling, welchen sie dir gebar! Wenn Kinder dich und Volk umjubeln, Leerst du, als Becher, des Segens Füllhorn!
Wie eine Rebe, schattig und traubenschwer, Die schon den Keim des werdenden Rausches nährt, Umschlängelt deinen angeerbten Blühenden Zepter der goldne Friede.
Rückwärts erblickst du Flammen und Krieg und Mord, Doch mild am Gürtel trägst du das reine Schwert; Du stehst, wie jener fromme Dietrich Über den Leichen der Nibelungen.
So sei (du warst es immer, erlauchter Fürst!) Des Friedens Schirm und jeglicher Kunst mit ihm, Die nur an seiner sanften Wärme Seelenerquickende Knospen öffnet.
Des Bildners Werkstatt wimmelt von Emsigkeit, Es hascht der Maler seltengebotnen Stoff, Die Bretter, Schauplatz jeder Größe, Biegen sich unter dem Gang der Dichtkunst.
Und jenen Festsaal, Gütiger, öffnest du, Voll edler Formen, wie sie ein Meißel schuf, An dessen Würde, dessen Kraft wir Gerne verschwenden das Ach der Sehnsucht.
Früh war die Schönheit deines Gemüts Bedarf, Und Schönes ist ja Göttliches, leicht verhüllt Durch einen Flor, den uns des Denkers Wesenerforschendes Auge lüftet.
Und nicht vergeblich sogst du mit Emsigkeit Das tiefste Mark altgriechischer Bildung ein: Wofür, als fürs Vollkommne, schlüge Solch ein erhabenes Herz, wie deines?
Es geht die Sage, daß du als Jüngling einst, An deiner Salzach buschigem Felsenstrand, Abschüttelnd Weltgeräusch und Hofzwang, Nur mit homerischen Helden umgingst.
Und zürnst du noch, wenn trunken ein Dichter dir Ausgießt des Lobes Weihungen? Zwar es sind Nur Tropfen Taus, doch deine Sonne Macht sie zu farbigen Regenbögen.
Vergib, o Herr! dem Dichter, der ohne dich Verlassen stünde, fremd in der Zeit und stumm: Dein fürstlich Dasein löst den Knoten Seiner verworrenen Lebensrätsel.
II. Florenz
Dich hat, Florenz, dein altes Etruskervolk Mit wahrem Fug dich blühende Stadt genannt, Nicht weil der Arno nagt an Hügeln, Deren der kahlste von Wein und Öl trieft:
Nicht weil die Saat aus wucherndem Boden keimt, Nicht weil des Lustparks hohe Zypressen und Steineichen, samt Oliv und Lorbeer, Neben der Pinie nie verwelken:
Nicht weil Gewerbfleiß oder Verkehr dir blüht, Den andre Städte missen, indes du stolz Freiheit genießest, Ruhm genießest Unter der milden Gesetze Weisheit:
Nicht weil im Prunksaal Schätze der Kunst du häufst, Vor denen jetzt stummgaffende Briten stehn; Wie manches Denkmal ist, Florenz, dir Fremder geworden als selbst dem Fremdling!
Nie wieder tritt die Sonne der Medicis, Was auch geschehen mag, über den Horizont, Längst schläft Da Vinci, Buonaroti, Machiavell und der alte Dante:
Allein du blühst durch deine Gestalten fort, Und jener Kunst Vorbilder, sie wandeln am Lungarno heut wie sonst, sie füllen Deine Theater noch an, wie vormals.
Kaum hat der Blick, vor zögerndem Unbestand Sich scheuend, freudvoll eine Gestalt erwählt, Als höchste Schönheit kaum gefeiert: Wandelt die schönere schon vorüber!
Und hat das florentinische Mädchen nicht Von frühster Jugend liebend emporgestaunt Zur Venus Tizians, und tausend Reize der Reizenden weggelauschet?
Und deiner Söhne Mütter, o sprich, Florenz! Ob nie die sehnsuchtsvolleren Blicke sie Gesenkt vor Benvenutos Perseus, Oder dem himmlischen Apollino?
