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C. Cißides und Paches
in drey Gesängen vom Verfasser des Frühlings
Cißides und Paches
VORREDE: Ich bilde mir nicht ein, durch dieß Gedicht die Welt mit einem Heldengedicht zu bereichern. Meine Absicht war, einen kleinen kriegerischen Roman aufzusetzen; und nach dieser Absicht wird mich der Leser beurtheilen. Den Abschnitt des Verses habe ich nicht immer an dieselbe Stelle gesetzt, weil ich besorgte, durch den beständigen Gleichlaut den Leser zu ermüden. Sollte ich aber Übelklang durch die genommene Freyheit verursacht haben: so bitte ich das Gedicht wie Prose zu lesen. Der Verfasser.
Erster Gesang
Die beyden Freunde, die voll Edelmuth Sich gegen ein gewaltig Heer Athens, Mit kleiner Macht, beherzt vertheidigten, Besing ich. Muse sey dem Vorsatz hold! Begeistre mich, auf daß der ehrne Klang Des Kriegs, aus iedem Ton erschall! Auf daß Mein Lied der großen That nicht unwerth sey!
Kaum starb der griechsche Held, für dessen Muth Der Orient erbebt, als sich Athen Erkühnete, gereitzt durch Eigennutz, Vom Macedonschen Reich, Thessalien Zu sich zu reißen, und ein furchtbar Heer Versammelt' und es dem Leosthenes Vertraute. Wie ein Strom, im frühen Lentz, Von Regengüssen und geschmoltznem Schnee Geschwollen, rauscht, und aus den Ufern dringt, Die Flur zum Meere macht und Wohnungen Des Landmanns, Bäum und Stein fortrollt und tobt, Daß Fels und Wald erschrickt und drüber klagt; So rauscht die wilde Schaar Athens daher, Verheert und überschwemmt Thessalien.
Antipater6 zog sich mit seiner Macht Aus Lamia7 zurück, dem kühnen Feind Im freyen Feld die Stirn zu biethen. Nur Blieb Cißides als Haupt von wenig Volck In einem festen Schloß bey Lamia; Und Paches gab darinn nach ihm Befehl, Den gleiche Tugend ihm zum Freund gemacht.
"Ihr Macedonier!" Sprach Cißides Zur kleinen Schaar, die um die Mau'r bereits Den fernen Feind mit Blicken tödtete, "Ihr Macedonier! Zeigt ietzt, daß ihr Verdienetet von Alexandern einst Gebothe zu empfahn. Sein Heldengeist Sieht vom Olymp auf alles, was ihr thut. Den, der fürs Vaterland den Tod nicht scheut Erwartet sein Olymp und ewger Ruhm, Wie ewge Schande den, dem Muth gebricht. Die Menge nicht, nur Muth macht Heere starck, Und nur durch ihn bezwangt ihr sonst die Welt. Athen ist nicht die Welt. Es wird, es wird Sich neigen für Antipater und uns! Durch uns geschwächt erliegt Leosthenes, Und durch Verlust von seinem halben Heer Erkauf er unser Schloß! Erinnert euch, O Macedonier! stets wer ihr seyd! Und fechtet noch, auf Knien, wenn ihr fallt!" So sagt er; Und ein laut Gemurmel, wie Vor nahem Sturm im regen Meer entsteht, Durchlief die Schaar. Ein Krieger, der mit Blut Den Ganges färben half, dem edler Stoltz Im ofnen Angesicht voll Narben saß, Erhub die Stimm und sprach zum Cißides: "Mißtrauen hat das Heer, das dir gehorcht," Noch nie verdient, und doch zeigt was du sagst Mißtraun und Sorgen an. Derselbe Geist Der Tapferkeit beseelt uns noch, der uns In Asien beseelte. Jeder denckt In Nächten, die, für Ehrbegierd erhitzt, Er oft durchwacht, an nichts als seine Pflicht, Und seinen künftgen Ruhm. Sein Leben hat Ein jeder gegens Wohl des Vaterlands Und gegen seinen Ruhm verrechnet. Wird Von Helden was geredt; horcht jeder auf, Und glaubt es geh ihn an. Mehr Zuversicht! Mehr Zuversicht zu uns, o Cißides! Von Schande sprich uns nicht, und Feigheit nicht! Bis auf den letzten Mann wird sich dein Volck Vertheidigen; und hat die Schickung mich Zum letzten ausersehn, so fecht ich noch, Bis mit dem Blut das Leben von mir fließt.
Der Feldherr sprach: O Freunde! nie hat mich Ein Schatten von Mißtrauen gegen euch Und euren Muth, gequält, und ich bin stoltz, Daß solch ein Heer mir anvertrauet ist. Ehr und Unsterblichkeit ist unser Theil; Denn unsre Thaten wird einst das Gerücht Auf ewgen Fittigen von einen Pol Zum andern tragen, und es wird einmal Gestirn nach uns benannt, und unser Ruhm Wird funckeln ewiglich am Horizont."
Wenn, vom Orcan gepeitscht, des Meeres Fluth, Die mit den sinckenden Gewölcken sich, Hoch in der finstern Luft, zu mischen schien, Gleich Berg und Felsen im Erdbeben, fällt, Und wieder steigt und fällt, daß alles heult, Und alles Donner wird, und schnell Neptun Den mächtigen Trident mit starckem Arm Aus Wasserbergen hebt; wie dann der Sturm Verstummt, die Flügel nicht mehr regt, und Meer Und Himmel ruhig wird, daß Phöbus lacht, Und jeder Strahl von ihm im Meere blitzt: So legte sich der Schaar Unwille schnell Nachdem der Feldherr dieß zu ihr gesagt, Und Hofnung flößte Lust den Tapfern ein.
