|
Der Lehrling der Griechen
Wen des Genius Blick, als er geboren ward, Mit einweihendem Lächeln sah, Wen, als Knaben, ihr einst Smintheus Anakreons Fabelhafte Gespielinnen, Dichtrische Tauben umflogt, und sein mäonisch Ohr Vor dem Lärme der Scholien Sanft zugirrtet, und ihm, daß er das Altertum Ihrer faltigen Stirn nicht säh, Eure Fittige lieht, und ihn umschattetet, Den ruft, stolz auf den Lorbeerkranz, Welcher vom Fluche des Volks welkt, der Eroberer In das eiserne Feld umsonst, Wo kein mütterlich Ach bang bei dem Scheidekuß, Und aus blutender Brust geseufzt, Ihren sterbenden Sohn dir, unerbittlicher, Hundertarmiger Tod, entreißt! Wenn das Schicksal ihn ja Königen zugesellt, Umgewöhnt zu dem Waffenklang, Sieht er, von richtendem Ernst schauernd, die Leichname Stumm und seelenlos ausgestreckt, Segnet dem fliehenden Geist in die Gefilde nach, Wo kein tötender Held mehr siegt. Ihn läßt gütiges Lob, oder Unsterblichkeit Des, der Ehre vergeudet, kalt! Kalt der wartende Tor, der, des Bewunderns voll, Ihn großäugichten Freunden zeigt, Und der lächelnde Blick einer nur schönen Frau, Der zu dunkel die Singer ist. Tränen nach besserem Ruhm werden Unsterblichen, Jenen alten Unsterblichen, Deren daurender Wert, wachsenden Strömen gleich, Jedes lange Jahrhundert füllt, Ihn gesellen, und ihn jenen Belohnungen, Die der Stolze nur träumte, weihn! Ihm ist, wenn ihm das Glück, was es so selten tat, Eine denkende Freundin gibt, Jede Zähre von ihr, die ihr sein Lied entlockt, Künftiger Zähren Verkünderin!
An Herr Schmidten
Der du mir gleich bist, den die Unsterblichen Höhern Gesängen neben mir auferziehn, Schau mit mir, Schmidt, auf unsrer Freundschaft Zärtliche Jugend zurück und fühle,
Was du da fühltest, als in Umarmungen, Die uns zusegnend der im Olympus sah, Dein großes Herz mehr deinem Freunde Als nur gesungene Freundschaft weihte.
Eh wir den Menschen kannten, den göttlichen, Wenn er durch Taten den, der ihn schuf, verehrt Den tiefsten Pöbel aller Geister, Wenn er sich selbst, wenn er Gott verkennet;
Eh noch des Nachruhms lockender Silberton Dem Ohre süß klang, eh er allmächtig uns Mit sich im Wirbelstrome fortriß: Liebten wir uns unbemerkt und glücklich.
Zwar horcht auch oft schon unser früh waches Ohr Nicht ganz unschuldig, ganz nicht unwissend mehr, Wenn von den liedervollen Hügeln Dichtern die Ewigkeit lächelnd zurief.
Noch jung und furchtsam bebte die Ehrbegier Durch unser Herz hin. Freund, dann umarmt ich dich, Da hast du mir die schönsten Tränen, Welche mir jemals mein Herz durchdrungen,
Auf meine Wangen jugendlich hingeweint: Tränen der Freundschaft, Tränen der Ehrbegier, Wenn du mit seelenvollem Auge Bald mich umarmtest, bald Miltons Schatten
Auf heilgern Bergen, als der Parnassus ist, Von Seraphinen und von Uranien Allein besucht, sahst, menscheneinsam Unnachgeahmt ohne Nebenbuhler.
Ich sah dich still an, und nur Uranien Allein bemerket, dir aber unbemerkt, Weissagend, in prophet'schem Geiste, Segnet ich, Schmidt, dich zum heilgen Dichter.
Verhängnisse
Königen gab der Olympier Stolz, und sklavischen Pöbel Um den gefürchteten Thron: Weisheit gab er den Königen nicht; sonst hielten sie Menschen Nicht für würgbares Vieh. Philosophen gab er den Traum, da Wahrheit zu suchen, Wo sie zu finden nicht ist: Priestern den Wahn, die göttlichste Wahrheit durch alles zu lehren, Nur durch Tugenden nicht. Alles dies gab er im Zorn. Sehr wenig Könige weihen Ihr erhabenes Amt Durch ein Gott nachahmendes Wohltun, das über die Menschheit Sterbliche Menschen erhöht. Wenig Philosophen erreichen die nähere Weisheit, Die Glückseligkeit ist. Selten wandeln Priester dem nach, der lebend sie lehrte, Und viel weniger sprach. Tugend gab er nicht Menschen, die gab er Engeln. IhrBildnis Ließ er den Sterblichen nur. Mir gab er die singende Leier, und redliche Freunde. Wollt ich, was größer noch ist, Wollt ich der Himmlischen Glück, die selige Liebe noch bitten, O so bät ich zu viel! O so bät ich auch Tugend! Die gab er Engeln! Ihr Bildnis Ließ er den Sterblichen nur. Ist die Leier der Weisheit nicht heilig, und singet sie jemals Was Geringers als sie; Lieb ich die Freunde nicht treu, die so voll Freundschaft mich lieben, O so sind mir von ihm, Alles was er mir gab, auch die unvergeltbarsten Gaben, Auch im Zorne verliehn.
Auf meine Freunde
Wie Hebe kühn, und jugendlich ungestüm, Wie mit dem goldnen Köcher Latonens Sohn, Unsterblich, sing, ich meine Freunde, Feiernd in mächtigen Dithyramben.
Willst du zu Strophen werden, o Lied, oder Ununterwürfig Pindars Gesängen gleich, Gleich Zeus erhabnen trunknen Sohne, Frei aus der schaffenden Seele taumeln?
Die Wasser Hebrus wälzten sich adlerschnell Mit Orpheus Leier, welche die Haine zwang, Daß sie ihr folgten, die die Felsen Taumeln, und himmelab wandeln lehrte.
So floß der Hebrus; großer Unsterblicher, Mit fortgerissen folgte dein fliehend Haupt Blutig, mit toter Stirn, die Leier Hoch im Getös ungestümer Wogen.
So floß der Fluß, des Oceans Sohn, daher; So fließt mein Lied auch, ernst und gedankenvoll; Des spott' ich, der es unbegeistert, Richterisch und philosophisch höret.
Den segne, Lied! ihn segne mit festlichen Entgegengehnden hohen Begrüßungen, Der dort an dieses Tempels Schwellen Göttlich, mit Reben umlaubt, hereintritt.
Dein Priester wartet, Sohn der Olympier! Wo bleibst du, kommst du von dem begeisternden Pindus der Griechen? oder kommst du Von den unsterblichen sieben Hügeln,
Wo Zeus und Flaccus nebeneinander, wo Mit Zeus und Flaccus, Scipio donnerte, Wo Maro mit dem Capitole, Um die Unsterblichkeit, göttlich zankte?
