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Luna I
Den blutrot dort der Horizont gebiert, Der aus der Hölle großen Schlünden steigt, Sein Purpurhaupt mit Wolken schwarz verziert, Wie um der Götter Stirn Akanthus schweigt,
Er setzt den großen goldnen Fuß voran Und spannt die breite Brust wie ein Athlet, Und wie ein Partherfürst zieht er bergan, Der Schläfe goldenes Gelock umweht.
Hoch über Sardes und der schwarzen Nacht, Auf Silbertürmen und der Zinnen Meer, Wo mit Posaunen schon der Wächter wacht, Der ruft vom Pontos bald den Morgen her.
Zu seinem Fuße schlummert Asia weit, Ein blauer Schatten, unterm Ararat Des Schneehaupt schimmert durch die Einsamkeit, Bis wo Arabia in das weiche Bad
Der Meere mit den weißen Füßen steigt, Und fern im Süden, wie ein großer Schwan, Sein Haupt der Sirius auf die Wasser neigt [Und singend schwimmt hinab den Ozean.]
Mit großen Brücken, blau wie blanker Stahl, Mit Mauern weiß wie Marmor ruhet aus Die große Ninive im schwarzen Tal, Nur wenig Fackeln werfen noch hinaus
Ihr Licht, wie Speere weit, wo dunkel braust Der Euphrat, der sein Haupt in Wüsten taucht. Die Große ruht, um ihre Stirne saust Ein Schwarm von Träumen, die vom Wein noch raucht.
Hoch auf der Kuppel, auf dem dunklen Strom Belauscht allein der bösen Sterne Bahn In weißem Faltenkleid ein Astronom, Der neigt sein Szepter dem [Aldebaran],
Der mit dem Monde kämpft um weißern Glanz, Wo ewig strahlt die Nacht, und ferne stehn Am Wüstenrand, im blauen Lichte ganz Einsame Brunnen, und im Winde wehn
Ölwälder fern um leere Tempel lind, Ein See von Silber, und in schmaler Schlucht Uralter Berge tief im Grunde rinnt Ein Wasser sanft um dunkler Ulmen Bucht.
Der Frühling V
Er stirbt am Waldrand. Mit verhaltnem Laut Klagt schon sein Schatten an des Hades Tor. Der Kranz von Lattich, den sein Haupt verlor, Fiel unter Disteln und das Schierlingskraut.
Den Pfeil im Hals, verschüttet er sein Blut, Das schwarze Faunsblut in den grünen Grund Der abendlichen Halde aus dem Mund Drauf schon der Tod, ein schwarzer Falter, ruht.
Der Himmel Thrakiens glänzt im Abend grün, Ein Silberleuchter seinem Sterbeschrei, Auf fernen Bergen, wo die Eichen glühn.
Tief unter ihm verblaßt die weite Bai, Darüber hoch die weißen Wolken ziehn, Und fern ein Purpursegel schwimmt vorbei.
Die Irren I
Papierne Kronen zieren sie. Sie tragen Holzstöcke aufrecht auf den spitzen Knien. Und ihre langen, weißen Hemden schlagen Um ihren Bauch wie Königshermelin.
Ein Volk von Christussen, das leise schwebt Wie große Schmetterlinge durch die Gänge, Und das wie große Lilien rankt und klebt Um ihres Käfigs schmerzliches Gestänge.
Der Abend tritt herein mit roten Sohlen, Zwei Lichtern gleich entbrennt sein goldner Bart. In dunklen Winkeln hocken sie verstohlen Wie Kinder einst, in Dämmerung geschart.
Er leuchtet tief hinein in alle Ecken, Aus allen Zellen grüßt ihn Lachen froh, Wenn sie die roten, feisten Zungen blecken Hinauf zu ihm aus ihres Lagers Stroh.
Dann kriechen sie wie Mäuse eng zusammen Und schlafen unter leisem Singen ein. Des fernen Abendrotes rote Flammen Verglühen sanft auf ihrer Schläfen Pein.
Auf ihrem Schlummer kreist der blaue Mond, Der langsam durch die stillen Säle fliegt. Ihr Mund ist schmal, darauf ein Lächeln thront, Das sich, wie Lotos weiß, im Schatten wiegt.
Bis leise Stimmen tief im Dunkel singen Vor ihrer Herzen Purpur-Baldachin, Und aus dem Äthermeer auf roten Schwingen Träume, wie Sonnen groß, ihr Blut durchziehn.
Die Irren II
Der Tod zeigt seine weiße Leichenhaut Vor ihrer Kerkerfenster Arsenal. Das schwarze Dunkel schleicht in trübem Laut Geborstner Flöten durch der Nächte Qual.
Und weiße Hände strecken sich und klingen Aus langen Ärmeln in der Säle Tor. Um ihre Häupter wehen schwarze Schwingen, Rauchende Fackeln wie ein Trauerflor.
Bebändert stürzt ein Mar durch ihre Betten, Der ihre Köpfe schlagend, sie erschreckt. Wie gelbe Schlangen auf verrufnen Stätten, So wiegt ihr fahles Haupt, von Nacht bedeckt.
Ein Schrei. Ein Paukenschall. Ein wildes Brüllen, Des Echo dumpf in dunkler Nacht verlischt. Gespenster sitzen um sie her und knüllen Den Hals wie Stroh. Ihr weißer Atem zischt.
Ihr Haar wird bleich, und feucht vor kaltem Grauen. Sie fühlen Hammerschlag in ihrer Stirn, Und große Nägel spitz in Geierklauen, Die langsam treiben tief in ihr Gehirn.
Die Irren V: Die Somnambulen
Schon braust die Mitternacht. Mit langem Haar In weiße Tücher feierlich gehüllt Zieht schwankend auf der Somnambulen Schar, Wie Rauch so weiß, der weit den Himmel füllt.
Aus allen Dächern steigen sie herauf, Irrlichtern gleich auf einem schwarzen Sumpf. Sie tanzen auf der Wetterfahnen Knauf, Mit irren Lächelns fröhlichem Triumph.
