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Diotima
Du schweigst und duldest, denn sie verstehn dich nicht, Du edles Leben! siehest zur Erd und schweigst Am schönen Tag, denn ach! umsonst nur Suchst du die Deinen im Sonnenlichte,
Die Königlichen, welche, wie Brüder doch, Wie eines Hains gesellige Gipfel sonst Der Lieb und Heimat sich und ihres Immerumfangenden Himmels freuten,
Des Ursprungs noch in tönender Brust gedenk; Die Dankbarn, sie, sie mein ich, die einzigtreu Bis in den Tartarus hinab die Freude Brachten, die Freien, die Göttermenschen,
Die zärtlichgroßen Seelen, die nimmer sind; Denn sie beweint, so lange das Trauerjahr Schon dauert, von den vorgen Sternen Täglich gemahnet, das Herz noch immer
Und diese Totenklage, sie ruht nicht aus. Die Zeit doch heilt. Die Himmlischen sind jetzt stark, Sind schnell. Nimmt denn nicht schon ihr altes Freudiges Recht die Natur sich wieder?
Sieh! eh noch unser Hügel, o Liebe, sinkt, Geschiehts, und ja! noch siehet mein sterblich Lied Den Tag, der, Diotima! nächst den Göttern mit Helden dich nennt, und dir gleicht.
Rückkehr in die Heimat
Ihr milden Lüfte! Boten Italiens! Und du mit deinen Pappeln, geliebter Strom! Ihr wogenden Gebirg! o all ihr Sonnigen Gipfel, so seid ihrs wieder?
Du stiller Ort! in Träumen erschienst du fern Nach hoffnungslosem Tage dem Sehnenden, Und du mein Haus, und ihr Gespielen, Bäume des Hügels, ihr wohlbekannten!
Wie lang ists, o wie lange! des Kindes Ruh Ist hin, und hin ist Jugend und Lieb und Lust; Doch du, mein Vaterland! du heilig Duldendes! siehe, du bist geblieben.
Und darum, daß sie dulden mit dir, mit dir Sich freun, erziehst du, teures! die Deinen auch Und mahnst in Träumen, wenn sie ferne Schweifen und irren, die Ungetreuen.
Und wenn im heißen Busen dem Jünglinge Die eigenmächtgen Wünsche besänftiget Und stille vor dem Schicksal sind, dann Gibt der Geläuterte dir sich lieber.
Lebt wohl dann, Jugendtage, du Rosenpfad Der Lieb, und all ihr Pfade des Wanderers, Lebt wohl! und nimm und segne du mein Leben, o Himmel der Heimat, wieder!
Das Ahnenbild
Ne virtus ulla pereat!
Alter Vater! Du blickst immer, wie ehmals, noch, Da du gerne gelebt unter den Sterblichen, Aber ruhiger nur, und Wie die Seligen, heiterer
In die Wohnung, wo dich, Vater! das Söhnlein nennt, Wo es lächelnd vor dir spielt und den Mutwill übt, Wie die Lämmer im Feld, auf Grünem Teppiche, den zur Lust
Ihm die Mutter gegönnt. Ferne sich haltend, sieht Ihm die Liebende zu, wundert der Sprache sich Und des jungen Verstandes Und des blühenden Auges schon.
Und an andere Zeit mahnt sie der Mann, dein Sohn; An die Lüfte des Mais, da er geseufzt um sie, An die Bräutigamstage, Da der Stolze die Demut lernt.
Doch es wandte sich bald: Sicherer, denn er war, Ist er, herrlicher ist unter den Seinigen Nun der Zweifachgeliebte, Und ihm gehet sein Tagewerk.
Stiller Vater! auch du lebtest und liebtest so; Darum wohnest du nun, als ein Unsterblicher, Bei den Kindern, und Leben, Wie vom schweigenden Aether, kommt
Öfters über das Haus, ruhiger Mann! von dir, Und es mehrt sich, es reift, edler von Jahr zu Jahr, In bescheidenem Glücke, Was mit Hoffnungen du gepflanzt.
Die du liebend erzogst, siehe! sie grünen dir, Deine Bäume, wie sonst, breiten ums Haus den Arm, Voll von dankenden Gaben; Sichrer stehen die Stamme schon;
Und am Hügel hinab, wo du den sonnigen Boden ihnen gebaut, neigen und schwingen sich Deine freudigen Reben, Trunken, purpurner Trauben voll.
Aber unten im Haus ruhet, besorgt von dir, Der gekelterte Wein. Teuer ist der dem Sohn, Und er sparet zum Fest das Alte, lautere Feuer sich.
Dann beim nächtlichen Mahl, wenn er, in Lust und Ernst, Von Vergangenem viel, vieles von Künftigem Mit den Freunden gesprochen, Und der letzte Gesang noch hallt,
Halt er höher den Kelch, siehet dein Bild und spricht: Deiner denken wir nun, dein, und so werd und bleib Ihre Ehre des Hauses Guten Genien, hier und sonst!
Und es tönen zum Dank hell die Kristalle dir; Und die Mutter, sie reicht, heute zum erstenmal, Daß es wisse vom Feste, Auch dem Kinde von deinem Trank.
An eine Verlobte
Des Wiedersehens Tränen, des Wiedersehns Umfangen, und dein Auge bei seinem Gruß, - Weissagend möcht ich dies und all der Zaubrischen Liebe Geschick dir singen.
Zwar jetzt auch, junger Genius! bist du schön, Auch einsam, und es freuet sich in sich selbst, Es blüht von eignem Geist und liebem Herzensgesange die Musentochter.
Doch anders ists in seliger Gegenwart, Wenn an des Neugefundnen Blicke dein Geist sich kennt, Wenn friedlich du vor seinem Anschaun Wieder in goldener Wolke wandelst.
Indessen denk, ihm leuchte das Sonnenlicht, Ihn tröst und mahne, wenn er im Felde schläft, Der Liebe Stern, und heitre Tage Spare zum Ende das Herz sich immer.
