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A. Der Frühling
Der Frühling
Empfangt mich heilige Schatten! ihr Wohnungen süsser Entzückung Ihr hohen Gewölbe voll Laub und dunkler schlafender Lüfte! Die ihr oft einsahmen Dichtern der Zukunft Fürhang zerrissen Oft ihnen des heitern Olymps azurne Thoren eröfnet Und Helden und Götter gezeigt; Empfangt mich füllet die Seele Mit holder Wehmuth und Ruh! O daß mein Lebensbach endlich Von Klippen da er entsprang in euren Gründen verflösse! Führt mich in Gängen voll Nacht zum glänzenden Throne der Tugend Der um sich die Schatten erhellt. Lehrt mich den Wiederhall reitzen Zum Ruhm der verjüngten Natur. Und ihr, ihr lachenden Wiesen! Ihr Labyrinthe der Bäche, bethaute Thäler voll Rosen! Ich will die Wollust in mich mit eurem Balsamhauch ziehen Und wenn Aurora euch weckt mit ihren Stralen sie trinken. Gestreckt im Schatten will ich in güldne Sayten die Freude Die in euch wohnet besingen. Reitzt und begeistert die Sinnen Daß meine Thöne die Gegend wie Zefirs Lispeln erfüllen Der jetzt durchs Veilchen-Thal fleucht, und wie die rieselnden Bäche. Auf rosenfarbnem Gewölk bekränzt mit Tulpen und Lilien Sank jüngst der Frühling vom Himmel. Aus seinen Busen ergoß sich Die Milch der Erden in Ströhmen. Schnell glitt von murmelnden Klippen Der Schnee in Bergen herab; Des Winters Gräber die Flüsse, Worin Felshügel von Eis mit hohlem Getöse sich stiessen, Empfingen ihn, blähten sich auf voll ungeduldiger Hoffnung Durchrissen nagend die Dämme, verschlangen frässig das Ufer Wald, Feld und Wiese ward Meer. Kaum sahn die Wipfel der Weiden Im Thal draus wankend herfür. Gefleckte Täucher und Enten Verschwanden, schossen herauf, und irrten zwischen den Zweigen Wo sonst für Schmerzen der Liebe im Laub die Nachtigall seufzte. Der Hirsch von Wellen verfolgt streift auf unwirthbare Felsen Die traurig die Fluth übersahn. Ergriffene Bären durchstürzten Das anfangs seichte Gewässer voll Wuth, sie schüttelten brummend Die um sich giessenden Zoten. Bald sank der treulose Boden Sie schnoben, schwammen zum Wald, umschlangen Tannen und Eichen Und huben sich träufelnd empor. Hier hingen sie ängstlich im Wipfel Von reissenden Winden, vom Heulen der Flüsse-speyenden Klippen Und untern Tiefe gescheucht. Der Büsche versamlete Sänger Betrachteten traurig und stumm von dürren Armen der Linden Das vormals glückliche Thal, wo sie den flehenden Jungen Im Dornstrauch Speise vertheilt. Die angekommene Lerche Sich aufwerts schwingend, beschaute die Wasserwüste von oben Und suchte verlassne Gefilde. Es flossen Schäuren und Wände Und Dächer und Hütten herum. Aus Giebeln und gleitenden Kähnen Versah der trostlose Hirt sich einer Sündfluth, die vormals Die Welt umrollte, daß Gemsen in schlagenden Wogen versanken.
Der Boden trank endlich die Fluth. Von eilenden Dünsten und Wolken Flohn junge Schatten umher. Den blauen Umfang des Himmels Durchbrach ein blitzendes Gold. Zwar streute der weichende Winter Noch oft bey nächtlicher Umkehr von den geschüttelten Schwingen Reif, Eis und Schaure von Schnee; Noch liessen wütrische Stürme Die rauhe dumpfigte Stimm aus Islands Gegend erthönen Durchstreiften klagende Klüfte, verheerten taumelnde Wälder Und bliesen Schrecken herum, und Überschwemmung von Kälte; Bald aber siegte der vor noch ungesicherte Frühling. Die Luft ward sänfter; Ein Teppich geschmückt mit Ranken und Laubwerk, Von Büschen, Blumen und Klee, wallt auf Gefilden und Auen, Die Schatten wurden belaubt, ein sanft Gethöne erwachte, Und floh und wirbelt umher im Hayn voll grünlicher Dämmrung Die Bäche färbten sich silbern, im Luftraum flossen Gerüche Und Echo höret' im Grunde die frühe Flöte des Hirten.
Ihr! deren zweifelhaft Leben gleich trüben Tagen des Winters Ohn Licht und Freude verfliesst, die ihr in Höhlen des Elends Die finstere Stunden verseufzt, betrachtet die Jugend des Jahres! Dreht jetzt die Augen umher, lasst tausend farbigte Scenen Die schwarzen Bilder verfärben! Es mag die niedrige Ruhmsucht Die schwache Rachgier, der Geiz und seufzender Blutdurst sich härmen Ihr seyd zur Freude geschaffen, der Schmerz schimpft Tugend und Unschuld. Saugt Lust und Anmuth in euch! schaut her! sie gleitet im Luft-Kreis Und grünt und rieselt im Thal. Und ihr, ihr Bilder des Frühlings Ihr blühenden Schönen! flieht jetzt den athemraubenden Aushauch Von güldnen Kerkern der Städte. Komt! komt! in winkende Felder Komt! überlasset dem Zefir zum Spiel die Wellen der Locken, Seht euch in Seen und Bächen gleich jungen Blumen des Ufers Pflückt Morgentulpen voll Thau, und ziert den wallenden Busen.
Hier wo zur Linken der Fels mit Strauch und Tannen bewachsen Zur helfte den bläulichen Strohm, sich drüber neigend, beschattet, Will ich ins grüne mich setzen an weinende steinichte Höhen Und Thal und Ebne beschauen. O welch ein frohes Gewühle Belebt das streifichte Land! wie lieblich lächelt die Anmuth Aus Wald und Büschen herfür! Ein Zaun von blühenden Dornen Umschliesst und röthet ringsum die sich verlierende Weite Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Moonblumen laufen Mit grünen Weitzen versetzt, sich schmälernde Beeten ins ferne Durchkreutzt von blühenden Flachs. Feldrosen-Hecken und Schleestrauch In Blüthen gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche Und sehn sich drinnen. Zur Seiten blitzt aus dem grünlichen Meere Ein Meer voll güldener Strahlen, durch Phöbus glänzenden Anblick, Es schimmert sein gelbes Gestade von Muscheln und farbigten Steinen Und Lieb und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Geschwadern Und in den Riesen des Wassers die unabsehbare Fläche.
Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rösse, Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern für Wollust Daß Hayn und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten, Geführt vom ernsthaften Stier, des Meyerhofs büschichte Sümpfe Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen Führt zu ihm, durch welchen ein Bach sich zeigt, in Binsen sich windend, Von hellen Schwänen bewohnt. Gebürge die Brüste der Reben Stehn frölich um ihn herum; Sie ragen über den Buchwald Des Hügels Krone, davon ein Theil im Sonnenschein lächelt Und glänzt, der andere traurt im Flor vom Schatten der Wolken. Die Lerche steigt in die Luft, sieht unter sich Klippen und Thäler; Entzückung thönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes Ergötzt den ackernden Landmann. Er horcht eine Weile; Denn lehnt er Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Wellen im Erdreich Verfolgt von Krähen und Elstern. Der Säemann schreitet gemessen, Giesst güldne Tropfen ihm nach; Die zackichte Egde bewälzt sie Mit einer ebenen Decke. O daß der mühsame Landwirth Für sich den Seegen nur streute! daß ihn die Weinstöcke tränkten Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wälzten! Allein der frässige Krieg von zähnebleckenden Hunger Und wilden Schaaren begleitet, verheeret oft Arbeit und Hoffnung; Gleich Hagelgüssen und Sturm zerbricht er nährende Halmen Reisst Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder Für sich zum flammenden Lustspiel. Denn fliegt ein mördrisch Gethöne Und Tod und Jammer herum. Die Thäler blitzen von Waffen, Es wälzen sich Wolken voll Feur aus tiefen Schlünden der Stücke Und füllen die Gegend mit Donner, mit Gluth und Saaten von Leichen. Das Feld voll blutiger Furchen gleicht einen wallenden Blutmeer; Ein Heer der furchtbarsten Thiere durch laufende Flammen geängstigt Stürzt sich mit hohlen Gebrüll in Uferfliehende Ströhme. Der Wiederhall selber erschrickt und klagt; Es zittern für Grauen Die wilden Felsen und heulen. Des Himmels leuchtendes Auge Schliesst sich die Grausamkeit scheuend; Mit blauer Finsterniß füllen Sich aufwerts drehende Dämpfe gleich dickem Nebel den Luftkreis Der oft vom Wiederschein blitzt. Wie, wann der Rachen des Etna Mit ängstlich wildem Geschrey, daß Meer und Klippen es hören, Umlegne Dörfer und Städte, vom untern Donner zerrüttet, Mit Schrecken und Tod überspeyt und einer flammenden Sündfluth.