Sie schlagen Zimbeln in der leichten Hand Und irren singend in der grünen Luft. Vor ihren Brüsten zittert ihr Gewand, Die wild den Mond berauschen, süß, voll Duft.
Sie kitzeln ihn mit ihren zarten Händen Und zwicken leicht ihn in das gelbe Ohr. Sie wiegen sich in ihren magern Lenden Im Tanzschritt hin, ein weißer Trauerchor.
Sie fliegen durch die Nacht wie Wolken leise Hoch über spitzer Berge blauem Grat Hinauf zu ihm auf ihrer leichten Reise Zu einem Wiegenlied an Abgrunds Pfad.
Der Mond umfängt sie sanft mit Spinnenarm. Ihr Haupt wird von dem Kusse weiß gemalt. Sie ruhn an ihres Bräutigams Herzen warm, Der tief durch ihre dünne Rippe strahlt.
Die Irren
Variation
Ein Königreich. Provinzen roter Wiesen. Ein Wärter, eine Peitsche, eine Kette. So klappern wir in Nessel, Dorn und Klette Durch wilder Himmel schreckliche Devisen,
Die uns bedrohn mit den gezackten Flammen, Mit großer Hieroglyphen roter Schrift. Und unsrer Schlangenadern blaues Gift Zieht krampfhaft sich in unserm Kopf zusammen.
Daß tausend Disteln unsere Beine schlagen, Daß manchen Regenwürmchens Köpfchen knackt, Zu unseres wilden Volks Bacchanten-Takt, Wir hören's ferne nur in unsere Klagen.
Ein gläsern leichter Fuß ward uns gegeben, Und Scharlachflügel wächst aus unserm Rücken. So tanzen wir zum Krach der Scherben-Stücken, Durch lauter Unrat feierlich zu schweben.
Welch göttlich schönes Spiel. Ein Meer von Feuer. Der ganze Himmel brennt. Wir sind allein, Halbgötter wir. Und unser haarig Bein Springt nackt auf altem Steine im Gemäuer.
Verfallner Ort, versunken tief im Schutte, Wo wie ein Königshaupt der Ginster schwankt, Des goldner Arm nach unsern Knöcheln langt Und lüstern fährt herauf in unsrer Kutte.
Wo eine alte Weide, dürr und stumm, Mit Talismanen ihren Bauch behängt, Vor unsrer Göttlichkeit die Arme senkt, Und uns beschielt mit Augen, weiß und krumm.
Aus ihrem Loch springt eine alte Maus, Verrückt wie wir. Ein goldner Schnabel blinkt Am Himmelsrand. Ein leises Lied erklingt, Ein Schwan zieht in das Feuer uns voraus.
O süßer Sterbeton, den wir geschlürft. Breitschwingig flattert er im goldnen West, Wo hoher Pappeln zitterndes Geäst Auf unsere Stirnen Gitterschatten wirft.
Die Sonne sinkt auf dunkelroter Bahn, In einer Wetterwolke klemmt sie fest. Macht schnell und reißt aus seinem schwarzen Nest Mit Zangen aus den goldnen Wolken-Zahn.
Hui. Er ist fort. Der dunkle Himmel sinkt Voll Zorn herab in einen schwarzen Teich, Des Abgrund droht, mit fahlen Wolken bleich, Unheimlich, eine Nacht, die Unheil bringt.
Und eine Leiche wohnt im tiefen Grund, Um die ein Aale-Volk geschmeidig hüpft. Uralt, ein Fisch, der ein zum Ohre schlüpft Und wieder ausfährt aus dem offnen Mund.
Ein Unke ruft. Ein blauer Wiedehopf Meckert wie eine Ziege in dem Sumpf. - Was werden eure Stirnen klein und dumpf, Was sträubt sich euch der graue Narren-Schopf?
Ihr wollet Fürsten sein? Ich sehe Bestien nur, Die weit die Nacht erschrecken mit Gebell. Was flieht ihr mich? Die Arme flattern schnell, Wie Gänsen an dem Messer der Tortur.
Ich bin allein im stummen Wetterland, Ich, der Jerusalem vom Kreuz geschaut, Jesus dereinst. Der nun den Brotranft kaut, Den er im Staub verlorner Winkel fand.
Kata
Ein roter Donner. Und die Sonne tost, Ein Purpurdrachen. Sein gezackter Schwanz Peitscht hoch herauf der weiten Himmel Glanz, Der Eichen Horizont, drin Flamme glost.
Der großen Babel weiße Marmorwand, Und riesiger Pagoden goldnen Stein Zerschmettert fast der ungeheure Schein, Mit lauten Beilen eine Feuerhand.
Musik, Musik. Ein göttlicher Choral. Das offne Maul der Sonne stimmt ihn an, Das Echo dröhnt vom weiten Himmelssaal.
Und ruft hervor der dunklen Nacht Tyrann, Den Mond, Tetrarchen, der im Wolkental Schon seltsam lenkt das fahle Viergespann.
An Hildegard K.
Deine Wimpern, die langen, Deiner Augen dunkele Wasser, Laß mich tauchen darein, Laß mich zur Tiefe gehn.
Steigt der Bergmann zum Schacht Und schwankt seine trübe Lampe Über der Erze Tor, Hoch an der Schattenwand,
Sieh, ich steige hinab, In deinem Schoß zu vergessen, Fern, was von oben dröhnt, Helle und Qual und Tag.
An den Feldern verwächst, Wo der Wind steht, trunken vom Korn, Hoher Dorn, hoch und krank Gegen das Himmelsblau.
Gib mir die Hand, Wir wollen einander verwachsen, Einem Wind Beute, Einsamer Vögel Flug,
Hören im Sommer Die Orgel der matten Gewitter, Baden in Herbsteslicht, Am Ufer des blauen Tags.
Manchmal wollen wir stehn Am Rand des dunkelen Brunnens, Tief in die Stille zu sehn, Unsere Liebe zu suchen.
Oder wir treten hinaus Vom Schatten der goldenen Wälder, Groß in ein Abendrot, Das dir berührt sanft die Stirn.
