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Entschuldigung
Kam einst ein englischer Kapitan Zu Stambul in dem Hafen an, Der wollte nach der langen Fahrt Sich gütlich tun nach seiner Art, Und in Stambuls krummen Gassen Vor den Leuten sich sehen lassen. Hatte auch weit und breit gehört, Wie die Türken so schöne Pferd, Reiche Geschirr und Sättel haben; Wollte auch wie ein Türke traben, Und bestellt auf abends um vier Ein recht feurig arabisch Tier. Ziehet sich an im höchsten Staat, Rotem Rock, mit Gold auf der Naht, Schwärzt den Bart um Wange und Maul Und steigt Punkt vier Uhr auf den Gaul. Drauf, als er reitet durch das Tor, Kam es den Türken komisch vor, Hatten noch keinen Reiter gesehn Wie den englischen Kapitän; Die Knie hatt er hinaufgezogen, Und seinen Rücken krumm gebogen, Die Brust mit den Tressen eingedrückt, Auch den Kopf tief herabgebückt, Saß zu Pferd wie ein armer Schneider. Doch der Schiffskapitän ritt weiter, Glaubte getrost die Türken lachen Aus lauter Bewundrung in ihrer Sprachen. So ritt er bis zum großen Platz, Da macht der Araber einen Satz Und steigt; der englische Kapitän Ergreift des Arabers lange Mähn, Gibt ihm verzweiflungsvoll die Sporen, Und schreit ihm auf englisch in die Ohren; Das Roß den Reiter nicht verstand, Setzt wieder und wirft ihn in den Sand. Die Türken den Rotrock sehr beklagen, Haben ihn auch zu Schiff getragen, Und seinem Dragoman, einem Scioten, Haben sie hoch und streng verboten, Er dürf's nimmer wieder leiden, Daß der Herr den Araber tät reiten. Als sie verlassen den Kapitan, Befiehlt er gleich dem Dragoman, Ihm auf englisch auszudeuten, Was er gehört von diesen Leuten. Der Grieche spricht: »Es ist nichts weiter, Sie glauben Ihr seid ein schlechter Reiter, Wollen Ihr sollt in Stambuls Gassen Nimmer zu Pferd Euch sehen lassen.« Des hat sich der Kapitän gegrämt Und vor den Türken sehr geschämt. Spricht zum Dragoman: »Geh hinein Und sage den Türken, es kommt vom Wein. Der Herr ist sonst ein guter Reiter, Aber heut an der Tafel, leider, Hat er sich ziemlich im Sekt betrunken, Da ist er im Rausche vom Pferd gesunken.« Der Grieche ging zum Hafentor Und trug den Türken die Sache vor. Doch diese hören ihn schaudernd an: »Wir glaubten Gutes vom roten Mann, Und dachten er sitze schlecht zu Pferd, Weil's ihn sein Vater nicht besser gelehrt; Aber wie! vom Weine betrunken, Ist er im Rausche vom Pferd gesunken! Pfui dem Giaur und seinem Glas, Allah tue ihm dies und das!« Da sprach ein alter Muselmann: »Glaubt's nicht Leute, höret mich an, Nicht weil der Frank zu viel getrunken, Ist er schmählich vom Roß gesunken. Hab gleich gedacht es wird so gehn, Als ich ihn habe reiten sehn, Die Knie hoch hinaufgezogen, Den Rücken krumm und schief gebogen, Die Brust mit Tressen eingedrückt, Kopf und Nacken niedergebückt. Denk ich, wenn sein Rößlein scheut, Ihn sein Reiten gewiß gereut. Aber nein, ich will euch sagen, Warum er wollte den Wein verklagen, Und stellt sich lieber als Säufer gar Denn als ein schlechter Reiter dar. Das macht des Menschen Eitelkeit, Die ihn zu Trug und Lug verleit'. Will mancher lieber ein Laster haben, Hätt er nur andere glänzende Gaben; Und mancher lieber eine Sünd gesteht, Eh er eine Lächerlichkeit verrät; Ein dritter will gar zur Hölle fahren, Um sich ein falsch Erröten zu sparen. So auch der fränkische Kapitan, Schämt sich und lügt uns lieber an, Will lieber Säufer sich lassen schelten, Als für einen schlechten Reiter gelten.«
Feuerreuterlied 1824
Wer seines Leibes Alter zählet Nach Nächten, die er froh durchwacht, Wer, ob ihm auch der Kreuzer fehlet, Sich um die Pfennig' lustig macht, Der findet in uns seine Leute, Der sei uns brüderlich gegrüßt, Weil ihn, wie uns, der Gott der Freude In seine sanften Arme schließt. Chor: So haben immer wir gedacht, So haben's immer wir gemacht; Drum auf! empor! das Glas empor! Und stoßt mit an, ihr Feuerbrüder! Denn Liebe, Frohsinn, Wein und Lieder Umschlingen unsern Feuer-Chor. Wenn von dem Tanze sanft gewieget, Von Flötentönen süßberauscht, Fein Liebchen sich im Arme schmieget Und Blick um Liebesblick sich tauscht, Da haben wir im Flug genossen Und schnell den Augenblick erhascht, Und Herz an Herzen fest geschlossen Der Lippen Liebesgruß genascht. Chor: So haben immer wir etc. etc. Den Wein kannst du mit Gold bezahlen, Doch ist sein Feuer bald verraucht, Wenn nicht der Gott in seine Strahlen, In seine Geisterglut dich taucht; Uns, die wir seine Hymnen singen, Uns leuchtet seine Flamme vor, Und auf der Töne freien Schwingen Steigt unser Geist zum Geist empor. Chor: So haben immer wir etc. etc. Drum, die ihr frohe Freundesworte Zum würdigen Gesang erhebt, Euch grüß ich, wogende Akkorde, Daß ihr zu uns herniederschwebt! Sie tauchen auf – sie schweben nieder, Im Vollton rauschet der Gesang, Wie lieblich hallt in unsre Lieder Der vollen Gläser Feierklang. Chor: So haben immer wir etc. etc. So haben's immer wir gehalten, Wir tapfre Feuerreuterei, Und mag die Welt um uns veralten, Wir bleiben ewig jung und neu; Denn wird einmal der Geist uns trübe, Wir baden ihn in altem Wein, Und ziehen mit Gesang und Liebe In unsern Freudenhimmel ein.