Ihr! denen zwanglose Völker das Steur der Herrschaft vertrauen Führt ihr durch Flammen und Blut sie zur Glückseligkeit Hafen? Was wünscht ihr Väter der Menschen noch mehrere Kinder! Ists wenig Viel Millionen beglücken? Erforderts wenige Mühe? O mehrt derjenigen Heil die eure Fittige suchen! Deckt sie gleich brütenden Adlern; Verwandelt die Schwerdter in Sicheln, Belohnt mit Ehren und Gunst die, deren nächtliche Lampe Den ganzen Erdball erleuchtet; Setzt Gärtner zur Baumschul der Menschen Lasst güldne Wogen im Meer, fürs Land, durch Schiffarth sich thürmen, Erhebt die Weisheit im Kittel, und trocknet die Zähren der Tugend.
Wohin verführt mich der Schmerz; Weicht, weicht, ihr traurigen Bilder, Kom Muse! laß uns die Wohnung und häusliche Wirthschaft des Landmanns Und Viehzucht und Gärte betrachten. Hier steigt kein Marmor aus Bergen Und zeuget Kämpfer, kein Taxus spitzt sich vor Schlössern, kein Wasser Folgt hier dem Zuruf der Kunst. Verschränkte wölkichte Wipfel Von hohen Linden, beschatten ein Haus von Reben umkrochen Durch Dorn und Hecken bevestigt. Ein Teich glänzt mitten in Hofe Mit grünem Flos-Kraut bestreut, wodurch aus scheinbarer Tiefe Des Himmels Ebenbild blinkt. Er wimmelt von zahmen Bewohnern. Die Henne jammert ums Ufer, und ruft die gleitenden Entchen Die sie gebrütet; Sie fliehn der Stiefmutter Stimme, durchplätschern Die Fluth, und nagen am Schilff. Mit vorgebogenen Hälsen und zischernd, treiben die Gänse fern von der Lustbahn der Jungen Den schwimmenden Schießhund. Denn spielen die haarigten Kinder, sie tauchen Den Kopf ins Wasser und schnattern, sie hängen im Gleichgewicht abwerts Und zeigen die rudernden Füsse. Hier lockt das Mägdchen die Hüner Zum Hüner-Korbe, sie eilen, durchschlupfen die Sprossen des Tischsaals Und fordern Nahrung. Die Wirthin sich drüber neigend, begiesst sie Mit einem Regen von Korn, und sieht sie picken und zanken. Dort lauscht das weisse Kaninchen in dunkler Höhle; Es drehet Die rothen Augen herum, springt endlich furchtsahm zum Zaune Und reisst an staudichten Pappeln. Aus seines Wohnhauses Fenster Sieht sich das Lachtäubchen um, kratzt den roth-silbernen Nacken Und fliegt zum Liebling aufs Dach. Er zürnt ob dessen Verweilen Und dreht sich um sich und schilt; Bald rührt ihn das Schmeicheln der Schönen Viel Küsse werden verschwendet, bis sie mit schnellen Gefieder Die Luft durchlispeln, und aufwerts sich zu Gespielen gesellen Die blitzend im Sonnenglanz schwärmen. Von blühenden Fruchtbäumen schimmert Der Garten, die kreutzende Gänge mit rother Dunkelheit füllen Und Zefir gaukelt umher, treibt Wolken von Blüthen zur Höhe Die sich ergiessen und regnen. Zwar hat hier Wollust und Hochmuth Nicht Nahrung von Mohren entlehnt und sie gepflanzet; Nicht Myrthen Nicht Aloen blicken durch Fenster. Das nutzbare Schöne vergnüget Den Landmann, und etwan ein Kranz. Durch lange Gewölbe von Nuß-Strauch Zeigt sich voll laufender Wolken der Himmel und ferne Gefilde Voll Seen und büschichter Thäler umringt mit blauen Gebürgen. Das Auge durchirret den Auftrit bis ihn ein näherer schliesset. Die Fürstin der Blumen die Lilie erhebt die Krone zur Seiten Hoch über streifichte Tulpen. Seht! wie die Kinder des Frühlings Liebkosend winken; Wie glänzt der Grund von lebenden Stoffen! Die holde Mayblume drengt die Silberglöckchen durch Blätter Und manche Rose durchbricht schon ungeduldig die Knospe. Es steigt unsehbarer Regen von lieblichen Düften zur Höhe Und füllt die Lüfte mit Balsam. Die Nacht-Viole lässt immer Die stölzere Blumen den Duft verhauchen; Voll Edelmuth schliesst sie Ihn ein, im Vorsatz den Abend noch über den Tag zu verschönern. Ein Bildniß grosser Gemüther, die nicht gleich prahlrischen Kämpfern Der Kreis von Zuschauern reitzt, die tugendhaft wegen der Tugend In der Verborgenheit Schatten Gerüche der Wohlthaten streuen. Seht hin! wie brüstet der Pfau sich dort am farbigten Beete Voll Eifersucht über die Kleidung der frölichen Blumen stolzirt er, Kreist rauschend den grünlichen Schweif voll Regenbögen, und wendet Den farbenwechselnden Hals. Die Schmetterlinge sich jagend Umwälzen sich über den Bäumen mit bunten Flügeln; voll Liebe Und unentschlossen im wählen beschauen sie Knospen und Blüte. Indessen impfet der Herr des Gartens Zweige von Kirschen Durchsägten Schleestämmen ein, die künftig über die Kinder Die sie gesäuget erstaunen. Das Bild der Anmuth die Hausfrau Sitzt in der Laube von Reben, pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand, Die Freude lächelt aus ihr. Ein Kind der Gratien Liebling Stört sie durch Plappern, am Hals mit zarten Armen ihr hangend, Ein andres tändelt in Klee, sinnt nach, und stammlet Gedanken.
O dreymal seliges Volk das ohne Stürme des Unglücks Das Meer des Lebens durchschifft, dem einsahm in Gründen die Tage Wie sanfte Weste verpfliegen! Laß andre, dem wimmelnden Pöbel Der Bäum und Dächer ersteigt zur Schau, in Siegswägen gleissen Von Elephanten gezogen; Laß sie der Wellen Gebürge Mit Wolken von Seegeln bedecken, und Japan in Westen versetzen, Der ist ein Günstling des Himmels, den, fern von Foltern der Laster Die Ruh an Quellen umschlingt. Auf ihn blickt immer die Sonne Von oben lieblich herab, ihm braust kein Unglück in Wogen Er seufzt nicht thörichte Wünsche, ihn macht die Höhe nicht schwindelnd, Die Arbeit würzt ihm die Kost, sein Blut ist leicht wie der Ether Sein Schlaf verfliegt mit der Dämmrung, ein Morgenlüftchen verweht ihn.
Ach! wär auch mir es vergönnt in euch, ihr holden Gefilde Bestürmter Tugenden Häfen! ihr stillen Häuser des Friedens! Gestreckt in wankende Schatten am Ufer schwatzhafter Bäche Hinfort mir selber zu leben, und Leid und niedrige Sorgen Vorüberrauschender Luft einst zuzustreuen! Ach möchte Doch Doris die Thränen in euch von diesen Wangen verwischen Und bald Gespräche mit Freunden in euch mein Leiden versüssen, Bald redende Todte mich lehren, bald tiefe Bäche der Weisheit Des Geistes Wissensdurst stillen! Denn gönnt ich Berge von Demant Und goldne Klüfte dem Mogol, denn möchten kriegrische Zwerge Fels-hohe Bilder sich hauen, die steinerne Ströhme vergössen, Ich würde sie nimmer beneiden. Du Meer der Liebe, o Himmel! Du ewger Brunnen des Heils! soll nie dein Ausfluß mich tränken? Soll meine Blume des Lebens erstickt von Unkraut verblühen? Nein, du beseligst dein Werk. Es lispelt ruhige Hoffnung Mir Trost und Labsal zum Herzen; Die Dämmrung flieht vor Auroren, Die finstre Decke der Zukunft wird aufgezogen, ich sehe Ganz andre Scenen der Dinge und unbekannte Gefilde. Ich sehe dich himmlische Doris! du komst aus Rosengebüschen In meine Schatten, voll Glanz und majestätischem Liebreitz; So trit die Tugend einher, so ist die Anmuth gestaltet. Du singst zur Cyther und Phöbus bricht schnell durch dicke Gewölke Die Stürme schweigen; Olymp merkt auf; Das Bildniß der Lieder Thönt sanft in fernen Gebürgen, und Zefir weht mirs herüber. Und du mein redlicher Gleim du steigst vom Gipfel des Hömus Und rührst die Tejischen Sayten voll Lust. Die Thore des Himmels Gehn auf, es lassen sich Cypris und Huldgöttinnen und Amor Voll Glanz auf funkelnden Wolken in blauen Lüften hernieder, Und singen lieblich darein. Der Sternen weites Gewölbe Erschallt vom frohen Concert. Kom bald in meine Reviere Kom! bring die Freude zu mir, beblüme Triften und Anger O Paar! Zweck meiner Begierden, du milde Gabe der Gottheit. Doch wie, erwach ich vom Schlaf? wo sind die himmlischen Bilder? Welch ein anmuthiger Traum betrog die wachenden Sinnen? Er flieht von dannen, ich seufze. Zuviel, zuviel vom Verhängniß Im Durchgang des Lebens gefodert! Solch Heil gewährt nur die Hoffnung Sein Schatten macht schon beglückt, selbst wird michs nimmer erfreuen.
