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Die Launischen
Hör ich ferne nur her, wenn ich für mich geklagt, Saitenspiel und Gesang, schweigt mir das Herz doch gleich; Bald auch bin ich verwandelt, Blinkst du, purpurner Wein! mich an
Unter Schatten des Walds, wo die gewaltige Mittagssonne mir sanft über dem Laube glänzt; Ruhig sitz ich daselbst, wenn Zürnend schwerer Beleidigung
Ich im Felde geirrt - Zürnen zu gerne doch Deine Dichter, Natur! trauern und weinen leicht, Die Beglückten; wie Kinder, Die zu zärtlich die Mutter hält,
Sind sie mürrisch und voll herrischen Eigensinns; Wandeln still sie des Wegs, irret Geringes doch Bald sie wieder; sie reißen Aus dem Gleise sich sträubend dir.
Doch du rührest sie kaum, Liebende! freundlich an, Sind sie friedlich und fromm; fröhlich gehorchen sie; Du lenkst, Meisterin! sie mit Weichem Zügel, wohin du willst.
Der Tod fürs Vaterland
Du kömmst, o Schlacht! schon wogen die Jünglinge Hinab von ihren Hügeln, hinab ins Tal, Wo keck herauf die Würger dringen, Sicher der Kunst und des Arms, doch sichrer
Kömmt über sie die Seele der Jünglinge, Denn die Gerechten schlagen, wie Zauberer, Und ihre Vaterlandsgesänge Lähmen die Kniee den Ehrelosen.
O nimmt mich, nimmt mich mit in die Reihen auf, Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods! Umsonst zu sterben, lieb ich nicht, doch Lieb ich, zu fallen am Opferhügel
Fürs Vaterland, zu bluten des Herzens Blut Fürs Vaterland - und bald ists geschehn! Zu euch, Ihr Teuern! komm ich, die mich leben Lehrten und sterben, zu euch hinunter
Wie oft im Lichte dürstet ich euch zu sehn, Ihr Helden und ihr Dichter aus alter Zeit! Nun grüßt ihr freundlich den geringen Fremdling und brüderlich ists hier unten;
Und Siegesboten kommen herab: Die Schlacht Ist unser! Lebe droben, o Vaterland, Und zähle nicht die Toten! Dir ist, Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.
Der Zeitgeist
Zu lang schon waltest über dem Haupte mir, Du in der dunkeln Wolke, du Gott der Zeit! Zu wild, zu bang ists ringsum, und es Trümmert und wankt ja, wohin ich blicke.
Ach! wie ein Knabe, seh ich zu Boden oft, Such in der Höhle Rettung von dir, und möcht, Ich Blöder, eine Stelle finden, Alleserschüttrer! wo du nicht wärest.
Laß endlich, Vater! offenen Augs mich dir Begegnen! hast denn du nicht zuerst den Geist Mit deinem Strahl aus mir geweckt? mich Herrlich ans Leben gebracht, o Vater! -
Wohl keimt aus jungen Reben uns heilge Kraft; In milder Luft begegnet den Sterblichen, Und wenn sie still im Haine wandeln, Heiternd ein Gott; doch allmächtger weckst du
Die reine Seele Jünglingen auf, und lehrst Die Alten weise Künste; der Schlimme nur Wird schlimmer, daß er bälder ende, Wenn du, Erschütterer! ihn ergreifest.
Abendphantasie
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd. Gastfreundlich tönt dem Wanderer im Friedlichen Dorfe die Abendglocke.
Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch, In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts Geschäftger Lärm; in stiller Laube Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.
Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen Von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh und Ruh Ist alles freudig; warum schläft denn Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?
Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf; Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich, Purpurne Wolken! und möge droben
In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb und Leid! - Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht Der Zauber; dunkel wirds und einsam Unter dem Himmel, wie immer, bin ich -
Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja, Du ruhelose, träumerische! Friedlich und heiter ist dann das Alter.
Des Morgens
Vom Taue glänzt der Rasen; beweglicher Eilt schon die wache Quelle; die Buche neigt Ihr schwankes Haupt und im Geblätter Rauscht es und schimmert; und um die grauen
Gewölke streifen rötliche Flammen dort, Verkündende, sie wallen geräuschlos auf; Wie Fluten am Gestade, wogen Höher und höher die Wandelbaren.
Komm nun, o komm, und eile mir nicht zu schnell, Du goldner Tag, zum Gipfel des Himmels fort! Denn offner fliegt, vertrauter dir mein Auge, du Freudiger! zu, solang du
In deiner Schöne jugendlich blickst und noch Zu herrlich nicht, zu stolz mir geworden bist; Du möchtest immer eilen, könnt ich, Göttlicher Wandrer, mit dir! - doch lächelst
Des frohen Übermütigen du, daß er Dir gleichen möchte; segne mir lieber dann Mein sterblich Tun und heitre wieder Gütiger! heute den stillen Pfad mir.