Freiheit-Hoffnung Januar 1823 Freiheit, wo weilst du! Du zauderst so lange, Vaterland sehnet nach dir sich so bange! Kehrst du nimmer zu uns zurück? Wendest von uns nur den trauernden Blick? Ja! als mein Volk die umstrickenden Bande Sprengte mit mutig geschwungenem Schwert, Als es mit Blut abschwemmte die Schande Von dem geschändeten heimischen Herd: Da lauschtest du dem Siegestone, Der aus den Schlachten zum Himmel gekracht, Und du entschwebtest dem himmlischen Throne, Weihtest dem Volke die Siegerkrone, Deutschland strahlte in alter Pracht; Tag war erwacht, Es sank die Nacht. – Tage des Sieges, ihr konntet entweichen? Freiheit verließ euch, ihr grünenden Eichen! Ach, es verwelkte das fröhliche Grün, Grünende Hoffnung, du mußtest verblühn. Ach! auf den Bergen verlöschten die Feuer, Nacht umlagerte drückend die Welt – Floh die Begeistrung, ihr tapfern Befreier, Die eure Herzen zum Siege beseelt? Das Band der Gauen ist zerschlagen! Fragt ihr: wer wagte die frevelnde Tat? Schreiet zum Himmel um Rache, ihr Klagen! Die, die den Szepter des Vaterlands tragen, Traten mit Füßen der Freiheit Saat; Fürstenrat – Er wagte die Tat. Klage, o Deutschland, trauert ihr Gauen! Die, die geschworen den Tempel zu bauen, Haben den Altar höhnend zerstört, Haben zersplittert der Heimat Herd! Doch, ob das Land jetzt feindlich zersplittert, Ob auch zersplittert die Volkskraft sei, Haben den Geist sie nimmer umgittert, Der in der Brust lebt, männlich und frei! Der Geist hat unsre Brust durchdrungen; Brüder, wenn Glaube und Schwur uns betrügt, Nur mit Begeisterung tapfer gerungen! Ist uns das herrliche Werk gelungen, Dann aus den Grüften die Freiheit fliegt, Wahrheit siegt, Das Falsche liegt. Offen ins Antlitz schaut euch die Jugend, Aber ihr glaubt nicht an männliche Tugend, Zittert vor nächtlich heimlicher Tat, Suchet und suchet nach Trug und Verrat. Ob ihr auch spottet das tapfere Streben, Hochgefühl schwellt doch des Jünglings Brust, Vaterlands blutig zerrissenes Leben Frisch zu vereinen, ist unsere Lust. Ein freies Deutschland wollen wir wieder, Einer für alle ein Vaterland; Steige zu uns, o Freiheit, hernieder! Hoffet auf sie und füllet, ihr Brüder, Auf die Pokale bis an den Rand, Schwört Hand in Hand Dem Vaterland.
Grabgesang Vor des Friedhofs dunkler Pforte Bleiben Leid und Schmerzen stehn, Dringen nicht zum heil'gen Orte, Wo die sel'gen Geister gehn, Wo nach heißer Tage Glut Unser Freund im Frieden ruht. Zu des Himmels Wolkentoren Schwang die Seele sich hinan, Fern von Schmerzen, neugeboren, Geht sie auf – die Sternenbahn; Auch vor jenen heil'gen Höhn Bleiben Leid und Schmerzen stehn. Sehnsucht gießet ihre Zähren Auf den Hügel, wo er ruht: Doch ein Hauch aus jenen Sphären Füllt das Herz mit neuem Mut; Nicht zur Gruft hinab – hinan, Aufwärts ging des Freundes Bahn. Drum auf des Gesanges Schwingen Steigen wir zu ihm empor, Unsre Trauertöne dringen Aufwärts zu der Sel'gen Chor, Tragen ihm in stille Ruh Unsre letzten Grüße zu.