Und wenn er da ist, und die geflügelten, Die Liebesstunden schneller und schneller sind, Dann sich dein Brauttag neigt und trunkner Schon die beglückenden Sterne leuchten -
Nein, ihr Geliebten! nein, ich beneid euch nicht! Unschädlich, wie vom Lichte die Blume lebt, So leben, gern vom schönen Bilde Träumend, und selig und arm, die Dichter.
Ermunterung (Erste Fassung)
Echo des Himmels! heiliges Herz! warum, Warum verstummst du unter den Sterblichen? Und schlummerst, von den Götterlosen Täglich hinab in die Nacht verwiesen?
Blüht denn, wie sonst, die Mutter, die Erde dir, Blühn denn am hellen Aether die Sterne nicht? Und übt das Recht nicht überall der Geist und die Liebe, nicht jetzt und immer?
Nur du nicht mehr! doch mahnen die Himmlischen, Und stillebildend wallt, wie um kahl Gefild, Der Othem der Natur um uns, der Alleserheiternde, seelenvolle.
O Hoffnung! bald, bald singen die Haine nicht Der Götter Lob allein, denn es kommt die Zeit, Daß aus der Menschen Munde sich die Seele, die göttliche, neuverkündet.
Daß unsre Tage wieder, wie Blumen, sind, Wo, ausgeteilt im Wechsel, ihr Ebenbild Des Himmels stille Sonne sieht und Froh in den Frohen das Licht sich kennet,
Daß liebender, im Bunde mit Sterblichen Das Element dann lebet und dann erst reich, Bei frommer Kinder Dank, der Erde Kraft, die unendliche, sich entfaltet,
Und er, der sprachlos waltet, und unbekannt Zukünftiges bereitet, der Gott, der Geist Im Menschenwort, am schönen Tage Wieder mit Namen, wie einst, sich nennet.
Ermunterung (Zweite Fassung)
Echo des Himmels! heiliges Herzt warum, Warum verstummst du unter den Lebenden, Schläfst, freies! von den Götterlosen Ewig hinab in die Nacht verwiesen?
Wacht denn, wie vormals, nimmer des Aethers Licht? Und blüht die alte Mutter, die Erde nicht? Und übt der Geist nicht da und dort, nicht Lächelnd die Liebe das Recht noch immer?
Nur du nicht mehr! doch mahnen die Himmlischen, Und stillebildend weht, wie ein kahl Gefild, Der Othem der Natur dich an, der Alleserheiternde, seelenvolle.
O Hoffnung! bald, bald singen die Haine nicht Des Lebens Lob allein, denn es ist die Zeit, Daß aus der Menschen Munde sie, die Schönere Seele, sich neuverkündet,
Dann liebender im Bunde mit Sterblichen Das Element sich bildet, und dann erst reich, Bei frommer Kinder Dank, der Erde Brust, die unendliche, sich entfaltet
Und unsre Tage wieder, wie Blumen, sind, Wo sie, des Himmels Sonne, sich ausgeteilt Im stillen Wechsel sieht und wieder Froh in den Frohen das Licht sich findet,
Und er, der sprachlos waltet und unbekannt Zukünftiges bereitet, der Gott, der Geist Im Menschenwort, am schönen Tage Kommenden Jahren, wie einst, sich ausspricht.
Natur und Kunst oder Saturn und Jupiter
Du waltest hoch am Tag und es blühet dein Gesetz, du hältst die Waage, Saturnus Sohn! Und teilst die Los' und ruhest froh im Ruhm der unsterblichen Herrscherkünste.
Doch in den Abgrund, sagen die Sänger sich, Habst du den heilgen Vater, den eignen, einst Verwiesen und es jammre drunten, Da, wo die Wilden vor dir mit Recht sind,
Schuldlos der Gott der goldenen Zeit schon längst: Einst mühelos, und größer, wie du, wenn schon Er kein Gebot aussprach und ihn der Sterblichen keiner mit Namen nannte.
Herab denn! oder schäme des Danks dich nicht! Und willst du bleiben, diene dem Älteren, Und gönn es ihm, daß ihn vor allen, Göttern und Menschen, der Sänger nenne!
Denn, wie aus dem Gewölke dein Blitz, so kömmt Von ihm, was dein ist, siehe! so zeugt von ihm, Was du gebeutst, und aus Saturnus Frieden ist jegliche Macht erwachsen.
Und hab ich erst am Herzen Lebendiges Gefühlt und dämmert, was du gestaltetest, Und war in ihrer Wiege mir in Wonne die wechselnde Zeit entschlummert:
Dann kenn ich dich, Kronion! dann hör ich dich, Den weisen Meister, welcher, wie wir, ein Sohn Der Zeit, Gesetze gibt und, was die Heilige Dämmerung birgt, verkündet.
An Eduard (Erste Fassung)
Euch alten Freunde droben, unsterbliches Gestirn! euch frag ich, Helden! woher es ist, Daß ich so untertan ihm bin, und So der Gewaltige sein mich nennet.
Denn wenig kann ich bieten, nur weniges Kann ich verlieren, aber ein liebes Glück, Ein einziges, zum Angedenken Reicherer Tage zurückgeblieben;
Und so er mirs geböte, dies Eine noch, Mein Saitenspiel, ich wagt es, wohin er wollt, Und mit Gesange folgt ich, selbst ins Ende der Tapferen, ihm hinunter.
"Die Wolke", säng ich, "tränket mit Regen dich, Du Mutterboden! aber mit Blut der Mensch; So ruht, so kühlt die Liebe sich, die Droben und drunten nicht Gleiches findet.
Wo ist am Tag ihr Zeichen? wo spricht das Herz Sich aus? und wann im Leben, wann ist es frei, Was unser Wort nicht nennt, wann wird, was Trauert, gebannt in die Nacht, sein Wunsch ihm? -
Jetzt, wann die Opfer fallen, ihr Freunde! jetzt! Schon tritt hinzu der festliche Zug, schon blinkt Der Stahl, die Wolke dampft, sie fallen, und es Hallt in der Luft, und die Erde rühmt es! "
Wenn ich so singend fiele, dann rächtest du Mich, mein Achill! und sprächest: "Er lebte doch Treu bis zuletzt!" Das ernste Wort, das Spräche mein Feind, und der Totenrichter!