Der Main
Wohl manches Land der lebenden Erde möcht Ich sehn, und öfters über die Berg enteilt Das Herz mir, und die Wünsche wandern Über das Meer, zu den Ufern, die mir
Vor andern, so ich kenne, gepriesen sind; Doch lieb ist in der Ferne nicht Eines mir, Wie jenes, wo die Göttersöhne Schlafen, das trauernde Land der Griechen.
Ach! einmal dort an Suniums Küste möcht Ich landen, deine Säulen, Olympion! Erfragen, dort, noch eh der Nordsturm Hin in den Schutt der Athenertempel
Und ihrer Götterbilder auch dich begräbt; Denn lang schon einsam stehst du, o Stolz der Welt, Die nicht mehr ist! - und o ihr schönen Inseln Ioniens, wo die Lüfte
Vom Meere kühl an warme Gestade wehn, Wenn unter kräftger Sonne die Traube reift, Ach! wo ein goldner Herbst dem armen Volk in Gesänge die Seufzer wandelt,
Wenn die Betrübten itzt ihr Limonenwald Und ihr Granatbaum, purpurner Äpfel voll, Und süßer Wein und Pauk und Zithar Zum labyrinthischen Tanze ladet -
Zu euch vielleicht, ihr Inseln! gerät noch einst Ein heimatloser Sänger; denn wandern muß Von Fremden er zu Fremden, und die Erde, die freie, sie muß ja, leider!
Statt Vaterlands ihm dienen, solang er lebt, Und wenn er stirbt - doch nimmer vergeß ich dich, So fern ich wandre, schöner Main! und Deine Gestade, die vielbeglückten.
Gastfreundlich nahmst du, Stolzer! bei dir mich auf Und heitertest das Auge dem Fremdlinge, Und still hingleitende Gesänge Lehrtest du mich und geräuschlos Leben.
O ruhig mit den Sternen, du Glücklicher! Wallst du von deinem Morgen zum Abend fort, Dem Bruder zu, dem Rhein, und dann mit Ihm in den Ozean freudig nieder!
Pros eauton
Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben, Siehst du das eine recht, siehst du das andere auch.
Sophokles
Viele versuchten umsonst das Freudigste freudig zu sagen, Hier spricht endlich es mir, hier in der Trauer sich aus.
Der zürnende Dichter
Fürchtet den Dichter nicht, wenn er edel zürnet, sein Buchstab Tötet, aber es macht Geister lebendig der Geist.
Die Scherzhaften
Immer spielt ihr und scherzt? ihr müßt! o Freunde! mir geht dies In die Seele, denn dies müssen Verzweifelte nur.
Wurzel alles Übels
Einig zu sein, ist göttlich und gut; woher ist die Sucht denn Unter den Menschen, daß nur Einer und Eines nur sei?
Mein Eigentum
In seiner Fülle ruhet der Herbsttag nun, Geläutert ist die Traub und der Hain ist rot Vom Obst, wenn schon der holden Blüten Manche der Erde zum Danke fielen.
Und rings im Felde, wo ich den Pfad hinaus, Den stillen, wandle, ist den Zufriedenen Ihr Gut gereift und viel der frohen Mühe gewähret der Reichtum ihnen.
Vom Himmel blicket zu den Geschäftigen Durch ihre Bäume milde das Licht herab, Die Freude teilend, denn es wuchs durch Hände der Menschen allein die Frucht nicht.
Und leuchtest du, o Goldnes, auch mir, und wehst Auch du mir wieder, Lüftchen, als segnetest Du eine Freude mir, wie einst, und Irrst, wie um Glückliche, mir am Busen?
Einst war ichs, doch wie Rosen, vergänglich war Das fromme Leben, ach! und es mahnen noch, Die blühend mir geblieben sind, die Holden Gestirne zu oft mich dessen.
Beglückt, wer, ruhig liebend ein frommes Weib, Am eignen Herd in rühmlicher Heimat lebt, Es leuchtet über festem Boden Schöner dem sicheren Mann sein Himmel.
Denn, wie die Pflanze, wurzelt auf eignem Grund Sie nicht, verglüht die Seele des Sterblichen, Der mit dem Tageslichte nur, ein Armer, auf heiliger Erde wandelt.
Zu mächtig, ach! ihr himmlischen Höhen, zieht Ihr mich empor, bei Stürmen, am heitern Tag Fühl ich verzehrend euch im Busen Wechseln, ihr wandelnden Götterkräfte.
Doch heute laß mich stille den trauten Pfad Zum Haine gehn, dem golden die Wipfel schmückt Sein sterbend Laub, und kränzt auch mir die Stirne, ihr holden Erinnerungen!