Indessen nahte sich der kühne Feind, Und Mann und Roß trat aus dem Staub hervor.8 Ein unabsehlich Heer, das Bogen, Pfeil Und lange Spieße, Schild', und Schwerdter trug, Zog einen Kreis ums Schloß im wilden Lerm. Und eine weiße Stadt von Zeltern, stieg Schnell aus der Erd. Im Meere sehen so Beym Mondenschein die lichten Wellen aus -
Mit Pfeilen und Ballisten9 war der Feind Nicht zu erreichen, drum faßt Cißides Kühn den Entschluß, ihn in der nahen Nacht Zu überfallen, und den Schlaf in Todt Ihm zu verwandeln. Bald sank sie herab Vom Himmel, diese Nacht. Und Paches nahm Zweyhundert Krieger aus der dunkeln Burg Und überfiel in Eil den müden Feind, Den gleichsam Schlaf von Bley belästigte.
Wie ein gewaltger Sturm den Hayn ergreift Auf Eichen Eichen stürzt, und eine Bahn Sich durch die Wohnung der Dryaden macht; So machte Paches auch sich eine Bahn Durchs Feindes Lager, würgt und tödtete Erst die entschlafne Wacht, dann eilt er fort, Und tränkte Schwerdt und Spieß mit vielem Blut, Und machte jedes Zelt zur Todtengruft, Bis, durch der Sterbenden Geschrey erweckt, Das weite Lager zu den Waffen griff. Schnell zündet' er die öden Zelter an. Das Feuer lief durch ihre Reihn - Und schnell Lief jedermann nach seinem leichten Haus, Entweder es zu löschen, oder auch Es einzureißen, wenns vom Feur noch nicht Ergriffen war. Indessen zog, vergnügt Und unverfolgt, sich Paches in die Burg, Und sah draus, selbst erstaunt, am Morgen, was Sein Schwerdt und die Gewalt des Feuers verübt.
Leosthenes ergrimmt. Im Lager kam Kaum der Ballisten Last beschwerlich an, Und Katapulte10, Thürm11 und was die Wuth Zum Untergang der Menschen ausgedacht; Als er dem Schlosse sich in Gräben12, und Verdecken13 näherte. Nichts wird versäumt Was fähig war, es mit Gefahr und Todt Zu füllen. Eisen fiel wie Regen drein. Der Felsenstücke Last, von dem Ballist Geschleudert, sauset', (und durchkreuzte sich, Irrsternen gleich, im Raum der finstern Luft) Und jeden, den sie traf, begrub sie tief. Und vom Geschrey der Stürmenden erklang Des Himmels Bühne weit, wie sie erklingt Vom tausendstimmigen Sturmwinde, wie Der Wald in Lybien ertönt, wenn Löw Und Tyger, und manch wütend Thier ins Netz Der schreynden Jäger fällt, und heult und brüllt; Der Widerhall brüllt von den Felsen auch, Und jede Höle brüllt. - Doch Cißides Blieb ruhig und ward nicht betäubt vom Lerm, Und überschüttet' auch mit Todt den Feind. Gleichsam ein Wolkenbruch von Steinen fiel Aufs Heer Athens. Der mächtge Katapult Durchbohrte Brustwehr und den Feind zugleich Mit langen Pfeilen, wie des Blitzes Strahl, Und Spießen. Eine Erndt Erschlagener Lag auf dem Felde weit verbreitet. Selbst Des Feindes Widder, die den Grund der Mau'r Erschütterten, (wie Harz und Schwefel, in Der Erd entbrannt, die Felsen beben macht, Und spaltet) und die Mauerbohre, Thürm, Sammt der gewaltigen Phalangen14 Wuth, Auch Schaaren, die gehoben in die Luft Durch Hebel, auf Gerüsten15 stürmeten, Erschreckten nicht die Macedonier. Das Ungewitter, das vom Schlosse fiel, Zerschlug, und schleuderte zum Grund den Feind. So schlug die wüthenden Giganten Zevs, Als sie den Himmel zu bekriegen, Berg Auf Berg gethürmt. Sein Blitz warf sie herab, Verbrannt und blutig lag die tolle Schaar Umher, und maß der Berge Höh verkehrt. - -
Doch blieb auch mancher Held des Cißides; Die Todten lagen in der Burg, gehäuft, Wie Halmen, die die Sichel hat gefällt. Den tapfern Parmeo16 durchbort ein Pfeil; Simotes auch. Dem Zelon, der allein Ein Heer an Muth und Geiste war, zerschlug Ein Felsstück beide Bein'. Er lebte lang' Ein grausam Leben, und verbiß den Schmerz Voll Großmuth. Endlich fand sein Bruder ihn Im Kampf mit Schmerz und Todt, und schlug, erblaßt, Die Hände über sich zusammen. Selbst Dem Tode für Entsetzen nah, verband Er den Geliebtesten. Ein Thränenbach Floß ihm vom Aug. - - Ach Bruder, endige "Mein Leben! Endig' es, o du, um den Es mir allein gefiel, sprach Zelon. Nimm Mein unnütz Gold von mir, das du, und nicht Der Feind verdient - Allein der Bruder weint," Und gieng davon. Verlässest du mich auch? Rief Zelon, "Gönnst du mir langsamen Todt?" "Sonst treuster Freund, gönnst du mir, daß ich noch Den Schmerzen und der Schwachheit unterlieg' Und winsel' und nicht sterbe wie ein Held? Grausamer geh! und rühme dich nur nie, Daß du mein Bruder warst! - Der Bruder kehrt" Zurück, umarmet den Verwundeten, Auf dessen Lippen mit den seinigen Er lang' erstarret lag, indessen daß Mit Schmerzen und mit Jammer Zelon rang. Zuletzt setzt er den Bogen auf die Brust Dem Flehenden, mit weggewandtem Blick. Mitleidig fuhr der Pfeil ihm durch das Herz, Und endigt' ihm die Qvaal. Und jammernd floh Der edle Mörder, der freundschaftliche, Zur Maur, um auch den Todt fürs Vaterland Dem Bruder gleich zu sterben, aber ließ, Zu groß zum Eigennutz, der Leich ihr Gold.
