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A. Balladen
Colombos Geist
1818
Durch die Fluten bahnte, durch die dunkeln, Sich das Schiff die feuchte Straße leicht: Stürme ruhn und alle Sterne funkeln, Als den Wendepunkt die Nacht erreicht.
Und der neuentthronte Kaiser stützte Seine Stirne mit der tapfern Hand, Eine Welle nach der andern sprützte Um das Steuer des Northumberland.
An die Schlachten denkt der Held im Geiste, Die er schlug, an sein erprobtes Heer; Doch um ihn und seine Träume kreiste, Einer Riesenschlange gleich, das Meer.
Den des Südens Steppen nicht bezwangen, Den der Frost des Nordens kaum besiegt, Fühlt sich nun im engen Raum gefangen, Auf dem Schaum sich hin und her gewiegt.
Als er hadernd solchem Truggeschicke Gottes Ratschluß fodert vor Gericht, Sieh, da zeigt sich seinem nassen Blicke Eines Helden Schattenbild und spricht:
Klage nicht, wenn auch die Seele duldet, Klage nicht, dir ist ein Trost bereit: Was du leidest, litt ich unverschuldet, Und Colombo nannte mich die Zeit.
Ich zuerst durchschnitt die Wasserwüste, Über der du deine Zähren weinst, Der Atlantis frühverlorne Küste, Dieser Fuß betrat zuerst sie einst.
Nun erglänzt in heller Morgenstunden Auferstehung jenes teure Land, Das der Menschheit ich zum Heil gefunden, Nicht zum Frondienst einem Ferdinand!
Du erlagst dem unbezwingbarn Norden; Aber jene, die darob sich freun, Werden zitternd vor entmenschten Horden Ihren blinden Jubel bald bereun!
Aber kommt der große Tag der Schmerzen, Und es hemmt ja nichts der Zeiten Lauf, Nimm, Columbia, dann die freien Herzen, Nimm Europas letzte Helden auf!
Wann das große Henkerschwert geschliffen, Meinen Kindern dann ein werter Gast, Kommt die Freiheit auf bekränzten Schiffen, Ihre Mütze pflanzt sie auf den Mast!
Segle westwärts, sonne dich am Lichte, Das umglänzt den stillen Ozean; Denn nach Westen flieht die Weltgeschichte: Wie ein Herold segelst du voran!
Sprach's das Schattenbild und schien vergangen, Wie ein Stern, der im Verlöschen blinkt: Freude färbt des großen Würgers Wangen, Weil Europa hinter ihm versinkt.
Der Pilgrim vor St. Just
1819
Nacht ist's und Stürme sausen für und für, Hispanische Mönche, schließt mir auf die Tür!
Laßt hier mich ruhn, bis Glockenton mich weckt, Der zum Gebet euch in die Kirche schreckt!
Bereitet mir was euer Haus vermag, Ein Ordenskleid und einen Sarkophag!
Gönnt mir die kleine Zelle, weiht mich ein, Mehr als die Hälfte dieser Welt war mein.
Das Haupt, das nun der Schere sich bequemt, Mit mancher Krone ward's bediademt.
Die Schulter, die der Kutte nun sich bückt, Hat kaiserlicher Hermelin geschmückt.
Nun bin ich vor dem Tod den Toten gleich, Und fall in Trümmer, wie das alte Reich.
Das Grab im Busento
1820
Nächtlich am Busento lispeln, bei Cosenza, dumpfe Lieder, Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wider!
Und den Fluß hinauf, hinunter, ziehn die Schatten tapfrer Goten, Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.
Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn begraben, Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.
Und am Ufer des Busento reihten sie sich um die Wette, Um die Strömung abzuleiten, gruben sie ein frisches Bette.
In der wogenleeren Höhlung wühlten sie empor die Erde, Senkten tief hinein den Leichnam, mit der Rüstung, auf dem Pferde.
Deckten dann mit Erde wieder ihn und seine stolze Habe, Daß die hohen Stromgewächse wüchsen aus dem Heldengrabe.
Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen: Mächtig in ihr altes Bette schäumten die Busentowogen.
Und es sang ein Chor von Männern: Schlaf in deinen Heldenehren! Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren!
Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere; Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!
Der Tod des Carus
1830
Mutig stand an Persiens Grenzen Roms erprobtes Heer im Feld, Carus saß in seinem Zelte, der den Purpur trug, ein Held.