Hans Huttens Ende
Laut rufet Herr Ulrich, der Herzog, und sagt: »Hans Hutten reite mit auf die Jagd, Im Schönbuch weiß ich ein Mutterschwein, Wir schießen es für die Liebste mein.« Und im Forst sich der Herzog zum Junker wandt: »Hans Hutten, was flimmert an deiner Hand?« »Herr Herzog, es ist halt ein Ringelein, Ich hab es von meiner Herzliebsten fein.« »Herr Hans, du bist ja ein stattlicher Mann, Hast gar auch ein güldenes Kettlein an.« – »Das hat mir mein herziger Schatz geschenkt Zum Zeichen, daß sie noch meiner gedenkt.« Und der Herzog blicket ihn schrecklich an: »So? das hat alles dein Schatz getan! Der Trauring ist es von meinem Weib, Das Kettlein hing ich ihr selbst um den Leib.« O Hutten, gib deinem Rappen den Sporn, Schon rollet des Herzogs Auge im Zorn; Flieh, Hutten, es ist die höchste Zeit, Schon reißt er das blinkende Schwert aus der Scheid! »Dein Schwert raus, Buhler, mich dürstet sehr, Zu sühnen mit Blut meines Bettes Ehr!« Flugs, Junker, ein Stoßgebetlein sprich, Wenn Ulrich haut, haut er fürchterlich. Es krachen die Rippen, es bricht das Herz; Ruhig wischet Ulrich das blutige Erz, Ruhig nimmt er des ledigen Pferdes Zaum, Und hänget die Leich an den nächsten Baum. Es steht eine Eiche im Schönbuchwald, Gar breit in den Ästen und hochgestalt; Zum Zeichen wird sie Jahrhunderte stahn, Hier hing der Herzog den Junker dran. Und wenn man den Herzog vom Lande jagt, Sein Name bleibt ihm, sein Schwert; er sagt: »Mein Name, er verdorret ja nimmermehr, Und gerächet hab ich des Hauses Ehr.«
Hoffnung (Weise: Ich hab mich ergeben)
Ein Ruf ist erklungen Durch Berg und durch Tal: Heraus, ihr deutschen Jungen, Zum grünen Waffensaal! Erwacht sind die Geister Aus schmählichem Tod, Als uns der alte Meister Den deutschen Gruß entbot. Da brausten die Flammen Von tapferem Mut; Da wogten sie zusammen, Zu einer Seele Glut. Verbannt sind die Geister, Zerstört ist die Glut, In Bande schlug den Meister Der Herren feiger Mut. Doch ist's auch versunken Das flammende Wort, Es glüht ein guter Funken Noch in der Asche fort. Uns flammt noch das Auge Von männlicher Lust, Uns glüht vom Freiheitshauche Die frische, frohe Brust. Uns soll nicht vergehen Der Funken der Nacht, Bis einst der Freiheit Wehen Zur Flamm ihn angefacht. Dann schweben uns wieder Die Geister voran, Und deine Burg bricht nieder, Du alter Meister Jahn!
Ihr Auge
Ich weiß wo einen Bronnen Voll hellem Himmelstau, Es glänzt der Strahl der Sonnen Aus seines Spiegels Blau; Er ladet klar und helle Zu süßer Wonne ein, Es winkt aus seiner Quelle Der Sonne milder Schein. Mir war als sollte drunten In seiner klaren Flut Das arme Herz gesunden Von seinem bangen Mut. Ich tauchte freudig nieder, Ins klare Blau hinab, Mein Herz das kam nicht wieder, Fand in dem Quell sein Grab. Kennst du den süßen Bronnen, So klar und silberhell? Kennst du den Strahl der Sonnen Aus seinem blauen Quell? Das ist des Liebchens Auge, Ihr süßer Silberblick – Aus seiner Tiefe tauche Ich nie zum Licht zurück.