Wohl mag der Neid euch zeihen der Üppigkeit, Frei spricht die Lieb euch. Liebt und genießt, und stets An seiner Göttin Busen kühle, Kühle die leuchtende Stirn Adonis!
Hier tändle Glück und Jugend, den Dichter nur, Zum strengsten Ernst anfeuert die Zeit nur ihn, Und ihm zerbricht sein frühres Leben Unter den Händen, wie Knabenspielzeug.
Er rafft sich auf, dem reifere Stunden graun, Ihm naht der Wahrheit wehender Flügelschlag, Und mehr und mehr Zukunft im Herzen, Lernt er entsagen der kalten Mitwelt.
Du aber blühe, glückliche Stadt, hinfort In solcher Schönheit, solchem Gefühl der Kraft, Wie auf dem Springquell hier der Meergott Jenes unsterblichen Gian Bologna!
III. Die Pyramide des Cestius
Öder Denkstein, riesig und ernst beschaust du Trümmer bloß, Grabhügel, den Scherbenberg dort, Hier die weltschuttführende, weg von Rom sich Wendende Tiber!
Stolze Prunksucht türmte dich einst, o Grabmal, Als vor zwein Jahrtausenden hier Augustus Sich der Welt aufdrang, der erschreckten durch die Leiche des Cäsar.
Rom jedoch, kaum neigte dem Untergang sich's, Als das Saatkorn neuer Gewalt gesät ward; Denn es schuf hier jener Apostelfürst zum Throne den Altar.
Aber Deutschlands rauhes Geschlecht, das ehmals Deinen Kriegsruhm, herrschendes Rom, zerstörte, Stürmt noch einmal, stürmt, o geweihtes Rom, dein Heiliges Bollwerk!
Allzuschwer fast schwebte der Rachedämon Über Roms Haupt, Rache, daß einst des frechen Priesters Goldsteigbügel an Hohenstaufens Eiserne Hand klang.
Aber Rom trotzt, doppelt besiegt und doppelt Unbesiegbar scheint es, gewöhnt an Hoheit, Seines Dreireichs blitzende Krone wankt zwar, Aber sie bebt nicht.
Wehe, wer nicht spielend, ein Kind der Kirche, Ihr im Schoß ruht! Wehe, denn jeden Tag droht Priestermund ihm, Priestergemüt in Rom ihm Stäte Verdammnis!
Aber huldreich gönnten sie doch des Irrtums Söhnen gern hier eine geheime Ruhstatt, Ja, es kühlt dein Schatten, o Bau des Cestius, Nordische Gräber!
Möchten hier einst meine Gebeine friedlich Ausgestreut ruhn, ferne der kalten Heimat, Wo zu Reif einfriert an der Lippe jeder Glühende Seufzer.
Gern vermißt sei, neben dem Heidengrabstein, Was so streng Rom jedem Verirrten weigert: Jenes Jenseits, das des Apostels goldner Schlüssel nur auftut.
Führt mich dorthin lieber, und sei's die Hölle, Wo der Vorwelt würdigen Seelen Raum ward, Wo Homer singt oder der lorbeermüde Sophokles ausruht.
Aber schweigt jetzt, Sterbegedanken! Blüht nicht Lebenslust rings unter dem Römervolk noch, Einem Volk, dem zehrendes Feur die Lieb ist, Liebe die Freundschaft?
Daure, Herz, ausdulde die Zeit des Schicksals, Wenn auch einsam! Stimme geheim, o stimme Deinen bergstromähnlichen, echoreichen, Starken Gesang an!
IV.
Warm und hell dämmert in Rom die Winternacht: Knabe, komm! wandle mit mir, und Arm in Arm Schmiege die bräunliche Wang an deines Busenfreunds blondes Haupt!
Zwar du bist dürftigen Stands; doch dein Gespräch, O wie sehr zieh ich es vor dem Stutzervolk! Weiche, melodische Zauberformeln Lispelt dein Römermund.
Keinen Dank flüstere mir, o keinen Dank! Konnt ich sehn, ohne Gefühl, an deines Augs Wimper die schmerzende Träne hangen? Ach, und welch Auge dies!
Hätt es je Bacchus erblickt, an Ampelos Stelle dich hätt er gewählt, an dich allein Seines ambrosischen Leibs verlornes Gleichgewicht sanft gelehnt!