Allein was quält mich die Zukunft; Weg ihr vergeblichen Sorgen, Laß mich der Wollust geniessen die jetzt der Himmel mir gönnet, Laß mich das fröliche Landvolk in dicke Haynen verfolgen Und mit der Nachtigall singen, und mich beym seufzenden Giesbach An Zefirs Thönen ergötzen. Ihr dichten Lauben, von Händen Der Mutter der Dinge geflochten! ihr dunkeln einsahmen Gänge Die ihr das Denken erhellt, Irrgärten voller Entzückung Und Freude, seyd mir gegrüsst! Was für ein angenehm Leiden Und Ruh und sanftes Gefühl durchdringet in euch die Seele! Durchs hohe Laubdach der Schatten das streichende Lüfte bewegen, Worunter ein sichtbares Kühl in grünen Wogen sich wälzet, Blickt hin und wieder die Sonne, und übergüldet die Blätter, Die holde Dämmrung durchgleiten Gerüche von Blüthen der Hecken Die Flügel der Westwinde duften. In überirrdischer Höhle Von krausen Sträuchen gezeugt, sitzt zwischen Blumen der Geißhirt Bläst auf der hellen Schalmey, hält ein, und höret die Lieder Hier laut in Buchen erthönen, dort schwach, und endlich verlohren, Bläst, und hält wiederum ein. Tief unter ihn klettern die Ziegen Am jähen Absturz der Kluft, sie reissen an bittern Gestäude, Theils irren sie oben im Klee des Thals; Ihr bärtiger Ehmann Ersteigt die über den Teich sich neigende Weide, beraubt sie Der bläulichen Blätter und schaut von oben ernsthaft herunter. Mit leichten Läuften streicht jetzt ein Heer gefleckter Hindinnen Und Hirsche mit Ästen gekrönt durch grüne rauschende Büsche Setzt über Klüfte, Gewässer und Rohr. Moräste vermissen Die Spur der fliegenden Last. Gereitzt vom Frühling zur Liebe Durchstreichen muthige Rösse den Wald mit flatternden Mähnen, Der Boden zittert und thönt, es strotzen die Zweige der Adern, Ihr Schweif empört sich verwildert, sie schnauben Wollust und Hitze Und brechen, vom Ufer sich stürzend, die Fluth der Ströme zur Kühlung. Dann setzen sie über das Thal auf hohe Felsen und schauen Fern über den niedrigen Hayn aufs Feld durch seegelnde Dünste Und wiehern aus Wolken herab. Jetzt eilen Stiere vorüber, Aus ihrer Nasen raucht Brunst, sie spalten mit Hörnern das Erdreich Und toben im Nebel von Staub. Verschiedne taumeln in Höhlen Und brüllen dumpficht heraus, verschiedne stürzen von Klippen. Aus ausgehöltem Gebürge fällt dort mit wilden Getümmel Ein Fluß ins büschichte Thal reisst mit sich Stücke von Felsen Durchrauscht entblössete Wurzeln der untergrabenen Bäume Die über fliessende Hügel von Schaum sich bücken und wanken; Des Waldes Laubgrotten thönen umher, und klagen darüber. Es stutzt ob solchem Getöse das Wild und eilet von dannen, Sich nahende Vögel verlassen, im Singen gehindert, die Gegend Und suchen ruhige Stellen, wo sie den Gatten die Fühlung Verliebter Schmerzen entdecken in pyramidnem Gesträuche Und streiten gegen einander mit Liedern von Zweigen der Buchen. Dort will ich lauschen und sie sich freun und liebkosen hören. Fließ sanft o gläsernes Flüßchen! still! ächzende Zefirs im Laube Schwächt nicht ihr buhlrisches Flistern. Schlagt laut Bewohner der Wipfel Schlagt, lehrt mich euren Gesang! Sie schlagen; Symphonische Thöne Durchfliehn von Eichen und Dorn des weiten Schattensaals Kammern Die ganze Gegend wird Schall. Der Fink, der röthliche Hänfling Pfeift hell aus Buchen. Ein Heer von tulpenfarbgen Stieglitzen Hüpft hin und wieder auf Strauch, beschaut die blühende Distel, Ihr Lied hüpft frölich wie sie. Der Zeisig klaget der Schönen Sein Leiden aus Zellen vom Laub. Vom Ulmbaum flötet die Amsel In hohlen Thönen den Baß. Nur die geflügelte Stimme Die kleine Nachtigall weicht aus Ruhmsucht in einsahme Gründe Durch dicke Wipfel umwölbt, der Traurigkeit ewige Wohnung, (Worinn aus Lüften und Feld der Nacht verbreitete Schatten Sich scheinen verenget zu haben, als sie Auroren entwichen) Und macht die schreckbare Wüste zum Luftgefilde des Waldes. Dort tränkt ein finsterer Teich ringsum sich Weidengebüsche Auf Ästen wiegt sie sich da, lockt laut und schmettert und wirbelt Daß Grund und Einöde klingt. So rasen Chöre von Sayten. Jetzt girrt sie sänfter, und läuft durch tausend zärtliche Thöne Jetzt schlägt sie wieder mit Macht. Oft wenn ihr Liebling durch Vorwitz Sich in belaubten Gebaur des grausamen Voglers gefangen Der fern im Lindenbusch laurt; Denn ruhn der Lustlieder Fugen Denn fliegt sie ängstlich umher, ruft ihrer Wonne des Lebens Durch Klüfte, Felsen und Wald, seufzt unaufhörlich und jammert Bis sie für Wehmuth zuletzt halbtodt zum Hecken herabfällt Worauf sie gleitet und wankt mit niedersinkenden Haupte. Da klaget um sie der Schatten des todten Lieblings, da dünkt ihr Ihn wund und blutig zu sehn. Bald thönt ihr Jammerlied wieder Sie setzt es Nächte lang fort und scheint bey jeglichen Seufzer Aus sich ihr Leben zu seufzen. Die nahen sträuchichten Hügel Hierdurch zum Mitleid bewogen, erheben ein zärtlich Gewinsel.
Allein was kollert und girrt mir hier zur Seiten vom Eichstamm Der halb vermodert und zweiglos von keinem Geflügel bewohnt wird? Teuscht mich der Einbildung Spiel? Sieh! plötzlich flattert ein Täubchen Aus einen Astloch empor mit wandelbaren Gefieder, Dieß zeugte den dumpfichten Schall im Bauch der Eichen. Es gleitet Mit ausgespreiteten Flügeln ins Thal, sucht nickend im Schatten Und schaut sich vorsichtig um mit dürren Reisern im Munde. Wer lehrt die Bürger der Zweige voll Kunst sich Nester zu wölben Und sie für Vorwitz und Raub, voll süssen Kummers, zu sichern? Welch ein verborgener Hauch füllt ihre Herzen mit Liebe? Durch dich ist alles was gut ist, unendlich wunderbar Wesen Beherscher und Vater der Welt! Du bist so herrlich im Vogel Der niedrig in Dornstauden hüpft, als in der Veste des Himmels, In einer kriechenden Raupe, wie in dem flammenden Cherub. See sonder Ufer und Grund! aus dir quillt alles, du selber Hast keinen Zufluß in dich. Die Feuermeere der Sternen Sind Wiederscheine von Tropfen des Lichts in welchem du leuchtest. Dein Wagen sind gleitende Wolken, dein Herold geflügelte Winde Sie eilen und melden dich an in Thönen voll heiligen Grauens. Aurora dient dir zum Stuhl. Die Himmel unzehlbarer Sphären Mit güldnem Schimmer durchbrochen, sind deiner Sääle Tapeten. Du drohst den Stürmen, sie schweigen, berührst die Berge, sie rauchen, Das Heulen aufrührischer Meere die zwischen wässernen Felsen Den Sand des Grundes entblössen, ist deiner Herrlichkeit Loblied. Der Donner mit Flammen beflügelt verkündigt mit brüllender Stimme Die hohen Thaten von dir. Für Ehrfurcht zittern die Hayne Und wiederhallen dein Lob. Heerscharen funkelnder Wächter Der blauen Lüfte, verbreiten in tausend harmonischen Thönen Die Grösse deiner Gewalt und Huld von Pole zu Pole. Doch wer berechnet die Menge von deinen Wundern! wer schwingt sich Durch deine Tiefe o Schöpfer! Vertraut euch Flügeln der Winde Ruht auf den Pfeilen des Blitzes, durchstreicht den Glanzvollen Abgrund Der Gottheit, ihr endlichen Geister! durch tausend Alter des Weltbaus, Ihr werdet dennoch zuletzt kein Pünktchen näher dem Grunde Als bey dem Ausfluge seyn. Verstummt denn bebende Sayten! So preist ihr würdger den HERRN.