Jesuitenbeichte Nach dem Französischen »Ich liebte zwanzig Mädchen nach der Reihe, Und jeder war mein ganzes Herz geweiht, Und jede schwur mir heute ew'ge Treue, Und brach schon morgen ihren heil'gen Eid. Da schwur und flucht ich keinem Weib zu trauen.« »Mein Sohn, wer flucht, der sündiget. Allein Die Schuld liegt diesmal wirklich an den Frauen; Du sollst versöhnet und entschuldigt sein.« »Weil ich Bestechung haßte wie die Hölle, Fand mein Minister mich zu ungeschickt; Und einem feilen Kerl gab er die Stelle, Der sich vor seinem Kammerdiener bückt; Da wünschte ich Herrn C . . . zum Teufel.« »Mein Sohn! welch rohe Leidenschaft! Allein Bei kaltem Blut bereust du ohne Zweifel; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« »Mit schönen Worten, blendenden Versprechen, Hat ein bekannter Herr mich arm gemacht, Und um mich für die Tausende zu rächen, Um die mich der Verräter hat gebracht, Schalt ich Herrn V . . . einen Beutelschneider.« »Mein Sohn! das Wort war freilich grob. Allein Die Welt nennt ihn mit diesem Namen, leider! Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« »Das ›Sakrileg‹, ich will's gestehen, nannte Ich ein Gesetz für Sklaven nur gemacht, Der Menschheit Schmach und des Jahrhunderts Schande, Und P . . ., ihn, der es ausgedacht, Schalt ich den Mörder aller freien Seelen.« »Mein Sohn! das war ein derber Schimpf. Allein Du irrtest menschlich, irren heißt nicht fehlen; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« »Und als ich diese arme Welt bedachte, Und sah, wie alles schief und irrig geht, Wie man die Tugend und das Recht verlachte, Und wie jetzt Trug und Laster oben steht, Da – hielt ich Gott für einen leeren Namen!« »Mein Sohn! du hast dich schwer verfehlt. Allein Gott ist barmherzig gegen Sünder, amen! Du sollst entschuldigt und versöhnet sein.« »Ich liebte Eintracht in Palast und Hütten, Doch als ich schleichend wiederkehren sah Die Zwietracht an der Hand der Jesuiten, Da schwur ich ew'gen Haß Sankt Loyola, Und ew'gen Haß und Rache seinen Söhnen!« »Mein Sohn! ich bin die Langmut selbst. Allein Das heißt fürwahr das Heiligste verhöhnen! Vor Uns und Gott kannst du nicht schuldlos sein.«
Körners Todesfeier 26. Aug. 1822 Gesprochen in der Versammlung der Tübinger Burschen Verstummt bist du, der goldnen Saiten Spiel, Von einem edeln Sänger einst geschlagen, Du rostest, treues Schwert, das in den Feind So oft ein tapfrer Jünglingsarm getragen. Mit stillem Antlitz schaut der Mond herab, Geheiligt steht in seinem Glanz die Körner-Eiche. Sein milder Strahl dringt durch die dunkeln Zweige, Er schaut herab auf eures Meisters Grab. Wie heilig ist doch eines Helden Gruft, Es hebt die Seele ein begeistert Wehen Auf von der Erde zu der Sel'gen Sitz, Die Helden in dem Siegerkranz zu sehen. Doch eine Träne trübt den trunknen Blick, Was hält zurück der Seele heißes Sehnen? Was füllt das trunkne Auge uns mit Tränen? Die Wehmut hält der Seele Flug zurück. Nicht immer bleibet fest das hohe Ziel, Das heil'ge Märtyrer errungen hatten; Nicht immer blühen aus vergoßnem Blut Der Tapfern auf – der Freiheit goldne Saaten: Ein dunkler Geist zieht durch die Erde hin, Mit dürrem Sand begräbt sein blindes Wüten Die schöne Saat; des Helden Lorbeerblüten Und seines Sieges Früchte sind dahin. Nur jenseits von der alten Sonnenbahn, Dort bei des Lichtes unversiegter Quelle, Nicht hier in kalter, dumpfer Erdennacht, Dort strahlt um ihn des ew'gen Tages Helle. Dort ist sein Lohn, erkämpft im Schlachtentod, Dort schallt sein Siegsgesang in höhern Worten, Und seine Lyra tönt in reineren Akkorden Und seines Dankes Töne hört ein Gott. Doch nein! zurück! zurück, kleinmütig Herz, Noch ist das Diesseits nicht so ganz gesunken, Noch leben heil'ger Glaube und Vertraun Und in der Asche glühn noch Götterfunken; Oft hast du sie im Liede angeweht, Gefallener, im Hauche deiner Saiten, Wenn du gesungen von der Väter Zeiten, Von unsrer Zuversicht, die nimmer untergeht. Noch lebt in deutscher Männer starker Brust Die heil'ge Inbrunst für der Väter Boden, Noch wollen sie, wie du, ein freies Land Oder sich betten bei den freien Toten! Ob dunkele Gewölke gegenüberstehn Und Welt und Teufel ihre Blitze schnellen, Durch! muß der Pfeil, die Wolke wird zerschellen, Was Zeit gebar, muß zeitlich untergehn. O Körner, Körner! sieh herab auf uns, Entlocke Siegestöne deiner Leier, Zum Kampf bereit ist deiner Brüder Schar, Es flammt in unsrer Brust dein Heldenfeuer. So schwören wir dem Vaterlande heut, Das du gerötet mit der Todeswunde, Wir schwören's jetzt in deiner Siegerstunde, O Körner! höre du den heil'gen Eid!
Lehre aus Erfahrung
Hat dir ein Autor Geld geliehn, Und kommt und will den Wechsel ziehn, Und kannst doch nicht sogleich bezahlen, Ihm auch keinen andern Trug vormalen, So sprich getrost: »Jetzt weiß ich schon, 's war als die treffliche Rezension, Wie Euer letztes Werk gelungen, Stund in den Literaturzeitungen; Wäret gelobt übern Schellenkönig, Und dennoch, deucht es mir, zu wenig. Aber könntet Ihr nicht noch borgen Einige Zeit?« »Seid ohne Sorgen«, Der Autor drauf ganz freundlich spricht: »Nach meinem Geld verlangt mich nicht. Bleibt mein Freund! 's hat kein Gefahr, Könnt mich bezahlen bis übers Jahr.« Sei einer gewappnet noch so gut, Wie Siegfried mit des Lindwurms Blut: Du kannst ihn klüglich überwinden, Wirst du seine schwache Seite finden.