Doch weilen wir in Ruhe, du Lieber, noch; Uns birgt der Wald, es hält das Gebirge dort, Das mütterliche, noch die beiden Brüder in sicherem Arm gefangen.
Uns ist die Weisheit Wiegengesang; sie webt Ums Aug ihr heilig Dunkel; doch öfters kömmt Aus fernetönendem Gewölk die Mahnende Flamme des Zeitengottes.
Es regt sein Sturm die Schwingen dir auf, dich ruft, Dich nimmt der mächtge Vater hinauf; o nimm Mich du, und trage deine leichte Beute dem lächelnden Gott entgegen!
An Eduard (Zweite Fassung)
Euch alten Freunde droben, unsterbliches Gestirn, euch frag ich, Helden! woher es ist, Daß ich so untertan ihm bin, und So der Gewaltige sein mich nennet.
Nicht vieles kann ich bieten, nur weniges Kann ich verlieren, aber ein liebes Glück, Ein einziges, zum Angedenken Reicherer Tage zurückgeblieben,
Und dies, so ers geböte, dies Eine noch, Mein Saitenspiel, ich wagt es, wohin er wollt, Und mit Gesange folgt ich, selbst ins Ende der Tapfern, hinab dem Teuern.
"Mit Wolken", säng ich, "tränkt das Gewitter dich, Du dunkler Boden, aber mit Blut der Mensch; So schweigt, so ruht er, der sein Gleiches Droben und drunten umsonst erfragte.
Wo ist der Liebe Zeichen am Tag? wo spricht Sich aus das Herz? wo ruhet es endlich? wo Wirds wahr, was uns, bei Nacht und Tag, zu Lange der glühende Traum verkündet?
Hier, wo die Opfer fallen, ihr Lieben, hier! Und schon tritt hin der festliche Zug! schon blinkt Der Stahl! die Wolke dampft! sie fallen und es Hallt in der Luft und die Erde rühmt es! "
Wenn ich so singend fiele, dann rächtest du Mich, mein Achill! und sprächest: "Er lebte doch Treu bis zuletzt!" Das ernste Wort, das Richtet mein Feind und der Totenrichter!
Zwar hab ich dich in Ruhe noch itzt; dich birgt Der ernste Wald, es hält das Gebirge dich, Das mütterliche, noch den edlen Zögling in sicherem Arm, die Weisheit
Singt dir den alten Wiegengesang, sie webt Ums Aug ihr heilig Dunkel, doch sieh! es flammt Aus fernetönendem Gewölk die Mahnende Flamme des Zeitengottes.
Es regt sein Sturm die Schwingen dir auf, dich ruft, Dich nimmt der Herr der Helden hinauf; o nimm Mich du! mit dir! und bringe sie dem Lächelnden Gotte, die leichte Beute!
Die Dioskuren
Ihr edeln Brüder droben, unsterbliches Gestirn, euch frag ich, Helden, woher es ist, Daß ich so untertan ihm bin und So der Gewaltige sein mich nennet.
Denn wenig, aber Eines hab ich daheim, das ich, Da niemand mag, soll tauschen, ein gutes Glück, Ein lichtes, reines, zum Gedächtnis Lebender Tage zurückgeblieben.
So aber er gebietet, dies Eine doch, Wohin ers wollte, wagt ich mein Saitenspiel, Samt dem Gesange folgt ich, selbst ins Dunkel der Tapferen, ihm hinunter.
"Mit Wolken", säng ich, "tränkt das Gewitter dich, Du spöttischer Boden, aber mit Blut der Mensch, So schweigt, so heiligt, der sein Gleiches Droben und drunten umsonst erfragte."
Unter den Alpen gesungen
Heilige Unschuld, du der Menschen und der Götter liebste vertrauteste! du magst im Hause oder draußen ihnen zu Füßen Sitzen, den Alten,
Immerzufriedner Weisheit voll; denn manches Gute kennet der Mann, doch staunet er, dem Wild gleich, oft zum Himmel, aber wie rein ist, Reine, dir alles!
Siehe! das rauhe Tier des Feldes, gerne Dient und trauet es dir, der stumme Wald spricht Wie vor alters, seine Sprüche zu dir, es Lehren die Berge
Heilge Gesetze dich, und was noch jetzt uns Vielerfahrenen offenbar der große Vater werden heißt, du darfst es allein uns Helle verkünden.
So mit den Himmlischen allein zu sein, und Geht vorüber das Licht, und Strom und Wind, und Zeit eilt hin zum Ort, vor ihnen ein stetes Auge zu haben,
Seliger weiß und wünsch ich nichts, so lange Nicht auch mich, wie die Weide, fort die Flut nimmt, Daß wohl aufgehoben, schlafend dahin ich Muß in den Wogen;
Aber es bleibt daheim gern, wer in treuem Busen Göttliches hält, und frei will ich, so Lang ich darf, euch all, ihr Sprachen des Himmels! Deuten und singen.
Dichterberuf
Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts Triumph, als allerobernd vom Indus her Der junge Bacchus kam, mit heilgem Weine vom Schlafe die Völker weckend.
Und du, des Tages Engel! erweckst sie nicht, Die jetzt noch schlafen? gib die Gesetze, gib Uns Leben, siege, Meister, du nur Hast der Eroberung Recht, wie Bacchus.
Nicht, was wohl sonst des Menschen Geschick und Sorg Im Haus und unter offenem Himmel ist, Wenn edler, denn das Wild, der Mann sich Wehret und nährt! denn es gilt ein anders,
Zu Sorg und Dienst den Dichtenden anvertraut! Der Höchste, der ists, dem wir geeignet sind, Daß näher, immerneu besungen Ihn die befreundete Brust vernehme.
Und dennoch, o ihr Himmlischen all, und all Ihr Quellen und ihr Ufer und Hain' und Höhn, Wo wunderbar zuerst, als du die Locken ergriffen, und unvergeßlich
Der unverhoffte Genius über uns Der schöpferische, göttliche kam, daß stumm Der Sinn uns ward und, wie vom Strahle gerührt, das Gebein erbebte,
Ihr ruhelosen Taten in weiter Welt! Ihr Schicksalstag', ihr reißenden, wenn der Gott Stillsinnend lenkt, wohin zorntrunken Ihn die gigantischen Rosse bringen,
Euch sollten wir verschweigen, und wenn in uns Vom stetigstillen Jahre der Wohllaut tönt, So sollt es klingen, gleich als hätte Mutig und müßig ein Kind des Meisters
Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt? Und darum hast du, Dichter! des Orients Propheten und den Griechensang und Neulich die Donner gehört, damit du
Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen Verleugnest, herzlos, und zum Spiele Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest?