Göttliche Trauer, Schweige der ewigen Liebe. Hebe den Krug herauf, Trinke den Schlaf.
Einmal am Ende zu stehen, Wo Meer in gelblichen Flecken Leise schwimmt schon herein Zu der September Bucht.
Oben zu ruhn Im Hause der durstigen Blumen, Über die Felsen hinab Singt und zittert der Wind.
Doch von der Pappel, Die ragt im Ewigen Blauen, Fällt schon ein braunes Blatt, Ruht auf dem Nacken dir aus.
Hora Mortis
Gebannt in die Trauer der endlosen Horizonte, Wo nur ein Baum sich wand unter Schmerz, Sanken wir, Bergleuten gleich, in das Schweigen der Grube Unserer Qual. Und von Leere schwoll uns das Herz.
Trüb wie die Winde, im Schierling, bei Büschen und Weiden Haben wir unsere Hände im Dunkel gesenkt, Und dann gingen wir lässig, und freuten uns unserer Leiden, Arme Spiegel, darin sich ein düsterer Abend fängt.
Nachtwandlern gleich, gejagt vom Entsetzen der Träume, Die seufzend sich stoßen im Dunkel mit ›bleicher‹ Hand, Also schwankten wir in des Herbstes verschwindende Räume, Der wie ein Riese sich hob in die Nacht und versank.
Aber im Wolkenland, im Finstern, sahn wir die Schatten Schwarzer Reiher und hörten den traurigen Flug, Und wir schwanden dahin in Schwermut und bittrem Ermatten, Blutleere Seele, die Lethe durch Höhlen voll Kummertrug.
Die Tauben II
Doch nachts im Schatten ihrer hohen Träume Wie unter großer Eichen kühlem Dach Klingt um sie laut das Dunkel hundertfach Und Sterne fahren singend durch die Räume
Vom Hauche Gottes durch das All getrieben Mit goldnen Federn in die Nacht gespreizt, Kometen, die mit trübem Schrei zerstieben, Der traurig ihre schlaffen Ohren beizt.
Sie horchen auf des Waldes Ruhe unten Wie in den Wurzeln blau der Schlummer schwillt Und auf der Erde schweres Atmen drunten, Das langsam ihre großen Höhlen füllt.
Und wieder klingt's in ihren Frieden leise, Wenn das verborgne Silber wachsend schwärt, Und das Geräusch der Sonne auf der Reise, Die unten über weite Meere fährt.
Auf einmal hören sie die Stürme wehen Und laute Glocke läuten durch die Nacht. Sie möchten gern dem Schall entgegengehen, Erhört, entfesselt, in das Licht gebracht.
Doch plötzlich bricht es ab. Und nur ein Zittern Ist rund im Raum, das sie im Ohre nagt, Wie tief in seinem Sarge im Verwittern Ein Toter weint und seine Trauer klagt.
Ein Lächeln kraut sie dann, daß sie noch leben, Des Schlummers Sabber hängt sich an ihr Kinn Und jemand kommt mit Fingern leicht, die schweben Auf ihrem Rettichkopf wie Fliegen hin.
Die Nacht
Alle Flammen starben in Nacht auf den Stufen. Alle Kränze verwehten. Und unten im Blute verloren Seufzte das Grauen. Wie hinter Gestorbener Toren Manchmal es fern noch hallt von dunkelen Rufen.
Eine Fackel noch oben bog aus den Gängen, Lief im Chor. Und versank wie das Haar der Dämonen Rot und rauchend. Doch draußen der Waldung Kronen Wuchsen im Sturm und zerrten sich in die Länge.
Und in Wolken hoch kamen mit wilden Gesängen Weiß die Greise der Stürme, und riesige Vögel scheuchten Über den Himmel hinab, wie Schiffe mit feuchten Segeln, die schwer auf den Wogen hängen.
Aber die Blitze zerrissen mit wilden und roten Augen die Nacht, die Öde der Säle zu hellen, Und in den Spiegeln standen mit Köpfen, den grellen, Drohend herauf mit schwarzen Händen die Toten.
Bleibe bei mir. Daß unsere Herzen nicht stocken Wenn die Türen sich auftun ins Finstere leise Und in der Stille es steht. - Und sein Atem von Eise Unsere Adern verdorrt und die Seelen macht trocken
Daß sie dünn wie ein Hauch aus der Tiefe sich lösen, Flattern hinaus in die Nacht und sinken und fallen Dürr wie die Blätter, die traurig am Boden wallen Schlürfend ins Leere dahin, im Winde dem bösen.
Wenn der Donner Gelächter im Dunkel verhallen.
Träumerei in Hellblau
Alle [Landschaften] haben Sich mit Blau gefüllt. Alle Büsche und Bäume des Stromes, Der weit in den Norden schwillt.
Blaue Länder der Wolken, Weiße Segel dicht, Die Gestade des Himmels in Fernen Zergehen in Wind und Licht.
Wenn die Abende sinken Und wir schlafen ein, Gehen die Träume, die schönen, Mit leichten Füßen herein.
Zymbeln lassen sie klingen In den Händen licht. Manche flüstern, und halten Kerzen vor ihr Gesicht.
Die Seefahrer
Die Stirnen der Länder, rot und edel wie Kronen Sahen wir schwinden dahin im versinkenden Tag Und die rauschenden Kränze der Wälder thronen Unter des Feuers dröhnendem Flügelschlag.
Die zerflackenden Bäume mit Trauer zu schwärzen, Brauste ein Sturm. Sie verbrannten, wie Blut, Untergehend, schon fern. Wie über sterbenden Herzen Einmal noch hebt sich der Liebe verlodernde Glut.
Aber wir trieben dahin, hinaus in den Abend der Meere, Unsere Hände brannten wie Kerzen an. Und wir sahen die Adern darin, und das schwere Blut vor der Sonne, das dumpf in den Fingern zerrann.
Nacht begann. Einer weinte im Dunkel. Wir schwammen Trostlos mit schrägem Segel ins Weite hinaus. Aber wir standen am Borde im Schweigen beisammen In das Finstre zu starren. Und das Licht ging uns aus.