Logogryph
Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol? Das feste Band, das sich um Freunde windet, Des Fürsten Heil, des Vaterlandes Wohl? An Stärke muß ihm Stahl und Eisen weichen; Doch hat es einen mächt'gen stillen Feind; Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen, Hast du die finstre Macht, die ich gemeint. So lang die Welt steht liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust; Halt fest am Ganzen; laß sie nimmer streiten In deiner stillen und zufriednen Brust.
Mutterliebe
Mutterliebe! Allerheiligstes der Liebe! Ach! die Erdensprache ist so arm, Oh! vernähm ich jener Engel Chöre, Hört ich ihrer Töne heilig Klingen, Worte der Begeistrung wollt ich singen: »Heilig, heilig ist die Mutterliebe!« Wie die Sonne geht sie lieblich auf, Blickt herab, den Blick voll süßen Frieden, Lächelt freundlich ihren jungen Blüten – Und die Pflanze sproßt zum Licht hinauf. Rauhe Stürme ziehen durch die Flur, Und die junge Pflanze bebet, Doch die Sonne blickt durch die Natur Und die junge Pflanze lebet, Neu erwärmt von ihrem Blick, und strebet Höher noch zu ihrer Sonne auf. Mutterliebe! du, du bist die Sonne! O wie leuchtest du der Blüte doch so warm! O wie heilig ist die Mutterwonne, Wenn das Kind umschlingt der treue Arm! So am Abend, so am Morgen, Nie ermattet sie, Wacht in Freuden, wacht in Sorgen Spät und früh; Sie begießt mit Muttertränen Ihrer Augen Lust, Wärmet sie mit stillem Sehnen An der treuen Brust. Süße Hoffnung schwellt die Mutterbrust, Daß die Blüte werd zur Knospe keimen, Früchte sieht sie in den süßen Träumen. Heil'ge, reine Mutterliebe, Daß sich nie dein stiller Himmel trübe! Mutterliebe! Allerheiligstes der Liebe! Dir ertönten jener Engel Chöre, Als der Herr zur Erde niederstieg, Wollt er an der Mutterlieb erwarmen Und erwachte in der Mutter Armen. Sinket nieder, Schwestern, Brüder, Fleht zu dem, der Mutterlieb gekannt, Der sie schuf, sein reinstes Seelenband, Fleht mit uns, ihr Geister unsrer Lieben, Tragt es aufwärts unser kindlich Flehn, Tragt's hinauf zu jenen Sternenhöhn, Werft euch nieder vor des Vaters Thron, Fallet nieder vor der Mutter Sohn, Daß auf uns er seine Gnade senke, Und den süßen Trost uns immer schenke – Das segensvolle Heiligtum der Liebe, Der Mutterliebe!
Priamus und Achilles Januar 1823
An des Idas dunkeln Höhen Hängt des Mondes stille Pracht, Und es rauschet in dem Tale Nur der Xanthus durch die Nacht. Alle Flammen sind erloschen, Und es ruht der Griechen Heer – Einsam nur im stillen Zelte Sitzt Achilleus tränenschwer. Ausgetobt hat seine Rache, Sehnsucht schwellt die Heldenbrust Nach den Manen seines Freundes, Seiner Jugend hoher Lust. Nach der Dioskuren Sterne Sendet er den trüben Blick, Nur das Traumbild ihrer Liebe Sendet das Gestirn zurück. Ob der Schatten sich begnüge, Daß des tapfern Feindes Blut, Von dem Rächerstahl vergossen, Färbte des Skamanders Flut, Daß der Held am Siegerwagen Dreimal durch die bange Flur Hinzog seines Feindes Leiche In der blutbespritzten Spur? Und so sinnt er, und so schaut ihn Nur der Fackel trüber Schein, Da rauscht auf des Zeltes Decke – Schwebt ein Schatten zu ihm ein? Groß ist die Gestalt zu schauen, Wenn gebeugt auch, hoch und hehr, Milde Silberlocken wallen Um ein Greisenantlitz her. Sprachlos mißt Achill die Züge, Diese Züge ernst und mild, Ob sein Aug ihm täuschend lüge? Ist es Priams Heldenbild? Eh die Frag entflieht der Lippe, Ist der Greis ihm zugewandt, Schaut ihm weinend in das Auge, Faßt ihn flehend an der Hand. »Denke nicht des Krieges Lose, Der die Völker blutig trennt, Denke nur des Vaters Schmerzen, Der nur seine Lieben kennt. Hier ist Gold, o nimm die Gaben, Gib mir meinen Sohn zurück, Daß noch einmal auf ihm weile Seines Vaters trüber Blick. Wende nicht so stolz die Blicke, Laß mir, laß mir deine Hand! Welche Namen muß ich rufen? Kennst du nicht das zarte Band, Das die Gattin eint dem Gatten, Das das Kind dem Vater eint? Ach! Andromache harrt unser Und sein Astyanax weint. Bei der Liebe deines Vaters – Sind nicht seine Haare weiß Wie der Greis, der zu dir flehet; Harret nicht der edle Greis Der Umarmung seines Sohnes, Eh er zu den Vätern geht? Bei der Liebe deines Vaters Höre, was ein Vater fleht!« Und das Auge geht ihm über Von unnennbar tiefem Schmerz, Und es dringt des Greisen Klage Durch des Panzers rauhes Erz. »Du vergibst, Patroklos' Schatten, Wenn des Freundes Herz erliegt – Nimm den Sohn, zieh hin im Frieden, Vater, nimm, du hast gesiegt!«
Prinz Wilhelm Nach der Weise: Prinz Eugen etc.