Ende des ersten Gesangs
Zweyter Gesang
Leosthenes sah, daß die Burg mit Sturm Schwer zu erobern war; Er gab demnach Befehl, sie in den Brand zu stecken. Schnell Warf der Ballist, statt Steinen, eine Saat Von Klumpen griechschen Feurs17. - Wie, wenn Vesuv Sein brennend Eingeweid hoch durch die Luft Umher speyt, mit erschrecklichem Geräusch Der Feuerregen in ein Feuermeer Im Thal zusammenfließt, und weit das Feld Mit laufenden und rothen Wellen deckt, Daß sich das Wasser in den Seeen scheut Und vor dem Lande flieht, daß Felß und Meer, Erschrickt und jammert: So floß in der Burg Der Feuerregen in ein Feuermeer Zusammen; Todt und Schrecken schwamm darauf.
Bald donnert' in des Schlosses Innerem Die Flamme wie im Bauch der Höll', und fuhr Zu allen Fenstern und zum Dach heraus In Strudeln. Und der ganze Bau ward Gluth, Fiel in einander, wie ein Fels, von Blitz Gespalten, fällt. Die Erde zitterte; Des Himmels weiter Raum erscholl umher. - Zu löschen war umsonst. Auch drang der Feind Stets wüthender heran, und dacht einmal Den macedonschen Muth zu schwächen. - Doch Er schwächt' ihn nicht, und Cißides blieb stets Derselbe; Paches auch. Sie breiteten Nacht übers Volk Athens, mit Pfeilen, aus, Ermunterten ihr Heer, und wo Gefahr Groß war, da waren sie. Begegneten Sie sich, so sahen sie vergnügt sich an. Schwieg gleich der Mund, so sprach ihr Auge viel, Und sagt: Unsterblichkeit ist unser Theil! - Doch auch die Freundschaft sah zum Blick heraus, Und es blieb ungewiß, ob Heldenmuth Die Freunde mehr beherrscht', als Zärtlichkeit. Sie drückten sich die Händ', und eilten dann Wohin sie Ehre trieb, und wo der Tod In Feur und Stein, und Pfeilen sausete. - Gleich unerschrocken blieb ihr kleines Heer. Sah jemand seinen Freund getödtet: floß, Vom trüben Aug ihm eine Thränenfluth; Doch schickt er Pfeil auf Pfeil dem Feinde zu. -
Zuletzt befiel den von dem Streit, vom Brand Und Noth an Ruh, erhitzten Cißides Ein heftger Durst. Er kämpfte lange schon Mit Angst und Ohnmacht, weil Getränk gebrach. (Des Schlosses Brunnen war verschüttet von Ruinen. -) Ach ich sterbe! sagt' er schwach Zum Paches; schon seh ich den Himmel schwarz; Durst ist mein Tod und nicht Leosthenes. - Sein Freund erblaßte mehr für Angst als er, Und eilte fort, und schöpft in seinen Helm Von eben nur Erschlagnen, Blut, und brachts Dem Cißides, und sagte: Trink! Er trank Und seufzte schaudernd: Ach! ihr Götter! ach! Wozu bringt ihr die schwachen Sterblichen! - Allein er ward erquickt, und Heiterkeit Kam ihm ins Antlitz. Nach dem Thau der Nacht Erheben Blumen so (die schon die Au Besäen wollten mit der Blätter Schmuck, Gedruckt vom Sonnenstrahl des vorgen Tags) Voll Pracht ihr hangend Haupt, und glänzen, wie Der helle Morgenstern, der auf sie sieht. - Er ward erquickt der tapfre Cißides, Und eilte zu der Maur, wo alles noch Mit Löwenmuthe stritt', ob gleich die Zahl Der Todten seines Volks schon größer war, Als der noch Lebenden. Er kam nicht hin! Ein Pfeil flog über die zerfallne Burg, Und fuhr dem Helden - Ach erschreckliche Erinnrung! Müssen auch des Todes Raub Diejengen seyn, die zu der Erde Glück, Zu leben ewiglich verdieneten! - Fuhr in den Rücken ihm und durch die Brust. Er fiel aufs Angesicht. Gefühllos lag Er lange so. - Erhohlte sich dennoch, Und wollte sich erheben, aber Kraft Gebrach ihm. - Paches kam, und fand den Freund Im Blute schwimmend. Ach, wer kann den Schmerz Des Redlichen beschreiben! Ohne sich Zu regen stand er. - So erstarrt die Fluth Im Winter, wenn der rauhe Nordwind stürmt; Sein Athem rührt sie an, und sie ist Stein. Ach, sagte Cißides, zieh doch den Pfeil Mir aus dem Rücken, Freund, und kehr mich um! Der Tod fürs Vaterland wird mir nicht schwer; Die Art des Todes nur wird mirs. Wer so Mich findet, kann vermuthen, als hätt ich Die Brust dem Feinde nicht gezeigt. Laß nicht Mit Schande mich mein Leben endigen, Da stets mein Wunsch nur Ehr und Tugend war! Und Paches zog den Pfeil18 zur Wund' heraus (Blut stürzt dem Eisen nach, wie Wasser aus Der Quell') umarmet' und erhub den Freund Mit Thränen in dem Aug, und kehrt ihn um. Hab Dank! - - Leb ewig wohl! - - sprach Cißides, Freund! - - und verschied. Von tausend Sterbenden Die Quaal zusammen, ist kein Theil der Quaal, Die Paches fühlt'. Er glaubt nur halb zu seyn, Wehklagte laut und irrte wild umher, Wie eine Löwin in der Wüste, wenn Man ihr die Jungen raubt. Das Heer erschrack, Und klagte mit. Der Feind erfuhr den Schmerz Desselben, durch Ballist und Katapult. Von Neuerschlagnen raucht umher das Feld, Blut und Gehirn und Leichen deckten es.