Eine Wolke nur stand in den Weiten noch lange, Ehe die Nacht begann, in dem ewigen Raum Purpurn schwebend im All, wie mit schönem Gesange Über den klingenden Gründen der Seele ein Traum.
Der Krieg I
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief, Aufgestanden unten aus Gewölben tief. In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt, Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
In den Abendlärm der Städte fällt es weit, Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit, Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis. Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.
In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht. Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht. In der Ferne wimmert ein Geläute dünn Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.
Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an Und er schreit: Ihr Krieger alle, auf und an. Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt, Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.
Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut, Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut. Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt, Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.
Über runder Mauern blauem Flammenschwall Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall. ›Über Toren, wo die Wächter liegen quer, Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.‹
In die Nacht erjagt das Feuer querfeldein Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein. Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt, Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.
Und mit tausend roten Zipfelmützen weit Sind die finstren Ebnen flackend überstreut, Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her, ›Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.‹
Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald, Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt. Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht In die Bäume, daß das Feuer brause recht.
Eine große Stadt versank in gelbem Rauch, Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch. Aber riesig über glühnden Trümmern steht Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,
Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein, In des toten Dunkels kalte Wüstenein, Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr, Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.
Die Stadt der Qual
Epôs hos en ktêmasin pipteis.
Ich bin in Wüsten eine große Stadt Hinter der Nacht und toten Meeren weit. In meinen Gassen herrscht stets wilder Zank Geraufter Bärte. Ewig Dunkelheit
Hängt über mir wie eines Tieres Haut. Ein roter Turm nur flackert in den Raum. Ein Feuer braust und wirft den Schein von Blut Wie einen Keil auf schwarzer Köpfe Schaum.
Der Geißeln Hyder bäumt in hoher Faust. In jedem Dunkel werden Schwerter bloß. Und auf den Toten finstrer Winkel hockt Ein Volk von bleichen Narren, kettenlos.
Der Hunger warf Gerippe auf mich hin. Der Brunnen Röhren waren alle leer; Mit langen Zungen hingen sie darin, Blutig und rauh. Doch kam kein Tropfen mehr.
Und gelbe Seuchen blies ich über mich. Die Leichenzüge gingen auf mir her, Ameisen gleich mit einem kleinen Sarg, Und winzige Pfeiferleute bliesen quer.
Altäre wurden prächtig mir gebaut Und sanken nachts in wildem Loderschein. Im Dunkel war der Mord. Und lag das Blut Rostfarbner Mantel auf der Treppen Stein.
Asche war auf der Völker Haupt gestreut, Zerfetzt verflog ihr hären Kleid wie Rauch. So saßen sie wie kleine Kinder nachts In tauber Angst auf meinem großen Bauch.
Ich bin der Leib voll ausgehöhlter Qual. In meinen Achseln rotes Feuer hängt. Ich bäume mich, und schreie manchmal laut, In schwarzer Himmel Grabe ausgerenkt.
Fröhlichkeit
Es rauscht und saust von großen Karussellen Wie Sonnen flammend in den Nachmittagen. Und tausend Leute sehen mit Behagen, Wie sich Kamele drehn und Rosse schnelle,
Die weißen Schwäne und die Elefanzen, Und einer hebt vor Freude schon das Bein Und grunzt im schwarzen Bauche wie ein Schwein, Und alle Tiere fangen an zu tanzen.
Doch nebenan, im Himmelslicht, dem hellen, Gehen die Maurer rund, wie Läuse klein, Hoch ums Gerüst, ein feuriger Verein, Und schlagen Takt mit ihren Mauerkellen.
Die neuen Häuser
Im grünen Himmel, der manchmal knallt Vor Frost im rostigen Westen, Wo noch ein Baum mit den Ästen Schreit in den Abend, stehen sie plötzlich, frierend und kalt, Wie Pilze gewachsen, und strecken in ihren Gebresten Ihre schwarzen und dünnen Dachsparren himmelan, Klappernd in ihrer Mauern schäbigem Kleid Wie ein armes Volk, das vor Kälte schreit. Und die Diebe schleichen über die Treppen hinan, Springen oben über die Böden mit schlenkern dem Bein, Und manchmal flackert heraus ihr Laternenschein.
Der Winter
Der Sturm heult immer laut in den Kaminen Und jede Nacht ist blutig-rot und dunkel. Die Häuser recken sich mit leeren Mienen.
Nun wohnen wir in rings umbauter Enge, Im kargen Licht und Dunkel unserer Gruben, Wie Seiler zerrend grauer Stunden Länge.
Die Tage zwängen sich in niedre Stuben, Wo heisres Feuer krächzt in großen Öfen. Wir stehen an den ausgefrornen Scheiben Und starren schräge nach den leeren Höfen.
Halber Schlaf
Die Finsternis raschelt wie ein Gewand, Die Bäume torkeln am Himmelsrand.
Rette dich in das Herz der Nacht, Grabe dich schnell in das Dunkele ein, Wie in Waben. Mache dich klein, Steige aus deinem Bette.
Etwas will über die Brücken, Es scharret mit Hufen krumm, Die Sterne erschraken so weiß.
Und der Mond wie ein Greis Watschelt oben herum Mit dem höckrigen Rücken.
Simson
In leeren Sälen, die so weit Wie leerer Atem, im Abende tot Stehet er breit mit dem Feierkleid Und der türmenden Mütze rot.
Die Mauern flohen von ihm hinweg, Die krummen Säulen irrten in Nacht hinaus. Er ist allein in dem riesigen Haus. Und niemand ist da, der ihn hält.
Alle sind fort. Und ein Mäusegeschrei Ist oben rund in der Luft. Und über die Stiege herum seht es wie Hunde vorbei.
Die Nacht III
Jetzt schlafen viele, wie in weißen Särgen, Und in den Wänden sieht man Betten stehen, Darin sich schaukelnd große Köpfe drehen.
Doch manche müssen einsam weit noch gehen Um sich in dunkle Nächte zu verbergen Wo schwer im Himmel sich die Wolken winden.