Prinz Wilhelm, der edle Ritter, Ritt hinaus ins Schlachtgewitter, Ritt mit aus in blut'gen Strauß; Denn als man die Trommel rührte, Und nach Frankreich abmarschierte, Blieb der Kronprinz nicht zu Haus. Durch des Rheines tiefe Wogen Ist er schnell hindurchgezogen, Ziehet weiter ohne Ruh. Auf die Feinde durch die Wälder, Durch die eisbedeckten Felder, Auf die Feinde eilt er zu. Bei Brienn' im dunkeln Walde Unser Jägerhorn erschallte, Unsre Trommeln wirbeln drein; In den Feind durch Sumpf und Graben Stürmt der Prinz mit seinen Schwaben, Daß der Sieg muß unser sein. Und bei Montereaus blut'ger Brücken, Als der Feind wollt schier erdrücken Unsre kleine treue Schar, Hat er gegen Sturmsgewalten Ritterlich den Paß gehalten, Bis sein Volk gerettet war. An der Aube, am Marnestrande, An der Seine weitem Lande, Kennt man Wilhelm und sein Schwert; Epinal auf blut'gen Wegen, Troyes' heißer Kugelregen Haben seinen Stamm bewährt. Ja, wo treue Schwaben stritten, War auch in des Kampfes Mitten Unser Kronprinz stets dabei; Ja, so stritt im Schlachtgewitter Prinz Wilhelm, der edle Ritter, Furchtlos, wie sein Wort, und treu. Schlaget ein, ihr Kameraden! Wenn zum Krieg die Trommeln laden, Strömen freudig wir herbei: Denn als König zieht der Ritter Nun voraus ins Schlachtgewitter, Furchtlos, wie sein Wort, und treu.
Rätsel
Es ist ein Wort, dreideutig dem Germanen; Einst war das erste furchtbar seinen Ahnen; Der schwere Zeiger der Geschichte rückt, Der Deutsche erbt das Szepter; ihr erblickt, Wie dem erwählten deutschen Sohne Im zweiten die gewicht'ge Krone Der Bischof auf die Stirne drückt. Es kreist im hochgewölbten Saale Das dritte bei dem Krönungsmahle.
Rätsel Einst hieß man mich die schönste aller Frauen, Selbst Könige entzweite meine Macht, Zehntausend Krieger aus Europas Gauen, Von Asiens Landen, schlugen manche Schlacht, Und eher nicht war ihres Kampfes Ziel, Als bis erschlagen alle Heldensöhne Und bis ein stolzes Königshaus zerfiel; Und dennoch pries man die unsel'ge Schöne. Und wieder tönte jüngst mein alter Namen Doch bin ich häßlich und verlassen nun, Von allen die des Weges zu mir kamen, Will keiner lang an meiner Seite ruhn; Nur einer kam, der erste dem nicht graut An meinem Herd für immer still zu liegen Der lange mir ins blasse Antlitz schaut Und bitter lacht, ob meinen düstern Zügen. »Ach, darum also«, sprach er, »läßt du feiern Dein unheilvoll Gedächtnis bis auf heut, Damit du reihtest zu den alten Freiern Auch einen Heros aus der neuen Zeit? Doch lockst du mich mit keinem Erdentand, Denn Zeus zerschlug dein Ilium in Scherben! Wohlan! auch meine Trojer deckt der Sand, So laß mich denn in deinen Armen sterben.«
Rätsel
Noch sitzt auf halbzerfallnem Throne, Noch hält die längst bestrittne Krone Die alte Königin der Welt. Ob sie wohl je vom Throne fällt? Vielleicht; doch liest du sie von hinten, So wirst du einen König finden, Der herrscht, seitdem die Welt besteht, Des Reich nur mit der Welt vergeht, Sie schießt nicht ew'ge Donnerkeile, Doch ewig treffen seine Pfeile.