Ende des zweyten Gesangs.
Dritter Gesang
Nachdem der Feind den Cißides nicht mehr Erblickte, der, durch einen Federbusch Am Helm, erkenntlich war, vermuthet er Den Tod desselben, und dacht im Triumph Bald in das Schloß zu steigen, wenn ers jetzt Aufbiethen ließ'. Ein Herold ward dazu Befehliget. Sein Roß war stolz, wie er; Es schien die Erde zu verachten, kaum Berührt es sie mit leichten Füssen, schnob Und wieherte zu der Trompete Klang Und foderte zum Kampf heraus, wie er.
"Euch wenigen, sagt er, indem er sich" Der Mauer naht, "euch wenigen, die noch "Die Macht der Waffen des Leosthenes Bisher verschonet hat, euch biethet er Das Leben an, und seine Gnad', im Fall Ihr euch an ihn ergebt. Verwegenheit Ist euer vermeinter Muth. - Seht um euch! seht, Was für ein zahlreich Volk euch noch umschließt! Seht, seine Spieß' erheben sich umher, Wie Ähren auf dem Feld'! Und Tapferkeit Wird in den Busen sie euch tauchen, wenn Ihr länger kämpft. Laßt eure Wuth einmal Gehorchen der Vernunft, und übergebt Die Maur der öden Burg dem Heere, das Voll Langmuth euch bewundert und nicht scheut. Wählt seine Huld, wo nicht, so wählt den Tod!
Wir haben längst gewählt, sprach Paches. (Ernst Und Majestät sah aus dem Angesicht Des Helden.) Tod ist unser Wunsch und Glück, Wenn wir dadurch des Vaterlandes Wohl Erkaufen können. Und wir werden es Gewiß dadurch erkaufen! Schande trift Den niedern Stolz und Geitz Athens gewiß! Warum bekriegtet ihr uns ehmals nicht, Als Alexander uns beherrschte? Glaubt Ihr, unser Muth sey mit ihm eingescharrt? Und wenn ihr dieses glaubt; ists edel, daß Ihr Schwachheit überfallt? - Allein! allein! Noch lebt des Helden Geist in seinem Heer, Und eure Scheitel wird es fühlen. - Auch Raubt uns der Tod des Cißides nicht Muth; Mit ihm liegt unsre Lust, nicht Tapferkeit. Nicht euch, nicht Tod, nur Schande fürchten wir."
Der Herold brachte dem Leosthenes Die Antwort kaum; als alles um die Burg Zum Angrif sich bereitete. Wenn Sturm Aus Äols Höle fällt, wie Wasser aus Der Schleus', und drückt den Wald, dann neigen sich Die starken Wipfel zu der Erd herab; Tumult herrscht überall, und jeder Zweig Vermehret das Geräusch; der Klüfte Schlund Brüllt dumpfigt; tauber Lerm erfüllet weit Des Himmels Raum, drinn Wolke Wolke jagt: So auch erwacht im ganzen Heer Athens Schnell Aufruhr. Thurm, Ballist und Katapult Und Hebel, Bohr und alles regte sich, Und nahte sich dem Schloß in wildem Lerm.