Persiens Abgesandte beugten sich vor Roms erneuter Macht, Flehn um Frieden an den Kaiser; doch der Kaiser wählt die Schlacht.
Kampfbegierig sind die Scharen, die er fern und nah beschied, Durch das Heer, aus tausend Kehlen, ging das hohe Siegeslied:
Weh den Persern, Römer kommen, Römer ziehn im Flug heran, Rächen ihren Imperator, rächen dich, Valerian!
Durch Verrat und Mißgeschick nur trugst du ein barbarisch Joch; Aber, starbst du auch im Kerker, deine Rächer leben noch!
Wenn zu Pferd stieg Artaxerxes, ungezähmten Stolz im Blick, Setzte seinen Fuß der König auf Valerians Genick.
Ach, und Rom in seiner Schande, das vordem die Welt gewann, Flehte zum Olymp um einen, flehte nur um Einen Mann!
Aber Männer sind erstanden, Männer führen uns zur Schlacht: Scipio, Marius und Pompejus sind aus ihrem Grab erwacht!
Unser Kaiser Aurelianus hat die Goten übermannt, Welche deinen Wundertempel, Ephesus, zu Staub verbrannt.
Unser Kaiser Aurelianus hat die stolze Frau besiegt, Welche nun im stillen Tibur ihre Schmach in Träume wiegt.
Probus führte seine Mauer durch des Nordens halbe Welt, Neun Germanenfürsten knieten vor dem römischen Kaiserzelt.
Carus, unser Imperator, sühnt nun auch die letzte Schmach, Geht mit Heldenschritt voran uns, Heldenschritte folgen nach.
So der Weihgesang. Und siehe, plötzlich steigt Gewölk empor, Finsternis bedeckt den Himmel, wie ein schwarzer Trauerflor.
Regen stürzt in wilden Güssen, grausenhafter Donner brüllt, Keiner mehr erkennt den Andern, Alles ist in Nacht verhüllt.
Plötzlich zuckt ein Blitz vom Himmel. Viele stürzen bang herbei, Denn im Zelt des Imperators hört man einen lauten Schrei.
Carus ist erschlagen! Jeder tut auf Kampf und Wehr Verzicht, Und es folgt des Heers Verzweiflung auf die schöne Zuversicht.
Alle fliehn, das Lager feiert, wie ein unbewohntes Haus, Und der Schmerz der Legionen bricht in laute Klagen aus:
Götter haben uns gerichtet, Untergang ist unser Teil; Denn des Kapitols Gebieter sandte seinen Donnerkeil!
Untergang und Schande wälzen ihren uferlosen Strom: Stirb und neige dich, o neige dich zu Grabe, hohes Rom!
Harmosan
1830
Schon war gesunken in den Staub der Sassaniden alter Thron, Es plündert Mosleminenhand das schätzereiche Ktesiphon: Schon langt am Oxus Omar an, nach manchem durchgekämpften Tag, Wo Chosrus Enkel Jesdegerd auf Leichen eine Leiche lag.
Und als die Beute mustern ging Medinas Fürst auf weitem Plan, Ward ein Satrap vor ihn geführt, er hieß mit Namen Harmosan; Der letzte, der im Hochgebirg dem kühnen Feind sich widersetzt; Doch ach, die sonst so tapfre Hand trug eine schwere Kette jetzt!
Und Omar blickt ihn finster an und spricht: Erkennst du nun, wie sehr Vergeblich ist vor unserm Gott der Götzendiener Gegenwehr? Und Harmosan erwidert ihm: In deinen Händen ist die Macht, Wer einem Sieger widerspricht, der widerspricht mit Unbedacht.
Nur eine Bitte wag ich noch, abwägend dein Geschick und meins: Drei Tage focht ich ohne Trunk, laß reichen einen Becher Weins! Und auf des Feldherrn leisen Wink steht ihm sogleich ein Trunk bereit; Doch Harmosan befürchtet Gift, und zaudert eine kleine Zeit.
Was zagst du, ruft der Sarazen, nie täuscht ein Moslem seinen Gast, Nicht eher sollst du sterben, Freund, als bis du dies getrunken hast! Da greift der Perser nach dem Glas, und statt zu trinken, schleudert hart Zu Boden er's auf einen Stein mit rascher Geistesgegenwart.
Und Omars Mannen stürzen schon mit blankem Schwert auf ihn heran, Zu strafen ob der Hinterlist den allzuschlauen Harmosan; Doch wehrt der Feldherr ihnen ab und spricht sodann: Er lebe fort! Wenn was auf Erden heilig ist, so ist es eines Helden Wort.