Und daß mir auch, zu retten mein sterblich Herz, Wie andern eine bleibende Stätte sei, Und heimatlos die Seele mir nicht Über das Leben hinweg sich sehne,
Sei du, Gesang, mein freundlich Asyl! sei du, Beglückender! mit sorgender Liebe mir Gepflegt, der Garten, wo ich, wandelnd Unter den Blüten, den immerjungen,
In sichrer Einfalt wohne, wenn draußen mir Mit ihren Wellen allen die mächtge Zeit, Die Wandelbare, fern rauscht und die Stillere Sonne mein Wirken fördert.
Ihr segnet gütig über den Sterblichen, Ihr Himmelskräfte! jedem sein Eigentum, O segnet meines auch, und daß zu Frühe die Parze den Traum nicht ende.
Palinodie
Was dämmert um mich, Erde! Dein freundlich Grün? Was wehst du wieder, Lüftchen, wie einst mich an? In allen Wipfeln rauschts, ... ...
Was weckt ihr mir die Seele? Was regt ihr mir Vergangnes auf, ihr Guten! O schonet mein Und laßt sie ruhn, die Asche meiner Freunden, ihr spottet nur! O wandelt,
Ihr schicksallosen Götter, vorbei und blüht In eurer Jugend über den Alternden Und wollt ihr zu den Sterbliche euch Gerne gesellen, so blühn der Jungfraun
Euch viel, der jungen Helden, und schöner spielt Der Morgen um die Wange der Glücklichen Denn um ein trübes Aug und lieblich Tönen die Sänge der Mühelosen.
Ach! Vormals rauschte leicht des Gesanges Quell Auch mir vom Busen, da noch die Freude mir, Die himmlische, vom Auge glänzte ...
Versöhnung, o Versöhnung, ihr gütigen, Ihr immergleichen Götter, und haltet ein, Weil ihr die reinen Quellen liebt . . .
An eine Fürstin von Dessau
Aus stillem Hause senden die Götter oft Auf kurze Zeit zu Fremden die Lieblinge, Damit, erinnert, sich am edlen Bilde der Sterblichen Herz erfreue.
So kommst du aus Luisiums Hainen auch, Aus heilger Schwelle dort, wo geräuschlos rings Die Lüfte sind und friedlich um dein Dach die geselligen Bäume spielen,
Aus deines Tempels Freuden, o Priesterin! Zu uns, wenn schon die Wolke das Haupt uns beugt Und längst ein göttlich Ungewitter ... über dem Haupt uns wandelt.
O teuer warst du, Priesterin! da du dort Im Stillen göttlich Feuer behütetest, Doch teurer heute, da du Zeiten Unter den Zeitlichen segnend feierst.
Denn wo die Reinen wandeln, vernehmlicher Ist da der Geist, und offen und heiter blühn Des Lebens dämmernde Gestalten Da, wo ein sicheres Licht erscheinet.
Und wie auf dunkler Wolke der schweigende, Der schöne Bogen blühet, ein Zeichen ist Er künftger Zeit, ein Angedenken Seliger Tage, die einst gewesen,
So ist dein Leben, heilige Fremdlingin! Wenn du Vergangnes über Italiens Zerbrochnen Säulen, wenn du neues Grünen aus stürmischer Zeit betrachtest.
Der Prinzessin Auguste von Homburg
Den 28. Nov. 1799
Noch freundlichzögernd scheidet vom Auge dir Das Jahr, und in hesperischer Milde glänzt Der Winterhimmel über deinen Gärten, den dichtrischen, immergrünen.
Und da ich deines Festes gedacht und sann, Was ich dir dankend reichte, da weilten noch Am Pfade Blumen, daß sie dir zur Blühenden Krone, du Edle, würden.
Doch andres beut dir, Größeres, hoher Geist! Die festlichere Zeit, denn es hallt hinab Am Berge das Gewitter, sieh! und Klar, wie die ruhigen Sterne, gehen
Aus langem Zweifel reine Gestalten auf; So dünkt es mir; und einsam, o Fürstin! ist Das Herz der Freigebornen wohl nicht Länger im eigenen Glück; denn würdig
Gesellt im Lorbeer ihm der Heroë sich, Der schöngereifte, echte; die Weisen auch, Die Unsern, sind es wert; sie blicken Still aus der Höhe des Lebens, die ernsten Alten.
Geringe dünkt der träumende Sänger sich, Und Kindern gleich am müßigen Saitenspiel, Wenn ihn der Edlen Glück, wenn ihn die Tat und der Ernst der Gewaltgen aufweckt.
Doch herrlicht mir dein Name das Lied; dein Fest Augusta! durft ich feiern; Beruf ist mirs, Zu rühmen Höhers, darum gab die Sprache der Gott und den Dank ins Herz mir.
O daß von diesem freudigen Tage mir Auch meine Zeit beginne, daß endlich auch Mir ein Gesang in deinen Hainen, Edle! gedeihe, der deiner wert sei.
Wohl geh ich täglich ...