Zwar Paches ließ an tapfrer Gegenwehr Nichts mangeln. Pfeil und Steine schlugen den Erhitzten Feind, wie Schloßen schwaches Korn, Darnieder. Tieger sind so wüthend nicht, Wenn man zum Zorn sie reitzet, wie sein Heer Jetzt war. Doch die Besatzung war zu schwach, Und allgemein der Sturm. Mißlung es hier Dem Feinde, so erstieg er dort die Maur. Das Schloß ward überschwemmt, und ward ein Raub Des Todes. So verschlingt die Fluth des Meers Das Ufer nach der Ebb', und was sich ihm Genaht. Wo Blumen jetzt stolzierten, tobt In Wasserwogen das Verderben, jetzt. -
Auch Paches ward des Todes Raub, wie sein Furchtloses Heer. Leosthenes fand ihn Durchbort und hingestreckt, und kannt ihn an Der Rüstung. Lange sah mitleidig er, Nebst seinem Volk, das auf die Spieße sich Umher gelehnt, den todten Helden an, Und eine Thräne floß ihm von dem Aug'. Er sah noch Edelmuth in Zügen des Erblaßten Angesichts. - Drauf wünscht' er, auch Den Cißides zu sehn, doch lang' umsonst. Zuletzt erblickt er einen Teppich auf Der Erd', erhub ihn und erschrak, als sich Ein Macedonier aufrichtete, Der mit dem Cißides darunter lag. "Was liegst du bey dem Todten? trug man ihn. Er war mein Herr, erwidert' er; doch mehr Mein Vater. Ich war, als er lebt' ihm treu; Solt ich vergessen es anjetzt zu seyn? Ihr habt ihn mir geraubt, raubt mir nur auch Das Leben, meine Last! - Ein Thränenguß" Netzt ihm das Angesicht. Leosthenes Raubt ihm das Leben nicht, dem redlichen Schildträger, sondern pries die seltne Treu, Und tröstete den immer jammernden, Und schenkt' ihm viel. Betrachtete nachher, Sammt dem gerührten Volk, den Cißides Und glaubte die entwichne Seele noch In großen Zügen des Gesichts zu sehn; Beweint' ihn, ließ die Asche beyder Freund' In einer Urn bewahren, ihnen auch Ein prächtig Denkmal baun, und zog sich drauf Schnell nach Athen zurück. Sein Heer war so Geschwächt, daß er vergaß in einer Schlacht Antipatern zu überwältigen. Und so ward, durch der beyden Freunde Muth, Des Vaterlands Verderben abgewandt.
Ihr Krieger! die ihr meiner Helden Grab In später Zeit noch seht, streut Rosen drauf, Und pflanzt umher von Lorbern einen Wald! Der Tod fürs Vaterland ist ewiger Verehrung werth. - Wie gern sterb ich ihn auch Den edlen Tod, wenn mein Verhängniß ruft! Ich, der ich dieses sang im Lerm des Kriegs, Als Räuber aller Welt mein Vaterland Mit Feuer und Schwerdt in eine Wüsteney Verwandelten, - als Friedrich selbst die Fahn Mit tapfrer Hand ergrif, und Blitz und Tod Mit ihr, in Feinde trug, und achtete Der theuern Tage nicht für Volk und Land, Das in der finstern Nacht des Elends seufzt. - Doch es verzagt nicht drinn das treue Land; Sein Friedrich lächelt, und der Tag bricht an. Der Tag bricht an! Schon zöge Schwab und Russ, Lappländer und Franzos, Illyrier Und Pfälzer, in poßierlichem Gemisch, Den Helden in Triumph; verstattet' es Desselben Großmuth. Schon fliegt Himmel an Die Ehr in blitzendem Gewand', und nennt Ein Sternenbild nach seinem Namen. Ruh Und Überfluß beglücken bald sein Reich.
Ende des Cißides und Paches.
D. Nachlese
Das Gespenst
Die Sonne sank in Thetis Purpurschooß; Die Wolken blitzten vom Rubine, Ein Bach, der wie geschmolzen Silber floß, Zog mich ins überguldte Grüne; Ich hörte dort in stolzer Ruh Der Büsche hellen Kehlen zu.
Das Abendlied der holden Nachtigall Ward durch der Wachtel Schlag begleitet, Und ich gemach von diesem Freudenschall Zum süßen Schlummer zubereitet. Ich schlummerte und hörte doch, Und dreymal schlug die Wachtel noch.
Drauf schlief ich ein. Es schreckte mich ein Traum, Mir däucht, ich sähe durch die Sträuche Ein weiß Gespenst am braun gewordnen Baum. Das Haar erhebt sich; ich entweiche. Ein Ast, der mich zu Boden reißt, Erweckt mich, und ich seh den Geist.
Mein Blick war wild; ich sprang vom Lager auf: Allein der Geist rief mir geschwinde: O Seladon! Schatz! hemme deinen Lauf, Wen scheuest du? Ich bin Philinde. Kaum hatt ich meinen Blick gewandt: So fühlt ich ihre sanfte Hand.
Wie, wem die Luft in wilder Fluth entgeht, Die wallend ihm im Schlunde wühlet, Wenn itzt sein Fuß auf festem Grunde steht, Sich endlich träufelnd wieder fühlet: So ward ich meiner selbst bewußt: Die Zentnerlast fiel von der Brust.
Ein Kuß, den mir Philinde zärtlich gab, Erhitzte bald die starren Glieder. Und wischten wir oft Florens Thränen ab: So kühlte Zephirs Lispeln wieder, Das in des Geistes Locken stieß, Der sich so reizend greifen ließ.
O Sternenheer! o Mond! o Silberlicht! Ihr hellen Zeugen meiner Freuden, Euch kommen oft Gespenster zu Gesicht, Führt sie zu mir; ich mag sie leiden. Ja, möcht es heute noch geschehn, Wie froh wollt ich sie kommen sehn.
An W---nen
Im May
Itzt wärmt der Lenz die flockenfreye Luft; Der Himmel kann im Bach sich wieder spiegeln; Den Schäfer labt der jungen Blumen Duft; Sein Wollenvieh hüpft auf begrasten Hügeln. Der Wolken Naß geronne jüngst zu Schnee; Itzt blitzet es, trotz Demant, auf dem Klee.
Es steigt des Halms gekröntes Haupt herfür, Und Zefir schwebt auf den schmaragdnen Wellen; Die Wiese prangt mit Purpur und Saphir, Ihr Kleid bebrämt das Silber reiner Quellen: Die Liebe sucht der Wälder grüne Nacht, Der Kummer flieht, die todte Welt erwacht.