Luca Signorelli
1830
Die Abendstille kam herbei, Der Meister folgt dem allgemeinen Triebe; Verlassend seine Staffelei, Blickt er das Bild noch einmal an mit Liebe.
Da pocht es voll Tumult am Haus, Und ehe Luca fähig ist zu fragen, Ruft einer seiner Schüler aus: Dein einziger Sohn, o Meister, ist erschlagen!
In holder Blüte sank dahin Der schönste Jüngling, den die Welt erblickte: Es war die Schönheit sein Ruin, Die oft in Liebeshändel ihn verstrickte.
Vor eines Nebenbuhlers Kraft Sank er zu Boden, fast in unsrer Mitte; Ihn trägt bereits die Brüderschaft Zur Totenkirche, wie es heischt die Sitte.
Und Luca spricht: O mein Geschick! So lebt ich denn, so strebt ich denn vergebens? Zunichte macht ein Augenblick Die ganze Folge meines reichen Lebens!
Was half es, daß in Farb und Licht Als Meister ich Cortonas Volk entzückte, Mit meinem jüngsten Weltgericht Orvietos hohe Tempelhallen schmückte?
Nicht Ruhm und nicht der Menschen Gunst Beschützte mich und nicht des Geistes Feuer: Nun ruf ich erst, geliebte Kunst, Nun ruf ich dich, du warst mir nie so teuer!
Er spricht's, und seinen Schmerz verrät Kein andres Wort. Rasch eilt er zur Kapelle, Indem er noch das Malgerät Den Schülern reicht, und diese folgen schnelle.
Zur Kirche tritt der Greis hinein, Wo seine Bilder ihm entgegentreten, Und bei der ewigen Lampe Schein Sieht er den Sohn, um den die Mönche beten.
Nicht klagt er oder stöhnt und schreit, Kein Seufzer wird zum leeren Spiel des Windes, Er setzt sich hin und konterfeit Den schönen Leib des vielgeliebten Kindes.
Und als er ihn so Zug für Zug Gebildet, spricht er gegen seine Knaben: Der Morgen graut, es ist genug, Die Priester mögen meinen Sohn begraben.
Zobir
1830
Raublustig und schreckenverbreitend und arm Geleitet Abdalla den Araberschwarm Gen Afrika zu, Vor Tripoli stehn die Beherzten im Nu.
Doch ehe sie stürmen um Mauer und Tor, Erscheint mit dem Heere der hohe Gregor, Statthalter im Glanz Erfochtener Siege, geschickt von Byzanz.
Und während er drängt die fanatische Schar, Ritt ihm an der Seite mit goldenem Haar, Den Speer in der Hand, Die liebliche Tochter im Panzergewand.
Sie hatte gewählt sich ein männliches Teil, Sie schwenkte die Lanze, sie schoß mit dem Pfeil, Im Schlachtengetön Wie Pallas und doch wie Cythere so schön.
Der Vater erhub sich, und blickend umher Befeuerte mächtig die Seinigen er: Nicht länger gespielt, Ihr Männer, und stets nach Abdalla gezielt!
Und wer mir das Haupt des Erschlagenen beut, Dem geb ich die schöne Maria noch heut, Ein köstlicher Sold, Mit ihr unermeßliche Schätze von Gold!
Da warfen die Christen verdoppelten Schaft, Den Gläubigen Mekkas erlahmte die Kraft, Abdalla begab Ins Zelt sich und mied ein bereitetes Grab.
Doch stritt in dem Heere, von Eifer entfacht, Zobir, ein gewaltiger Blitz in der Schlacht; Fort jagt er im Zorn, Ihm triefte der klirrende, blutige Sporn.
Er eilt zum Gebieter und spricht: Du versäumst Abdalla, die Schlacht, wie ein Knabe? Du träumst Im weichen Gezelt? Und sollst dem Kalifen erobern die Welt?
Was, uns zu entnerven, ersonnen der Christ, Ihn mög es verderben mit ähnlicher List! Das Gleiche sogleich Versprich es und stelle dich eben so reich!
Den Deinen verkündige folgendes Wort: Wer immer dem feindlichen Führer sofort Den Schädel zerhaut, Der nehme die schöne Maria zur Braut!