Heilig sei stets mir der Ort, wo dich zuerst, Freund, ich fand, heilig der Berg Janiculus, Heilig das friedliche, schöne Kloster, Und der stets grüne Platz!
Ja, von dort nanntest du mir die große Stadt, Wiesest mir Kirch und Palast, die Trümmer Sankt Pauls, die besegelte, leichte Barke, Die der Strom trieb hinab.
V. In der Neujahrsnacht
Seele der Welt, kommst du als Hauch in die Brust des Menschengeschlechts, und gebierst ewigen Wohllaut? Große Bilder entstehn, und große Worte beklemmen das Herz.
Blende mich nicht, willige Kraft, wie ein Traumbild Blende mich nicht! o und ihr, ziehet umsonst nicht Meine sorgende Stirn vorüber, Wandelnde Strahlen des Lichts!
Liebend bisher leitetet ihr, und ich folgte; Hinter mir ließ ich was nicht euer Geschenk war: Jeden irdischen Glanz und jede Stille des häuslichen Glücks.
Immer nach euch klimmt ich empor, und es rollt mir, Was ich errang, wie der Kies, unter den Füßen Weg, ich blicke zurück nicht, Klimme nur weiter empor.
Irrt ich? Es sei. Aber wie sehr des Verständ'gen Tadel mich traf, so gewiß (fühl es, o Tadler!) War ich strenge mir selbst, so weit es Stürmische Jugend vermag.
Habt ihr umsonst, Sterne, mich nun an der Vorzeit Reste geführt, und gestählt Augen und Herz mir? Lehrt mich größere Schritte, lehrt mich Einen gewaltigen Gang!
Gehet hinfort leuchtender auf, und ein Flämmchen Wehe von euch, an des Haars Locke sich schmiegend, Sanft herab und erwärme lieblich Jeden Gedanken des Haupts!
VI. Acqua Paolina
Kein Quell, wie viel auch immer das schöne Rom Flutspendend ausgießt, ob ein Triton es sprützt, Ob sanft es perlt aus Marmorbecken, Oder gigantischen, alten Schalen:
Kein Quell, so weit einst herrschte der Sohn des Mars, Sei dir vergleichbar, auf dem Janiculum Mit deinen fünf stromreichen Armen Zwischen granitene Säulen plätschernd.
Dort winkt mir Einsamkeit, die geliebte Braut, Von dort beschaut, vielfältig ergötzt, der Blick Das Rom des Knechts der Knechte Gottes Neben dem Rom der Triumphatoren.
Kühn ragt, ein halbentblätterter Mauerkranz, Das Kolosseum; aber auch dir, wie steigt Der Trotz der Ewigkeit in jedem Pfeiler empor, o Palast Farnese!
Wo sonst des finsterlockigen Donnergotts Siegreicher Aar ausbreitete scharfe Klaun, Da hob sich manch Jahrhundert über Giebel und Zinne das Kreuz und herrschte.
Bis jüngst, der Schicksalslaune gewaltig Spiel, Ein zweiter Cäsar lenkte den Gang der Welt, Der pflanzte sein dreifarbig Banner Neben den schönen Koloß des Phidias;
Ein Sohn der Freiheit; aber uneingedenk Des edlen Ursprungs, einem Geschlechte sich Aufopfernd, das ihn wankelmütig Heute vergötterte, morgen preisgab.
O hätte dein weitschallendes Kaiserwort Dem Volk Europas, was es erfleht, geschenkt, Wohl wärst du seines Lieds Harmodius, Seines Gesanges Aristogiton!
Nun ist verpönt dein Name, Musik erhöht Ihn nicht auf Wohllautsfittigen; nur sobald Dein Grab ein Schiff umsegelt, singen Müde Matrosen von dir ein Chorlied.
Und Rom? Es fiel nochmaliger Nacht anheim, Doch schweigt's, und lautlos neben der herrschenden, Sechsrossig aufgezäumten Hoffart Schleicht der Beherrschten unsäglich Elend.
Nicht mehr das Schwert handhaben und nicht den Pflug Quiriten jetzt, kaum pflegt die entwöhnte Hand Den süßen Weinstock, wurzelschlagend Über dem Schutte der alten Tugend.