Wohl geh ich täglich andere Pfade, bald Ins grüne Laub im Walde, zur Quelle bald, Zum Felsen, wo die Rosen blühen, Blicke vom Hügel ins Land, doch nirgend,
Du Holde, nirgend find ich im Lichte dich Und in die Lüfte schwinden die Worte mir, Die frommen, die bei dir ich ehmals ...
Ja, ferne bist du, seliges Angesicht! Und deines Lebens Wohllaut verhallt, von mir Nicht mehr belauscht, und ach! wo seid ihr Zaubergesänge, die einst das Herz mir
Besänftiget mit Ruhe der Himmlischen? Wie lang ists! o wie lange! der Jüngling ist Gealtert, selbst die Erde, die mir Damals gelächelt, ist anders worden.
Leb immer wohl! es scheidet und kehrt zu dir Die Seele jeden Tag, und es weint um dich Das Auge, daß es helle wieder Dort wo du säumest, hinüberblicke.
Geh unter, schöne Sonne ...
Geh unter, schöne Sonne, sie achteten Nur wenig dein, sie kannten dich, Heilge, nicht, Denn mühelos und stille bist du Über den Mühsamen aufgegangen.
Mir gehst du freundlich unter und auf, o Licht! Und wohl erkennt mein Auge dich, Herrliches! Denn göttlich stille ehren lernt ich, Da Diotima den Sinn mir heilte.
O du des Himmels Botin! wie lauscht ich dir! Dir, Diotima! Liebe! wie sah von dir Zum goldnen Tage dieses Auge Glänzend und dankend empor. Da rauschten
Lebendiger die Quellen, es atmeten Der dunkeln Erde Blüten mich liebend an, Und lächelnd über Silberwolken Neigte sich segnend herab der Aether.
Die Entschlafenen
Einen vergänglichen Tag lebt ich und wuchs mit den Meinen, Eins ums andere schon schläft mir und fliehet dahin. Doch ihr Schlafenden wacht am Herzen mir, in verwandter Seele ruhet von euch mir das entfliehende Bild. Und lebendiger lebt ihr dort, wo des göttlichen Geistes Freude die Alternden all, alle die Toten verjüngt.
An Landauer
Sei froh! Du hast das gute Los erkoren, Denn tief und treu ward eine Seele dir; Der Freunde Freund zu sein, bist du geboren, Dies zeugen dir am Feste wir.
Und selig, wer im eignen Hause Frieden, Wie du, und Lieb und Fülle sieht und Ruh; Manch Leben ist, wie Licht und Nacht, verschieden, In goldner Mitte wohnest du.
Dir glänzt die Sonn in wohlgebauter Halle, Am Berge reift die Sonne dir den Wein, Und immer glücklich führt die Güter alle Der kluge Gott dir aus und ein.
Und Kind gedeiht, und Mutter um den Gatten, Und wie den Wald die goldne Wolke krönt, So seid auch ihr um ihn, geliebte Schatten! Ihr Seligen, an ihn gewöhnt!
O seid mit ihm! denn Wolk und Winde ziehen Unruhig öfters über Land und Haus, Doch ruht das Herz bei allen Lebensmühen Im heilgen Angedenken aus.
Und sieh! aus Freude sagen wir von Sorgen; Wie dunkler Wein, erfreut auch ernster Sang; Das Fest verhallt, und jedes gehet morgen Auf schmaler Erde seinen Gang.
Gedichte 1784-1800
Gesang des Deutschen
O heilig Herz der Völker, o Vaterland! Allduldend, gleich der schweigenden Mutter Erd, Und allverkannt, wenn schon aus deiner Tiefe die Fremden ihr Bestes haben!
Sie ernten den Gedanken, den Geist von dir, Sie pflücken gern die Traube, doch höhnen sie Dich, ungestalte Rebe! daß du Schwankend den Boden und wild umirrest.
Du Land des hohen ernsteren Genius! Du Land der Liebe! bin ich der deine schon, Oft zürnt ich weinend, daß du immer Blöde die eigene Seele leugnest.
Doch magst du manches Schöne nicht bergen mir, Oft stand ich überschauend das holde Grün, Den weiten Garten hoch in deinen Lüften auf hellem Gebirg und sah dich.
An deinen Strömen ging ich und dachte dich, Indes die Töne schüchtern die Nachtigall Auf schwanker Weide sang, und still auf Dämmerndem Grunde die Welle weilte.
Und an den Ufern sah ich die Städte blühn, Die Edlen, wo der Fleiß in der Werkstatt schweigt, Die Wissenschaft, wo deine Sonne Milde dem Künstler zum Ernste leuchtet.
Kennst du Minervas Kinder? sie wählten sich Den Ölbaum früh zum Lieblinge; kennst du sie? Noch lebt, noch waltet der Athener Seele, die sinnende, still bei Menschen,
Wenn Platons frommer Garten auch schon nicht mehr Am alten Strome grünt und der dürftge Mann Die Heldenasche pflügt, und scheu der Vogel der Nacht auf der Säule trauert.