Dies kündet Abdalla mit frischerem Sinn, Die Seinen ermutiget hoher Gewinn; Zobir dringt vor, Sein kreisender Säbel erlegt den Gregor.
Schon birgt in die Stadt sich die christliche Schmach, Schon folgen die Sieger und stürzen sich nach, Schon weht von den vier Kastellen herab des Propheten Panier.
Lang trotzte Maria dem feindlichen Troß, Bis endlich ein Haufe sie völlig umschloß: Von Vielen vereint Wird vor den Zobir sie geführt und sie weint.
Und Einer beginnt im versammelten Kreis: Wir bringen den süßen, den lieblichen Preis, Den höchsten, um den Mit uns du gekämpft und gesiegt, Sarazen!
Doch Jener versetzt in verächtlichem Scherz: Wer wagt zu verführen ein männliches Herz? Wer legt mir ein Netz? Ich kämpfte für Gott und das hohe Gesetz!
Nicht buhl ich um christliche Frauen mit euch: Dich aber entlaß ich, o Mädchen, entfleuch! Was willst du von mir? Beweine den Vater und hasse Zobir!
Gambacorti und Gualandi
1832
Als Alfons, der mächtige König, Seine Scharen ausgeschickt, Anzufeinden jene weise Florentinische Republik, Die verwaltete wohlbedächtig Cosimo von Medicis, Hatte Gerhard Gambacorti, Tief im Schoß des Apennins, Als ein Lehn der Florentiner Eine Herrschaft im Besitz. Durch Verschwägrung war verknüpft er Jenem großen Albizi, Welcher aus Florenz vertrieben Nach dem heiligen Grabe ging, Bis zuletzt er, heimgewandert, Seltner Schicksalslaune Spiel, An dem Hochzeittag der Tochter War gestorben im Exil. Des gedenkt nun Gambacorti, Der Verrat und Tücke spinnt, Als ein Feind der Mediceer Abgeneigt der Republik, Welcher gleichwohl seinen Sohn er Hat als Geisel überschickt, Sicherheit ihr einzuflößen, Die bereits Verrat umstrickt. Als vor seinem Schloß Corzano, Wo den kleinen Hof er hielt, Mit dem Feldhauptmann des Königs Nun des Königs Heer erschien, Läßt die Brücke Gambacorti Nieder, tritt entgegen ihm, Dem die Burg er für den König Tückisch überliefern will. Ihn umgeben seine Ritter, Männer vielgewandt im Krieg: Unter ihnen war Gualandi, Dem der Hochverrat mißfiel. Der ergreift den Gambacorti, Über die Brücke stößt er ihn; Diese wird, auf sein Verlangen, Aufgezogen augenblicks, Während aufgepflanzt die freie Florentinische Fahne wird, Während innerhalb die Mannschaft Ruft: Es lebe die Republik! Gambacorti steht verlassen Außerhalb, im Angesicht Seiner nun verlornen Feste, Die Gualandi treu verficht. Nach Neapel muß er wandern, Mit dem Feinde muß er ziehn; Doch es schickt den Sohn zurück ihm Großgesinnt die Republik.
Alexius
1832
Vor der Strenge seines Vaters, vor dem allgewaltigen Zar, Floh von Moskau weg Alexis, der aus zarterm Stoffe war: Gern vergönnt der milde Kaiser, den er anzuflehn beschloß, Ein Asyl dem armen Flüchtling auf Neapels Felsenschloß.
Auf der Burg Sankt Elmo hielt sich nun des Zaren Sohn versteckt; Doch die Späher seines Vaters hatten dort ihn bald entdeckt. Als zurück ihn diese schleppten nach dem eisumstarrten Pol, Richtet er an seine Freistatt ein beklommnes Lebewohl:
Lebe wohl, o Eden, dessen Reize doppelt ich gefühlt Wo die Woge purpurfarbig um die felsigen Gärten spült! Gern um deine Zauber hätt ich eingetauscht das größte Reich; Doch es ist dem Feuerberg dort meines Vaters Busen gleich!
Hab ich doch nach seiner Krone nie gestrebt, und was ich bin, War bereit ich abzutreten an den Sohn der Buhlerin! Bloß des Klosters Zwang vermeiden wollt ich, als ich ihm entfloh: Fern von ihm und fern von Ehrsucht war ich hier im Stillen froh!