Stolz mit Verachtung sah er die Ewigkeit Von Zeus Palästen: »Einst wirst du Trümmer sein, Dann Staub, dann des Sturmwinds Gespiele, Du Capitol, und du Gott der Donner!«
Wie oder kommst du von der Britannier Eiland herüber? Göttercolonien Sendet vom Himmel Gott den Briten, Wann er die Sterblichen dort beseelet.
Sei mir gegrüßet! Mir kommst du stets gewünscht, Wo du auch herkommst, Sohn der Olympier! Lieb vom Homerus, lieb vom Maro, Lieb von Britanniens Göttereiland!
Aber geliebter, trunken und weisheitsvoll Von Weingebürgen, wo die Unsterblichen Taumelnd herumgehn, wo die Menschen Unter Unsterblichen, Götter werden.
Da kommst du itzt her. Schon hat der Rebengott Sein hohes geistervolles Horn über dich Reich ausgegossen, Evan schaut dir, Ebert, aus hellen verklärten Augen.
Dir streute, Freund, mein Genius Rebenlaub, Der unsern Freunden rufet, damit wir uns, Wie in den Elysäer Feldern, Unter den Flügeln der Freud, umarmen.
Sie kommen. Cramern geht Polyhymnia Mit ihrer hohen tönenden Leier vor. Sie geht und sieht auf ihn zurücke, Wie auf den hohen Olymp der Tag sieht.
Sing, Freund, noch Hermann. Jupiters Adler weckt Dein Lied von Hermann schon voll Entzücken auf; Sein Fittig wird breiter, der Schlummer Wölkt sich nicht mehr um sein feurig Auge.
Die deutsche Nachwelt, wann sie der Barden Lied - Wir sind die Barden - künftig in Schlachten singt, Die wird dein Lied hoch im Getöse Eiserner Kriege gewaltig singen.
Schon hat den Geist der Donnerer ausgehaucht; Schon wälzt sein Leib sich blutig im Rheine fort; Doch bleibt am leichenvollen Ufer Horchend der flüchtige Geist noch schweben,
Itzt reißt dich Gottes Tochter, Urania, Allmächtig zu sich. Gott der Erlöser ist Dein heilig Lied. Auf! segn' ihn, Muse! Segn' ihn zum Liede der Auferstehung!
Doch, Freund, du schweigst, und siehest mich Weinenden! Ach! warum starbst du? Göttliche Radikin! Schön, wie die junge Morgenröte, Heilig und still, wie ein Sabbat Gottes!
Nimm diese Rosen, Giseke! Lesbia Hat sie mit Zähren heute noch sanft benetzt, Als sie dein Lied mir, von den Schmerzen Deiner Gespielin, der Liebe, vorsang.
Du lächelst, Freund! Dein Auge voll Zärtlichkeit Hat mir dein Herz schon dazumal zugewandt, Als ich zum erstenmal dich sahe, Als ich dich sah, und du mich nicht kanntest.
Wenn ich einst tot bin, Freund, so besinge mich! Dein Lied voll Tränen soll den entfliehenden, Dir treuen Geist, noch um dein Auge, Das mich beweint, zu verweilen zwingen.
Dann soll mein Schutzgeist, schweigend und unbemerkt, Dreimal dich segnen, dreimal dein heilig Haupt Umfliegen, und nach mir beim Abschied Dreimal noch sehn, und dein Schutzgeist werden.
Hasser der Torheit, aber auch Menschenfreund, Allzeit gerechter Rabner! dein heller Blick, Dein lächelnd Antlitz ist nur Freunden, Freunden der Tugend, und deinen Freunden
Stets liebenswürdig. Aber dem Tor bist du Stets furchtbar. Lach' ihn ohne Barmherzigkeit Tot. Laß kein unterwürfig Lachen, Freund, dich im strafenden Zorne stören!
Stolz und demütig ist der Tor lächerlich. Sei unbekümmert, wüchs auch der Narren Zahl Stets; wenn zu ganzen Völkerschaften Auch Philosophen die Welt bedeckten:
Wenn du nur einen jedes Jahrhundert nährst, Und weisern Völkerschaften ihn zugesellst; Wohl dir! wir wollen deine Siege, Die wir prophetisch sehn, feierlich singen.
Der Nachwelt winkend setz' ich dein heilig Bild Zu Lucianen hin, und zu Swiften hin. Hier sollst du, Freund, den Namen (wenig' Führten ihn) des Gerechten führen.
Lied! werde sanfter! fließe gelinder fort! Wie auf die Rosen hell aus Aurorens Hand Der Morgentau träufelt; dort kömmt er, Heiter, mit lächelnder Stirn, mein Gellert!
Dich soll der schönsten Mutter geliebteste Und schönste Tochter lesen, und reizender Im Lesen werden, dich in Unschuld, Sieht sie dich etwa wo schlummern, küssen.
Auf meinem Schoß, in meinen Umarmungen Soll einst die Fanny, welche mich lieben wird, Dein süß Geschwätz mir oft erzählen, Und es zugleich an der Hand, als Mutter,
Die kleine Fanny lehren. Die Tugend, Freund, Zeigt auf dem Schauplatz niemand allmächtiger, Als du! Da die zwo edlen Schönen, Voll von gesetzter und stiller Großmut,
Viel tausend Schönen ewig unnachahmbar, Unter die Blumen ruhig sich setzeten, Da weint' ich, Freund, da flossen Tränen Aus dem gerührten, entzückten Auge.
Da stand ich betend, ernst und gedankenvoll. Tugend, rief ich, Tugend, wie schön bist du! Welch göttlich Meisterstück sind Seelen, Die, dich in sich hervorzubringen, stark sind!
Noch zweene kommen! den hat vereintes Blut Unsrer Voreltern zärtlich mir zugesellt; Jenen des Umgangs süße Neigung, Und du Geschmack mit der hellen Stirne:
Schmidt der mir gleich ist, den die unsterblichen Höhern Gesänge neben mir auferziehn, Und Rothe, der sich freier Weisheit, Und der geselligen Freundschaft heiligt.
Ihr Freunde fehlt noch, die ihr mich künftig liebt. Wo seid ihr! Ach Zeit! schöne Zeit! säume nicht. Kommt auserwählte süße Stunden, Da ich sie seh, und sie sanft umarme!
Und du, o Freundin, die du mich künftig liebst, Wo bist du! dich sucht, Fanny, mein einsames, Mein bestes Herz, in dunkler Zukunft, In Ungewißheit und Nacht, da suchts dich!
Hält dich, o Freundin, hält dich die zärtlichste Unter den Frauen, mütterlich ungestüm, Wohl dir! auf ihrem Schoße lernst du Tugend und Liebe zugleich empfinden!