Sie hören oft ein großes Wagenrollen Und schattenhafte Pferde schnell verschwinden In Straßen fort und Mauern dunkelvollen.
Und manchmal sehen sie in hohen Stürmen Den grauen Mond in Falten und verquollen Und Nachtgevögel [singet in den Türmen.]
Im Irrsal suchen sie den Weg in Fernen Und tasten mit den Händen rund, den blinden, Und hinter ihnen kichern die Laternen, Die schnell in trübe Nacht hinab entschwinden.
Doch in der Dächer Sturz und Häuser Engen, In leerer Giebel ausgebrannten Sparren, Sind viele Tote, die im Kühlen hängen Und mit dem Fuß das Morgengrauen scharren.
Der Garten der Irren
Am roten Teiche stehen viele Schatten Bei dünner Bäume schwächlichem Gesichte, In Stille fort. Nur selten daß sich einer Herunter zu dem trüben Wasser bücket.
Und manche gehn in den entleerten Hecken In kühlen Gängen, die schon voller Lichte, Und schleifen mit den Füßen in dem Laube, Und sitzen wieder sanft in den Verstecken.
Der Strom ist weit hinab im blanken Scheine Bei Erlen und den krumm gebornen Weiden Und wer mit leichtem Kahn ihn überbrücket, Er wird im Licht die gelben Blumen pflücken.
Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen ...
Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen.
Und alle Dächer sind voll Sternedeuter, Die in den Himmel stecken große Röhren. Und Zaubrer, wachsend aus den Bodenlöchern, In Dunkel schräg, die einen Stern beschwören.
Krankheit und Mißwachs durch die Tore kriechen In schwarzen Tüchern. Und die Betten tragen Das Wälzen und das Jammern vieler Siechen, Und welche rennen mit den Totenschragen.
Selbstmörder gehen nachts in großen Horden, Die suchen vor sich ihr verlornes Wesen, Gebückt in Süd und West, und Ost und Norden, Den Staub zerfegend mit den Armen-Besen.
Sie sind wie Staub, der hält noch eine Weile, Die Haare fallen schon auf ihren Wegen, Sie springen, daß sie sterben, ›nun‹ in Eile, Und sind mit totem Haupt im Feld gelegen.
Noch manchmal zappelnd. Und der Felder Tiere Stehn um sie blind, und stoßen mit dem Horne In ihren Bauch. Sie strecken alle viere Begraben unter Salbei und dem Dorne.
[Das Jahr ist tot und leer von seinen Winden, Das wie ein Mantel hängt voll Wassertriefen, Und ewig Wetter, die sich klagend winde Aus Tiefen wolkig wieder zu den Tiefen.]
Die Meere aber stocken. In den Wogen Die Schiffe hängen modernd und verdrossen, Zerstreut, und keine Strömung wird gezogen Und aller Himmel Höfe sind verschlossen.
Die Bäume wechseln nicht die Zeiten Und bleiben ewig tot in ihrem Ende Und über die verfallnen Wege spreiten Sie hölzern ihre langen Finger-Hände.
Wer stirbt, der setzt sich auf, sich zu erheben, Und eben hat er noch ein Wort gesprochen. Auf einmal ist er fort. Wo ist sein Leben? Und seine Augen sind wie Glas zerbrochen.
Schatten sind viele. Trübe und verborgen. Und Träume, die an stummen Türen schleifen, Und der erwacht, bedrückt von andern Morgen, Muß schweren Schlaf von grauen Lidern streifen.
Allerseelen
Geht ein Tag ferne aus, kommt ein Abend. Brennt ein Stern in der Höhe zur Nacht. Wehet das Gras. Und die Wege alle Werden in Dämmrung zusammengebracht.
Viele sind über die Steige gegangen. Ihre Schatten sind ferne zu sehn, Und sie tragen an schwankenden Stangen Ihre Fackeln, die wandern und wehn.
Mauern sind viele, und Gräber, und wenige Bäume. Manche Tore darin, wo der Lorbeer trauert. Viele sitzen in Haufen über den Kreuzen, Ihre Lichter behütend, wenn der Regen schauert.
Und ein Rot steckt im Walde, dürr wie ein Finger, Wo der Abend hänget in wolkiger Zeit Mit dem wenigen Licht. Und geringer Rings ist das Nahe, und die Weite so weit.
Doch ewig ist der Wind, der nimmer schweiget In dunklem Lande, herbstlich schon erbraunet, Der dunkle Bilder viel vorüber zeiget Und dunkle Worte flüchtig trübe raunet.
Die Stadt
Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein Zerreißet vor des Mondes Untergang. Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.
Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein Eintönig kommt heraus in Stille matt.
Gebären, Tod, gewirktes Einerlei, Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei, Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.
Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand, Die drohn im Weiten mit gezückter Hand Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.
Mit den fahrenden Schiffen ...
Mit den fahrenden Schiffen Sind wir vorübergeschweift, Die wir ewig herunter Durch glänzende Winter gestreift. Ferner kamen wir immer Und tanzten im insligen Meer, Weit ging die Flut uns vorbei, Und Himmel war schallend und leer.
Sage die Stadt, Wo ich nicht saß im Tor, Ging dein Fuß da hindurch, Der die Locke ich schor? Unter dem sterbenden Abend Das suchende Licht Hielt ich, wer kam da hinab, Ach, ewig in fremdes Gesicht.
Bei den Toten ich rief, Im abgeschiedenen Ort, Wo die Begrabenen wohnen; Du, ach, warest nicht dort. Und ich ging über Feld, Und die wehenden Bäume zu Haupt Standen im frierenden Himmel Und waren im Winter entlaubt.
Raben und Krähen Habe ich ausgesandt, Und sie stoben im Grauen Über das ziehende Land. Aber sie fielen wie Steine Zur Nacht mit traurigem Laut Und hielten im eisernen Schnabel Die Kränze von Stroh und Kraut.
Manchmal ist deine Stimme, Die im Winde verstreicht, Deine Hand, die im Traume Rühret die Schläfe mir leicht; Alles war schon vorzeiten. Und kehret wieder sich um. Gehet in Trauer gehüllet, Streuet Asche herum.