Stets vor seinem Geiste hat sich meine Seele tief gebückt: Nicht den Zepter ihm beneidet hab ich, ach, ich war beglückt! Nicht beneidet ihm die Waffen, die von Sieg zu Sieg er schwang, Seine Tugend nicht beneidet, denn sie geht den Henkersgang!
Nicht die Krone bloß, das Leben soll ich weihn ihm als Tribut, Ja, und wiederkehren soll ich, weil er lechzt nach meinem Blut! Vor der Allgewalt des Willens geht zugrunde jedes Recht: Bin ich selbst doch ein Romanow, und ich kenne mein Geschlecht.
Wollte mich der Vater schonen, gäbe doch mir keine Frist Menzikoff und dessen Kebsweib, welches nun die Zarin ist! Doch die Rache folgt vielleicht mir in des Grabs ersehnten Schoß, Und dem Paar, das mich verfolgte, wird ein unglückselig Los!
Gerne für den Vater stürb ich, wär's der Welt und ihm zum Heil; Doch ich fürchte, seine Krone wird den Schlechtern einst zuteil! Mög er kinderlos verwelken! Seine Herrschaft, ihm zum Hohn, Möge jene Bauerndirne teilen mit dem Bäckersohn!
Die Gründung Karthagos
1832
Vor der Goldbegier des Bruders, Der nach ihren Schätzen schnaubt, Der in ihres Gatten Busen Sein verruchtes Schwert getaucht, Flieht hinweg die schöne Dido Aus sidonischen Heimataun, Nimmt mit sich gehäufte Schätze, Nimmt mit sich des Gatten Staub, Dem gelobt sie stäte Treue, Wie es ziemt den höchsten Fraun; Denn der wahren Witwe Liebe Gleicht dem Lieben einer Braut. Edle folgen ihr und Knechte, Als sie löst den Ankertau, Segeln auf den hohen Schiffen Durch das tiefe Wogenblau, Bis an afrikanischer Küste Landen alle voll Vertraun. Dido läßt an sichrer Felsbucht Mächtig eine Stadt erbaun: Axt an Axt erklingt am Ufer, Stein um Stein wird ausgehaun. Bald beschirmen stolze Mauern Tempel, Hafen, Hütt und Haus; Drauf als Königin beherrschte Dido diesen stolzen Raum. Doch der Ruf von ihrer Schönheit Breitet seine Flügel aus: König Jarbas wohnt benachbart, Tapferer Männer Oberhaupt; Dieser bietet seine Hand ihr, Ja die Drohung macht er laut: Wenn die Königin sich weigert Meiner Kraft sich anzutraun, Wehe jener Stadt, sie möchte Dann verschwinden wie ein Traum! Zitternd hört es ganz Karthago, Weil er mächtig überaus, Und des Volks ergraute Väter Treten vor der Fürstin auf, Flehn sie, jenen Bund zu schließen, Hinzugeben nicht dem Raub Diese Laren, diese Tempel, Die sie liebend selbst gebaut! Aber ihr im tiefen Busen Steigt ein böser Geist herauf, Ob sie freveln soll am Gatten, Ob sie, jeder Bitte taub, Freveln soll an ihrem Volke, Das an ihre Liebe glaubt? Doch in einer solchen Seele Ist ein Zweifel wie ein Hauch: Nur das Große kann sie denken, Nur das Große führt sie aus. Einen Holzstoß, wie zum Opfer, Läßt die Königin erbaun, Läßt um ihn das Volk versammeln, Tritt hervor und steigt hinauf: Lebe wohl, o mein Karthago, Nicht die Feinde sollst du schaun, Blühn empor in goldner Freiheit, Nicht vergehn in Schutt und Graus: O Sichäus, breite deine Schattenarme nach mir aus! Diese hohen Worte sprechend Faßt ein Schwert sie ohne Graun, Stößt es durch den schönsten Busen, Den die Sonne durfte schaun. Und im Aschenkrug gesammelt Ward sofort der edle Staub, Ward im Tempel selbst bestattet, Ward bekränzt mit Siegeslaub. König Jarbas zog von dannen, Störte nicht Karthagos Bau: Jenen seegewaltigen Freistaat Gründete so die größte Frau.
Der alte Gondolier
1833
Es sonnt sich auf den Stufen Der seebespülten Schwelle Ein Greis am Rand der Welle, In weißer Locken Zier: Und gerne steht dem Fremdling, Der müßig wandelt, Rede Auf seiner Fragen jede Der alte Gondolier.