Wie oder ruhst du, wo dir des Frühlings Hand Blumen gestreut hat, wo dich sein Säuseln kühlt? Sei mir gesegnet! dieses Auge, Ach! dein von Zärtlichkeit volles Auge,
Dieser von Zähren schwimmende süße Blick, An Allmacht, Fanny, gleicht er den Himmlischen, An Huld, an süßen Zärtlichkeiten, Gleicht er dem Blick der noch jungen Eva;
Dies Antlitz voll von Tugend, von Großmut voll, Dies von Empfindung bebende beste Herz, Dies, o! die du mich künftig liebst, Dieses ist mein, doch du selber fehlst mir!
Du, Fanny, fehlst mir! Einsam, von Wehmut voll, Und bang und weinend, irr, ich und suche dich, Dich, Freundin, die mich künftig liebet, Ach! die mich liebt, und mich noch nicht kennet!
Siehst du die Tränen, welche mein Herz vergießt, Freund, Ebert! Weinend lehn, ich mich auf dich hin! Gib mir den Becher, diesen vollen, Welchem du winkst, daß ich froh wie du sei!
Doch itzt auf einmal wird mir mein Auge hell, Scharf zu Gesichten, hell zur Begeisterung. Ich sehe, dort an Evans Altar, Tief in dem wallenden Opferrauche,
Da seh' ich langsam heilige Schatten gehn! Nicht jene, die sich traurig von Sterbenden Loshüllen, nein, die, welch, im Schlummer Geistig vom göttlichen Trinker düften.
Euch bringt die Dichtkunst oftmals im weichen Schoß Zu Freunden! kein Aug' unter den Sterblichen Entdeckt sie; du nur, seelenvolles, Trunknes, poetisches Auge, siehst sie!
Drei Schatten kommen! neben den Schatten tönts, Wie Dindymene, hoch aus dem Heiligtum, Allgegenwärtig niederrauschet, Und mit gewaltiger Cymbel tönt!
Oder, wie aus den Götterversammlungen, Mit Agyieus Leierton, himmelab, Und taumelnd, hin auf Weingebürgen, Satzungenlos Dithyramben donnern!
Der du dort wandelst, ernsthaft und aufgeklärt, Das Auge voll von weiser Zufriedenheit, Die Lippe voll von feinem Scherz, ihm Horcht die Aufmerksamkeit deiner Freunde,
Ihm horcht entzückt die feinere Schäferin - Schatten, wer bist du! - Ebert! Itzt neigt er sich Zu mir, und lächelt! - Ja, er ist es! Siehe! der Schatten - der - ist mein Gärtner!
Du deinen Freunden liebster Quintilius, Der unverstellten Wahrheit vertraulichster! Ach komme doch, Gärtner, deinen Freunden Ewig zurück! doch du fliehest und lächelst!
Flieh nicht! Mein Gärtner! flieh nicht! du flohst ja nicht, Als wir, an jenem traurigen Abende, Um dich, voll Wehmut, still versammlet, Da dich umarmten, und Abschied nahmen!
Die letzten Stunden, da du uns Abschied nahmst, Der Abend soll mir festlich und heilig sein! Da lernt' ich, Freund, wie sich die Edlen, Wie sich die wenigen Edlen liebten!
Viel Abendstunden fasset die Nachwelt noch. Lebt sie nicht einsam, Enkel, und heiligt sie Der Freundschaft, wie sie eure Väter Heiligten, und euch Exempel wurden!
In meinen Armen, trunken und weisheitsvoll, Sprach Ebert: Evoë! Evoë! Hagedorn! Da kömmt er über Rebenblättern Mutig einher, wie Lyäus, Zeus Sohn!
Mein Herze bebt mir! Stürmend und ungestüm Zittert die Freude durch mein Gebein dahin! Evoë! mit deinem schweren Thyrsus, Schone, mit deinem gefüllten Weinkelch.
Dich deckt als Jüngling eine Lyäerin, Nicht Orpheus Feindin, weislich mit Reben zu! Und dies war allen Wassertrinkern Wunderbar, und die in Tälern wohnen,
Wo Wasserbäch' und Brunnen die Fülle sind, Vom Weingebürgeschatten unabgekühlt! So schliefst du, sicher vor den Schwätzern, Nicht ohne Götter, ein mutiger Jüngling!
Mit seinem Lorbeer hat auch Patareus, Und mit gemischten Myrten dein Haupt umkränzt. Wie Pfeile von dem goldnen Köcher Tönt dein Lied; wie des Jünglings Pfeile
Schnell rauschend klangen, da der Unsterbliche Nach Peneus Tochter durch die Gefilde flog, Oft wie der Satyrn Hohngelächter, Da sie den Wald noch nicht laut durchlachten.
Zu Wein und Liedern wähnen dich Priester nur Allein geboren; denn den Unwissenden Sind die Geschäfte großer Seelen Unsichtbar stets, und verdeckt gewesen.
Dir schlägt ein männlich Herz auch, dein Leben ist Viel süßgestimmter, als ein unsterblich Lied. Du bist in unsokrat'schen Zeiten Wenigen Freunden, ein teures Muster.
Er sprachs. Itzt sah ich über den Altar her, Auf Opferwolken, Schlegeln mit dichtrischen Geweihten Lorbeerschatten kommen, Und unerschöpflich, vertieft und ernsthaft,
Um sich erschaffen. Werdet! - da wurden ihm Lieder! - die sah ich menschliche Bildungen Annehmen! Ihnen haucht' er, schaffend Leben und Geist ein, und ging betrachtend
Unter den Bildern, wie Berecyntia Durch den Olympus hoch im Triumphe geht, Wenn um sie ihre Kinder alle Ringsum versammlet sind; - lauter Götter!
Noch eins nur fehlt dir. Werd' uns auch Despreaux! Daß, wenn sie etwa zu uns vom Himmel kömmt, Die goldne Zeit, der Musen Hügel Leer vom undichtrischen Pöbel da steh!
Komm, goldne Zeit! Komm, die du die Sterblichen Selten besuchest, komm! laß dich, Schöpferin! Laß, bestes Kind der Ewigkeiten, Dich über uns mit verklärtem Flügel!
Tief, voll Gedanken, voller Entzückungen, Geht die Natur dir, Gottes Nachahmerin, Schaffend zur Seiten, große Geister, Wenige Götter der Welt zu bilden.
Natur! dich hör ich durchs Unermeßliche Wandeln! so wie mit sphärischem Silberton Gestirne, Dichtern nur vernommen, Niedrigen Geistern unhörbar, wandeln!
Aus allen goldnen Altern begleiten dich, Natur, die großen Dichter des Altertums, Die großen neuern Dichter. Segnend Seh ich ihr heilig Geschlecht hervorgehn!