Ein Fluß von lieblichem Duft den Zefir mit säuselnden Schwingen Von nahgelegener Wiese herbeyweht, nöthigt mich zu ihr. Da will ich an schwirrendem Rohr in ihrer Blumenschooß ruhend Mit starken Zügen ihn einziehn. Kom zu mir Liebling Minervens Mein treuster - - - - durch den jüngsthin der Winter mir grünte Von dessen Lippen die Freude zu meinem Busen herabströhmt, Kom! leg dich zu mir und mach die Gegend zur himmlischen Wohnung. Laß uns der Kinder der Flora Gestalt und Liebe bewundern Und spotten mit ihnen geschmückt des hohen Pöbels im Purpur. Besing die Schönheit der Tugend; Laß deines Mundes Gespräche Mir süsser als Rosenduft seyn. Hier ist der Gratien Lustplatz Kunstlose Gärte durchirrt hier die Ruh, hier rieselt Entzückung Mit hellen Bächen heran. Den grünen Kleeboden schmücken Zerstreute Wälder von Blumen. Ein Meer von holden Gerüchen Wallt unsichtbar über der Flur in grossen taumelnden Wogen Von lauen Winden durch wühlt. Es ist durch tausend Bewohner Die bunte Gegend belebt. Hochbeinigt watet im Wasser Dort zwischen Kräutern der Storch, und blickt begierig nach Nahrung, Dort gaukelt der Kiwitz und schreyt ums Haupt des müssigen Knaben Der seinem Neste sich naht. Jetzt trabt er vor ihm zum Ufer Als hätt er das Fliegen vergessen, reitzt ihn durch Hinken zur Folge Und lockt ihn endlich ins Feld. Unzehlbare schimmernde Würmchen Umflattern freudig den Schilf, theils laufen sie unten im Grase Durch Labyrinthe von Blumen in rothen und güldenen Schatten Und glauben im Haynen zu irren. Zerstreute Heere von Bienen Durchsäuseln die Lüfte, sie fallen auf Klee und blühende Stauden Und hängen glänzend daran wie Thau vom Mondschein vergüldet; Denn eilen sie wieder zur Stadt die ihnen im Winkel des Angers Der Landmann aus Körben erbaut. Rechtschaffner Weltweisen Bildniss Die sich der Heymath entziehn, der Menschheit Gefilde durchsuchen, Und denn heimkehren zur Zelle mit süsser Beute beladen Und liefern uns Honig der Weisheit. Ein See voll fliehender Wellen Rauscht in der Mitte der Au, draus steigt ein Eiland zur Höhe Mit Bäumen und Hecken gekrönt, das wie vom Boden entrissen Scheint gegen die Fluthen zu schwimmen. In einer holden Verwirrung Prangt drauf der Hanbuttenstrauch voll feuriger Sternchen, der Quitzbaum, Holunder, raucher Wacholder, und sich umarmende Palmen. Das Geißblat schmiegt sich an Zweige der wilden Rosengebüsche, Aus Wollust küssen einander die jungen Blüthen, und hauchen Mit süssen Athem sich an. Um bunte Kränze des Erdreichs Schleicht Brombeer langsahm im Klee, zieht grüne Netze dazwischen Mit sich durchkreutzenden Ranken. Der blühnde Hagdorn am Ufer Bückt sich hinüber aus Stolz und sieht verwundernd im Wasser Den weissen und röthlichen Schmuck. O Schauplatz der du die Freude Ins Herzens innerstes mahlst, ach! daß die Wärme die annoch Seitdem der Winter von uns entflohn, kein Regen gemildert Dich samt Gefilden und Gärten die nach Erfrischung sich sehnen Doch nicht der Zierde beraubte und seiner Hoffnung den Landmann! Erquick sie gnädiger Himmel und überschütte von oben Mit deiner Güte die Erde. - - - Er komt! er komt! in den Wolken Der Seegen, dort taumelt er her, und wird sich in Ströhmen ergiessen. Schon streicht der Westwind voran, schwärmt in den Blättern der Bäume Und wirbelt die Saaten wie Strudel. Die Sonn eilt hinter den Fürhang Von Baumwoll ähnlichem Dunst; Es stirbt der Schimmer des Himmels Und eine Decke von Schatten läuft über Thäler und Hügel. Gekraust durch silberne Zirkel die sich vergrössernd verschwinden Verräth die Fläche des Wassers den noch nicht sichtbaren Regen. - - - Jetzt fällt er häuffiger nieder sich wie Gewebe durchkreutzend, Kaum schützt des Erlenbaums Zelt mich für den rauschenden Güssen. Der Wind umwälzt sich in ihm und treibt ihn vor sich wie Seegel Er macht die Lüfte voll Tropfen zur See voll wallender Fluthen. Das Volk das kürzlich aus Wolken die Gegend mit Liedern erfüllte Schweigt und verbirgt sich in Büsche. Im Lindenthal drengt sich in Kreisen Vom Dach der Zweige bedeckt die Wollenheerde um Stämme, Feld, Luft und Höhen sind öde nur Schwalben schiessen in Schaaren Im Regen, die Teiche beschauend. - - - Die Augenlieder die jetzo Das Auge des Weltkreises deckten, die Dünst' erheben sich plötzlich Nun funkelt die Bühne des Himmels, nun sieht man hangende Meere In hellen Tropfen zerrinnen und aus den Lüften verschwinden, Es lachen die Gründe voll Blumen, und alles freut sich ob flösse Der Himmel selber zur Erden. Jedoch schon schiffen von neuem Beladne Wolken vom Abend und hemmen wieder das Licht Sie schütten Seen herab, und säugen die Felder wie Brüste. - - -
Auch die vergiessen sich endlich. Ein güldner Regen von Strahlen Füllt jetzo wieder die Luft; Der grüne Hauptschmuck der Felsen, Voll von den Saaten der Wolken, spielt blendend gegen der Sonne; Verjüngt, voll Schimmer und lächelnd, voll Lichter Streifen und Kränze Sehn die Gefilde mich an. Tauch in die Farben Aurorens Mahl mir die Landschaft, o du! aus dessen ewigen Liedern Der Aare Ufer mir duften und vor den Angesicht prangen, Der sich die Pfeiler des Himmels die Alpen die er besungen Zu Ehrensäulen gemacht. Wie blitzt die streifichte Wiese Von Demant ähnlichen Tropfen! wie lieblich regnen sie seitwerts Von farbigten Blumengebüschen und blühenden Kronen der Sträuche. Die Kräuter sind wieder erfrischt und hauchen stärkre Gerüche, Der ganze Himmel ist Duft. Getränkte Halmen erheben Froh ihre Häupter, und scheinen die Huld des Himmels zu preisen.
Grünt nun ihr holden Gefilde! ihr Wiesen und Schlösser vom Laube! Grünt, seyd die Freude des Volks! Dient meiner Unschuld hinführo Zum Schirm, wenn Boßheit und Stolz aus Schlössern und Städten mich treiben. Mir wehe Zefir aus euch durch Blumen und Hecken noch öfter Ruh und Erquickung ins Herz. Lasst mich in euren Revieren Den HErrn und Vater der Welt, der Seegen über euch breitet Im Strahlenkreise der Sonnen, im Thau und träufelnden Wolken, Noch ferner auf Flügeln der Winde mit Augen des Geistes erblicken Und melden voll heiliger Regung sein Lob antwortenden Sternen. Und wenn nach seinem Geheiß mein Ziel des Lebens herannaht, Denn sey mir endlich in euch die letzte Ruhe verstattet.
B. Gedichte vom Verfasser des Frühling
Der Frühling, ein Gedicht
Empfang mich, schattigter Hayn, voll hoher grüner Gewölbe! Empfang mich! fülle mit Ruh und holder Wehmuth die Seele! Führ mich in Gängen voll Nacht zum glänzenden Throne der Tugend, Der um sich die Schatten erhellt. Lehr mich den Wiederhall reizen Zum Ruhm verjüngter Natur. Und ihr, ihr lachenden Wiesen! Ihr holde Thäler voll Rosen, von lauten Bächen durchirret! Mit euren Düften will ich in mich Zufriedenheit ziehen, Und wenn Aurora euch weckt, mit ihren Stralen sie trincken. Gestreckt im Schatten will ich in güldne Sayten die Freude, Die in euch wohnet, besingen. Reitzt und begeistert die Sinnen, Daß meine Töne die Gegend, wie Zephyrs Lispeln, erfüllen, Und wie die rieselnden Bäche.