Er spricht: Ich habe rüstig Lagun und Meer befahren; Doch hab ich nun seit Jahren Kein Ruder eingetaucht: Es hangt die morsche Gondel An Stricken in der Halle, Wo Alles im Verfalle, Wo Alles ungebraucht.
Es ist der Herr des Hauses Nach fernen Himmelstrichen Seit langer Zeit entwichen, Für unsre Bitten taub; Der Gute zog von hinnen Am Tag, als Bonaparte Der Republik Standarte Ließ werfen in den Staub.
Er stand in besten Jahren, Als er von uns geschieden; Doch, lebt er noch hienieden, So ist's ein greiser Mann. Er sprach: Und soll ich dienen, So sei's in fremden Ländern: Hier soll mit Ordensbändern Mich schmücken kein Tyrann!
Wir blieben, ach, und schauten, Wie Kirchenraub und Schande Beging die schnöde Bande Nach schnellgebrochnem Eid! Wir sahn, wie jene Wilden Den Bucentaur zerschlugen, Und unsre Seelen trugen Ein unerhörtes Leid!
Wir sahn den Markuslöwen Zum fernen Strand entführen, Wir sahn, wie man mit Schwüren Und mit Besiegten scherzt! Wir sahn zerstört von Frevlern, Was würdig schien der Dauer, Wir sahn an Tor und Mauer Die Wappen ausgemerzt.
Doch leb ich und betrachte Die teure Stadt noch immer, Erquick im Morgenschimmer Die Glieder schwach und alt. Von meines Herrn Palaste Vermocht ich nicht zu weichen, Auch läßt er gern mir reichen Den kleinen Unterhalt.
Da denk ich meiner Jugend, Und wie ich als Matrose Gefolgt der Windesrose Bei Sturm und Sonnenstrahl; Und wie blockierte Tunis Und jene Türkenrotte, Mit seiner schönen Flotte, Venedigs Admiral.
O holder Tag, als Emos Heimzug die Fluten teilte, Und ihm entgegen eilte Der Doge Paul Renier! Gedenk ich jener Zeiten, Wird meine Seele milder: Es fliegen jene Bilder Wie Engel um mich her!
Klaglied Kaiser Otto des Dritten
1833
O Erde, nimm den Müden, Den Lebensmüden auf, Der hier im fernen Süden Beschließt den Pilgerlauf! Schon steh ich an der Grenze, Die Leib und Seele teilt, Und meine zwanzig Lenze Sind rasch dahin geeilt.
Voll unerfüllter Träume, Verwaist, in Gram versenkt, Entfallen mir die Zäume, Die dieses Reich gelenkt. Ein Andrer mag es zügeln Mit Händen minder schlaff, Von diesen sieben Hügeln Bis an des Nordens Haff!
Doch selbst im Seelenreiche Harrt meiner noch die Schmach, Es folgt der blassen Leiche Begangner Frevel nach: Vergebens mit Gebeten Beschwör ich diesen Bann, Und mir entgegen treten Crescentius und Johann!
Doch nein! Die Stolzen beugte Mein reuemütig Flehn; Ihn, welcher mich erzeugte, Ihn werd ich wiedersehn! Nach welchem ich als Knabe So oft vergebens frug: An seinem frühen Grabe Hab ich geweint genug.
Des deutschen Volks Berater Umwandeln Gottes Thron: Mir winkt der Ältervater Mit seinem großen Sohn. Und während, voll von Milde, Die frommen Hände legt Mir auf das Haupt Mathilde, Steht Heinrich tiefbewegt.
Nun fühlt ich erst, wie eitel Des Glücks Geschenke sind, Wiewohl ich auf dem Scheitel Schon Kronen trug als Kind! Was je mir schien gewichtig, Zerstiebt wie ein Atom: O Welt, du bist so nichtig, Du bist so klein, o Rom!
O Rom, wo meine Blüten Verwelkt wie dürres Laub, Dir ziemt es nicht, zu hüten Den kaiserlichen Staub! Die mir die Treue brachen, Zerbrächen mein Gebein: Beim großen Karl in Aachen Will ich bestattet sein.
Die echten Palmen wehen Nur dort um sein Panier: Ihn hab ich liegen sehen In seiner Kaiserzier. Was durfte mich verführen, Zu öffnen seinen Sarg? Den Lorbeer anzurühren, Der seine Schläfe barg?