Elegie
1748
Dir nur, liebendes Herz, euch, meine vertraulichsten Tränen, Sing ich traurig allein dieses wehmütige Lied. Nur mein Auge soll es mit schmachtendem Feuer durchirren, Und, an Klagen verwöhnt, hör es mein zärtliches Ohr! Bis, wie Byblis einst in jungfräuliche Tränen dahinfloß, Mein zu weichliches Herz voller Empfindung zerfließt. Ach! warum, o Natur, warum, unzärtliche Mutter, Gabst du zur Empfindung mir ein zu biegsames Herz? Und ins biegsame Herz die unbezwingliche Liebe, Ewiges Verlangen, keine Geliebte dazu? Die du künftig mich liebst (wenn anders zu meinen Tränen Einst das Schicksal erweicht eine Geliebte mir gibt!), Die du künftig mich liebst, o du vor allen erlesen, Sprich, wo dein fliehender Fuß ohne mich einsam itzt irrt? Nur mit einem verrätrischen Laut, nur mit einem der Töne, Die, wenn du lachst, dir entfliehn, sag es, o Göttliche, mir! Fühlst du, wie ich, der Liebe Gewalt, verlangst du nach mir hin, Ohne daß du mich kennst; o, so verhehle mirs nicht! Sag es mit einem durchdringenden Ach, das meinem Ach gleichet, Das aus innerster Brust zitternd dem Munde zuflieht. Durch die Mitternacht hin klagt mein sanfttränendes Auge, Daß du, Göttliche, mir immer noch unsichtbar bist! Durch die Mitternacht hin streckt sich mein zitternder Arm aus, Und umfasset ein Bild, das vielleicht ähnlich dir ist! Ach! wo such ich dich doch? Wo werd ich endlich dich finden? O du, die meine Begier stark und unsterblich verlangt! Wo ist der Ort, der dich hält? Wo fließt der segnende Himmel, Welcher dein Aug umwölbt, heiter und lächelnd vorbei? Dürft ich mein Auge zu dir einst, seliger Himmel, erheben, Und umarmet die sehn, die du von Jugend auf sahst! Aber ich kenne dich nicht! Vielleicht ging die fernere Sonne Meinen Tränen daselbst niemals nicht unter und auf. Soll ich dich niemals, o Himmel, erblicken? Führt niemals im Frühling Meine sanftzitternde Hand sie durch ein blühendes Tal? Sinkt sie, von süßer Gewalt der allmächtigen Liebe bezwungen Nie, wenn der Abendstern kömmt, mir an die bebendeBrust? Ach, wie schlägt mir mein Herz! Wie zittern durch meine Gebeine Freud und Hoffnung, dem Schmerz unüberwindlich, dahin! Unbesingbare Lust, ein süßer prophetischer Schauer, Eine Träne, die mir still von den Wangen entfiel; Und ein Anblick geliebter mitweinender weiblicher Zähren, Ein mir lispelnder Hauch, und ein erschütterndes Ach; Ein mich segnender Laut, der mir rief, wie ein liebender Schatten Seiner Entschlafenen ruft; weissagt dich, Göttliche, mir. O du, die du sie mir und meiner Liebe gebarest, Hältst du sie, Mutter, umarmt; dreimal gesegnet sei mir! Dreimal gesegnet sei mir dein gleich empfindendes Herze, Das der Tochter zuerst weibliche Zärtlichkeit gab! Aber laß sie itzt frei! Sie eilt in den Garten, und will da Keinem Zeugen behorcht, keinem beobachtet sein. Eile nicht so! Doch mit welchem Namen soll ich dich nennen, Die du unaussprechlich meinem Verlangen gefällst? Eile nicht so, damit kein Dorn des vergangenen Winters Deinen zu flüchtigen Fuß, indem du eilest, verletzt; Daß kein schädlicher Duft des werdenden Frühlings dich anhaucht; Daß sich dem blühenden Mund reinere Lüfte nur nahn. Aber du gehst denkend und langsam, das Auge voll Zähren, Und jungfräulicher Ernst deckt dein verschönert Gesicht. Täuschte dich jemand? Und weinst du, weil deiner Gespielinnen eine Nicht, wie du von ihr geglaubt, redlich und tugendhaft war? Oder liebst du, wie ich? Erwacht mit unsterblicher Sehnsucht, Wie sie mein Herz mir empört, in dir die starke Natur? Was sagt dieser erseufzende Mund? Was sagt mir dies Auge, Das mit verlangendem Blick zärtlich gen Himmel hin sieht? Was entdeckt mir die brünstige Stellung, als wenn du umarmtest Als wenn du ans Herz eines Glückseligen sänkst? Ach du liebest! So wahr die Natur kein erhabenes Herz nicht Ohne den heiligsten Trieb derer, die ewig sind, schuf! Göttliche, du liebest! Ach wenn du den doch auch kenntest, Dessen liebendes Herz unbemerkt zärtlich dir schlägt! Dessen Seufzer dich ewig verlangen, dich bang vom Geschicke Fordern; von dem Geschick, das unbeweglich sie hört. Wehten dir doch sanftrauschende Winde sein brünstigVerlangen Seiner Seufzer Getön, seiner Gesänge Laut, zu! Wie die Winde des goldenen Alters vom Ohre des Schäfers, Mit der Schäferin Ach hoch zu der Götter Ohr flohn. Eilet, Winde, mit meinem Verlangen zu ihr in die, Schauert durch den Wald hin, rauscht, und verkündigt mich ihr! Ich bin redlich! Mir gab die Natur Gefühle zur Tugend; Aber zur Liebe gab sie noch ein gewaltigers mir; Zu der Liebe, der schönsten der Tugenden, wie sie's den Menschen In der Jugend der Welt edler und mächtiger gab. Alles empfind ich von dir; kein halb nur begegnendes Lächeln; Kein unvollendetes Wort, welches in Seufzer verflog; Keine stille mich fliehende Träne, kein leises Verlangen, Kein Gedanke, der sich mir in der Ferne nur zeigt; Kein halbstammelnder Blick voll unaussprechlicher Reden, Wenn er den ewigen Bund süßer Umarmungen schwört; Auch der Tugenden keine, die du mir sittsam verbirgest, Eilet unausgeforscht mir und unempfunden vorbei! Ach, wie will ich dich, Göttliche, lieben! Das sagt uns kein Dichter, Selbst wir entzückt im Geschwätz trunkner Beredsamkeit nicht. Kaum daß noch die Unsterbliche selbst, die fühlende Seele, Ganz die volle Gewalt dieser Empfindungen faßt!
Die Stunden der Weihe
Euch Stunden, grüß ich, welche der Abendstern Still in der Dämmrung mir zur Erfindung bringt, O geht nicht, ohne mich zu segnen, Nicht ohne große Gedanken weiter!
Im Tor des Himmels sprach ein Unsterblicher. »Eilt, heilge Stunden, die ihr die Unterwelt Aus diesen hohen Pforten Gottes Selten besuchet, zu jenem Jüngling,
Der Gott, den Mittler, Adams Geschlechte singt! Deckt ihn mit dieser schattigen kühlen Nacht Der goldnen Flügel, daß er einsam Unter dem himmlischen Schatten dichte.