O heilger Wald! o Attika! traf Er doch Mit seinem furchtbarn Strahle dich auch, so bald, Und eilten sie, die dich belebt, die Flammen entbunden zum Aether über?
Doch, wie der Frühling, wandelt der Genius Von Land zu Land. Und wir? ist denn Einer auch Von unsern Jünglingen, der nicht ein Ahnden, ein Rätsel der Brust, verschwiege?
Den deutschen Frauen danket! sie haben uns Der Götterbilder freundlichen Geist bewahrt, Und täglich sühnt der holde klare Friede das böse Gewirre wieder.
Wo sind jetzt Dichter, denen der Gott es gab, Wie unsern Alten, freudig und fromm zu sein, Wo Weise, wie die unsre sind? die Kalten und Kühnen, die Unbestechbarn!
Nun! sei gegrüßt in deinem Adel, mein Vaterland, Mit neuem Namen, reifeste Frucht der Zeit! Du letzte und du erste aller Musen, Urania, sei gegrüßt mir!
Noch säumst und schweigst du, sinnest ein freudig Werk, Das von dir zeuge, sinnest ein neu Gebild, Das einzig, wie du selber, das aus Liebe geboren und gut, wie du, sei -
Wo ist dein Delos, wo dein Olympia, Daß wir uns alle finden am höchsten Fest? - Doch wie errät der Sohn, was du den Deinen, Unsterbliche, längst bereitest?
Der Frieden
Wie wenn die alten Wasser, die in andern Zorn, In schröcklichern verwandelt wieder Kämen, zu reinigen, da es not war,
So gählt' und wuchs und wogte von Jahr zu Jahr Rastlos und überschwemmte das bange Land Die unerhörte Schlacht, daß weit hüllt Dunkel und Blässe das Haupt der Menschen.
Die Heldenkräfte flogen, wie Wellen, auf Und schwanden weg, du kürztest, o Rächerin! Den Dienern oft die Arbeit schnell und Brachtest in Ruhe sie heim, die Streiter.
O du, die unerbittlich und unbesiegt Den Feigern und den Übergewaltgen trifft, Daß bis ins letzte Glied hinab vom Schlage sein armes Geschlecht erzittert,
Die du geheim den Stachel und Zügel hältst, Zu hemmen und zu fördern, o Nemesis, Strafst du die Toten noch, es schliefen Unter Italiens Lorbeergärten
Sonst ungestört die alten Eroberer. Und schonst du auch des müßigen Hirten nicht, Und haben endlich wohl genug den Üppigen Schlummer gebüßt die Völker?
Wer hub es an? wer brachte den Fluch? von heut Ists nicht und nicht von gestern, und die zuerst Das Maß verloren, unsre Väter Wußten es nicht, und es trieb ihr Geist sie.
Zu lang, zu lang schon treten die Sterblichen Sich gern aufs Haupt, und zanken um Herrschaft sich, Den Nachbar fürchtend, und es hat auf Eigenem Boden der Mann nicht Segen.
Und unstät wehn und irren, dem Chaos gleich, Dem gärenden Geschlechte die Wünsche noch Umher und wild ist und verzagt und kalt von Sorgen das Leben der Armen immer.
Du aber wandelst ruhig die sichre Bahn, O Mutter Erd, im Lichte. Dein Frühling blüht, Melodischwechselnd gehn dir hin die Wachsenden Zeiten, du Lebensreiche!
Komm du nun, du der heiligen Musen all, Und der Gestirne Liebling, verjüngender Ersehnter Friede, komm und gib ein Bleiben im Leben, ein Herz uns wieder.
Unschuldiger! sind klüger die Kinder doch Beinahe, denn wir Alten; es irrt der Zwist Den Guten nicht den Sinn, und klar und Freudig ist ihnen ihr Auge blieben.
Und wie mit andern Schauenden lächelnd ernst Der Richter auf der Jünglinge Rennbahn sieht, Wo glühender die Kämpfenden die Wagen in stäubende Wolken treiben,
So steht und lächelt Helios über uns Und einsam ist der Göttliche, Frohe nie, Denn ewig wohnen sie, des Aethers Blühende Sterne, die Heiligfreien.
An die Deutschen
Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt, O ihr Guten! auch wir sind Tatenarm und gedankenvoll!
Aber kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt, Aus Gedanken vielleicht, geistig und reif die Tat? Folgt die Frucht, wie des Haines Dunklem Blatte, der stillen Schrift?
Und das Schweigen im Volk, ist es die Feier schon Vor dem Feste? die Furcht, welche den Gott ansagt? O dann nimmt mich, ihr Lieben! Daß ich büße die Lästerung.
Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich, In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier, Nur was blühet, erkenn ich, Was er sinnet, erkenn ich nicht.