O Freunde, laßt das Klagen, Mir aber gebt Entsatz, Und macht dem Leichenwagen Mit euren Waffen Platz! Bedeckt das Grab mit Rosen, Das ich so früh gewann, Und legt den tatenlosen Zum tatenreichsten Mann!
B. Romanzen und Jugendlieder
Noch ungewiß, ob mich der Gott beseele, Zu seinem Priester ob er mich geweiht, Malt ich die klaren Bilder meiner Seele In glücklicher Verborgenheit.
I. An eine Geisblattranke
Zwischen Fichtenbäumen in der Öde Find ich, teure Blüte, dich so spat? Rauhe Lüfte hauchen schnöde, Da sich eilig schon der Winter naht.
Dicht auf Bergen lagen Nebelstreifen, Hinter denen längst die Sonne schlief, Als noch übers Feld zu schweifen Mich ein inniges Verlangen rief.
Da verriet dich dein Geruch dem Wandrer, Deine Weiße, die dich blendend schmückt: Wohl mir, daß vor mir kein Andrer Dich gesehn und dich mir weggepflückt!
Wolltest du mit deinem Dufte warten, Bis ich käm an diesen stillen Ort? Blühtest ohne Beet und Garten Hier im Wald bis in den Winter fort?
Wert ist wohl die spat gefundne Blume, Daß ein Jüngling in sein Lied sie mischt, Sie vergleichend einem Ruhme, Der noch wächst, da schon so viel erlischt.
II. Der letzte Gast
Der Alte
Was machst du hier? Der Wind durchsaust Die menschenleeren Gassen, Nicht hier, wo Sturm und Regen braust, Will ich zurück dich lassen.
Komm mit herein ins heitre Haus, Siehst du die Lichter glänzen? Dort leert sich mancher Becher aus Bei frohen Hochzeittänzen.
Man sieht die Freude lustiglaut Auf allen Zügen weilen, Nur scheint die schöne junge Braut Allein sie nicht zu teilen.
Ich führe dich, so komm herein, Nur keck und unbeklommen! Mein froher Herr lädt Jeden ein, Und Jeder ist willkommen!
Der Jüngling
Dank, Alter; aber laßt mich hier Gelehnt an diese Säule: Mehr als Musik dort lob ich mir Dies rauhe Sturmgeheule.
Nicht weil ich, wo beim Kerzenschein Der Becher kreist am Tische, Daß nicht sich in den süßen Wein Die bittre Zähre mische!
Nie wird die Freude lustiglaut Mir aus den Augen blitzen; Denn ach, die schöne junge Braut, Ich kann sie nicht besitzen!
Sagt eurem Herrn, der fröhlich praßt, Daß er den Reigen meide; Denn unten warte noch ein Gast, Den Degen aus der Scheide!
III. Mädchens Nachruf
Schwalben ziehen, Blätter fallen, Und gesammelt liegt die Frucht: Ach, mit meinen Freuden allen Nahm auch Er die rasche Flucht!
Unter niederm Hüttendache Wohn ich, jener im Palast, Doch aus fürstlichem Gemache Trieb ihn Mut und Kampfeshast.
Als des Frührots erstes Tagen Mich vom Traume heut erweckt, War mit Dienern, Rossen, Wagen Dieser ganze Raum bedeckt.
Und er kam im Jugendflore, Hob sich auf sein Pferd im Nu, Bebend stand ich unterm Tore, Sah dem schönen Reiter zu.
Und im leichten Morgenkleide Trat zu ihm die Braut hervor, Diesmal ohne Gold und Seide, Doch wie er im Jugendflor.
Vor der Trennung nicht erschrocken, Küßt' er noch ihr Stirn und Mund, Bei den Lippen, bei den Locken Schwur er den beglückten Bund.
Ritt mit Dienern und Vasallen, Dankte meinem Gruße kaum: Schwalben ziehen, Blätter fallen, So zerfließt der Liebe Traum!
IV. Fischerknabe
Des Abendsterns ersehnter Schein Beglänzt den Saum der Flut, Der Knabe zieht den Kahn herein, Der still im Hafen ruht.
"Mein Tagewerk ist treu vollbracht, Doch, liebe Seele, sprich, O sprich, wie soll die lange Nacht Vergehn mir ohne dich?"
Am Ufer steht ein Weidenbaum, Und dran gelehnt ein Stein, Und drunter liegt im schmalen Raum Ihr kaltes Totenbein.
V.