Was ihr gebaret, Stunden, das werden einst, Weissaget Salem, ferne Jahrhunderte Vernehmen, werden Gott, den Mittler Ernster betrachten, und heilig leben.«
Er sprachs. Ein Nachklang von dem Unsterblichen Fuhr mir gewaltig durch mein Gebein dahin; Ich stand, als ging, in Donnerwettern Über mir Gott, und erstaunte freudig.
Daß diesem Ort kein schwatzender Prediger, Kein wandelloser Christ, der Propheten selbst Nicht fühlt, sich nahe! Jeder Laut, der Göttliche Dinge nicht tönt, verstumme!
Deckt, heilge Stunden, decket mit eurer Nacht Den stillen Eingang, daß ihn kein Sterblicher Betrete, winkt selbst meiner Freunde Gerne gehorchten, geliebten Fuß weg!
Nur nicht, wenn Schmidt will aus den Versammlungen Der Musen Sions zu mir herübergehn; Doch, daß du nur vom Weltgerichte, Oder von deiner erhabnen Schwester,
Dich unterredest! Auch wenn sie richtet, ist Sie liebenswürdig. Was ihr empfindend Herz In unsern Liedern nicht empfunden, Sei nicht mehr! was sie empfand, sei ewig!
Petrarca und Laura
Anderen Sterblichen schön, kaum noch gesehn von mir, Ging der silberne Mond vorbei Tränend wandt' ich von ihm mein melancholisches Müdes Auge dem Dunklen zu. Dreimal schlug mir mein Herz; dreimal erbebtest du, Tochter des ewigen Hauchs, in mir, Seele, zur Liebe gemacht; dreimal erschreckte dich Deiner Einsamkeit bang Gefühl. Hätte die dich gesehn, welcher du zittertest, Der du seufzend, Unsterbliche, Tränen weintest, wie sie wehmutsvoll Edlere Weinen: wäre vielleicht sie nicht Durch die Tränen gerührt, hätte vielleicht sie nicht Eine Träne mit dir geweint! Aber süßere Ruh deckte mit Fittigen Ihres friedsamen Schlummers sie, Und ihr göttliches Herz, über mein Herz erhöht, Hub gelinder des Mädchens Brust. Mich nur flohe die Ruh, und mein Gespiele sonst, Mein geselliger sanfter Schlaf, Ging dem Auge vorbei und dem getrübteren, Ihm zu wachen und bangen Blick. Tief in die Dämmerung hin sah es und suchte dich, Seiner Tränen Genossin, auf, Dich, des nächtlichen Hains Sängerin, Nachtigall! Doch du sangest mir jetzo nicht. Dein mitweinender Ton, dein melancholisch Ach, Selbst die Linderung fehlte mir. Endlich schlummere, ich ein, und ein Unsterblicher Schloß mitleidig das Auge mir. Hast du mich weinen gesehn, o du Unsterblicher, Der mitleidig mein Auge schloß, O, so sammle sie ein, sammle die heiligen Tränen in goldene Schalen ein, Bring sie, Himmlischer, dann zu den Unsterblichen, Denen zärtlich ihr Herz auch schlug: Zu der göttlichen Rowe oder zur Radikin, Die im Frühlinge sanft entschlief, Oder zu Doris hinauf, die noch ihr Haller weint, Wenn er die jüngere Doris sieht, Daß dann eine vielleicht, hat sie mein Schmerz bewegt, Aus den hohen Versammlungen Niedersteige, das Herz jener, die inniger Mein unsterblicher Geist verlangt, Zu erweichen und sie zu den Empfindungen Gleicher Zärtlichkeit einzuweihn! Also dacht ich und schlief. Und der Unsterbliche Gab mitleidig mir einen Traum. Laura sah ich im Traum, bei ihr den fühlenden, Liedervollen Petrarca stehn. Sie war jugendlich schön, nicht, wie das leichte Volk Rosenwangichter Mädchen ist, Die gedankenlos blühn, nur im Vorübergehn Von der Natur und im Scherz gemacht, Leer an Empfindung und Geist, leer des allmächtigen Triumphierenden Götterblicks. Laura war jugendlich schön, ihre Bewegungen Sprachen alle die Göttlichkeit Ihres Herzens, und wert, wert der Unsterblichkeit, Trat sie hoch im Triumph daher, Schön wie ein festlicher Tag, frei wie die heitre Luft, Voller Einfalt, wie du, Natur. An ihr klopfendes Herz legte Petrarca sich. Also sagte der Glückliche: »Ach, dein klopfendes Herz, was vor Empfindungen Schlägts mir in den bewegten Geist! Jeder wallende Hauch deiner beseelten Brust Hebt mich zu den Unsterblichen! Ach, wie ruh ich so süß! laß mich! die Seele faßt Deiner Liebe Gewalt nicht mehr! Laura, Laura! mein Geist hebt sich, voll hoher Lust, Auf die Hügel der Seligen! Auf die Hügel der Ruh, wo's von Entzückungen Taumelnd schwebt um mein trunknes Haupt! Singet, Söhne des Lichts, meiner Empfindungen Unaussprechliche süße Lust! Singt sie! ich weine sie nur, ja, die Unsterblichkeit Wein' ich froh von der Liebe durch!« »Mein Petrarca!« Sie sprachs; aber nun redeten Frohe Seufzer und Tränen nur. Ach, wie fließt ihr so sanft unter Umarmungen, Ewigkeiten voll Ruh, vorbei! Daß wir dort uns geliebt, ach, wie belohnt uns dies Unsrer Namen Unsterblichkeit Auf der unteren Welt! Unserer Zärtlichkeit Folgt dort Enkel und Enkelin. Enkel, die ihr uns folgt, euch soll die goldne Zeit Lächelnd Blumen und Kränze streun! Ihr sollt glücklicher sein, als es die Herrscher sind, Mehr als siegende Könige! Euch gehorche das Spiel, das von der Leier tönt, Singet, würdig der Ewigkeit, Würdig der, die euch liebt; gebt sie den folgenden Späten Tagen zum Muster hin! Enkelinnen, die ihr Lauras Empfindung habt, Euch verfließe die goldne Zeit, Wie ein ewiger Mau, wie ein gefeirter Tag, Unter süßen Umarmungen! Ihr sollt glücklicher sein, als des Eroberers Braut, die Tochter des Siegenden! Euch nur singe das Spiel, das von der Leier tönt, Seid unsterblich, wie Laura ist!