Die Nacht
Auf Schlangenhälsen die feurigen Sterne Hängen herunter auf schwankende Türme, Die Dächer gegeißelt. Und Feuer springet, Wie ein Gespenst durch die Gasse der Stürme.
Fenster schlagen mit Macht. Und Mauern, die alten, Reißen die Tore auf in zahnlosem Munde. Aber die Brücken fallen über dem Schlunde Und der Tod stehet draußen, der Alte.
Aber die Menschen rennen, ohne zu wissen Blind und schreiend, mit Schwertern und Lanzen. Unten hallet es dumpf, und die Glocken tanzen, Schlagend laut auf, von den Winden gerissen.
Die Plätze sind rot und tot. Und riesige Monde Steigen über die Dächer mit steifen Beinen Den fiebernden Schläfern tief in die Kammer zu scheinen, Und die Stirne wird fahl wie frierendes Leinen.
Die Morgue
Die Wärter schleichen auf den Sohlen leise, Wo durch das Tuch es weiß von Schädeln blinkt. Wir, Tote, sammeln uns zur letzten Reise Durch Wüsten weit und Meer und Winterwind.
Wir thronen hoch auf kahlen Katafalken, Mit schwarzen Lappen garstig überdeckt. Der Mörtel fällt. Und aus der Decke Balken Auf uns ein Christus große Hände streckt.
Vorbei ist unsre Zeit. Es ist vollbracht. Wir sind herunter. Seht, wir sind nun tot. In weißen Augen wohnt uns schon die Nacht, Wir schauen nimmermehr ein Morgenrot.
Tretet zurück von unserer Majestät. Befaßt uns nicht, die schon das Land erschaun Im Winter weit, davor ein Schatten steht, Des schwarze Schulter ragt im Abendgraun.
Ihr, die ihr eingeschrumpft wie Zwerge seid, Ihr, die ihr runzelig liegt auf unserm Schoß, Wir wuchsen über euch wie Berge weit In ewige Todes-Nacht, wie Götter groß.
Mit Kerzen sind wir lächerlich umsteckt, Wir, die man früh aus dumpfen Winkeln zog Noch grunzend, unsre Brust schon blau gefleckt, Die nachts der Totenvogel überflog.
Wir Könige, die man aus Bäumen schnitt, Aus wirrer Luft im Vogel-Königreich, Und mancher, der schon tief durch Röhricht glitt, Ein weißes Tier, mit Augen rund und weich.
Vom Herbst verworfen. Faule Frucht der Jahre, Zerronnen sommers in der Gossen Loch, Wir, denen langsam auf dem kahlen Haare Der Julihitze weiße Spinne kroch.
Wir, Namenlose, arme Unbekannte, In leeren Kellern starben wir allein. Was ruft ihr uns, da unser Licht verbrannte, Was stört ihr unser frohes Stell-Dich-Ein?
Seht den dort, der ein graues Lachen stimmt Auf dem zerfallnen Munde fröhlich an, Der auf die Brust die lange Zunge krümmt, Er lacht euch aus, der große Pelikan.
Er wird euch beißen. Viele Wochen war Er Gast bei Fischen. Riecht doch wie er stinkt. Seht, eine Schnecke wohnt ihm noch im Haar, Die spöttisch euch mit kleinem Fühler winkt.
- Ein kleines Glöckchen -. Und sie ziehen aus. Das Dunkel kriecht herein auf schwarzer Hand. Wir ruhen einsam nun im weiten Haus, Unzählige Särge tief an hoher Wand.
Ewige Stille. Und des Lebens Rest Zerwittert und zerfällt in schwarzer Luft. Des Todes Wind, der unsre Tür verläßt, Die dunkle Lunge voll vom Staub der Gruft,
Er atmet schwer hinaus, wo Regen rauscht, Eintönig, fern, Musik in unserm Ohr, Das dunkel in die Nacht dem Sturme lauscht:, Der ruft im Hause traurig und sonor.
Und der Verwesung blauer Glorienschein Entzündet sich auf unserm Angesicht. Ein Ratte hopst auf nacktem Zehenbein, Komm nur, wir stören deinen Hunger nicht.
Wir zogen aus, gegürtet wie Giganten, Ein jeder klirrte wie ein Goliath. Nun haben wir die Mäuse zu Trabanten, Und unser Fleisch ward dürrer Maden Pfad.
Wir, Ikariden, die mit weißer Schwinge Im blauen Sturm des Lichtes einst gebraust, Wir hörten noch der großen Türme Singen, Da rücklings wir in schwarzen Tod gesaust.
Im fernen Plan verlorner Himmelslande, Im Meere weit, wo fern die Woge flog, Wir flogen stolz in Abendrotes Brande Mit Segeln groß, die Sturm und Wetter bog.
Was fanden wir im Glanz der Himmelsenden? Ein leeres Nichts. Nun schlappt uns das Gebein, Wie einen Pfennig in den leeren Händen Ein Bettler klappern läßt am Straßenrain.
Was wartet noch der Herr? Das Haus ist voll, Die Kammern rings der Karawanserei, Der Markt der Toten, der von Knochen scholl, Wie Zinken laut hinaus zur Wüstenei.
Was kommt er nicht? Wir haben Tücher an Und Totenschuhe. Und wir sind gespeist. Wo ist der Fürst, der wandert uns voran, Des große Fahne vor dem Zuge reist?
Wo wird uns seine laute Stimme wehen? In welche Dämmerung geht unser Flug? Verlassen in der Einsamkeit zu stehen Vor welcher leeren Himmel Hohn und Trug?
Ruhen wir uns aus im stummen Turm, vergessen? Werden wir Welle einer Lethe sein? Oder, daß Sturm uns treibt um Winteressen, Wie Dohlen reitend auf dem Feuerschein?
Werden wir Blumen sein? Werden wir Vögel werden, Im Stolze des Blauen, im Zorne der Meere weit? Werden wir wandern in den tiefen Erden, Maulwürfe stumm in toter Einsamkeit?