Und zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch, Und schon Jahre genug leb ich in sterblicher Unverständiger Liebe Zweifelnd, immer bewegt vor ihm,
Der das stetige Werk immer aus liebender Seele näher mir bringt, lächelnd dem Sterblichen, Wo ich zage, des Lebens Reine Tiefe zu Reife bringt.
Schöpferischer, o wann, Genius unsers Volks, Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands, Daß ich tiefer mich beuge, Daß die leiseste Saite selbst
Mir verstumme vor dir, daß ich beschämt, Eine Blume der Nacht, himmlischer Tag, vor dir Enden möge mit Freuden, Wenn sie alle, mit denen ich
Vormals trauerte, wenn unsere Städte nun Hell und offen und wach, reineren Feuers voll Und die Berge des deutschen Landes Berge der Musen sind,
Wie die herrlichen einst, Pindos und Helikon, Und Parnassos, und rings unter des Vaterlands Goldnem Himmel die freie, Klare, geistige Freude glänzt.
Wohl ist enge begrenzt unsere Lebenszeit, Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir, Doch die Jahre der Völker, Sah ein sterbliches Auge sie?
Wenn die Seele dir auch über die eigne Zeit Sich, die sehnende, schwingt, trauernd verweilest du Dann am kalten Gestade Bei den Deinen und kennst sie nie,
Und die Künftigen auch, sie, die Verheißenen, Wo, wo siehest du sie, daß du an Freundeshand Einmal wieder erwarmest, Einer Seele vernehmlich seist?
Klanglos, ists in der Halle längst, Armer Seher! bei dir, sehnend verlischt dein Aug Und du schlummerst hinunter Ohne Namen und unbeweint.
Rousseau
Wie eng begrenzt ist unsere Tageszeit. Du warst und sahst und stauntest, schon Abend ists, Nun schlafe, wo unendlich ferne Ziehen vorüber der Völker Jahre.
Und mancher siehet über die eigne Zeit, Ihm zeigt ein Gott ins Freie, doch sehnend stehst Am Ufer du, ein Ärgernis den Deinen, ein Schatten, und liebst sie nimmer,
Und jene, die du nennst, die Verheißenen, Wo sind die Neuen, daß du an Freundeshand Erwarmst, wo nahn sie, daß du einmal, Einsame Rede, vernehmlich seiest?
Klanglos ists, armer Mann, in der Halle dir, Und gleich den Unbegrabenen, irrest du Unstät und suchest Ruh und niemand Weiß den beschiedenen Weg zu weisen.
Sei denn zufrieden! der Baum entwächst Dem heimatlichen Boden, aber es sinken ihm Die liebenden, die jugendlichen Arme, und trauernd neigt er sein Haupt.
Des Lebens Überfluß, das Unendliche, Das um ihn und dämmert, er faßt es nie. Doch lebts in ihm und gegenwärtig, Wärmend und wirkend, die Frucht entquillt ihm.
Du hast gelebt! auch dir, auch dir Erfreuet die ferne Sonne dein Haupt, Und Strahlen aus der schönern Zeit. Es Haben die Boten dein Herz gefunden.
Vernommen hast du sie, verstanden die Sprache der Fremdlinge, Gedeutet ihre Seele! Dem Sehnenden war Der Wink genug, und Winke sind Von alters her die Sprache der Götter.
Und wunderbar, als hätte von Anbeginn Des Menschen Geist das Werden und Wirken all, Des Lebens Weise schon erfahren,
Kennt er im ersten Zeichen Vollendetes schon, Und fliegt, der kühne Geist, wie Adler den Gewittern, weissagend seinen Kommenden Göttern voraus,
Heidelberg
Lange lieb ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust, Mutter nennen, und dir schenken ein kunstlos Lied, Du, der Vaterlandsstädte Ländlichschönste, so viel ich sah.
Wie der Vogel des Walds über die Gipfel fliegt, Schwingt sich über den Strom, wo er vorbei dir glänzt, Leicht und kräftig die Brücke, Die von Wagen und Menschen tönt.
Wie von Göttern gesandt, fesselt' ein Zauber einst Auf die Brücke mich an, da ich vorüber ging, Und herein in die Berge Mir die reizende Ferne schien,
Und der Jüngling, der Strom, fort in die Ebne zog, Traurigfroh, wie das Herz, wenn es, sich selbst zu schön, Liebend unterzugehen, In die Fluten der Zeit sich wirft.
Quellen hattest du ihm, hattest dem Flüchtigen Kühle Schatten geschenkt, und die Gestade sahn All ihm nach, und es bebte Aus den Wellen ihr lieblich Bild.
Aber schwer in das Tal hing die gigantische, Schicksalskundige Burg nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen; Doch die ewige Sonne goß
Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild, und umher grünte lebendiger Efeu; freundliche Wälder Rauschten über die Burg herab.