Im Flammenblick nur, oder im edlen Bau Des schönen, freiheitlügenden Angesichts Zeigt Rom sich noch, am Scheideweg noch, Aber es folgte dem Wink der Wollust!
VII.
Wenn du, Natur, eine Gestalt bilden willst, Vor den Augen der Welt, wie viel du vermagst, darzutun, Ja, dann trage der Liebling Deiner unendlichen Milde Spur.
Alles an ihm werde sofort Ebenmaß, Wie ein prangender Lenz, von Blüten geschwellt, jedes Glied; Huldreich alle Gebärden, Alle Bewegungen sanft und leicht.
Aber in sein Schwärmergesicht prägest du Den lebendigen Geist, und jene, wiewohl fröhliche, Doch kaltblütige Gleichmut, Wiegend in Ruhe Begier und Kraft.
VIII. Lebensstimmung
"Wem dein wachsender Schmerz Busen und Geist beklemmt Als Vorbote des Tods, bitterer Menschenhaß, Dem blühn der Gesang, die Tänze, Die Gelage der Jugend nicht!
Sein Zeitalter und er scheiden sich feindlich ab, Ihm mißfällt, was erfreut Tausende, während er Scharfsichtige, finstre Blicke In die Seele der Toren wirft.
Weh ihm, wenn die Natur zarteren Bau vielleicht, Bildungsreicheren lieh seinem Gehör, um durch Kunstvolle Musik der Worte Zu verewigen jede Pein!
Wenn unreifes Geschwätz oder Verleumdung ihn Kleinlichst foltert, und er, welchen der Pöbel höhnt, Nicht ohne geheimes Knirschen Unerträgliche Qual erträgt:
Wenn Wahrheiten er denkt, die er verschweigen muß, Wenn Wahnsinn dem Verstand schmiedet ein ehrnes Joch, Wenn Schwäche des Starken Geißel Wie ein heiliges Zepter küßt:
Ja, dann wird er gemach müde des bunten Spiels, Freiheitatmender wehn Lüfte des Heils um ihn, Weglegt er der Täuschung Mantel, Und der Sinne gesticktes Kleid."
Ob zwei Seelen es gibt, welche sich ganz verstehn? Wer antwortet? Der Mensch forsche dem Rätsel nach, Gleichstimmige Menschen suchend, Bis er stirbt, bis er sucht und stirbt.
IX.
Lange begehrten wir, ruhig allein zu sein, Lange begehrten wir's, hätten erreicht es heut, Aber es teilt mit uns diese Genossenschaft Wein und Jugend, ein feurig Paar.
Süße Melancholie mäßigt den Liebesbrand, Züchtiger Rose gleich mitten im Nelkenstrauß, Lächeln verrät das Maß inniger Zärtlichkeit, Küsse fallen, wie Honigtau.
Brennende Seufzer stets? Sage, warum? Warum Brennende Blicke? Sind's Boten vielleicht des Glücks? Aber du schweigst? O komm, scheuche den dreisten Mond. Schleuß den Laden, geliebtes Herz!
X. Der Turm des Nero
Glaubwürdiges Wort, wohnt anders es noch beim Volk, Dann stieg, da er hieß anzünden die Stadt, dann stieg Auf jenen Turm schaulustig Nero, Und übersah die Flamme Roms.
Mordbrenner umher aussendete sein Machtwort, Bacchantinnen gleich, trug Jeder des Fests Pechkranz; Dort aber stand auf goldner Zinne Der Kaiser, der die Laute schlug.
Hoch rühm ich das Feur, sang Jener, es ist goldgleich, Ist wert des Titans, der's keck dem Olymp wegstahl: Zeus Adler trägt's, und einst empfing es Des Bacchus ersten Atemzug!
Komm, leuchtender Gott! Reblaub in dem Haar, tanz uns Weichfüßige Reihn, eh vollends die Welt Staub wird: Hier magst du dir Roms Asche sammeln, Und mischen deinen Wein damit!
XI. An August Kopisch
Stets, doch immer umsonst, unter dem fremden Volk, Sei's auch milde gesinnt, sucht ich ein zärtliches, Huldvolles Gemüt, wie du bist, Ein erwünschtes Gespräch, wie deins.