Werden wir in den Locken der Frühe wohnen, Werden wir blühen im Baum, und schlummern in Frucht, Oder Libellen blau auf den See-Anemonen Zittern am Mittag in schweigender Wasser Bucht;
Werden wir sein, wie ein Wort von niemand gehöret? Oder ein Rauch, der flattert im Abendraum? Oder ein Weinen, das plötzlich Freudige störet? Oder ein Leuchter zur Nacht? Oder ein Traum?
Oder - wird niemand kommen? Und werden wir langsam zerfallen, In dem Gelächter des Monds, Der hoch über Wolken saust, Zerbröckeln in Nichts, - Daß ein Kind kann zerballen Unsere Größe dereinst In der dürftigen Faust.
Die Tänzerin in der Gemme
Lange verschlossen, tief im runden Steine Mit einem Trauerbaum und wenig Zweigen, Noch dreht sie um den Hals den sanften Schleier Und geht in leisem Tanz in stiller Feier.
Immer noch fort, wo schon die Götter starben Über den Inseln, und draußen gezogen Ist das Meer unter schläfrigen Wolken, Unter den Ufern murrte die Woge.
Orpheus ging einst. Und sie sann seiner Schritte Durch die Schluchten herunter zur stillen Ebene Da sie lag im Schilf mit den wolligen Herden. Aber ferne ging die Flöte des Gottes
Über der grünen Ruhe der toten Fluren, Die so einsam sang ihre Traurigkeit, Grauen Gewölben, über den Weiden weit, Wo die Tiere lagen mit tiefem Horne.
Spitzköpfig kommt er über die Dächer hoch ...
Spitzköpfig kommt er über die Dächer hoch Und schleppt seine gelben Haare nach, Der Zauberer, der still in die Himmelszimmer steigt In vieler Gestirne gewundenem Blumenpfad.
Alle Tiere unten im Wald und Gestrüpp Liegen mit Häuptern sauber gekämmt, Singend den Mond-Choral. Aber die Kinder Knien in den Bettchen in weißem Hemd.
Meiner Seele unendliche See Ebbet langsam in sanfter Flut. Ganz grün bin ich innen. Ich schwinde hinaus Wie ein gläserner Luftballon.
Pilatus
Ein Lächeln schiefen Grames, das verschwindet Hinein in seiner Stirne weißes Tor. Er sitzt auf seinem Stuhl. Seine Hände erhoben Brechen den Stab und fallen von oben.
Aber wie eine Blume voll grüner Helle Leuchtet im Dunkel der Höfe der König der Juden. Und die Stirn, die sie schattig mit Dornen beluden, Brennt wie ein Stein in fahler Grelle.
Und der Gott steigt hinauf, von den Schultern gehoben Riesiger Engel, er singet, ein Schwan, Leicht und klein fährt er auf in der strahlenden Bahn Und der Vater, im Glanze, wartet sein droben.
Aber der Richter am blauen Gebirge Hänget im riesigen Mantel wie faltige Frucht. Wild kommt der Abend über die hallenden Öden. Schweigsame Wasser fallen in grüner Schlucht.
Judas
Die Locke der Qual springt über der Stirne Drin wispern Winde, und viele Stimmen Die wie Wasser vorüberschwimmen.
Doch er rennet bei Ihm gleich einem Hunde Und er picket die Worte hervor in dem Kote. Und er wieget sie schwer. Sie werden tote.
Ach, der Herr ging über die Felder weiß Sanft hinab am schwebenden Abendtag Und die Ähren sangen zum Preis, Seine Füße waren wie Fliegen klein, In goldener Himmel gelbem Schein.
Der Garten
Der Mund ist feucht. Und wie bei Fischen breit Und leuchtet rot in dem toten Garten. Sein Fuß ist glatt und über den Wegen breit. Winde gehen hervor aus dem faltigen Kleid.
Er umarmet den Gott, der dünn wie aus Silber Unter ihm knickt. Und im Rücken die Finger Legt er ihm schwarz wie haarige Krallen. Quere Feuer, die aus den Augen fallen.
Schatten gehen und Lichter, manchmal ein Mond. Ein Gesause der Blätter. Aus warmer Nacht Trübes Tropfen. Und unten rufen die Hörner Wandelnder Wächter über der gelben Stadt.
Der Baum
Sonne hat ihm gesotten, Wind hat ihn dürr gemacht, Kein Baum wollte ihn haben, Überall fiel er ab.
Nur eine Eberesche Mit roten Beeren bespickt Wie mit feurigen Zungen, Hat ihm Obdach gegeben.
Und da hing er mit Schweben, Seine Füße lagen im Gras. Die Abendsonne fuhr blutig Durch die Rippen ihm naß,
Schlug die Ölwälder alle Über der Landschaft herauf, Gott in dem weißen Kleide Tat in den Wolken sich auf.
In den blumigen Gründen Ringelte Schlangengezücht, In den silbernen Hälsen Zwitscherte dünnes Gerücht.
Und sie zitterten alle Über dem Blätterreich, Hörend die Hände des Vaters Im hellen Geäder leicht.
Hymne
Unendliche Wasser rollen über die Berge, Unendliche Meere kränzen die währende Erde, Unendliche Nächte kommen wie dunkele Heere Mit Stürmen herauf, die oberen Wolken zu stören.
Unendliche Orgeln brausen in tausend Röhren, Alle Engel schreien in ihren Pfeifen, Über die Türme hinaus, die gewaltig schweifen In ewiger Räume verblauende Leere.
Aber die Herzen, im unteren Leben verzehret, Bei dem schmetternden Schallen verzweifelter Flöten Hoben wie Schatten sich auf im tödlichen Sehnen, Jenseit lieblicher Abendröten.
Die Städte
Der dunkelnden Städte holprige Straßen Im Abend geduckt, eine Hundeschar Im Hohlen bellend. Und über den Brücken Wurden wir große Wagen gewahr,
Zitterten Stimmen, vorübergewehte. Und runde Augen sahen uns traurig an Und große Gesichter, darüber das späte Gelächter von hämischen Stirnen rann.