Salem
Einen festlichen Abend stieg mit dem Schimmer des Mondes Salem, der Engel der Lieb, und mein Schutzgeist, Vom Olympus herab; ich sah den Göttlichen wandeln Und ihn gegen mich lächelnd einhergehn. Ewigblühende Rosen umkränzten sein fließendes Haupthaar, Himmlische Rosen, von Tränen erzogen, Die bei dem Wiedersehn einander Liebende weinten, Als sie kein Tod mehr trennt, und kein Schicksal. Und ein wolkiger Hauch geatmeter Weihrauchsdüfte Floß von dem Haupt des Unsterblichen nieder; Opferdüfte, wie Gott sie bei süßen dankenden Liedern Nach dem Tode die Liebenden opfern, Daß er sie ewig erschuf, und sie, für einander geschaffen, Auf der Erde sich fanden und liebten, Sie kein Schicksal trennte, daß sie nun ewig sich lieben, Weil sie auf Erden sich fanden und liebten. Also näherte Salem sich mir, und tief in mein Herz hin Drang ein Schauer wallender Freuden, Wie ich mich freue, wenn ich ein Kind der Unschuld erblicke Und an Adams Unsterblichkeit denke. Sieh', ein silberner Ton floß von der Lippe des Seraphs, Und er blickte sanfter und sagte: »Ich bin Salem, der Liebenden Engel, die edler sich lieben, Göttlicher, als sich Sterbliche lieben. Wenn es die ersten Empfindungen schlägt, in den stammelnden Jahren Bild' ich das Herz der jungen Geliebten. Lehre dann in Tränen des Knaben Auge zerfließen, Die er unwissend der Sterblichen weinet, Die er lieben soll. Sähe den Knaben die Sterbliche weinen, O, sie würd' ihn da schon umarmen Und ihn lieben, und wüßt' es doch nicht, daß es Liebe wäre, Was sie in seiner Umarmung empfände. Wenn die Sterbliche nun, wie an den Bächen des Himmels Eine Rose der Seraphim, aufblüht Und den Jüngling erblickt, der seiner Einsamkeit Tage Fühlt und seufzend ihr Ende verlanget, Läßt sie der Tränen viel' ihn weinen, Tränen der Wehmut Und der unaussprechlichen Liebe. Denn sie fühlet noch nicht für ihn, was für sie er empfindet, Kennet nicht den zärtlichen Kummer Seiner Seele, den tränenden Blick nicht des wachenden Auges Durch die mitternächtlichen Stunden, Seines Herzens Beklommenheit nicht, worüber er selbst staunt, Weil er noch nie die Bangigkeit fühlte, Nicht sein frommes Gebet; das hatte Der nur vernommen, Der sie für einander erschaffen. Dann, dann sendet mich Gott, dann steig ich in heiligen Träumen In das Herz der Sterblichen nieder. Schlafend sieht sie den Jüngling, wie er in Tränen zerfließet, Und mit bebender Stimme die Liebe Endlich stammelnd ihr sagt, dann wieder in Tränen zerfließet, Und mit stummer Wehmut ihr flehet. Dann empfindet sie große Gedanken, das Glück zu verachten Und die Schattenweisheit der Kleinen, Die, ohnmächtig, die Liebe ganz und die Tugend zu fühlen, Da noch von Glückseligkeit träumen. Ach, dann kommt die selige Stunde der ersten Umarmung Und die jauchzende Jugend der Liebe. Dann erzittern von süßer Entzückung die ewigen Seelen, Von der Begeistrung himmlischer Freuden. Dann erstaun' ich über die hohen Wesen, die Gott schuf, Als er Seelen schuf zu der Liebe. Und wie stolz, mit welcher Empfindung bring' ich die Seelen Nach dem Tode zur ewigen Ruhe, Zu den Scharen der Liebenden alle, die ewig sich lieben, Weil sie auf Erden sich fanden und liebten!« Wenn du der bist, himmlischer Fremdling, ach, wenn du der bist, O, so höre mich, göttlicher Salem! Höre mit Huld mich, du Schönster der Engel, und lehre ich Tugend, Daß ich der Liebe Wonne verdiene! Warum wendest du dich? ach, warum fliehst du mein Auge? Warum muß ich traurend dir nachsehn? Salem, ich hoffte, du solltest mich hören, da die mich nicht höret, Der mein Herz schon lange geweint hat. Ach, ich hoffte, du solltest auch ihr in heiligen Träumen Meiner Seele Bekümmernis zeigen, Mein erzitterndes Herz, wie ich in Tränen zerflösse, Und mit bebender Stimme die Liebe Endlich stammelnd ihr sagte, dann wieder in Tränen zerflösse Und mit stummer Wehmut ihr flehte! Warum wendest du dich? ach, warum fliehst du mein Auge? Warum muß ich traurend dir nachsehn?
An Fanny
Wenn einst ich tot bin, wenn mein Gebein zu Staub Ist eingesunken, wenn du, mein Auge, nun Lang über meines Lebens Schicksal, Brechend im Tode, nun ausgeweint hast,
Und stillanbetend da, wo die Zukunft ist, Nicht mehr hinaufblickst, wenn mein ersungner Ruhm, Die Frucht von meiner Jünglingsträne, Und von der Liebe zu dir, Messias!
Nun auch verweht ist, oder von wenigen In jene Welt hinübergerettet ward: Wenn du alsdann auch, meine Fanny, Lange schon tot bist, und deines Auges
Stillheitres Lächeln, und sein beseelter Blick Auch ist verloschen, wenn du, vom Volke nicht Bemerket, deines ganzen Lebens Edlere Taten nunmehr getan hast,
Des Nachruhms werter, als ein unsterblich Lied, Ach! wenn du dann auch einen Beglückteren Als mich geliebt hast, laß den Stolz mir, Einen Beglückteren, doch nicht Edlern!
Dann wird ein Tag sein, den werd ich auferstehn! Dann wird ein Tag sein, den wirst du auferstehn! Dann trennt kein Schicksal mehr die Seelen, Die du einander, Natur, bestimmtest.
Dann wägt, die Waagschal in der gehobnen Hand, Gott Glück und Tugend gegeneinander gleich; Was in der Dinge Lauf jetzt mißklingt, Tönet in ewigen Harmonien!
Wenn dann du dastehst jugendlich auferweckt, Dann eil ich zu dir! säume nicht, bis mich erst Ein Seraph bei der Rechten fasse, Und mich, Unsterbliche, zu dir führe.
Dann soll dein Bruder, innig von mir umarmt, Zu dir auch eilen! dann will ich tränenvoll, Voll froher Tränen jenes Lebens Neben dir stehn, dich mit Namen nennen,
Und dich umarmen! Dann, o Unsterblichkeit, Gehörst du ganz uns! Kommt, die das Lied nicht singt, Kommt, unaussprechlich süße Freuden! So unaussprechlich, als jetzt mein Schmerz ist.
Rinn unterdes, Leben. Sie kommt gewiß Die Stunde, die uns nach der Zypresse ruft! Ihr andern, seid der schwermutsvollen Liebe geweiht! und umwölkt und dunkel!