Bis aufgereizt vom Stachel im Grimme der Des Ursprungs sich erinnert und ruft, daß selbst Der Meister kommt, dann unter heißen Todesgeschossen entseelt dich lässet.
Zu lang ist alles Göttliche dienstbar schon Und alle Himmelskräfte verscherzt, verbraucht Die Gütigen, zur Lust, danklos, ein Schlaues Geschlecht und zu kennen wähnt es,
Wenn ihnen der Erhabne den Acker baut, Das Tagslicht und den Donnerer, und es späht Das Sehrohr wohl sie all und zählt und Nennet mit Namen des Himmels Sterne.
Der Vater aber decket mit heilger Nacht, Damit wir bleiben mögen, die Augen zu. Nicht liebt er Wildes! Doch es zwinget Nimmer die weite Gewalt den Himmel.
Noch ists auch gut, zu weise zu sein. Ihn kennt Der Dank. Doch nicht behält er es leicht allein, Und gern gesellt, damit verstehn sie Helfen, zu anderen sich ein Dichter.
Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann Einsam vor Gott, es schützet die Einfalt ihn, Und keiner Waffen brauchts und keiner Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft.
Stimme des Volks (Erste Fassung)
Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst, In heilger Jugend; ja und ich sag es noch! Um unsre Weisheit unbekümmert Rauschen die Ströme doch auch, und dennoch,
Wer liebt sie nicht? und immer bewegen sie Das Herz mir, hör ich ferne die Schwindenden, Die Ahnungsvollen, meine Bahn nicht, Aber gewisser ins Meer hin eilen.
Denn selbstvergessen, allzubereit, den Wunsch Der Götter zu erfüllen, ergreift zu gern, Was sterblich ist und einmal offnen Auges auf eigenem Pfade wandelt,
Ins All zurück die kürzeste Bahn, so stürzt Der Strom hinab, er suchet die Ruh, es reißt, Es ziehet wider Willen ihn von Klippe zu Klippe, den Steuerlosen,
Das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu, Und kaum der Erd entstiegen, desselben Tags Kehrt weinend zum Geburtort schon aus Purpurner Höhe die Wolke wieder.
Und Völker auch ergreifet die Todeslust, Und Heldenstädte sinken; die Erde grünt Und stille vor den Sternen liegt, den Betenden gleich, in den Staub geworfen,
Freiwillig überwunden die lange Kunst Vor jenen Unnachahmbaren da; er selbst, Der Mensch, mit eigner Hand zerbrach, die Hohen zu ehren, sein Werk, der Künstler.
Doch minder nicht sind jene den Menschen hold, Sie lieben wieder, so, wie geliebt sie sind, Und hemmen öfters, daß er lang im Lichte sich freue, die Bahn des Menschen.
Und wie des Adlers Jungen, er wirft sie selbst, Der Vater, aus dem Neste, damit sie sich Im Felde Beute suchen, so auch Treiben uns lächelnd hinaus die Götter.
Wohl allen, die zur Ruhe gegangen sind Und vor der Zeit gefallen, auch sie, auch sie Geopfert gleich den Erstlingen der Ernte, sie haben ihr Teil gewonnen!
Nicht, o ihr Teuern, ohne die Wonnen all Des Lebens gingt ihr unter, ein Festtag ward Noch Einer euch zuvor, und dem gleich Haben die anderen keins gefunden.
Doch sichrer ists und größer und ihrer mehr, Die allen alles ist, der Mutter wert, In Eile zögernd, mit des Adlers Lust die geschwungnere Bahn zu wandeln.
Drum weil sie fromm ist, ehr ich den Himmlischen Zu lieb des Volkes Stimme, die ruhige, Doch um der Götter und der Menschen Willen, sie ruhe zu gern nicht immer!
Stimme des Volks (Zweite Fassung)
Du seiest Gottes Stimme, so glaubt ich sonst In heilger Jugend; ja, und ich sag es noch! Um unsre Weisheit unbekümmert Rauschen die Ströme doch auch, und dennoch,
Wer liebt sie nicht? und immer bewegen sie Das Herz mir, hör ich ferne die Schwindenden, Die Ahnungsvollen meine Bahn nicht, Aber gewisser ins Meer hin eilen.
Denn selbstvergessen, allzubereit, den Wunsch Der Götter zu erfüllen, ergreift zu gern, Was sterblich ist, wenn offnen Augs auf Eigenen Pfaden es einmal wandelt,
Ins All zurück die kürzeste Bahn; so stürzt Der Strom hinab, er suchet die Ruh, es reißt, Es ziehet wider Willen ihn, von Klippe zu Klippe, den Steuerlosen,
Das wunderbare Sehnen dem Abgrund zu; Das Ungebundne reizet und Völker auch Ergreift die Todeslust und kühne Städte, nachdem sie versucht das Beste,
Von Jahr zu Jahr forttreibend das Werk, sie hat Ein heilig Ende troffen; die Erde grünt Und stille vor den Sternen liegt, den Betenden gleich, in den Sand geworfen,
Freiwillig überwunden die lange Kunst Vor jenen Unnachahmbaren da; er selbst, Der Mensch, mit eigner Hand zerbrach, die Hohen zu ehren, sein Werk, der Künstler.
Doch minder nicht sind jene den Menschen hold, Sie lieben wieder, so wie geliebt sie sind, Und hemmen öfters, daß er lang im Lichte sich freue, die Bahn des Menschen.
Und, nicht des Adlers Jungen allein, sie wirft Der Vater aus dem Neste, damit sie nicht Zu lang ihm bleiben, uns auch treibt mit Richtigem Stachel hinaus der Herrscher.