Sträuche blühten herab, bis wo im heitern Tal, An den Hügel gelehnt, oder dem Ufer hold, Deine fröhlichen Gassen Unter duftenden Gärten ruhn.
Die Götter
Du stiller Aether! immer bewahrst du schön Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen, Helios! oft die empörte Brust mir.
Ihr guten Götter! arm ist, wer euch nicht kennt, Im rohen Busen ruhet der Zwist ihm nie, Und Nacht ist ihm die Welt und keine Freude gedeihet und kein Gesang ihm.
Nur ihr, mit eurer ewigen Jugend, nährt In Herzen, die euch lieben, den Kindersinn, Und laßt in Sorgen und in Irren Nimmer den Genius sich vertrauern.
Der Neckar
In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf Zum Leben, deine Wellen umspielten mich, Und all der holden Hügel, die dich Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.
Auf ihren Gipfeln löste des Himmels Luft Mir oft der Knechtschaft Schmerzen; und aus dem Tal, Wie Leben aus dem Freudebecher, Glänzte die bläuliche Silberwelle.
Der Berge Quellen eilten hinab zu dir, Mit ihnen auch mein Herz und du nahmst uns mit, Zum stillerhabnen Rhein, zu seinen Städten hinunter und lustgen Inseln.
Noch dünkt die Welt mir schön, und das Aug entflieht Verlangend nach den Reizen der Erde mir, Zum goldenen Paktol, zu Smyrnas Ufer, zu Ilions Wald. Auch möcht ich
Bei Sunium oft landen, den stummen Pfad Nach deinen Säulen fragen, Olympion! Noch eh der Sturmwind und das Alter Hin in den Schutt der Athenertempel
Und ihrer Gottesbilder auch dich begräbt, Denn lang schon einsam stehst du, o Stolz der Welt, Die nicht mehr ist. Und o ihr schönen Inseln Ioniens! wo die Meerluft
Die heißen Ufer kühlt und den Lorbeerwald Durchsäuselt, wenn die Sonne den Weinstock wärmt, Ach! wo ein goldner Herbst dem armen Volk in Gesänge die Seufzer wandelt,
Wenn sein Granatbaum reift, wenn aus grüner Nacht Die Pomeranze blinkt, und der Mastixbaum Von Harze träuft und Pauk und Cymbel Zum labyrinthischen Tanze klingen.
Zu euch, ihr Inseln! bringt mich vielleicht, zu euch Mein Schutzgott einst; doch weicht mir aus treuem Sinn Auch da mein Neckar nicht mit seinen Lieblichen Wiesen und Uferweiden.
Die Heimat
Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom, Von Inseln fernher, wenn er geerntet hat; So käm auch ich zur Heimat, hätt ich Güter so viele, wie Leid, geerntet.
Ihr teuern Ufer, die mich erzogen einst, Stillt ihr der Liebe Leiden, versprecht ihr mir, Ihr Wälder meiner Jugend, wenn ich Komme, die Ruhe noch einmal wieder?
Am kühlen Bache, wo ich der Wellen Spiel, Am Strome, wo ich gleiten die Schiffe sah, Dort bin ich bald; euch traute Berge, Die mich behüteten einst, der Heimat
Verehrte sichre Grenzen, der Mutter Haus Und liebender Geschwister Umarmungen Begrüß ich bald und ihr umschließt mich, Daß, wie in Banden, das Herz mir heile,
Ihr treugebliebnen! aber ich weiß, ich weiß, Der Liebe Leid, dies heilet so bald mir nicht, Dies singt kein Wiegensang, den tröstend Sterbliche singen, mir aus dem Busen.
Denn sie, die uns das himmlische Feuer leihn, Die Götter schenken heiliges Leid uns auch, Drum bleibe dies. Ein Sohn der Erde Schein ich; zu lieben gemacht, zu leiden
Die Liebe
Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all, O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht, Gott vergeb es, doch ehret Nur die Seele der Liebenden.
Denn o saget, wo lebt menschliches Leben sonst, Da die knechtische jetzt alles, die Sorge, zwingt? Darum wandelt der Gott auch Sorglos über dem Haupt uns längst.
Doch, wie immer das Jahr kalt und gesanglos ist Zur beschiedenen Zeit, aber aus weißem Feld Grüne Halme doch sprossen, Oft ein einsamer Vogel singt,
Wenn sich mählich der Wald dehnet, der Strom sich regt, Schon die mildere Luft leise von Mittag weht Zur erlesenen Stunde, So ein Zeichen der schönern Zeit,
Die wir glauben, erwächst einziggenügsam noch, Einzig edel und fromm über dem ehernen, Wilden Boden die Liebe, Gottes Tochter, von ihm allein.
Sei gesegnet, o sei, himmlische Pflanze, mir Mit Gesange gepflegt, wenn des ätherischen Nektars Kräfte dich nähren, Und der schöpfrische Strahl dich reift.