Regel für Kranke
Hast du mit dem Apotheker Streit, Es dem Arzt zu klagen vermeid; Hast du über den Arzt zu klagen, Sollst du's nicht dem Apotheker sagen; Denn sind sie auch Feinde immerdar, So werden sie Freund am neuen Jahr, Verkünden: der hat dies gesagt, Und mir hat er von dir geklagt. Wirst du nun krank in den ersten Wochen, Die Arznei sie zusammen kochen: »Recipe: Was er uns getan, Rühren wir ihm jetzt doppelt an; Zwanzig Drachmen von seinen Klagen Mit asa foetida für den Magen. Misceatur, detur, nebst unsrem Groll, Alle Stunden zwei Löffel voll.« Und stirbst du nicht in der Blütezeit Ihrer neuen Herzinnigkeit, Lassen sie dich so lange liegen Bis sie selbst wieder Händel kriegen. Merke: Zweier Gegner Klagen Mußt du nicht hin und wider tragen; Weißt nicht ob, die geschieden scheinen, Sich nachmals gegen dich vereinen.
Reiters Morgenlied Alte Soldatenweise
Morgenrot! Leuchtest mir zum frühen Tod? Bald wird die Trompete blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad! Kaum gedacht, War der Lust ein End gemacht! Gestern noch auf stolzen Rossen, Heute durch die Brust geschossen, Morgen in das kühle Grab. Doch! wie bald Welket Schönheit und Gestalt! Prangst du gleich, mit deinen Wangen, Die wie Milch und Purpur prangen, Ach! die Rosen welken all. Und was ist Aller Mannsbild Freud und Lust? Unter Kummer, unter Sorgen Sich bemühen früh am Morgen, Bis der Tag vorüber ist. Darum still Füg ich mich, wie Gott es will, Und so will ich wacker streiten, Und sollt ich den Tod erleiden, Stirbt ein braver Reitersmann.
Scharade Der ersten Silb entströmen Wein und Lieder, Und was du einsam denkst macht sie bekannt, Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand, Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder: Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder, Sein Feueratem weht von Land zu Land, Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand, Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder. Scheint Zwei mit Eins sich nimmer zu vertragen, So ist das Ganze doch ein hohes Wort, Woran man nur den Widerspruch getadelt; Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt, Fürwahr! es starb des Letzten letzter Hort, Wär es gestorben jüngst in unsern Tagen.
Schlägerlied, gesungen für Tübingens Burschen (Weise: Schön ist's, unter freiem Himmel)
Brüder, auf! erhebt die Klingen, Laßt sie hell und freundlich blinken, Stoßt auf ihre Siege an; Lasset uns zu ihrem Preise Lieder weihn nach alter Weise, Denn die Klinge ziert den Mann. Zu bewahren seine Ehre, Zieht der Bursch die blanke Wehre, Schwingt den Schläger frank und frei; Denn das ist ja Burschenadel, Daß die Ehre ohne Tadel, Ohne Schmach der Name sei. Ja! wie in der Vorzeit Tagen Darf der freie Bursch es wagen: Fordern seines Feindes Blut. Tief verachtet er den Feigen, Er darf Männerkraft noch zeigen, Darf noch zeigen Heldenmut. Und im festgeschmückten Saale Bei des Burschen Bundesmahle Blinkt der nie besiegte Stahl, Gibt dem Burschen neue Weihe, Der beim Landesvater Treue Schwur mit klingendem Pokal. Wird ein altes Haus begleitet, Das mit schwerem Herzen scheidet Aus der lieben Musenstadt: Trägt ein Fuchs, als Waffenträger, Vor ihm her den blanken Schläger, Den er forsch geführet hat. Ist ein Bruder abgeschieden Dorthin zu dem ew'gen Frieden Bei der alten Väter Schar: Schmücken wir, zur Todesfeier, Seines Sarges schwarze Schleier Mit dem blanken Schlägerpaar. So in Burschenfreud und -leide Blinkst du, seine Augenweide, Schöner Hieber, in der Luft. Mag's zu Lust und Trauer führen, Du mußt seine Würde zieren Beim Gelage, bei der Gruft. Drum so laßt sie freudig blinken, Rufet: Hoch Germanias Klingen, Die noch keiner weichen sah! Selbst dem Teufel gegenüber Ziehn wir blank Germanias Hieber, Fallen aus – pro patria.
Schriftsteller
Es ist kein Autor so gering und klein, Der nicht dächt etwas Rechts zu sein; Und wär er noch so ein armer Wicht, Geht er doch stolz und aufgericht't, Daß man glaubt der leere Hut Noch zu dem Kleinen gehören tut. Auch kein Autor auf den andern baut; Denn sei ein Paar noch so vertraut, Darfst heut den einen heruntersetzen Willst du den andern höher schätzen, Und morgen, auf des zweiten Kösten, Läßt sich der erste nennen den Besten.