Auf rosenfarbnen Gewölcke, bekräntzt mit Tulpen und Veilchen, Sank jüngst der Frühling vom Himmel. Aus seinem Busen ergoß sich Die Milch der Erden in Strömen. Schnell rollte von Hügeln und Bergen, Der Schnee in Haufen herab, und Felder wurden zu Seen, - - - - - - - - Allmählich verseigte die Fluth. Von eilenden Dünsten und Wolcken Flohn junge Schatten umher. Es schien der Himmel erweitert, Und war voll Schimmer und Strahlen. Zwar streute der weichende Winter Noch oft bey nächtlicher Umkehr von den geschüttelten Flügeln Reif, Eis und Schauer von Schnee; noch liessen wüthrische Stürme Die rauhe dumpfigte Stimm aus Islands Gegend ertönen, Durchstreiften klagende Klüfte, verheerten taumelnde Wälder, Und bliesen Schrecken und Furcht herum, Verderben und Kälte. Doch endlich siegte der vor noch ungesicherte Frühling. Die Luft ward sanfter; es deckt' ein bunter Teppich die Felder, Die Schatten wurden belaubt, ein sanft Getöne erwachte, Und floh und wirbelt umher im Hain voll grünlicher Dämmrung, Die Bäche färbten sich silbern, im Luftraum flossen Gerüche, Und Echo höret' im Grunde die frühe Flöte des Hirten.
Ihr, deren zweifelhaft Leben gleich trüben Tagen des Winters, Ohn Licht und Freude verfließt, die ihr in Höhlen des Elends Die finstern Stunden verseufzt, betrachtet die Jugend des Jahres! Dreht ietzt die Augen umher, laßt tausend farbigte Scenen Die schwarzen Bilder verfärben! Es mag die niedrige Ruhmsucht, Die schwache Rachgier, der Geitz und seufzender Blutdurst sich härmen; Ihr seyd zur Freude geschaffen, der Schmerz schimpft Tugend und Unschuld. Saugt Lust und Anmuth in euch! schaut her, sie gleitet im Luftkreis Und grünt und rieselt im Thal. Und ihr, ihr Bilder des Frühlings, Ihr blühenden Schönen! flieht ietzt den athemraubenden Aushauch Von güldnen Kerkern der Städte. Kommt, Kommt in winkende Felder! Kommt! überlasset dem Zephyr die kleinen Wellen der Locken, Seht euch in Seen und Bächen, gleich jungen Blumen des Ufers. Pflückt Morgentulpen voll Thau, und ziert den wallenden Busen.
Hier wo der spitzige Fels, bekleidet mit Sträuchen und Tannen Zur Hälfte den bläulichen Strom, sich drüber neigend beschattet, Will ich ins Grüne mich setzen auf seinen Gipfel, und um mich Thal und Gefilde beschauen. O welch ein frohes Gewühle Belebt das streifichte Land! Wie lieblich lächelt die Anmuth Aus Wald und Büschen hervor! Ein Zaun von blühenden Dornen Umschließt und röthet ringsum die sich verlierende Weite Vom niedrigen Himmel gedrückt. Von bunten Moonblumen laufen, Mit grünem Weitzen versetzt, sich schmälernde Beete ins Ferne, Durchkreutzt von blühendem Flachs. Feld-Rosenhecken und Schleestrauch In Blüthen gleichsam gehüllt, umkränzen die Spiegel der Teiche Und sehn sich drinnen. Zur Seite blitzt aus dem grünlichen Meere Ein Meer voll güldener Stralen, durch Phöbus glänzenden Anblick. Es schimmert sein gelbes Gestade von Muscheln und farbichten Steinen, Und Lieb und Freude durchtaumelt in kleiner Fische Geschwadern, Und in den Riesen des Wassers die unabsehbare Fläche. Auf fernen Wiesen am See stehn majestätische Rosse, Sie werfen den Nacken empor und fliehn und wiehern, für Wollust, Daß Hayn und Felsen erschallt. Gefleckte Kühe durchwaten, Geführt vom ernsthaften Stier, des Meierhofs büschichte Sümpfe, Der finstre Linden durchsieht. Ein Gang von Espen und Ulmen Führt zu ihm, welchen ein Bach durchblinkt, in Binsen sich windend, Von Reihern und Schwänen bewohnt. Gebirge, die Brüste der Reben Stehn frölich um ihn herum; sie ragen über den Buchwald, Des Hügels Krone, davon ein Theil im Sonnenschein lächelt Und glänzt, der andere traurt im Flor vom Schatten der Wolken. Die Lerche steigt in die Luft, sieht unter sich Klippen und Thäler; Entzückung tönet aus ihr. Der Klang des wirbelnden Liedes Ergetzt den ackernden Landmann. Er horcht eine Weile: dann lehnt er Sich auf den gleitenden Pflug, zieht braune Wellen ins Erdreich, Verfolgt von Krähen und Elstern. Der Saemann schreitet gemessen, Und wirft den Saamen ihm nach. O daß der mühsame Landwirth Für sich den Segen nur streute! Daß ihn die Weinstöcke tränkten Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wälzten! Allein, der frässige Krieg vom Zähne bleckenden Hunger Und wilden Schaaren begleitet, verheert oft Arbeit und Hofnung. Er stürmet rasend einher, zertritt die nährenden Halmen, Reißt Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder Für sich zum flammenden Lustspiel. Wie wenn der Rachen des Ätna Mit ängstlich-wildem Geschrey, daß Meer und Klippen es hören, Die Gegend um sich herum, vom untern Donner zerrüttet, Mit Schrecken und Tod überspeyt, und einer flammenden Sündfluth.
Ihr, denen zwanglose Völker das Steuer der Herrschaft vertrauen, Führt ihr durch Flammen und Blut sie zur Glückseligkeit Hafen? Was wünscht ihr Väter der Menschen noch mehrere Kinder? Ists wenig Viel Millionen beglücken? Erforderts wenige Mühe? O mehrt derjenigen Heil, die eure Fittiche suchen, Deckt sie gleich brütenden Adlern; verwandelt die Schwerdter in Sicheln, Laßt güldne Wogen im Meer, fürs Land, durch Schiffahrt sich thürmen, Erhebt die Weisheit im Kittel, und trocknet die Zähren der Tugend.
Wohin verführt mich der Schmerz! Weicht, weicht ihr traurigen Bilder, Komm Muse! laß uns die Wohnung und häusliche Wirthschaft des Landmanns Und Viehzucht und Gärte betrachten. Hier steigt kein Marmor aus Bergen, Und zeuget Kämpfer, kein Taxus spitzt sich vor Schlössern, kein Wasser Folgt hier dem Zuruf der Kunst. Verschränckte wölkichte Wipfel Von hohen Linden, beschatten ein Haus von Reben umkrochen, Durch Dorn und Hecken befestigt. Ein Teich glänzt mitten im Hofe Mit grünem Floßkraut bestreut, wodurch aus scheinbarer Tiefe Des Himmels Ebenbild blinkt. Er wimmelt von zahmen Bewohnern. Die Henne jammert ums Ufer, und ruft die gleitenden Entchen, Die sie gebrütet; sie fliehn der Stiefmutter Stimme, durchplätschern Die Fluth, und nagen am Schilf. Voll majestätischen Ernstes Schwimmt hier der Schwan, und treibet fern von der Lustbahn der Jungen Mit starken Flügeln den Schießhund. Nun spielen die haarigten Kinder Sie tauchen den Kopf ins Wasser, sie hängen im Gleichgewicht abwerts Und zeigen die rudernde Füsse. Dort läuft ein munteres Mädchen Sein buntes Körbchen am Arm, verfolgt von weitschreitenden Hünern. Nun steht es, und täuscht sie leichtfertig mit eitelem Wurfe; begießt sie Nun plötzlich mit Körnern und sieht sie vom Rücken sich essen und zanken. Dort lauscht in dunkeler Höhle das weisse Kaninchen, und drehet Die rothen Augen umher. Aus seines Wohnhauses Fenster Sieht das Lachtäubchen sich um, es kratzt den röthlichen Nacken, Und fliegt zum Liebling aufs Dach. Er zürnt ob dessen Verweilen Und dreht sich um sich und schilt. Bald rührt ihn das Schmeicheln der Schönen, Viel Küsse werden verschwendet, bis sie mit schnellem Gefieder Die Luft durchlispeln, und aufwärts sich zu Gespielen gesellen, Die blitzend im Sonnenglanz schwärmen. Von blühenden Fruchtbäumen schimmert Der Garten, die kreutzende Gänge mit rother Dunkelheit füllen, Und Zephyr gaukelt umher, treibt Wolken von Blüthen zur Höhe, Die sich ergiessen und regnen. Zwar hat hier Wollust und Hochmuth Nicht Nahrung von Mohren entlehnt und sie gepflanzet; nicht Myrthen, Nicht Aloen blicken durch Fenster. Das nutzbare Schöne vergnüget Den Landmann, und etwan ein Kranz. Durch lange Gewölbe von Nußstrauch Zeigt sich voll laufender Wolken der Himmel, und ferne Gefilde Voll Seen und büschichter Thäler, umringt mit blauen Gebirgen. Das Auge durchirret den Auftritt, bis ihn ein näherer schliesset. Die Fürstinn der Blumen, die Tulp' erhebt die Krone zur Seiten Hoch über Aurikeln, dran Flora all' ihre Farben verschwendet. Die holde Mayblume drengt die Silberglöckchen durch Blätter, Und manche Rose durchbricht schon ungeduldig die Knospe. Es steigen holde Gerüche, vermischt vom Garten zur Höhe, Und füllen mit Balsam die Luft. Die Nachtviole läßt immer Die stolzeren Blumen den Duft verhauchen; voll Edelmuth schließt sie Ihn ein, im Vorsatz den Abend noch über den Tag zu verschönern. Ein Bildniß grosser Gemüther, die nicht gleich pralrischen Kämpfern Der Kreis von Zuschauern reitzt, die tugendhaft wegen der Tugend In der Verborgenheit Schatten Gerüche der Wohlthaten streuen. Seht hin, wie brüstet der Pfau sich dort am farbichten Beete! Voll Eifersucht über die Kleidung der frölichen Blumen stolzirt er, Kreist rauschend den grünlichen Schweif voll Regenbögen, und wendet Den farbenwechselnden Hals. Die Schmetterlinge sich jagend, Umwälzen sich über den Bäumen mit bunten Flügeln, voll Liebe, Und unentschlossen im Wählen beschauen sie Knospen und Blüthe. Indessen impfet der Herr des Gartens Zweige von Kirschen Durchsägten Schleestämmen ein, die künftig über die Kinder Die sie gesäuget, erstaunen. Das Bild der Anmuth, die Hausfrau Sitzt in der Laube von Reben, pflanzt Stauden und Blumen auf Leinwand, Die Freude lächelt aus ihr; ein Kind, der Gratien Liebling Hängt ihr mit zarten Armen am Hals, und hindert sie schmeichelnd, Ein anders tändelt im Klee, sinnt nach, und stammelt Gedanken.