Schönheit selbst, wie sie blüht tausendgestaltig hier, Wollustrausch im Gefolg äußerster Weichlichkeit, Lehrt bloß, wie geschwind zu Rauch wird Die bewegliche Glutbegier.
Halb gleichgültig besah dies Paradies ich sonst, Das dein finsteres Tor scheidet, o Posilipp! Gleichgültig des Mondes Diskus In die Welle des Golfs getaucht.
Einsam wandelt ich durchs Menschengewühl der Stadt, Kaum einsamer des Nachts nieder am öden Strand, Lautlos. Die Gestirne schwiegen, Und das Meer und der Berg Vesuv.
Als trübsinnig so fort, freudeverarmt ich ging, Ja, da führten heran heilige Segel mir Vom Grabe des Äschylus dich An die blühende Gruft Virgils.
Mehr als Jedem, o Freund! kamst du ein Trost mir selbst: Langher war so verwandt meinem Gefühle kein Augapfel, und keine Stimme So erfreulich und süß dem Ohr!
Horch! Dein Mund, er beschreibt jener Zyklopenschar Felskluft, schildert Palerms reifen Orangenwald, Girgentis Gefilde malt er, Und die dorische Pracht im Staub.
Zweifach haben begabt schützende Geister dich: Lehrling bist du der Kunst, welche das Auge lockt Durch farbigen Reiz, und fügst auch In den rhythmischen Gang das Wort.
Wann einst wieder du schwebst über des Nordens Eis, Wann Parthenopes Golf bloß in der Seele dir Nachtönt, und Gebirg und Inseln Wie ein dämmernder Traum erstehn:
Ja, dann fühle, daß fern deiner gedenkt ein Freund Liebreich. Deinem Gesang wünscht er den kräftigen, Hochwolkigen Schwung des Adlers, Und den flüssigen Weg des Schwans!
XII. Einladung nach Sorrent
Laß, o laß, Freund, stieben den Staub Neapels, Hinter dir laß jene von tausendstimm'gem Kaufgeschrei lauthallende, hochgetürmte Straße Toledo!
Wo so furchtlos, trotz des Gerolls der Wagen, Auf dem Korb, den voll sie gebracht zu Markte, Nun er leer steht, schlummern die wegesmüden Knaben des Landvolks.
Komm hieher, laß reinere Luft umwehn dich! Sieh, wie farbreich, doppeltes Grün vermischend, Hier vom Ölbaum rankt zu dem andern Ölbaum Schlingen der Weinstock,
Dessen Frucht schon rebengesenkt herabreift: Feige lockt, einhüllend in breitres Laub sich, Ja, bis tief, bergtief in der Schlucht gedeihst du, Schöne Zitrone!
Schatten winkt hier, Schatten und sanfte Labung, Die des Meers Salzwoge dem Kühnen zuhaucht, Der an Felsvorsprüngen erlauscht beschäumter Brandungen Ankunft.
Bäder auch, weichsandiger Wellengrund ist, Wo die Steinwand Lasten erträgt von Efeu, Grotten sind hier, kühler als San Giovannis Höhlenvertiefung,
Wo so oft hinruderten uns die Schiffer, Wo die rotblau dunkelnde See wie Purpur Glänzte. Dort, Freund, gönntest dem Freund du manche Lehre der Schwimmkunst.
Komm, und sieh, hochoben vom Dach, den Spiegel Dieses Golfs, weiteben und segelreich an! Sieh von fern herwehen den Rauch Neapels Sieh des Vesuvs Rauch!
Inseln auch, komm! schmücken das Meer: Es streckt sich Ischia turmgleich, Procida langgedehnt aus, Kap Misen ragt mitten im Abendlicht als Nackende Felsbrust,
Die im Kahn sonst schaukelgewiegt umschifft wir, Als begrüßt wir jenes zerstörte zwar, doch Stets in Lenzglut schimmernde, stets mit Zephirn Buhlende Bajä.
Unser Bund, kein Bund wie die meisten, ist er: Zeugen sind, holdlachende, Meer und Erdkreis, Zeugen sind ehrwürdige Trümmer, welche Römergewalt schuf.