Der Abschied
Wenn du entschlafend über dir sehen wirst Den stillen Eingang zu den Unsterblichen, Und aufgetan die erdeferne Pforte des Himmels, enthüllt den Schauplatz
Der Ewigkeit; dann nahe dir hören wirst Die Donnerrede des, der Entscheidung dir Kundtut; so feirlich spricht die Gottheit, Wenn sie das Urteil der Tugend ausspricht;
Wenn du dann lächelnd näher dir hören wirst Die Stimme Salems, welcher dein Engel war, Und, mit des Seraphs sanftem Laute, Deines entschlafenen Freundes Stimme:
Dann werd ich vor dir lange gestorben sein. Den letzten Abend sprach ich, und lehnte mich An deines Bruders Brust, und weinend Senkt ich die Hand ihm in seine Hand hin:
»Mein Schmidt, ich sterbe, sehe nun bald um mich Die großen Seelen, Popen und Addison, Den Sänger Adams neben Adam, Neben ihm Eva mit Palmenkränzen,
Der Schläfe Miltons heilig, die himmlische, Die fromme Singer, bei ihr die Radikin, Und, durch des Tod mich Staunen traf, daß Traurigkeit auch, und nicht Freud allein sei
Auf Erden, meinen Bruder, der blühte, schnell Abfiel! Bald tret ich in die Versammlungen, Hin ins Getön, ins Halleluja, In die Gesänge der hohen Engel.
Heil mir! mein Herz glüht, feurig und ungestüm Bebt mir die Freude durch mein Gebein dahin! Heil mir! die ewig junge Seele Fließet von Göttergedanken über!
Schon halb gestorben, lebet von neuem mir Der müde Leib auf; so werd ich auferstehn, Der süße Schauer wird mich fassen, Wenn ich mit dir von dem Tod erwache.
Wie mir es sanft schlägt, leg an mein Herz dich, Freund! Ich lebt', und, daß ich lebte, bereu ich nicht, Ich lebte dir, und unsern Freunden, Aber auch ihm, der nun bald mich richtet!
Ich hör, ich höre fern schon der Waage Klang, Nah ihr der Gottheit Stimme, die Richterin; O, wäre sie, der bessern Taten Schale, so schwer, daß sie überwöge!
Ich sang den Menschen menschlich den Ewigen, Den Mittler Gottes. Unten am Throne liegt Mein großer Lohn mir, eine goldne, Heilige Schale voll Christentränen.
Ach, schöne Stunden, traurige schöne Zeit, Mir immer heilig, die ich mit dir gelebt! Die erste floß uns frei und lächelnd, Jugendlich hin, doch die letzte weint' ich!
Mehr, als mein Blick sagt, hat dich mein Herz geliebt, Mehr, als es seufzet, hat dich mein Herz geliebt! Laß ab vom Weinen, sonst vergeh ich: Auf, sei ein Mann! geh, und liebe Rothen!
Mein Leben sollte hier noch nicht himmlisch sein, Drum liebte die mich, die ich so liebte, nicht. Geh, Zeuge meines Trauerlebens, Geh, wenn ich tot bin, zu deiner Schwester,
Erzähl, nicht jene mir unvergeßlichen Durchweinten Stunden, nicht, wie ein trüber Tag, Wie Wetter, die sich langsam fortziehn, Mein nun vollendetes kurzes Leben,
Nicht jene Schwermut, die ich an deiner Brust Verstummend weinte. Heil dir, mein teurer Freund, Weil du mit allen meinen Tränen Mitleid gehabt, und mit mir geweint hast!
Vielleicht ein Mädchen, welches auch edel ist, Wird, meiner Lieder Hörerin, um sich her Die Edlen ihrer Zeit betrachten, Und mit der Stimme der Wehmut sagen:
O lebte der noch, welchem so tief das Herz Der Liebe Macht traf! - Die wird dich segnen, Freund, Weil du mit meinen vielen Tränen Mitleid gehabt, und mit mir geweint hast!
Geh, wenn ich tot bin, lächelnd, so wie ich starb, Zu deiner Schwester; schweige vom Traurenden; Sag ihr, daß sterbend ich von ihr noch Also gesprochen, mit heitrem Blicke;
Des Herzens Sprache, wenn sie mein toter Blick Noch reden kann, ach, sag ihr: Wie liebt ich dich! Wie ist mein unbemerktes Leben, Dir nur geheiligt, dahingegangen!
Des besten Bruders Schwester! Nimm, Göttliche, Den Abschiedssegen, welchen dein Freund dir gibt; Gelebt hat keiner, der dich also Segnete, keiner wird so dich segnen.
Womit der lohnet, welcher die Unschuld kennt, Von aller hohen himmlischen Seligkeit, Von jener Ruh der frommen Tugend, Fließe dein göttliches Herz dir über!
Du müssest weinen Tränen der Menschlichkeit, Viel teure Tränen, wenn du die Dulder siehst, Die vor dir leiden, durch dich müsse Deinen Gespielinnen sichtbar werden
Die heilge Tugend, Gottes erhabenste, Hier nicht erkannte Schöpfung, und selige, Von ihrem Jubel volle Freuden Müssen dein jugendlich Haupt umschweben,
Dir schon bereitet, da du aus Gottes Hand Mit deinem Lächeln heiter gebildet kamst; Schon da gab dir, den du nicht kanntest, Heitere Freuden, mir aber Tränen!
O schöne Seele, die ich mit diesem Ernst So innig liebte! Aber in Tränen auch Verehr ich ihn, das schönste Wesen, Schöner als Engel ihn denken können.
Wenn hingeworfen vor den Unendlichen Und tief anbetend ich an des Thrones Fuß Die Arme weit ausbreite, für dich Hier unempfundne Gebete stammle:
Dann müss' ein Schauer von dem Unendlichen, Ein sanftes Beben derer, die Gott nun sehn, Ein süßer Schauer jenes Lebens Über dich kommen, und dir die Seele
Ganz überströmen. Über dich müssest du Erstaunend stehn und lächelnd gen Himmel schaun. Ach, dann komm bald im weißen Kleide, Wallend im lieblichen Strahl der Heitre!«
Ich sprachs, und sah noch einmal ihr Bildnis an Und starb. Er sah das Auge des Sterbenden, Und klagt, ihr nicht, weil er sie liebet, Daß ihm zu früh sein Geliebter hinstarb.
Wenn ich vor dir so werde gestorben sein, O meine Fanny, und du auch sterben willst: Wie wirst du deines toten Freundes Dich in der ernsteren Stund erinnern?
Wie wirst von ihm du denken, der edel war, So ganz dich liebte? wie von den traurigen, Trostlos durchweinten Mitternächten, Von der Erschütterung seiner Seele?
Von jener Wehmut, wenn nun der Jüngling oft, Dir kaum bemerket, zitternd dein Auge bat Und schweigend, nicht zu stolz, dir vorhielt, Daß die Natur ihn für dich geschaffen?
Ach, dann! wie wirst du denken, wenn schnell dein Blick Und ernst ins Leben hinter dem Rücken schaut? Das schwör ich dir, dir ward ein großes, Göttliches Herz, und das mehr verlangte.
Stirb sanft, o, die ich mit unaussprechlicher Empfindung liebte! Schlummr' in die Ewigkeit Mit Ruh hinüber, wie dich Gott schuf, Als er dich machte voll schöner Unschuld!