O dreymahl seliges Volk, dem einsam in Gründen die Tage Wie sanfte Weste verfliegen! Laß andre dem Pöbel, der Dächer Und Bäum' ersteiget, zur Schau in Siegeswägen sich brüsten, Von Elephanten gezogen; laß sie mit Heeren von Schiffen Untreue Wellen bedecken, und Japan in Westen versetzen. Der ist ein Liebling des Himmels, den fern von Lastern und Thorheit, Die Ruh an Quellen umschlingt. Auf ihn blickt immer die Sonne Von oben lieblich herab, ihm braust kein Unglück in Wogen, Er seufzt nicht eitele Wünsche, ihn macht die Höhe nicht schwindelnd, Die Arbeit würzt ihm die Kost, sein Blut ist leicht wie der Äther, Sein Schlaf verfliegt mit der Dämmerung, ein Morgenlüftchen verweht ihn.
Ach wär auch mir es vergönnt, in euch, ihr holden Gefilde, Gestreckt in wankende Schatten, am Ufer schwatzhafter Bäche Hinfort mir selber zu leben, und Leid und niedrige Sorgen Vorüberrauschender Luft einst zuzustreuen! Ach möchte Doch Doris die Thränen in euch von diesen Wangen verwischen, Und bald Gespräche mit Freunden in euch mein Leiden versüssen, Bald redende Todte mich lehren, bald tiefe Bäche der Weisheit Des Geistes Wissendurst stillen! Dann gönnt ich Berge von Demant Und goldne Klüfte dem Mogul, dann möchten kriegrische Zwerge Felshohe Bilder sich hauen, die steinerne Ströme vergössen, Ich würde sie nimmer beneiden. Du Quelle des Glückes o Himmel Du Meer der Liebe! o tränkte mich doch dein Ausfluß! soll gänzlich Wie eine Blume mein Leben, erstickt von Unkraut, verblühen? Nein, du beseligst dein Werk. Es lispelt ruhige Hofnung Mir Trost und Labsal zum Herzen; die Dämmrung flieht vor Auroren, Die finstre Decke der Zukunft wird aufgezogen, ich sehe Ganz andre Scenen der Dinge, und unbekannte Gefilde. Ich seh dich, himmlische Doris! du kommst aus Rosengebüschen In meine Schatten, voll Glanz und majestätischem Liebreitz; So tritt die Tugend einher, so ist die Anmuth gestaltet. Du singst zur Cither, und Phöbus tritt schnell durch dicke Gewölke, Die Stürme schweigen, Olymp merkt auf; das Bildniß der Lieder Tönt sanft in fernen Gebirgen, und Zephyr weht mirs herüber. Und du mein redlicher Gleim, du steigst vom Gipfel des Hömus Und rührst die Tejischen Seyten voll Lust. Die Thore des Himmels Gehn auf, es lassen sich Cypris und Huldgöttinnen und Amor Voll Glanz auf funkelnden Wolken in blauen Lüften hernieder, Und singen lieblich darein. Der Sternen weites Gewölbe Erschallt vom frohen Concert. Komm bald in meine Reviere, Komm, bring die Freude zu mir, beblüme Triften und Anger, O Paar! du Trost meines Lebens, du milde Gabe der Gottheit! Doch wie, erwach ich vom Schlaf? Wo sind die himmlischen Bilder? Welch ein anmuthiger Traum betrog die wachenden Sinnen? Er flieht von dannen, ich seufze. Zu viel, zu viel vom Verhängniß Im Durchgang des Lebens gefodert! Hier ist statt Wirklichkeit Hofnung Des würklichen Schatten beglückt, selbst wird michs nimmer erfreuen.
Allein, was quält mich die Zukunft; weg ihr vergeblichen Sorgen, Laß mich der Wollust geniessen, die ietzt der Himmel mir gönnet, Laß mich das fröliche Landvolk in dicke Haine verfolgen Und mit der Nachtigall singen, und mich beym seufzenden Gießbach An Zephyrs Tönen ergötzen. Ihr dichten Lauben, von Händen Der Mutter der Dinge, geflochten! ihr dunkeln einsamen Gänge, Die ihr das Denken erhellt, Irrgärte voller Entzückung Und Freude, seyd mir gegrüßt! Was für ein angenehm Leiden Und Ruh und sanftes Gefühl durchdringet in euch die Seele! Durchs hohe Laubdach der Schatten, das streichende Lüfte bewegen, Worunter ein sichtbares Kühl in grünen Wogen sich wälzet, Blickt hin und wieder die Sonne, und übergüldet die Blätter. Die holde Dämmrung durchgleiten Gerüche von Blüthen der Hecken, Die Flügel der Westwinde duften. In überirdischer Höhle Von krausen Büschen gezeugt, sitzt zwischen Blumen der Geishirt, Bläst auf der hellen Schallmey, hält ein, und höret die Lieder Hier laut in Buchen ertönen, dort schwach, und endlich verloren, Bläst, und hält wiederum ein. Tief unter ihm klettern die Ziegen An jähen Wänden von Stein, und reissen an bittern Gesträuche. Mit leichten Läuften streift ietzt ein Heer gefleckter Hindinnen, Und Hirsche mit Ästen gekrönt durch grüne rauschende Stauden, Setzt über Klüfte, Gewässer und Rohr. Moräste vermissen Die Spur der fliegenden Last. Gereizt vom Frühling zur Liebe Durchstreichen muthige Rosse den Wald mit flatternden Mähnen, Der Boden zittert und tönt, es strotzen die Zweige der Adern, Ihr Schweif empört sich verwildert, sie schnauben Wollust und Hitze Und brechen, vom Ufer sich stürzend, die Fluth der Ströme zur Kühlung; Dann fliehen sie über das Thal auf hohe Felsen, und schauen Fern über den niedrigen Hain aufs Feld durch segelnde Dünste Und wiehern aus Wolken herab. Ietzt eilen Stiere vorüber, Aus ihrer Nasen raucht Brunst, sie spalten mit Hörnern das Erdreich Und toben im Nebel von Staub - - - -
Aus ausgehöhltem Gebirge fällt dort mit wildem Getümmel Ein Fluß ins büschigte Thal, reißt mit sich Stücke von Felsen, Durchrauscht entblössete Wurzeln der untergrabenen Bäume, Die über fliessende Hügel von Schaum sich bücken und wanken; Die grünen Grotten des Waldes ertönen und klagen darüber. Es stuzt ob solchem Getöse das Wild, und eilet von dannen. Sich nahende Vögel verlassen, im Singen gehindert, die Gegend Und suchen ruhige Stellen, wo sie den Gatten die Fühlung Verliebter Schmerzen entdecken in pyramidnem Gesträuche, Und streiten gegen einander mit Liedern von Zweigen der Buchen. Dort will ich lauschen und sie sich freun und liebkosen hören. Fließ sanft unruhiges Flüßchen! still! ächzende Zephyrs im Laube, Schwächt nicht ihr buhlrisches Flüstern. Schlagt laut, Bewohner der Wipfel, Schlagt, lehrt mich euren Gesang! Sie schlagen; Symphonische Töne Durchfliehn von Eichen und Dorn des weiten Schattensaals Kammern, Die ganze Gegend wird Schall. Der Fink, der röthliche Hänfling Pfeift hell aus Wipfeln der Erlen. Ein Heer von bunten Stieglitzen Hüpft hin und wieder auf Strauch, beschaut die blühende Distel, Ihr Lied hüpft frölich wie sie. Der Zeisig klaget der Schönen Sein Leiden aus Zellen von Laub. Vom Ulmbaum flötet die Amsel In hohlen Tönen den Baß. Nur die geflügelte Stimme, Die kleine Nachtigall weicht aus Ruhmsucht in einsame Gründe Durch dicke Wipfel umwölbt, der Traurigkeit ewige Wohnung, (Worinn aus Lüften und Feld der Nacht verbreitete Schatten Sich scheinen verenget zu haben, als sie Auroren entwichen,) Und macht die schreckbare Wüste zum Lustgefilde des Waldes. Dort tränkt ein finsterer Teich rings um sich Weidengebüsche, Auf Ästen wiegt sie sich da, lockt laut, und schmettert und wirbelt, Daß Grund und Einöde klingt. So rasen Chöre von Sayten. Ietzt girrt sie sänfter, und läuft durch tausend zärtliche Töne, Ietzt schlägt sie wieder mit Macht. Oft wenn die Gattin durch Vorwitz Sich im belaubten Gebauer des grausamen Voglers gefangen, Der fern im Lindenbusch laurt, dann ruhn die Lieder voll Freude, Dann fliegt sie ängstlich umher, ruft ihrer Wonne des Lebens Durch Klüfte, Felsen und Wald, seufzt unaufhörlich und jammert, Bis sie vor Wehmuth zuletzt halbtodt zur Hecken herabfällt, Worauf sie gleitet und wankt mit niedersinkendem Haupte. Da klaget um sie der Schatten der todten Gattin, da dünkt ihr Sie wund und blutig zu sehn. Bald tönt ihr Jammerlied wieder, Sie setzt es Nächte lang fort, und scheint bey jeglichem Seufzer Aus sich ihr Leben zu seufzen. Die nahen strauchichten Hügel, Hiedurch zum Mitleid bewogen, erheben ein zärtlich Gewinsel.