Zwei kamen vorbei in gelben Mänteln, Unsre Köpfe trugen sie vor sich fort Mit Blute besät, und die tiefen Backen Darüber ein letztes Rot noch verdorrt.
Wir flohen vor Angst. Doch ein Fluß weißer Wellen Der uns mit bleckenden Zähnen gewehrt. Und hinter uns feurige Abendsonne Tote Straßen jagte mit grausamem Schwert.
Der Nebelstädte ...
Der Nebelstädte Winzige Wintersonne Leuchtet mir mitten ins gläserne Herz. Das ist voll vertrockneter Blumen Gleich einem gestorbenen Garten.
[Alles, was ehe war, Ist hinter den Mauern des Schlafes Schon zur Ruhe gebracht. Viele Winde der sausenden Straßen Haben inzwischen auf frierenden Köpfen Ein Wind-Spiel gemacht.]
Wohl war in Dämmerung noch Blutiger Wolken Kampf Und der sterbenden Städte Schultern zuckten im Krampf. Wir aber gingen von dannen ‹Zerrissen uns mit einem Mal,› Dumpf scholl ein Zungen-Gestreite In Finsternis - Unrat - siebenfarbiger Qual.
Doch niemand rühret das starre Gestern noch mit der Hand Da der rostige Mond Kollerte unter den [Rand] Zu wolkiger Wolken Geknarre.
Die Vögel
Wie trübe Morgen langsamer Tage Über den Seen und Sümpfen voll Klage Über dem schillernden Schilf ruht die Nacht Regen [beginnt]. In den Bäumen erwacht
Ein Geschrei. Und huschen die Hunde Rund um die Mauern mit heiserem Munde. Aber die Türme steigen von Bergen, bleichen, Hockend stumm um die verschrumpften Teiche.
Eine Fackel brennt auf Und die Vögel der Öden Hoch herauf zu Himmels-Böden Schwer flattern von den kahlen Horsten Riesiger Bäume mit großen Schwingen zerborsten,
Langsam mit ihren gewaltigen Händen Fassend die Nacht an den dunkelnden Enden Drohend wie Schatten und böse Gedanken, Die in brechenden Wolken schwanken.
Plötzlich stürmet vorbei an dem Mond ein Geschwirre. Und er schreit wie ein Kind vor der Federn Geklirre. Schlagend den Flügel, nisten sie über ihm, Und krähen ein Lied aus den Schnäbeln so grün.
Meine Seele
Golo Gangi gewidmet
Meine Seele ist eine Schlange, Die ist schon lange tot, Nur manchmal in Herbstesmorgen, Entblättertem Abendrot Wachse ich steil aus dem Fenster, Wo fallende Sterne sind, Über den Blumen und Kressen Meine Stirne spiegelt Im stöhnenden Nächte-Wind.
Die Meerstädte
Mit den segelnden Schiffen fuhren wir quer herein In die Städte voll Nacht und frierender Häfen Schein. Tausend Treppen leere hingen zum Meere breit, Dunkel die Schiffer schwangen den Feuerscheit.
[Die Gärten der Meere mit silbernen Straßen gefüllt Dehnten sich [??] unter der Sterne Bild Und die riesigen Fische gingen im goldenen Kleid Mit blitzenden Speeren über die Wasser weit. ]
Glocken nicht brummten. Und Bettler nicht saßen am Pfad. Rief kein Horn, und niemand den Weg uns vertrat. Und die Städte alle waren wie Wände bloß. Sterne nur gingen über den Zinnen sehr groß.
Seebäume saßen geborsten im Mauergestrüpp. Salzig, und weite [Türme] vor unserem Fuß. Brücken zerbrochen standen wie Knochengerüpp, Ferne Feuer warfen sich über den Fluß.
Die Höfe luden uns ein, mit den Armen schmächtig ...
Die Höfe luden uns ein, mit den Armen schmächtig, Faßten unserer Seelchen zipfeliges Kleid. Und wir entglitten durch Tore nächtig In toter Gärten verwunschene Zeit.
Von Regenrohren fiel Wasser bleiern, Ewig, Wolken flogen so trübe. Und über der Starre der frostigen Weiher Rosen hingen in Dürre vom Triebe.
Und wir gingen auf herbstlichen Pfaden, geringern, Gläserne Kugeln zerrissen unser Gesicht, Jemand hielt sie uns vor auf den spitzigen Fingern. Unsere Qualen machten uns Feuer-licht.
Und wir schwanden so schwach in die gläsernen Räume. Riefen voll Wehmut, da dünne das Glas zerbrach. Wir sitzen nun ewig, in weißlichen Wolken, zu träumen ›Spärlichem‹ Fluge der Falter im Abend›rot‹ nach.
Die Schlösser
Alt von Blute, und manches im toten Munde Kauen sie Dunkel - Wo große Schwerter geblitzt. Trübe Gelage zur Nacht in der Könige Runde - Draußen die Sonne die späten Pfeile noch spritzt.
Wir auch gingen herum. Und kamen durch Stiegen und Gänge. Mancher Vorhang tat sich auf und fiel zu. Viele Schatten auf bleichen Dielen in Länge Kamen um unseren Fuß wie Hunde in Ruh.
Über den Höfen, den dunklen voll ›Trauer‹, begannen Windfahnen oben das knarrende Abendlied. Und hoch in dem Licht der Götter große Gespanne Schnelle rollten dahin in den festlichen Süd.
Die Messe
Bei dreier Kerzen mildem Lichte Die Leiche schläft. Und hohe Mönche gehen Um sie herum, und legen ihre Finger Manchmal über ihr Angesicht.
Froh sind die Toten, die zur Ruhe kehren Und strecken ihre weißen Hände aus, Den Engeln zu, die groß und schattig gehen Mit Flügelschlagen durch das hohe Haus.
Nur manchmal schallt ein Weinen durch die Wände, Ein tiefes Schluchzen wälzt sich in der Lust. Man kreuzet ihre hageren Finger-Hände Zum Frieden sanft auf die verhaarte Brust.
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