Dort schläft der Hirt beym nahen Wasserfall, Vom sanften Arm der Schäferinn umschlungen, Die Lerche stimmt zur holden Nachtigall, Die dieses Paar liebreizend eingesungen. Ach fühlt ich doch, bey allgemeiner Lust, Der Freude Reiz nur auch in dieser Brust.
Nein, nein, sie flieht, und ist mir längst entflohn; Kein Lenz vermag mein ewig Leid zu mindern. Ich bin der Quaal, ich bin des Unglücks Sohn; Der Tod allein kann meinen Kummer lindern; Denn Doris bleibt, o Schmerz! von mir entfernt, Von der ich noch die Lust zur Welt gelernt.
Als jüngst mein Blut aus tiefen Wunden drang, Was hemmtest du den Strohm der Lebensfluthen? Verhängniß! da ich nicht ums Leben rang: Mußt ich, o Pein! mich nicht zu Tode bluten; Damit ich mich, von schmeichelhaftem Wahn Und Lieb entfleischt, zu Tode weinen kann.
Entwichnes Glück, das selten Weise schätzt, Ich suchte dich; du bliebest mir entzogen. Die Liebe hat mir Flügel angesetzt, Umsonst, du bist doch nicht von mir erflogen. Nein! Doris soll die meine nimmer seyn, Du, Wankelmuth, dieß macht dein Zorn allein.
O! zeigte doch des großen Friedrichs Chor Den Heldenarm der Feinde starkem Haufen: Ich schwänge mich alsdann vielleicht empor, Ich wollte sie mit meinem Blut erkaufen. Wie würd es nicht vor Ruhm und Liebe glühn, Und diese Faust dem Tod entgegen ziehn!
Umsonst, das Glück ist wider mich empört, Mir ist noch nie, was ich gewünscht, gelungen. Sie hält mich wohl nicht mehr der Treue werth; Vielleicht hat mich ein andrer ausgedrungen; Ein andrer, der mit langen Titeln prahlt, Und dessen Leib von Gold und Demant stralt.
Ihr Träume! wo sie Eid und Treue bricht: So zeiget ihr, bey tausend Schreckenbildern, Mein thränend Aug, mein blasses Angesicht; Die Furie müßt ihr zur Seite schildern. Gewissen, auf! erheb dein Schlangenhaupt, Nag' ihre Brust, die mir das Leben raubt!
Zwar, Doris, du verdienst ein größer Glück; Ich bin zu schlecht, die Tugend zu belohnen. Man sieht an dir der Schöpfung Meisterstück; Dein edler Geist beglänzte Königskronen: Und tausend, die der Würde Hoheit ziert, Erhöben dich, von deinem Reiz gerührt.
Doch dieses Volk, das Ehr und Purpur schmückt, Ist oftmals leer an Geist und wahrer Liebe; Ich habe nichts, das Aug und Sinn entzückt, Jedoch ein Herz voll edelmüthger Triebe; Ein Herz, das nie der Unbestand verletzt, Ein Herz, das dich mehr als den Erdkreis schätzt.
Verhängniß sprich, ich soll ein Cäsar seyn, Ja ohne sie auf tausend Welten tronen: Der Niedern Stolz mag dieses Glück erfreun. Ich will vergnügt mit ihr in Hütten wohnen; Die Liebe macht den Schaub der Hütten reich, Den Most zu Wein und harte Fluren weich.
O goldne Zeit! da noch des Goldes Wust Verachtet ward, was flohst du von der Erden? Ich ruhete gewiß an Doris Brust, Könntst du durch Flehn zurückgerufen werden. Ach! komm zurück, doch gönne mir dabey, Daß neben mir mein Gleim ein Schäfer sey.
Du hörst mich nicht, Verhängniß! ja ich soll, Ich soll ein Ball des falschen Glückes bleiben. So höre du, o Tod, nimm deinen Zoll! Soll nur dein Pfeil die Glücklichen entleiben? Hier ist die Brust, eröffne mir das Herz, Ich halte Stand, ich fürchte keinen Schmerz.
Ja, dort, wo man dich durch die Luft einhaucht, Bey Gräbern und in schreckenvollen Gründen, Dort, wo der Feind das Schwerdt in Feinde taucht, Da will ich dich, im Fall du säumest, finden. Doch soll auch da mein Wunsch vergebens seyn: So stürze schnell der Bau des Himmels ein.
Die Heilung
Ein kleines Kind mit Flügeln Kam jüngst mit muntern Schritten In meinen Blumengarten. Es ging in alle Gänge, Und sah nach allen Beeten, Und pflückte Rosenknospen, Und haschte Schmetterlinge, Die um die Rosen buhlten, Und strich die göldnen Stäubchen Von den gesprengten Flügeln. Itzt wollt es wieder haschen, Und hob die Hand behutsam, Und grif, und zischte plötzlich, Und zog sie schnell zurücke. Ein Dorn vom Stamm der Rosen Stach in den zarten Finger. Es schwang die Hand für Schmerzen, Und sahe nach der Wunde, Und zog mit sauren Blicken Den Dorn sich aus der Wunde. Ich lauscht ihm gegen über, Bey Doris in der Laube, Und lachte seiner Minen. Schnell winkt es mit dem Kopfe, Und griff nach Pfeil und Bogen, Und sagte leise: Spötter, Weisst du wie Wunden schmerzen? Du sollst es bald erfahren; Und zielte mit dem Bogen, Und, eh ich mirs versahe, Stach mir der Pfeil im Herzen. O, wie ward mir zu Muthe! Ich sank für Schmerzen nieder, Und dachte schnell zu sterben. Doch Doris, meine Taube, Entzog den Pfeil der Wunde, Und salbte sie mit Salben, Und streichelte sie zärtlich, Und linderte die Schmerzen, Und so ward ich geheilet. Hinfort will ich des Losen, Dieß weiß ich, nicht mehr spotten. Wenn mich die schöne Doris Aus Mittleid nicht geheilet, So wär ich schon gestorben.