Allein, was kollert und girrt mir hier zur Seiten vom Eichstamm, Der halb vermodert und zweiglos von keinem Geflügel bewohnt wird? Täuscht mich der Einbildung Spiel? Sieh! plötzlich flattert ein Täubchen Aus einem Astloch empor, mit wandelbarem Gefieder, Dieß zeugte den dumpfigten Schall im Bauch der Eichen. Es gleitet Mit ausgespreiteten Flügeln ins Thal, sucht nickend im Schatten Und schaut sich vorsichtig um mit dürren Reisern im Munde. Wer lehrt die Bürger der Zweige voll Kunst sich Nester zu wölben, Und sie für Vorwitz und Raub, voll süssen Kummers, zu sichern? Welch ein verborgener Hauch füllt ihre Herzen mit Liebe? Durch dich ist alles, was gut ist, unendlich wunderbar Wesen, Beherrscher und Vater der Welt! Du bist so herrlich im Vogel, Der niedrig in Dornstauden hüpft, als in der Veste des Himmels, In einer kriechenden Raupe, wie in dem flammenden Cherub. See sonder Ufer und Grund! Aus dir quillt alles, du selber Hast keinen Zufluß in dich. Die Feuermeere der Sterne Sind Wiederscheine von Pünktchen des Lichts, in welchem du leuchtest. Du drohst den Stürmen, sie schweigen, berührst die Berge, sie rauchen; Das Heulen aufrührischer Meere, die zwischen wässernen Felsen Den Sand des Grundes entblössen, ist deiner Herrlichkeit Loblied. Der Donner, mit Flammen beflügelt verkündigt mit brüllender Stimme Die hohen Thaten von dir. Vor Ehrfurcht zittern die Haine Und wiederhallen dein Lob. In tausend harmonischen Tönen Von dem Verstande gehört, verbreiten Heere Gestirne Die Grösse deiner Gewalt und Huld von Pole zu Pole. Doch wer berechnet die Menge von deinen Wundern? Wer schwingt sich Durch deine Tiefe, o Schöpfer? Vertraut euch Flügeln der Winde, Ruht auf den Pfeilen des Blitzes, durchstreicht den glänzenden Abgrund Der Gottheit, ihr endlichen Geister, durch tausend Alter des Weltbaus, Ihr werdet dennoch zuletzt kein Pünktchen näher dem Grunde Als bey dem Ausfluge seyn. Verstummt denn, bebende Sayten! So preist ihr würdger den HERRN.
Ein Fluß von lieblichem Duft, den Zephyr mit säuselnden Schwingen Von nahgelegener Wiese herbeyweht, nöthigt mich zu ihr. Da will ich an schwirrendem Rohr in ihrer Blumenschooß ruhend, Mit starken Zügen ihn einziehn. Kommt zu mir Freunde der Weißheit, Mein Spalding und Hirzel, durch die jüngsthin der Winter mir grünte, Von deren Lippen die Freude zu meinem Busen herabströmt, Komt! legt euch zu mir, und macht die Gegend zur himmlischen Wohnung, Laßt uns der Kinder der Flora Gestalt und Liebe bewundern, Und spotten mit ihnen geschmückt des trägen Pöbels im Purpur, Besingt die Schönheit der Tugend; laßt eures Mundes Gespräche Mir seyn wie Düfte von Rosen. Hier ist der Gratien Lustplatz, Kunstlose Gärte durchirrt hier die Ruh, hier rieselt Entzückung Mit hellen Bächen heran. Den grünen Kleeboden schmücken Zerstreute Wälder von Blumen. Ein Meer von holden Gerüchen Wallt unsichtbar über der Flur in grossen taumelnden Wogen Von lauen Winden durchwühlt. Es ist durch tausend Bewohner Die bunte Gegend belebt. Hochbeinigt watet im Wasser Dort zwischen Kräutern der Storch, und blickt begierig nach Nahrung, Dort gaukelt der Kybitz und schreyt ums Haupt des müssigen Knaben, Der seinem Neste sich naht. Ietzt trabt er vor ihm zum Ufer, Als hätt' er das Fliegen vergessen, reitzt ihn durch Hinken zur Folge Und lockt ihn endlich ins Feld. Zerstreute Heere von Bienen Durchsäuseln die Lüfte, sie fallen auf Klee und blühende Stauden, Und hängen glänzend daran wie Thau vom Mondschein vergüldet; Dann eilen sie wieder zur Stadt, die ihnen im Winkel des Angers Der Landmann aus Körben erbaut. Rechtschafner Weltweisen Bildniß, Die sich der Heimath entziehn, der Menschheit Gefilde durchsuchen, Und dann heimkehren zur Zelle mit süsser Beute beladen Und liefern uns Honig der Weisheit. Ein See voll fliehender Wellen Rauscht in der Mitte der Au, draus steigt ein Eyland zur Höhe Mit Bäumen und Hecken gekrönt, das wie vom Boden entrissen, Scheint gegen die Fluthen zu schwimmen. In einer holden Verwirrung Prangt drauf Hanbuttengesträuch voll feuriger Sternchen, der Quitzbaum, Hollunder, raucher Wachholder, und sich umarmende Palmen. Das Geisblatt schmiegt sich am Zweige der wilden Rosengebüsche. Aus Wollust küssen einander die jungen Blüthen und hauchen Mit süssem Athem sich an. Der blühende Hagdorn am Ufer Bückt sich hinüber aus Stolz, und sieht verwundernd im Wasser Den weissen und röthlichen Schmuck. O Schauplatz, der du die Freude Ins Herzens Innerstes mahlst, ach! daß die Wärme, die annoch, Seitdem der Winter von uns entflohn, kein Regen gemildert, Dich sammt Gefilden und Gärten, die nach Erfrischung sich sehnen, Doch nicht der Zierde beraubte und seiner Hofnung den Landmann! Erquick sie gnädiger Himmel, und überschütte von Oben Mit deiner Güte die Erde. - - - Er kommt! er kommt! in den Wolken Der Segen, dort taumelt er her, und wird sich in Strömen ergiessen. Schon streicht der Westwind voran, schwärmt in den Blättern der Bäume Und wirbelt die Saaten, wie Strudel. Die Sonn eilt hinter den Vorhang Von Baumwollähnlichem Dunst; es stirbt der Schimmer des Himmels Gemach, und Schatten und Nacht läuft über Thäler und Hügel. Gekraust durch silberne Zirkel die sich vergrössernd verschwinden, Verräth die Fläche des Wassers den noch nicht sichtbaren Regen. - - - - Ietzt fällt er häufiger nieder sich wie Gewebe durchkreuzend, Kaum schützt des Erlenbaums Zelt mich vor den rauschenden Güssen. Das Volk, das kürzlich aus Wolken die Gegend mit Liedern erfüllte, Schweigt und verbirgt sich in Büsche. Im Lindenthal drängt sich in Kreisen Vom Dach der Zweige bedeckt die Wollenheerde um Stämme, Feld, Luft und Höhen sind öde; nur Schwalben schiessen in Schaaren Im Regen, die Teiche beschauend. - - - - Die Augenlieder die jetzo Das Auge des Weltkreises decken, die Dünst' erheben sich plötzlich, Nun funkelt die Bühne des Himmels, nun sieht man hangende Meere In hellen Tropfen zerrinnen und aus den Lüften verschwinden, Es lachen die Gründe voll Blumen, und alles freut sich, ob flösse Der Himmel selber zur Erden. Jedoch schon schiffen von neuem Beladne Wolken vom Abend und hemmen wieder das Licht, Sie schütten Seen herab, und säugen die Felder wie Brüste. - - - -
Auch die vergiessen sich endlich. Ein güldner Regen von Stralen Füllt jetzo wieder die Luft; der grüne Hauptschmuck der Felsen, Voll von den Saaten der Wolken, spielt blendend gegen der Sonne, Ein Regenbogen umgürtet den Himmel, und sieht sich im Meere; Verjüngt, voll Schimmer und lächelnd, voll lichter Streifen und Kränze Sehn die Gefilde mich an. Tauch in die Farben Aurorens, Mal mir die Landschaft, o du! aus dessen ewigen Liedern Der Aare Ufer mir duften und vor dem Angesicht prangen, Der sich die Pfeiler des Himmels, die Alpen, die er besungen, Zu Ehrensäulen gemacht. Wie blitzt die streifichte Wiese Von demantähnlichen Tropfen! Wie lieblich regnen sie seitwärts Von farbigten Blumengebüschen und blühenden Kronen der Sträuche! Die Kräuter sind wieder erfrischt, und hauchen stärkre Gerüche, Der ganze Himmel ist Duft. Getränkte Halmen erheben Froh ihre Häupter, und scheinen die Huld des Himmels zu preisen.