Wohl jenen, die zur Ruhe gegangen sind, Und vor der Zeit gefallen, auch die, auch die Geopfert, gleich den Erstlingen der Ernte, sie haben ein Teil gefunden.
Am Xanthos lag, in griechischer Zeit, die Stadt, Jetzt aber, gleich den größeren, die dort ruhn, Ist durch ein Schicksal sie dem heilgen Lichte des Tages hinweggekommen.
Sie kamen aber, nicht in der offnen Schlacht, Durch eigne Hand um. Fürchterlich ist davon, Was dort geschehn, die wunderbare Sage von Osten zu uns gelanget.
Es reizte sie die Güte von Brutus. Denn Als Feuer ausgegangen, so bot er sich, Zu helfen ihnen, ob er gleich, als Feldherr, Stand in Belagerung vor den Toren.
Doch von den Mauern warfen die Diener sie, Die er gesandt. Lebendiger ward darauf Das Feuer und sie freuten sich und ihnen Strecket' entgegen die Hände Brutus
Und alle waren außer sich selbst. Geschrei Entstand und Jauchzen. Drauf in die Flamme warf Sich Mann und Weib, von Knaben stürzt' auch Der von dem Dach, in der Väter Schwert der.
Nicht rätlich ist es, Helden zu trotzen. Längst Wars aber vorbereitet. Die Väter auch, Da sie ergriffen waren, einst, und Heftig die persischen Feinde drängten,
Entzündeten, ergreifend des Stromes Rohr, Daß sie das Freie fanden, die Stadt. Und Haus Und Tempel nahm, zum heilgen Aether Fliegend, und Menschen hinweg die Flamme.
So hatten es die Kinder gehört, und wohl Sind gut die Sagen, denn ein Gedächtnis sind Dem Höchsten sie, doch auch bedarf es Eines, die heiligen auszulegen.
Der blinde Sänger
Elysen ainon achos ap' ommatôn Arês Sophokles
Wo bist du, Jugendliches! das immer mich Zur Stunde weckt des Morgens, wo bist du, Licht! Das Herz ist wach, doch bannt und halt in Heiligem Zauber die Nacht mich immer.
Sonst lauscht ich um die Dämmerung gern, sonst harrt Ich gerne dein am Hügel, und nie umsonst! Nie täuschten mich, du Holdes, deine Boten, die Lüfte, denn immer kamst du,
Kamst allbeseligend den gewohnten Pfad Herein in deiner Schöne, wo bist du, Licht! Das Herz ist wieder wach, doch bannt und Hemmt die unendliche Nacht mich immer.
Mir grünten sonst die Lauben; es leuchteten Die Blumen, wie die eigenen Augen, mir; Nicht ferne war das Angesicht der Meinen und leuchtete mir und droben
Und um die Wälder sah ich die Fittige Des Himmels wandern, da ich ein Jüngling war; Nun sitz ich still allein, von einer Stunde zur anderen, und Gestalten
Aus Lieb und Leid der helleren Tage schafft Zur eignen Freude nun mein Gedanke sich, Und ferne lausch ich hin, ob nicht ein Freundlicher Retter vielleicht mir komme.
Dann hör ich oft die Stimme des Donnerers Am Mittag, wenn der eherne nahe kommt, Wenn ihm das Haus bebt und der Boden Unter ihm dröhnt und der Berg es nachhallt.
Den Retter hör ich dann in der Nacht, ich hör Ihn tötend, den Befreier, belebend ihn, Den Donnerer vom Untergang zum Orient eilen und ihm nach tönt ihr,
Ihm nach, ihr meine Saiten! es lebt mit ihm Mein Lied und wie die Quelle dem Strome folgt, Wohin er denkt, so muß ich fort und Folge dem Sicheren auf der Irrbahn.
Wohin? wohin? ich höre dich da und dort, Du Herrlicher! und rings um die Erde tönts. Wo endest du? und was, was ist es Über den Wolken und o wie wird mir?
Tag! Tag! du über stürzenden Wolken! sei Willkommen mir! es blühet mein Auge dir. O Jugendlicht! o Glück! das alte Wieder! doch geistiger rinnst du nieder,
Du goldner Quell aus heiligem Kelch! und du, Du grüner Boden, friedliche Wieg! und du, Haus meiner Väter! und ihr Lieben, Die mir begegneten einst, o nahet,
O kommt, daß euer, euer die Freude sei, Ihr alle, daß euch segne der Sehende! O nimmt, daß ichs ertrage, mir das Leben, das Göttliche mir vom Herzen.
Dichtermut (Erste Fassung)
Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen? Nährt zum Dienste denn nicht selber die Parze dich? Drum! so wandle nur wehrlos Fort durchs Leben und sorge nicht!
Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir, Sei zur Freude gewandt! oder was könnte denn Dich beleidigen, Herz! was Da begegnen, wohin du sollst?
Denn, wie still am Gestad, oder in silberner Fernhintönender Flut, oder auf schweigenden Wassertiefen der leichte Schwimmer wandelt, so sind auch wir,
Wir, die Dichter des Volks, gerne, wo Lebendes Um uns atmet und wallt, freudig, und jedem hold, Jedem trauend; wie sängen Sonst wir jedem den eignen Gott?
Wenn die Woge denn auch einen der Mutigen, Wo er treulich getraut, schmeichlend hinunterzieht, Und die Stimme des Sängers Nun in blauender Halle schweigt,
Freudig starb er und noch klagen die Einsamen, Seine Haine, den Fall ihres Geliebtesten; Öfters tönet der Jungfrau Vom Gezweige sein freundlich Lied.
Wenn des Abends vorbei Einer der Unsern kömmt, Wo der Bruder ihm sank, denket er manches wohl An der warnenden Stelle, Schweigt und gehet gerüsteter.
Dichtermut (Zweite Fassung)
Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen, Nährt die Parze denn nicht selber im Dienste dich? Drum, so wandle nur wehrlos Fort durchs Leben, und fürchte nichts!
Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir, Sei zur Freude gewandt! oder was könnte denn Dich beleidigen, Herz! was Da begegnen, wohin du sollst?