Wachs und werde zum Wald! eine beseeltere, Vollentblühende Welt! Sprache der Liebenden Sei die Sprache des Landes, Ihre Seele der Laut des Volks!
Lebenslauf
Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, Doch es kehret umsonst nicht Unser Bogen, woher er kommt.
Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht, Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, Herrscht im schiefesten Orkus Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?
Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich, Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, Daß ich wüßte, mit Vorsicht Mich des ebenen Pfads geführt.
Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern, Und verstehe die Freiheit, Aufzubrechen, wohin er will.
Ihre Genesung
Sieh! dein Liebstes, Natur, leidet und schlaft und du, Allesheilende, säumst? oder ihr seids nicht mehr, Zarte Lüfte des Aethers, Und ihr Quellen des Morgenlichts?
Alle Blumen der Erd, alle die goldenen Frohen Früchte des Hains, alle sie heilen nicht Dieses Leben, ihr Götter, Das ihr selber doch euch erzogt?
Ach! schon atmet und tönt heilige Lebenslust Ihr im reizenden Wort wieder, wie sonst und schon Glänzt in zärtlicher Jugend Deine Blume, wie sonst, dich an,
Heilge Natur, o du, welche zu oft, zu oft, Wenn ich trauernd versank, lächelnd das zweifelnde Haupt mit Gaben umkränzte, Jugendliche, nun auch, wie sonst!
Wenn ich altre dereinst, siehe, so geb ich dir, Die mich täglich verjüngt, Allesverwandelnde, Deiner Flamme die Schlacken, Und ein anderer leb ich auf.
Der Abschied (Erste Fassung)
Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat? Ach! wir kennen uns wenig, Denn es waltet ein Gott in uns.
Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst, Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe, Dies, dies Eine vermag ich nicht.
Aber anderen Fehl denket der Menschen Sinn, Andern ehernen Dienst übt er und anders Recht, Und es fodert die Seele Tag für Tag der Gebrauch uns ab.
Wohl! ich wußt es zuvor. Seit der gewurzelte Allentzweiende Haß Götter und Menschen trennt, Muß, mit Blut sie zu sühnen, Muß der Liebenden Herz vergehn.
Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich Dieses Tödliche sehn, daß ich im Frieden doch Hin ins Einsame ziehe, Und noch unser der Abschied sei!
Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden Heilgen Giftes genug, daß ich des Lethetranks Mit dir trinke, daß alles, Haß und Liebe, vergessen sei!
Hingehn will ich. Vielleicht seh ich in langer Zeit Diotima! dich hier. Aber verblutet ist Dann das Wünschen und friedlich Gleich den Seligen, fremd sind wir,
Und ein ruhig Gespräch führet uns auf und ab, Sinnend, zögernd, doch itzt faßt die Vergessenen Hier die Stelle des Abschieds, Es erwarmet ein Herz in uns,
Staunend seh ich dich an, Stimmen und süßen Sang, Wie aus voriger Zeit, hör ich und Saitenspiel, Und befreiet, in Lüfte Fliegt in Flammen der Geist uns auf.
Der Abschied (Zweite Fassung)
Trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug? Da wirs taten, warum schröckte, wie Mord, die Tat? Ach! wir kennen uns wenig, Denn es waltet ein Gott in uns.
Den verraten? ach ihn, welcher uns alles erst, Sinn und Leben erschuf, ihn, den beseelenden Schutzgott unserer Liebe, Dies, dies Eine vermag ich nicht.
Aber anderen Fehl denket der Weltsinn sich, Andern ehernen Dienst übt er und anders Recht, Und es listet die Seele Tag für Tag der Gebrauch uns ab.
Wohl! ich wußt es zuvor. Seit die gewurzelte Ungestalte, die Furcht Götter und Menschen trennt, Muß, mit Blut sie zu sühnen, Muß der Liebenden Herz vergehn.
Laß mich schweigen! o laß nimmer von nun an mich Dieses Tödliche sehn, daß ich im Frieden doch Hin ins Einsame ziehe, Und noch unser der Abschied sei!
Reich die Schale mir selbst, daß ich des rettenden Heilgen Giftes genug, daß ich des Lethetranks Mit dir trinke, daß alles, Haß und Liebe, vergessen sei!
Hingehn will ich. Vielleicht seh ich in langer Zeit Diotima! dich hier. Aber verblutet ist Dann das Wünschen und friedlich Gleich den Seligen, fremde gehn
Wir umher, ein Gespräch führet uns ab und auf, Sinnend, zögernd, doch itzt mahnt die Vergessenen Hier die Stelle des Abschieds, Es erwarmet ein Herz in uns,
Staunend seh ich dich an, Stimmen und süßen Sang, Wie aus voriger Zeit, hör ich und Saitenspiel, Und die Lilie duftet Golden über dem Bach uns auf.
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