So hast du reiflich dir's erwogen, Und dieses ist das letzte Wort? Dich lockt ein ferner Himmelsbogen, Es treibt dich in die Fremde fort?
Doch wird geliebt, wer liebt und bleibet, Wer flieht, verkannt; und glaube mir, Wenn dich die Sehnsucht fürder treibet, So bleibt die Liebe hinter dir!
Und mag umwuchern dich das schöne Hesperien voll milder Aun, Wo findest du die deutschen Töne? Wo findest du die deutschen Fraun?
VI. Matrosenlied
Wann wird der goldne Freudentag erscheinen, Den das Geschick mir aufbewahrt, Der Tag des Wiedersehens bei den Meinen, Nach allzulanger Fahrt?
O schöne Flur, wo unsre müden Kähne Dereinst noch landen mögen unversehrt! O Mädchen, das vielleicht mit einer Träne Den armen Flüchtling ehrt!
Denkst du der heil'gen Eide noch im stillen, Und hieltst du, Teure, das beschworne Wort? Ach, trieb nicht feindlich damals, wider Willen, Ein bös Geschick mich fort?
Doch werden, glaub mir, wir uns wiedersehen, Und harrst du sehnsuchtsvoll am Strande mein, So können's, Teure, siehst du Wimpel wehen, Nur meine Wimpel sein!
VII.
Noch im wollustvollen Mai des Lebens, Wo die Seele sonst Entschlüsse sprüht, Fühl ich in der Wärme meines Strebens, Wie mein Lebenselement verglüht.
Nicht ein Windstoß, ein belebend warmer, Meine Haare kräuselnd, weht mich an, Leer und träge schifft ein Tatenarmer Übern stillen Vater Ozean.
Was ich soll? Wer löst mir je die Frage? Was ich kann? Wer gönnt mir den Versuch? Was ich muß? Vermag ich's ohne Klage? So viel Arbeit um ein Leichentuch?
Kommt und lispelt Mut ins Herz mir, zarte Liederstimmen, die ihr lange schlieft, Daß ich, wie ein Träumer, nicht entarte, In verlorne Neigungen vertieft.
VIII.
Mag der Wind im Segel beben Steuernd nach dem Land der Pracht, Wo der Freiheit stolzes Leben Zwischen Palmen auferwacht.
Der erhitzte Wahn der Jugend, Der das Glück sich fern verheißt, Weiche deiner strengern Tugend, Weiche deinem größern Geist!
Soll der letzte Stern erbleichen An des deutschen Himmels Rand, Oh, so decken unsre Leichen Das verlorne Vaterland!
IX.
Wann des Gottes letzter, milder Schimmer sich vom See verlor, Steigen mir Gedächtnisbilder Aus der Welle Nacht empor:
Malen mir des Kahnes Schwanken Den gefurchten Pfad entlang, Als die Morgenlüfte tranken Zauberischen Liederklang.
Malen mir, von Berges Kuppe Schweifend, den ergötzten Sinn, Und die ländlichschöne Gruppe Um den Herd der Sennerin.
Malen mir die Felsgehege, Wo die Alpenrose hangt, Welche nicht durch Menschenpflege In des Tales Gärten prangt.
Nächtlich fühl ich jetzt ein Bangen, Wann der See gehoben wallt; Jene Tage sind vergangen, Jene Stimmen sind verhallt.
Frostige Nebel steigen, welche Berg und Kuppe trüb umziehn, Und die roten Alpenkelche Werden mit dem Sommer fliehn.
Bald, verjagt von Sturm und Flocken, Zieht die Hirtin froh ins Tal, Und es tönt der Hall der Glocken Von der Höh zum letzten Mal.
X.
Willst du lauen Äther trinken Auf dem hohen Götterpferde? Wie Bellerophon zur Erde Bebst du nicht zurück zu sinken?
Daß sich nicht dein Herz verblute, Wisse deinen Trieb zu steuern: Sei wie Flaccus auf dem teuern, Einzigen Sabinergute!
Bist du nicht gewohnt vor Allen, Als der Einsamkeit Geweihter, Ohne Fußpfad und Begleiter Durch den stillen Forst zu wallen?
Dir genüge, wenn die Föhren, Die den Schutz der Wolken suchen, Wenn die dickbelaubten Buchen Deine sanften Lieder hören!
Wiesenblumen pflück und schweige, Pflück und blicke nicht nach oben, Denn für dich sind nicht gewoben Jene dunkeln Lorbeerzweige!
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