Deines Bilds Bild ruhte mir längst im Innern, Seit der Freundschaft Seelenberuf erwacht war, Der so gern schaun möchte des eignen Wesens Edlere Selbstheit.
Hohe Tatkraft! Adel der Form! Die Zeit hat Tief in Roms brachliegenden Schutt versenkt euch, Hat als Bruchstück nieder ins Gras die schöne Säule geschleudert!
Liebe blieb, Freund! Busen an Busen laß uns Dienen ihr! Einst wieder vielleicht vermählt sich Ihr des Hochsinns Genius, dann erbaut auch Wieder ein Rom sie.
XIII. Serenate
Schönheitszauber erwirbt Keiner so leicht ohne der Sprödigkeit Mitgift. Dieses erfuhr Jeder und ich, Klagender, weiß es auch! Zwar mir lächelte manch freundlicher Blick süße Verständigung Zu; bald wär ich erhört, brächte mir, ach! blinder Genuß Genuß; Doch ich seufze ja nur Liebe zu dir, Liebe zu dir ja nur! Ach, und während ich hier klage, vielleicht dient ein Gestirn indes Als Wegweiser für Ihn, welcher den Arm über die Schulter dir Legt, und Küsse vielleicht, freudeberauscht, griechischen Lippen stiehlt.
XIV.
Wo für Metall feil Glauben und Tugend ist, Gilt als Verdienst wegstoßende Sprödigkeit: Daß du mir ausweichst, weckt in mir erst Deiner Umarmungen süße Sehnsucht.
Reiz lockt und Schönheit, deren die Welt entlang Kein reicher Maß ausspendete Gott als hier; Doch schmerzt die Habsucht Jeden, welchem Liebe beglückender als Genuß dünkt.
Huldreiches Wort anhören mit offener Hand, Was kennt das Herz Unedleres? Ach, es klagt, Daß, gleich der Pest, Leichtsinn entstelle Solche Gebärden und solche Züge!
Noch setzt in dich mein gläubiger Mut indes Sein fest Vertraun, hofft liebebetört, es sei Voll Zartgefühl dein Busen, deine Wange die Wange der Scham und Unschuld.
Dies macht verklärt dein Auge, das meine sieht, Wie deines Leibs Gliedmaßen Unsterblichkeit Ausdrücken. Nun erst mag in vollen Wonnepokalen die Seele schwelgen.
XV. An Goethe
Wenn auch Natur mir Weihe verlieh, und auch, Tonreicher Brust Urbilder ans Licht zu ziehn, Mir Geisteskraft gab, ihr verschwisternd Eine bewegliche, weiche Seele:
Mehr als Natur liehn Zeit und Geschick, sie liehn Mir Wert des Daseins, Fülle des Gegenstands Durch Ihn, den Schmuck Deutschlands und Bayerns, Der das Erhabene denkt und ausführt.
Auf fernem Eiland wandelte schweifend ich; Doch drang bis hieher, über Gebürg und Meer, Wie König Ludwig dir, o Goethe! Reichte den spätesten, schönsten Lorbeer.
Dies ist ein Kranz, gleich jenem, wodurch Athen Glorreichen Lohn schlang dichtender Siegerstirn, Ja, welker ist, glanzloser jener Kapitolinische Zweig Petrarcas.
Denn daß die Dichtkunst irgend ein edles Volk Aufregend hinreißt, Staunen erweckt es kaum; Doch wer erstaunt nicht, wenn ein deutscher König im Busen erzieht Begeistrung?
Schutzherr der Kunst wird? Seltener, seltner ist's, Als jenes Manns Kronperle, die leuchtende, Die einst der Ehrgeiz Kleopatras Warf in den Becher und stolz zermalmte.
Dein friedlich Dach, Fußtritte der Könige Noch nicht gewohnt, ehrwürdiger Sänger, der Eugenien schuf uns, Iphigenien, Eleonoren und Dorothea,
Weiht König Ludwigs heilige Gegenwart Zum Tempel ein. Dich kränzte Verdienst, o Greis, Und König Ludwig lebt, als müßt er Werben um die er besitzt, die Krone.