An Damon
Stöhrer deiner eignen Ruh, Damon! warum trauerst du? Soll dein Kummer ewig siegen, Und dir Stirn und Wangen pflügen?
Wie der Glanz von dunkelm Licht Schwach aus Todtengrüften bricht; So blinkt deine trübe Sele Aus des Leibes Trauerhöhle.
Doch die kluge Mine zeigt, Wenn dein blasser Mund gleich schweigt, Daß die Weisheit, die dich quälet, Dich für Sinnlichkeiten stählet.
Weiser Damon! dessen Haupt Lorber um und um belaubt, Muß die Weisheit immer sitzen Und das Haupt voll Unmuth stützen?
Nimmer, nimmer sey ihr gut, Wenn sie dieses jemahls thut! In den Wüsten zwischen Eulen Baue sie sich Ehrensäulen!
Freund! in deiner Jahre Zahl Rechnet dir der Tod einmal Nebst den freudenreichen Tagen, Auch die Tage voll von Plagen.
Du schwimmst in der Zeiten Raum, Wie auf Strömen leichter Schaum; Kanst du nicht so schnell zur Erden, Wie der Schaum zu Wasser werden?
Doch itzt schmeckt noch Wein und Kuß. Auf! ertränke den Verdruß. Sieh, wie mir die Tropfen gleiten Ob der Kürze dieser Zeiten.
Zehnmal füll ich schon dieß Glas Mit der Trauben edlem Naß; Noch reitzt mich sein güldnes Blinken, Und die Freude wächst im Trinken.
Mädchen! küß mich, mich - - ver - - langt, O! mein froher Schedel wankt. Laß mich, unter Scherz und Lallen, Sanft dir in die Arme fallen.
Thür und Teppich tanzt um mich, Erd und Himmel drehet sich; Seht die Fenster in den Zimmern, Wie sie an dem Boden schimmern!
Alles sieht mich lächelnd an. O Evoe, o Evan! Laß sich nur zu deinen Ehren Damon auch einmal bekehren.
Geburtslied
Weh dir, daß du gebohren bist! Das grosse Narrenhaus, die Welt, Erwartet dich zu deiner Quaal. Nicht Wissenschaft, nicht Tugend ist Ein Bollwerk für der Bosheit Wuth, Die dich bestürmen wird. Verdienst Beleidiget die Majestät Der Dummheit, und wird dir gewiß, (Im Fall du dirs einmal erwirbst) Ein Kerkerwerth Verbrechen seyn. Der Schatten eines Fehlers wird, Bey hundert deiner Tugenden, Der Lästrung greulichstes Geschrey Oft hinter dir erwecken. Wenn, Voll edeln Zorns, du kühn die Stirn Zum Lästrer kehrst, ist alles Ruh. Ein Zeigefinger, der schon sinkt, Ein Nickkopf weis't dir kaum, was man Begonnen. Schnell tönt hinter dir Des Unsinns Stimme wiederum. - Wenn du nicht wie ein Sturmwind sprichst, Nicht säufst, wie da die Erde säuft, Wo sich das Meer in Strudeln dreht; Wenn kein Erdbeben deinen Leib Zurütteln scheint, indem du zürnst: So mangelts dir an Heldenmuth. Und tanzest du den Phrynen nicht, Von weiten, einen Reverenz: So mangelts dir an grosser Welt. Wenn du nicht spielst, und viel gewinnst, Bis der, mit dem du spielst, erwacht; Wenn Wollust unter Rosen nicht Dich in die geilen Arme schlingt: So fehlt dir Witz! so fehlt dir Witz! - Nichts, nichts als Thorheit wirst du sehn Und Unglück. Ganze Länder fliehn, Gejagt vom Feuermeer des Kriegs, Vom bleichen Hunger und der Pest, Des Kriegs Gesellen. Und die See Ergießt sich wild; Verderben schwimmt Auf ihren Wogen, und der Tod. Ein unterirrdscher Donner brüllt, Die Erd eröfnet ihren Schlund, Begräbt in Flammen Feld und Wald, Und was im Feld und Walde wohnt. - Und fast kein tugendhafter Mann Ist ohne Milzsucht, lahmem Fuß, Und ohne Buckel oder Staar; Ihn foltert Schwermuth, weil er lebt! - Dieß alles wirst du sehn und mehr.