Denn, seitdem der Gesang sterblichen Lippen sich Friedenatmend entwand, frommend in Leid und Glück Unsre Weise der Menschen Herz erfreute, so waren auch
Wir, die Sänger des Volks, gerne bei Lebenden, Wo sich vieles gesellt, freudig und jedem hold, Jedem offen; so ist ja Unser Ahne, der Sonnengott,
Der den fröhlichen Tag Armen und Reichen gönnt, Der in flüchtiger Zeit uns, die Vergänglichen, Aufgerichtet an goldnen Gängelbanden, wie Kinder, hält.
Ihn erwartet, auch ihn nimmt, wo die Stunde kömmt, Seine purpurne Flut; sieh! und das edle Licht Gehet, kundig des Wandels, Gleichgesinnet hinab den Pfad.
So vergehe denn auch, wenn es die Zeit einst ist Und dem Geiste sein Recht nirgend gebricht, so sterb Einst im Ernste des Lebens Unsre Freude, doch schönen Tod!
Der gefesselte Strom
Was schläfst und träumst du, Jüngling, gehüllt in dich, Und säumst am kalten Ufer, Geduldiger, Und achtest nicht des Ursprungs, du, des Ozeans Sohn, des Titanenfreundes!
Die Liebesboten, welche der Vater schickt, Kennst du die lebenatmenden Lüfte nicht? Und trifft das Wort dich nicht, das hell von Oben der wachende Gott dir sendet?
Schon tönt, schon tönt es ihm in der Brust, es quillt, Wie, da er noch im Schoße der Felsen spielt', Ihm auf, und nun gedenkt er seiner Kraft, der Gewaltige, nun, nun eilt er,
Der Zauderer, er spottet der Fesseln nun, Und nimmt und bricht und wirft die Zerbrochenen Im Zorne, spielend, da und dort zum Schallenden Ufer und an der Stimme
Des Göttersohns erwachen die Berge rings, Es regen sich die Wälder, es hört die Kluft Den Herold fern und schaudernd regt im Busen der Erde sich Freude wieder.
Der Frühling kommt; es dämmert das neue Grün; Er aber wandelt hin zu Unsterblichen; Denn nirgend darf er bleiben, als wo Ihn in die Arme der Vater aufnimmt.
Elegie
Täglich geh ich heraus und such ein Anderes immer, Habe längst sie befragt, alle die Pfade des Lands; Droben die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch ich, Und die Quellen; hinauf irret der Geist und hinab, Ruh erbittend; so flieht das getroffene Wild in die Wälder, Wo es um Mittag sonst sicher im Dunkel geruht; Aber nimmer erquickt sein grünes Lager das Herz ihm Wieder und schlummerlos treibt es der Stachel umher. Nicht die Wärme des Lichts und nicht die Kühle der Nacht hilft Und in Wogen des Stroms taucht es die Wunden umsonst. Ihm bereitet umsonst die Erd ihr stärkendes Heilkraut Und sein schäumendes Blut stillen die Lüftchen umsonst.
Wehe! so ists auch, so, ihr Todesgötter! vergebens, Wenn ihr ihn haltet und fest habt den bezwungenen Mann, Wenn ihr einmal hinab in eure Nacht ihn gerissen, Dann zu suchen, zu flehn, oder zu zürnen mit euch, Oder geduldig auch wohl in euren Banden zu wohnen Und mit Lächeln von euch hören das furchtbare Lied. Denn bestehn, wie anderes, muß in seinem Gesetze, Immer altern und nie enden das schaurige Reich. Aber noch immer nicht, o meine Seele! noch kannst dus Nicht gewohnen und träumst mitten im eisernen Schlaf.
Tag der Liebe! scheinest du auch den Toten, du goldner! Bilder aus hellerer Zeit, leuchtet ihr mir in die Nacht? Liebliche Gärten, seid, ihr abendrötlichen Berge, Seid willkommen, und ihr, schweigende Pfade des Hains. Zeugen himmlischen Glücks! und ihr, allschauende Sterne, Die mir damals oft segnende Blicke gegönnt! Euch, ihr Liebenden, auch, ihr schönen Kinder des Frühlings, Stille Rosen und euch, Lilien! nenn ich noch oft, - Ihr Vertrauten! ihr Lebenden all, einst nahe dem Herzen, Einst wahrhaftiger, einst heller und schöner gesehn! Tage kommen und gehn, ein Jahr verdränget das andre, Wechselnd und streitend; so tost furchtbar vorüber die Zeit Über sterblichem Haupt, doch nicht vor seligen Augen, Und den Liebenden ist anderes Leben gewährt. Denn sie alle, die Tag und Stunden und Jahre der Sterne Und der Menschen, zur Lust anders und anders bekränzt, Fröhlicher, ernster, sie all, als echte Kinder des Aethers, Lebten, in Wonne vereint, innig und ewig um uns. Aber wir, unschädlich gesellt, wie die friedlichen Schwäne, Wenn sie ruhen am See, oder, auf Wellen gewiegt, Niedersehn in die Wasser, wo silberne Wolken sich spiegeln, Und das himmlische Blau unter den Schiffenden wallt, So auf Erden wandelten wir. Und drohte der Nord auch, Er, der Liebenden Feind, sorgenbereitend, und fiel Von den Ästen das Laub und flog im Winde der Regen, Lächelten ruhig wir, fühlten den Gott und das Herz Unter trautem Gespräch, im hellen Seelengesange, So im Frieden mit uns kindlich und selig allein. Ach! wo bist du, Liebende, nun? Sie haben mein Auge Mir genommen, mein Herz hab ich verloren mit ihr. Darum irr ich umher, und wohl, wie die Schatten, so muß ich Leben und sinnlos dünkt lange das Übrige mir. Danken möcht ich, aber wofür? verzehret das Letzte Selbst die Erinnerung nicht? nimmt von der Lippe denn nicht Bessere Rede mir der Schmerz, und lähmet ein Fluch nicht Mir die Sehnen und wirft, wo ich beginne, mich weg? Daß ich fühllos sitze den Tag und stumm, wie die Kinder, Nur vom Auge mir kalt öfters die Tropfe noch schleicht, Und in schaudernder Brust die allerwärmende Sonne Kühl und fruchtlos mir dämmert, wie Strahlen der Nacht, Sonst mir anders bekannt! O Jugend! und bringen Gebete Dich nicht wieder, dich nie? führet kein Pfad mich zurück? Soll es werden auch mir, wie den Tausenden, die in den Tagen Ihres Frühlings doch auch ahndend und liebend gelebt, Aber am trunkenen Tag von den rächenden Parzen ergriffen, Ohne Klag und Gesang heimlich hinuntergeführt, Dort im allzunüchternen Reich, dort büßen im Dunkeln, Wo bei trügrischem Schein irres Gewimmel sich treibt, Wo die langsame Zeit bei Frost und Dürre sie zählen, Nur in Seufzern der Mensch noch die Unsterblichen preist?