An Gott
A nice and subtile happiness I see Thou to thyself proposest, in the choice Of thy associates. Milton
Ein stiller Schauer deiner Allgegenwart Erschüttert, Gott! mich. Sanfter erbebt mein Herz, Und mein Gebein. Ich fühl, ich fühl es, Daß du auch hier, wo ich weine, Gott! bist.
Von deinem Antlitz wandelt, Unendlicher, Dein Blick, der Seher, durch mein eröffnet Herz. Sei vor ihm heilig, Herz, sei heilig, Seele, vom ewigen Hauch entsprungen!
Verirrt mich Täuschung? oder ist wirklich wahr, Was ein Gedanke leise dem andern sagt? Empfindung, bist du wahr, als dürf' ich Frei mit dem Schöpfer der Seele reden?
Gedanken Gottes, welche der Ewige, Der Weis' itzt denket, wenn ihr den menschlichen Gedanken zürnet: o wo sollen Sie vor euch, Gottes Gedanken, hinfliehn?
Flöhn sie zum Abgrund: siehe, so seid ihr da! Und, wenn sie bebend in das Unendliche Hineilten; auch im Unbegrenzten, Wärt ihr, Allwissende, sie zu schauen!
Und, wenn sie Flügel nähmen der Seraphim, Und aufwärts flögen, in die Versammlungen, Hoch ins Getön, ins Halleluja, In die Gesänge der Harfenspieler:
Auch da vernähmt ihr, göttliche Hörer, sie! Flieht denn nicht länger, seid ihr auch menschlicher, Flieht nicht; der ewig ist, der weiß es, Daß er in engen Bezirk euch einschloß.
Des frohen Zutrauns, ach, der Beruhigung, Daß meine Seele, Gott, mit dir reden darf, Daß sich mein Mund vor dir darf öffnen, Töne des Menschen herabzustammeln!
Ich wag's, und rede! Aber du weißt es ja, Schon lange weißt du, was mein Gebein verzehrt, Was, in mein Herz tief hingegossen, Meinen Gedanken ein ewig Bild ist!
Nicht heut erst sahst du meine mir lange Zeit, Dir Augenblicke, weinend vorübergehn! Du bist es, der du warst; Jehova Heißest du, aber ich Staub von Staube!
Staub, und auch ewig! denn die Unsterbliche, Die du mir, Gott, gabst, gabst du zur Ewigkeit! Ihr hauchtest du, dein Bild zu schaffen, Hohe Begierden nach Ruh und Glück ein!
Ein drängend Heer! Doch eine ward herrlicher Vor allen andern! Eine ward Königin Der andern alle, deines Bildes Letzter und göttlichster Zug, die Liebe!
Die fühlst du selber, doch als der Ewige; Es fühlen jauchzend, welche du himmlisch schufst, Die hohen Engel deines Bildes Letzten und göttlichsten Zug, die Liebe!
Die grubst du Adam tief in sein Herz hinein! Nach seinem Denken von der Vollkommenheit, Ganz ausgeschaffen, ihm geschaffen, Brachtest du, Gott, ihm der Menschen Mutter!
Die grubst du mir auch tief in mein Herz hinein! Nach meinem Denken von der Vollkommenheit, Ganz ausgeschaffen, mir geschaffen, Führst du sie weg, die mein ganzes Herz liebt!
Der meine Seele ganz sich entgegengießt, Mit allen Tränen, welche sie weinen kann, Die volle Seele ganz zuströmet, Führst du sie mir, die ich liebe, Gott, weg!
Weg durch dein Schicksal, welches unsichtbar sich Dem Auge fortwebt, immer ins Dunklre webt! Fern weg den ausgestreckten Armen, Aber nicht weg aus dem bangen Herzen!
Und dennoch weißt du, welch ein Gedank' es war, Als du ihn dachtest, und zu der Wirklichkeit Erschaffend riefst, der, daß du Seelen Fühlender, und füreinander schufest!
Das weißt du, Schöpfer! Aber dein Schicksal trennt Die Seelen, die du so füreinander schufst, Dein hohes, unerforschtes Schicksal, Dunkel für uns, doch anbetungswürdig!
Das Leben gleichet, gegen die Ewigkeit, Dem schnellen Hauche, welcher dem Sterbenden Entfließt; mit ihm entfloß die Seele, Die der Unendlichkeit ewig nachströmt.
Einst löst des Schicksals Vater in Klarheit auf, Was Labyrinth war; Schicksal ist dann nicht mehr. Ach, dann, bei trunknem Wiedersehen, Gibst du die Seelen einander wieder!
Gedanke, wert der Seel' und der Ewigkeit! Wert, auch den bängsten Schmerz zu besänftigen! Dich denkt mein Geist in deiner Größe; Aber ich fühle zu sehr das Leben,
Das hier ich lebe. Gleich der Unsterblichkeit Dehnt, was ein Hauch war, fürchterlich mir sich aus! Ich seh, ich sehe meine Schmerzen, Grenzenlos dunkel, vor mir verbreitet!
Laß, Gott, dies Leben leicht wie den Hauch entfliehn! Nein, das nicht! gib mir, die du mir gleich erschufst! Ach, gib sie mir, dir leicht zu geben, Gib sie dem bebenden bangen Herzen!
Dem süßen Schauer, der ihr entgegenwallt! Dem stillen Stammeln der, die unsterblich ist, Und, sprachlos ihr Gefühl zu sagen, Nur, wenn sie weinet, nicht ganz verstummet!
Gib sie den Armen, die ich voll Unschuld oft, In meiner Kindheit, dir zu dem Himmel hub, Wenn ich, mit heißer Stirn voll Andacht, Dir um die ewige Ruhe flehte!
Mit einem Winke gibst du, und nimmst du ja Dem Wurm, dem Stunden sind wie Jahrhunderte, Sein kurzes Glück, dem Wurm, der Mensch heißt, Jähriget, blühet, verblüht, und abfällt.
Von ihr geliebet, will ich die Tugend schön Und selig nennen, will ich ihr himmlisch Bild Mit unverwandten Augen anschaun, Ruhe nur das, und nur Glück das nennen,
Was sie mir zuwinkt! Aber, o Frömmere, Dich auch, o, die du ferner und höher wohnst, Als unsre Tugend, will ich reiner, Unbekannt, Gott nur bemerket, ehren!
Von ihr geliebet, will ich dir feuriger Entgegenjauchzen, will ich mein voller Herz In heißern Hallelujaliedern, Ewiger Vater, vor dir ergießen!
Dann, wenn sie mit mir deinen erhabnen Ruhm Gen Himmel weinet, betend, mit schwimmendem, Entzücktem Auge, will ich mit ihr Hier schon das höhere Leben fühlen!
Das Lied vom Mittler, trunken in ihrem Arm Von reiner Wollust, sing ich erhabner dann Den Guten, welche gleich uns lieben, Christen wie wir sind, wie wir empfinden!
|