Allein du wirst auch die Natur Voll sanfter Schönheit sehn. Das Meer, Der Morgenröthe Spiegel, wird Mit rothem Lichte dich erfreun, Und rauschen dir Entzückung zu. Und kühle Wälder werden dich Verbergen, wenn die Sonne brennt, In Nacht. Der Birken hangend Haar Wird dich beschatten. Oft wirst du, In blühnden Hecken eines Thals Voll Ruh einhergehn, athmen Lust, Und sehen einen Schmetterling Auf jeder Blüth, in bunter Pracht, Und den Fasan im Klee, der dir Denselben Hals bald roth, bald braun, Bald grün, im Glanz der Sonne, zeigt. Auch Wiesen werden dich erfreun, Mit Regenbögen ausgeschmückt, Und in der Fluth ein Labyrinth Von Blumen, und manch bunter Kranz, Aus dessen Mitte Phöbus Bild, Voll Strahlen, blitzt, und über dem In holden Düften Zephyr schwärmt. Die Lerche, die in Augen nicht, Doch immer in den Ohren ist, Singt aus den Wolken Freud herab, Dir in die Brust. Auch Tugend ist Noch nicht verschwunden aus der Welt, Und Friedrich lebt, der sie belohnt, Und sie ist selbst ihr reicher Lohn. Mitleiden, Großmuth, Dankbarkeit, Und Menschenlieb und Edelmuth Wirkt Freud, und Freude nur ist Glück. Fühl Tugenden, so fühlst du Glück! - Und mancher Freund wird dich durch Witz Und Liebe (wie mein mich) Beseeligen, und seyn dein Trost, Wenn Falschheit dein Verderben sucht. Laß Neid und niedre Raben schreyn, Und trinke du der Sonne Gluth, Gleich einem Adler. Hülle dich In deine Tugend, wenn es stürmt. - Doch öftrer lacht der Himmel dir; Das Leben ist mehr Lust als Schmerz. Wohl dir, daß du gebohren bist!
Hymne
Groß ist der Herr! die Himmel ohne Zahl Sind seine Wohnungen, Sein Wagen, Sturm und donnernde Gewölk, Und Blitze sein Gespann.
Die Morgenröth' ist nur ein Wiederschein Vom Saume seines Kleids, Und gegen seinen Glanz, ist Demmerung Der Sonne flammend Licht.
Er sieht mit gnädgem Blick zur Erd herab; Sie grünet, blüht und lacht. Er schilt; es fähret Feur von Felsen auf, Und Meer und Himmel klagt.
Lobt den gewaltigen, den gnädgen Herrn, Ihr Lichter seiner Burg, Ihr Sonnenheere! Flammt zu seinem Ruhm! Ihr Erden singt sein Lob!
Erhebet ihn ihr Meere! Braust sein Lob! Ihr Flüsse rauschet es! Es neige sich der Cedern hohes Haupt, Und jeder Wald für ihn!
Ihr Löwen brüllt zu seiner Ehr im Hayn! Singt ihm, ihr Vögel! singt! Seyd sein Altar ihr Felsen, die er traf, Eur Dampf sey Weyrauch ihm!
Der Wiederhall lob ihn! Und die Natur Sing ihm ein froh Concert! Und du, der Erden Herr, o Mensch! zerfließ In Harmonien ganz!
Dich hat er, mehr als alles sonst, beglückt. Er gab dir einen Geist, Der durch den Bau des Ganzen dringt und kennt Die Räder der Natur.
Erheb ihn hoch zu deiner Seeligkeit! Er braucht kein Lob zum Glück. Die niedern Neigungen und Laster fliehn, Wenn du zu ihm dich schwingst.
Die Sonne steige nie aus rother Fluth, Und sinke nie darein, Daß du nicht deine Stimm vereinigst mit Der Stimme der Natur.
Lob ihn im Regen und in dürrer Zeit, Im Sonnenschein und Sturm! Wenns schneyt, wenn Frost aus Wasser Brücken baut, Und wenn die Erde grünt.
In Überschwemmungen, in Krieg und Pest Trau ihm, und sing ihm Lob! Er sorgt für dich, denn er erschuf zum Glück Das menschliche Geschlecht.
Und o wie liebreich sorgt er auch für mich! Statt Golds und Ruhms, giebt er Vermögen mir die Wahrheit einzusehn, Und Freund' und Saytenspiel.
Erhalte mir, o Herr! was du verleihst; Mehr brauch ich nicht zum Glück. Durch heilgen Schaur will ich, ohnmächtig sonst, Dich preisen ewiglich!
In finstern Wäldern will ich mich allein Mit dir beschäftigen, Und seufzen laut, und nach dem Himmel sehn, Der durch die Zweige blickt.
Und irren ans Gestad des Meers, und dich In jeder Woge sehn, Und hören dich im Sturm, bewundern in Der Au Tapeten dich.
Ich will entzückt auf Felsen klimmen, durch Zerrißne Wolken sehn, Und suchen dich den Tag, bis mich die Nacht In heilge Träume wiegt.
Hymne
Nicht niedre Lust, auch nicht Eroberer, Noch Gold und Schätze will ich singen. Mein Geist soll sich dem Tand der Erde kühn entschwingen. Der Himmel sey mein Lied! Mein Lied der Herr!
Wohin, wohin reißt mich der Andacht Glut? Seht! ich entweich auf kühnen Flügeln Dem niedern Hochmuth und der Erde finstern Hügeln, Und trinke, froh, schon andrer Sonnen Glut.
Schon reizet mich die falsche Hoheit nicht. Die Welt, die ich voll Qual befunden, Verschwindet unter mir! - ist unter mir verschwunden, Und mich entzückt bereits ein himmlisch Licht.
O welche Pracht! Welch Auge siehet ganz Die Herrlichkeit, die den umgeben, Der alles alles füllt, vor dem die Himmel beben! Des Herren Thron verhüllt sein eigner Glanz.
Kein Wunder ists, daß er durch Einen Ruf Den Menschen, der Geschöpfe Heere, Und Felsen, Seen, Wald, der Sonnen Flammenmeere, Das Geisterreich und tausend Welten schuf.
Unendlicher! - Doch Schaaren Seraphim, Entzückt in frölichem Gewimmel, Sind ganz Gesang, und strömen durch den Himmel; Ihr Saiten schweigt! Der Himmel singet ihm.
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