XVI.
Liebe, Liebreiz, Winke der Gunst und Alles, Was ein Herz darbeut und ein Herz erwidert, Wenig frommt's, leiht nicht die Gelegenheit ihm Atem und Dasein.
Dich zu sehn schien Fülle des Glücks, und bebend Staunt ich dir, traumähnliches Bild der Schönheit! Nie an Wuchs, Antlitz und Gestalt erblickt ich Diese Vollendung!
Deiner Form wollüstige Reize könnten Heißern Wunsch aufregen; allein zur Erde Senkt sogleich anbetenden Sinn des Auges Ewige Hoheit.
Ach, es hat dein brennendes Auge mir sich Zugewandt, huldvolle Gespräche sprach es, Ja, ich sah's anfüllen sich sanft, vergehn im Taue der Sehnsucht!
Alter Zeit Eindrücke bestürmten neu mich, Euch an Kraft gleich, Schmerzen der ersten Liebe! Tief im Ohr nachtönend erklang verschollner Knabengesang mir.
Wehe mir, mir, welcher ein einzig Mal dich Durfte sehn! Nie leuchtet ein Wiedersehn uns! Deiner Spur nachforscht ich das große Rom durch, Ewig erfolglos:
Auf und ab stets irrend, so weit die Tiber, Hadrians Grabveste vorüber, endlich Jenen Kranz schlankstämmiger Säulen netzt am Tempel der Vesta.
XVII. An August Kopisch
Roms Mauern, Roms Prachtgärten, wo stets Die Zypresse ragt, schwermütig und stolz, Wiederum schließen sie mich friedlich ein, Rollen der Welt Sage mir auf.
Dich hält mit Recht Parthenope fest, Wo die heitre See Glanz streut, wo indes Aloen, mächtig an Wuchs, überblühn Jede den Fels spiegelnde Bucht.
Dorthin, o Freund, bald kehr ich zurück; Es ersehnt das Herz manch ländlichen Ort, Während oft schaffender Trieb dichterisch Meines Gemüts Saite beschwingt.
Auf Wogen trägt Unruhe den Geist, Sie erhebt und senkt fernschiffenden Wunsch; Sei es nun liebender Drang, oder sei's Künftiger Tat heiße Begier.
Mein Leben mag Frucht bringen, es mag Wie die Knospe herb abfallen im Lenz: Er verhängt's, welcher dem Aug unbekannt Wirft des Geschicks blutigen Pfeil.
Mag Unverstand mich richten und Haß In dem Land, wo Teuts Ursprache geblüht, Bleiben wird, Jahre hindurch, meines Lieds Echo, bis auch dieses entschwebt.
Jetzt leuchtet Roms Südhimmel mir noch, Und er liegt so rein auf Stadt und Gebürg: Über dein offenes Dach, Pantheon, Führt er entlang Sterne der Nacht.
Hier fesselt bald vorzeitlicher Kunst Unerreichte Kraft mich, Götter in Stein, Oder bald neueren Ruhms Farbenhauch, Wann er verklärt sinnigen Stoff:
Wenn Guidos Eos Rosen verstreut, Und empor sich schwingt Schönheit zum Apoll; Doch Saturn hält sie zurück streng. Es hat's Dominichins Pinsel gedacht.
XVIII.
Mag altrömische Kraft ruhen im Aschenkrug, Seit Germania sich löwenbeherzt erhob; Dennoch siehe, verrät manche behende Form Roms ursprüngliche Seele, Roms
Jüngling seh ich, um den stäubte des Übekampfs Marsfeld, oder geteilt schäumte die Tiber, der Voll kriegslustigen Sinns, gegen Cherusker selbst, Wurfabwehrende Schilde trug.
Dich als Solchen gewahrt gerne der Blick. Wie dich Schuf einst attische Kunst jenes begeisterten, Weinstocknährenden Gotts prächtige, doch zugleich Schamhaft weiche Gestalt, o Freund!
Ja, dich möcht ich im Streit gegen den Inder schaun, Wann dein Siegergespann fleckige Panther ziehn, Dich als Liebenden schaun, wann Ariadnen dein Purpurn sehniger Arm umschließt.
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