Grünt nun ihr holden Gefilde! Ihr Wiesen und schattichte Wälder Grünt, seyd die Freude des Volcks! Dient meiner Unschuld hinführo Zum Schirm, wenn Bosheit und Stolz aus Schlössern und Städten mich treiben. Mir wehe Zephyr aus euch durch Blumen und Hecken noch öfter Ruh und Erquickung ins Herz. Laßt mich den Vater des Weltbaus, (Der Seegen über euch breitet im Stralenkreise der Sonne, Im Thau und Regen) noch ferner in eurer Schönheit verehren, Und melden voll heiliger Regung sein Lob antwortenden Sternen. Und wenn nach seinem Geheiß mein Ziel des Lebens herannaht, Dann sey mir endlich in euch die lezte Ruhe verstattet.
Die Unzufriedenheit der Menschen
An Herrn P. Sulzer
Ja Freund! oft trinket der Mensch die Lust in Strömen und dürstet, Der Glücklichste stirbt unter Wünschen; ein Tropfen Kummers verbittert Ihm ganze Meere von Freude. Die Einbildung spornt seine Triebe, Wie Rösse reissen sie aus, die Zwang und Zügel verachten, Und ziehn ihn mit sich zum Abgrund. Sein Stolz zielt immer gen Himmel. Bald schilt er die Vorsicht, die ihn in Purpur und Reichthum verabsäumt, Bald dünkt er sich selber zu schwach und tadelt die Weisheit der Schöpfung: Das Feuer haucht Plagen für ihn, ihm blüht auf Auen das Unglück, Und eilt mit Fluthen heran, die Wind' umwehn ihn mit Schmerzen. Wohin verwegnes Geschöpfe? Denkst du wie Riesen der Fabel Auf Felsen Felsen zu häufen, und durch den Unsinn bewafnet, Den Sitz der Gottheit zu stürmen? Will ein Gefässe von Leimen Sich wider den Töpfer empören? Durchfleuch erst die blauen Gefilde Mit Sonnen und Erden durchsät, den milchfarbnen Gürtel des Himmels, Die Luftsphär jeglichen Sterns, betrachte des Ganzen Verbindung, Sammt allen Federn der Räder und andrer Planeten Naturen, Die Arten ihrer Bewohner, ihr Thun und Stufengefolge, Ergründ mit kühnem Gefieder des dunkeln Geisterreichs Tiefe. Sieh Wesen ohne Gestalten, merk ihre Abhäng und Kräfte, Steig auf der Leiter der Dinge selbst bis zum Throne der Gottheit; Dann strafe, woferne du kanst, die Vorsicht und Ordnung der Erde.
- - - - - - - - Willst du die Ursach erforschen, Warum du kein Seraphim wurdest? Entdeck erst Stolzer! weswegen Du keine Milbe geworden. Soll deiner Thorheit zum Vortheil Die grosse Weltkette brechen, und tausend Planeten und Sonnen Aus ihren Gleisen gerückt, in einen Klumpen zerfallen? Soll bis zum Throne des Höchsten des Himmels Vorhang zerreissen? Und endlich die ganze Natur erschüttert zum Innersten seufzen? Dieß wilst du, wenn du verlangst, was mit der Weltordnung streitet. Sey deiner Neigungen Herr, so wirst du das Unglück beherrschen, Der Schöpfer ist Liebe und Huld, nur die sind deine Tyrannen. Was baut ihr Häuser auf Wellen, ihr Diebe der indischen Berge, Verdammt euch Jahre lang, nichts als nasse Gräber zu sehen, Und in den Wolken den Tod? Du Untersucher der Gründe, Was blickst du hohnlächelnd abwärts, gebläht vom Dünkel des Wissens Im Wahn vom hohen Olymp auf Raupen der Erde zu schauen, Dem dennoch Nebel und Dunst das Licht der Seele verdunkelt? Und ihr, ihr Helden! was eilt ihr ins Ungewitter des Treffens, Wo Blitze mit Blitzen kämpfen, und wilde Stürme mit Stürmen, Um des Gerüchtes Posaune mit euren Thaten zu füllen? Es lachen euer die Wesen, die um euch unsichtbar schweben. Du Wahrheitsfeßler dünkst ihnen, das was dir plaudernde Dolen, Du, Held und Geizhals! was euch um Spreu sich jagende Würmer. Des Lebens Augenblick ist nicht werth der Anschläge Dauer So vieler Sorgen und Pein. Der, welchem knieende Länder Heut Schlösser und Festungen öfnen, wohnt morgen in Hölen des Todes, Die Hofnung ist mit ihm verscharrt, verstopft der Zugang des Nachruhms. Mich däucht, es öfnen sich mir der Unterwelt schattichte Thäler, Ich seh den griechischen Held, vor dessen Klange der Waffen Der ganze Erdball erschrack, der Seen mit Menschenblut färbte, Und bis zum Ganges den Ost in eine Wüste verkehrte, Wie ausgerissene Meere, Feld, Wald und Städte verschlingen; Ich seh ihn in bleichen Cypressen verlassen und tiefsinnig irren, Er ringt die Hände, und füllt mit diesen Klagen die Lüfte: "Vor, meines Unsinns Vergnügen, jezt mir erschreckliche Bilder! Ihr Leichen voll Wunden und Blut, weicht, weicht aus diesen Revieren, Kehrt eure Blicke von mir, ihr halberöfneten Augen! Vergeßt das Stöhnen ihr Gründe! weh mir, daß jemahls der Herrschsucht Sirenenstimme mich täuschte! Du tolles Labsal der Seelen, Zu kurz für ewige Reu! O Lob des sinnlosen Pöbels, Warum verachtet ich dich groß in mir selber nicht eher! Entflogene Zeiten kommt wieder; wie, oder verlaßt mich ihr Leichen, Kehrt eure Blicke von mir, ihr halb eröfneten Augen!" Noch wären die Schätze der Welt sammt aller Hoheit und Wollust Für unsere Seele zu klein, durchlebten wirs Alter der Sterne, Der Himmel sättigt sie nur, von dessen Flamme sie lodert. Und du, o göttliche Tugend! Durch dich nur können wir freudig Das Meer des Lebens durchschiffen. Laßt diesen Pharus uns leuchten, So sehn wir den Hafen des Glücks, trotz Ungewittern des Zufalls, Trotz aller Leidenschaft Sturm, der nur den Einlauf befördert, So wird die Vorsicht uns weise, der Himmel uns gnädig bedünken.
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