Aber o du, die noch am Scheidewege mir damals, Da ich versank vor dir, tröstend ein Schöneres wies, Du, die Großes zu sehn und die schweigenden Götter zu singen, Selber schweigend mich einst stillebegeisternd gelehrt, Götterkind! erscheinest du mir und grüßest, wie einst, mich, Redest wieder, wie einst, Leben und Frieden mir zu? Siehe! weinen vor dir und klagen muß ich, wenn schon noch Denkend der edleren Zeit, dessen die Seele sich schämt. Denn zu lange, zu lang auf matten Pfaden der Erde Bin ich, deiner gewohnt, einsam gegangen indes, O mein Schutzgeist! denn wie der Nord die Wolke des Herbsttags Scheuchten von Ort zu Ort feindliche Geister mich fort. So zerrann mein Leben, ach! so ists anders geworden, Seit, o Liebe, wir einst gingen am ruhigen Strom. Aber dich, dich erhielt dein Licht, o Heldin! im Lichte, Und dein Dulden erhielt liebend, o Himmlische! dich. Und sie selbst, die Natur, und ihre melodischen Musen Sangen aus heimischen Höhn Wiegengesänge dir zu. Noch, noch ist sie es ganz! noch schwebt vom Haupte zur Sohle, Stillhinwandelnd, wie sonst, mir die Athenerin vor. Selig, selig ist sie! denn es scheut die Kinder des Himmels Selbst der Orkus, es rinnt, gleich den Unsterblichen selbst, Ihnen der milde Geist von heitersinnender Stirne, Wo sie auch wandeln und sind, segnend und sicher herab.
Darum möcht, ihr Himmlischen! euch ich danken und endlich Tönet aus leichter Brust wieder des Sängers Gebet. Und, wie wenn ich mit ihr, auf Bergeshöhen mit ihr stand, Wehet belebend auch mich, göttlicher Othem mich an. Leben will ich denn auch! schon grünen die Pfade der Erde Schöner und schöner schließt wieder die Sonne sich auf. Komm! es war, wie ein Traum! die blutenden Fittige sind ja Schon genesen, verjüngt wachen die Hoffnungen all. Dien im Orkus, wem es gefällt! wir, welche die stille Liebe bildete, wir suchen zu Göttern die Bahn. Und geleitet ihr uns, ihr Weihestunden! ihr ernsten, Jugendlichen! o bleibt, heilige Ahnungen, ihr, Fromme Bitten, und ihr Begeisterungen, und all ihr Schönen Genien, die gerne bei Liebenden sind, Bleibet, bleibet mit uns, bis wir auf seligen Inseln, Wo die Unsern vielleicht, Dichter der Liebe, mit uns, Oder auch, wo die Adler sind, in Lüften des Vaters, Dort, wo die Musen, woher all die Unsterblichen sind, Dort uns staunend und fremd und bekannt uns wieder begegnen, Und von neuem ein Jahr unserer Liebe beginnt.
Menons Klagen um Diotima
1
Täglich geh ich heraus, und such ein Anderes immer, Habe längst sie befragt, alle die Pfade des Lands; Droben die kühlenden Höhn, die Schatten alle besuch ich, Und die Quellen; hinauf irret der Geist und hinab, Ruh erbittend; so flieht das getroffene Wild in die Wälder, Wo es um Mittag sonst sicher im Dunkel geruht; Aber nimmer erquickt sein grünes Lager das Herz ihm, Jammernd und schlummerlos treibt es der Stachel umher. Nicht die Wärme des Lichts, und nicht die Kühle der Nacht hilft, Und in Wogen des Stroms taucht es die Wunden umsonst. Und wie ihm vergebens die Erd ihr fröhliches Heilkraut Reicht, und das gärende Blut keiner der Zephyre stillt, So, ihr Lieben! auch mir, so will es scheinen, und niemand Kann von der Stirne mir nehmen den traurigen Traum?
2
Ja! es frommet auch nicht, ihr Todesgötter! wenn einmal Ihr ihn haltet, und fest habt den bezwungenen Mann, Wenn ihr Bösen hinab in die schaurige Nacht ihn genommen, Dann zu suchen, zu flehn, oder zu zürnen mit euch, Oder geduldig auch wohl im furchtsamen Banne zu wohnen, Und mit Lächeln von euch hören das nüchterne Lied. Soll es sein, so vergiß dein Heil, und schlummere klanglos! Aber doch quillt ein Laut hoffend im Busen dir auf, Immer kannst du noch nicht, o meine Seele! noch kannst dus Nicht gewohnen, und träumst mitten im eisernen Schlaf! Festzeit hab ich nicht, doch möcht ich die Locke bekränzen; Bin ich allein denn nicht? aber ein Freundliches muß Fernher nahe mir sein, und lächeln muß ich und staunen, Wie so selig doch auch mitten im Leide mir ist.
3
Licht der Liebe! scheinest du denn auch Toten, du goldnes! Bilder aus hellerer Zeit, leuchtet ihr mir in die Nacht? Liebliche Gärten seid, ihr abendrötlichen Berge, Seid willkommen und ihr, schweigende Pfade des Hains, Zeugen himmlischen Glücks, und ihr, hochschauende Sterne, Die mir damals so oft segnende Blicke gegönnt! Euch, ihr Liebenden auch, ihr schönen Kinder des Maitags, Stille Rosen und euch, Lilien, nenn ich noch oft! Wohl gehn Frühlinge fort, ein Jahr verdränget das andre, Wechselnd und streitend, so tost droben vorüber die Zeit Über sterblichem Haupt, doch nicht vor seligen Augen, Und den Liebenden ist anderes Leben geschenkt. Denn sie alle, die Tag und Jahre der Sterne, sie waren Diotima! um uns innig und ewig vereint;
4
Aber wir, zufrieden gesellt, wie die liebenden Schwäne, Wenn sie ruhen am See, oder, auf Wellen gewiegt, Niedersehn in die Wasser, wo silberne Wolken sich spiegeln, Und ätherisches Blau unter den Schiffenden wallt, So auf Erden wandelten wir. Und drohte der Nord auch, Er, der Liebenden Feind, klagenbereitend, und fiel Von den Ästen das Laub, und flog im Winde der Regen, Ruhig lächelten wir, fühlten den eigenen Gott Unter trautem Gespräch; in Einem Seelengesange, Ganz in Frieden mit uns kindlich und freudig allein. Aber das Haus ist öde mir nun, und sie haben mein Auge Mir genommen, auch mich hab ich verloren mit ihr. Darum irr ich umher, und wohl, wie die Schatten, so muß ich Leben, und sinnlos dünkt lange das Übrige mir.
5
Feiern möcht ich; aber wofür? und singen mit Andern, Aber so einsam fehlt jegliches Göttliche mir. Dies ists, dies mein Gebrechen, ich weiß, es lähmet ein Fluch mir Darum die Sehnen, und wirft, wo ich beginne, mich hin, Daß ich fühllos sitze den Tag, und stumm wie die Kinder, Nur vom Auge mir kalt öfters die Träne noch schleicht, Und die Pflanze des Felds, und der Vögel Singen mich trüb macht, Weil mit Freuden auch sie Boten des Himmlischen sind, Aber mir in schaudernder Brust die beseelende Sonne, Kühl und fruchtlos mir dämmert, wie Strahlen der Nacht, Ach! und nichtig und leer, wie Gefängniswände, der Himmel Eine beugende Last über dem Haupte mir hängt!
6
Sonst mir anders bekannt! o Jugend, und bringen Gebete Dich nicht wieder, dich nie? führet kein Pfad mich zurück? Soll es werden auch mir, wie den Götterlosen, die vormals Glänzenden Auges doch auch saßen an seligem Tisch, Aber übersättiget bald, die schwärmenden Gäste, Nun verstummet, und nun, unter der Lüfte Gesang, Unter blühender Erd entschlafen sind, bis dereinst sie Eines Wunders Gewalt, sie, die Versunkenen, zwingt, Wiederzukehren, und neu auf grünendem Boden zu wandeln. - Heiliger Othem durchströmt göttlich die lichte Gestalt, Wenn das Fest sich beseelt, und Fluten der Liebe sich regen, Und vom Himmel getränkt, rauscht der lebendige Strom, Wenn es drunten ertönt, und ihre Schätze die Nacht zollt, Und aus Bächen herauf glänzt das begrabene Gold. -
7
Aber o du, die schon am Scheidewege mir damals, Da ich versank vor dir, tröstend ein Schöneres wies, Du, die Großes zu sehn, und froher die Götter zu singen, Schweigend, wie sie, mich einst stille begeisternd gelehrt; Götterkind! erscheinest du mir, und grüßest, wie einst, mich, Redest wieder, wie einst, höhere Dinge mir zu? Siehe! weinen vor dir, und klagen muß ich, wenn schon noch. Denkend edlerer Zeit, dessen die Seele sich schämt. Denn so lange, so lang auf matten Pfaden der Erde Hab ich, deiner gewohnt, dich in der Irre gesucht, Freudiger Schutzgeist! aber umsonst, und Jahre zerrannen, Seit wir ahnend um uns glänzen die Abende sahn.
8
Dich nur, dich erhält dein Licht, o Heldin! im Lichte, Und dein Dulden erhält liebend, o Gütige, dich; Und nicht einmal bist du allein; Gespielen genug sind, Wo du blühest und ruhst unter den Rosen des Jahrs; Und der Vater, er selbst, durch sanftumatmende Musen Sendet die zärtlichen Wiegengesänge dir zu. Ja! noch ist sie es ganz! noch schwebt vom Haupte zur Sohle, Stillherwandelnd, wie sonst, mir die Athenerin vor. Und wie, freundlicher Geist! von heitersinnender Stirne Segnend und sicher dein Strahl unter die Sterblichen fällt, So bezeugest du mirs, und sagst mirs, daß ich es andern Wiedersage, denn auch andere glauben es nicht, Daß unsterblicher doch, denn Sorg und Zürnen, die Freude Und ein goldener Tag täglich am Ende noch ist.
9
So will ich, ihr Himmlischen! denn auch danken, und endlich Atmet aus leichter Brust wieder des Sängers Gebet. Und wie, wenn ich mit ihr, auf sonniger Höhe mit ihr stand, Spricht belebend ein Gott innen vom Tempel mich an. Leben will ich denn auch! schon grünts! wie von heiliger Leier Ruft es von silbernen Bergen Apollons voran! Komm! es war wie ein Traum! Die blutenden Fittige sind ja Schon genesen, verjüngt leben die Hoffnungen all. Großes zu finden, ist viel, ist viel noch übrig, und wer so Liebte, gehet, er muß, gehet zu Göttern die Bahn. Und geleitet ihr uns, ihr Weihestunden! ihr ernsten, Jugendlichen! o bleibt, heilige Ahnungen, ihr Fromme Bitten! und ihr Begeisterungen und all ihr Guten Genien, die gerne bei Liebenden sind; Bleibt so lange mit uns, bis wir auf gemeinsamem Boden Dort, wo die Seligen all niederzukehren bereit, Dort, wo die Adler sind, die Gestirne, die Boten des Vaters, Dort, wo die Musen, woher Helden und Liebende sind, Dort uns, oder auch hier, auf tauender Insel begegnen, Wo die Unsrigen erst, blühend in Gärten gesellt, Wo die Gesänge wahr, und länger die Frühlinge schön sind, Und von neuem ein Jahr unserer Seele beginnt.
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