Sehnsucht
Die Sonne grüßt Tubingas Höhn, Der Berge Morgennebel fallen, Und leichte Frühlingslüfte wehn, Im Tal die Herdenglocken schallen, Des Neckars sanfte Welle quillt An der Gestade Rebenhügel, Es taucht die alte Burg ihr Bild In seinen silberreinen Spiegel. Wie wär der Morgen doch so schön, Könnt ich mit dir mich da ergehn! Und reger wogt's am Ufer hin, Wenn Mittag zu den Schatten ladet, Wenn sich durch frisches Blättergrün Die Sonne in dem Strome badet; Der Hirte zieht den Linden zu, Der Winzer steigt vom Berge nieder, Und in des kühlen Strandes Ruh Erwachen ihre Kräfte wieder; Am Neckarstrand ruht ich so gerne, Wär nicht Louise in der Ferne. Der Abend senket seinen Strahl, Die Herden ziehen von den Weiden, Und fernhin durch das holde Tal Die Dörfer zu der Ruhe läuten; Da kommen Mädchen Hand in Hand Den Wiesenplan heraufgezogen; Es wölbt für sie am grünen Strand Der Lindengang die hohen Bogen; Doch jenen Linden fehlt das eine, Ich wandle ohne sie – alleine! Auf geht des Mondes Silberstrahl Er malt den Berg mit falbem Glanze, Er ruft die Geister in das Tal, Er leuchtet ihrem Reigentanze; Ihr Berge all von Duft umhüllt, Du Tal, am Strome auf und nieder, Du wärst so hold, du wärst so mild, Dir weiht ich meine frohsten Lieder – Du wärst so schön im Abendscheine Schlüg sie ihr Aug hier in das meine.
Sehnsucht Lied aus der Ferne 1824
Ihr Töne meiner Saiten, Ihr tönt so sanft, so mild, Mit Träumen ferner Freuden Habt ihr mein Herz erfüllt. Des Liebchens Kuß, des Liebchens Blick, Führt mir der sanfte Ton zurück, Der eurem Hauch entquillt! O lispelt leise, leise! Dann träum ich schönre Zeiten Und meiner Liebe Bild. Wenn auf der Berge Höhen Der Strahl des Morgens fällt, Möcht ich mit Windeswehen Zu meiner Jugendwelt, Möcht eilen mit des Morgens Strahl Zum blauen Berg, zum fernen Tal, Das sie umfangen hält. Vergebens, ach vergebens! Mir blüht kein Wiedersehen In meiner Jugendwelt.
Serenade
Wenn vom Berg mit leisem Tritte Luna wandelt durch die Nacht, Eil ich zu des Liebchens Hütte, Lausche ob die Holde wacht. Seh ich dort die Lampe glühen, In dem stillen Kämmerlein, Möcht ich wie der Lampe milder Schein Spielend um die zarten Wangen ziehen. Mit des Lichtes schönsten Strahlen Zög ich um mein liebes Kind, Farben wollt ich um sie malen, Wie sie nur am Himmel sind; Sände Schlummer ihr aufs Auge, Löschte sie des Lämpchens Schein, War ihr letzter, süßer Blick noch mein, Und ich stürbe sanft an ihrem Hauche. Nimmer darf ich um sie weben, Wie der Lampe milder Schein, Doch mein Lied darf zu ihr schweben, Darf der Liebe Bote sein. Schwebt denn Töne meiner Laute Zu des Liebchens Kämmerlein, Wieget sie in süße Träume ein, Und dann flüstert: »Denke mein du Traute.«
Soldatenmut (Weise: Mein Lebenslauf ist Lieb und Lust etc.) Soldatenmut siegt überall, Im Frieden und im Krieg, Bei Flöten- und Kanonenschall Erkämpft er sich den Sieg: Sei's um ein Küßchen mit der Maid, Sei's mit dem Feind um Blut, Da ist er schnell zum Kampf bereit, Da siegt Soldatenmut: Hurra! Da siegt Soldatenmut! Wenn sich der Tanz im Wirbel schwingt, Und Aug in Auge blickt, Der Arm sich um die Hüfte schlingt, Und Hand in Hand sich drückt, Da ist die Maid in kurzer Frist Dem schlanken Burschen gut; Wer lange fragt, hat nie geküßt, Da siegt Soldatenmut, Hurra! Da siegt Soldatenmut! Und wenn am heißen Sommertag Den Marsch die Hitze drückt, Und wenn das rasche Roß erlag, Und müd zur Erd sich bückt: Hat der Soldat sich aufgerafft, Er singet wohlgemut, Wirbt durch Gesang sich neue Kraft: So siegt Soldatenmut, Hurra! So siegt Soldatenmut! Und wo im Tal die Banner wehn, Und Heer an Heer sich schließt, Und uns von der Battrien Höhn Kanonendonner grüßt: Da reißt uns durch den Waffenplan Des Kampfes wilde Glut, Da – mit dem Schwert, Mann gegen Mann, Da siegt Soldatenmut, Hurra! Da siegt Soldatenmut. Und wenn mein Stündlein kommen sollt, So bin ich frisch zur Hand: Ich sterb ja nicht für eitles Gold, Ich fall fürs Vaterland. Was ich gesollt, hab ich getan, Und hab's gelöst mit Blut: So lebt, so stirbt für seine Fahn, So siegt Soldatenmut! Hurra! So siegt Soldatenmut!
Soldatentreue (Volksweise)
Wohl dem, der geschworen Zur Fahne den Eid, Der sich zum Schmuck erkoren, Des Königs Waffenkleid. Sei Treue verraten, Sei Ehre verbannt, Doch gehn mit dem Soldaten Sie beide Hand in Hand. Es grüßt ja zur Seite Sein Säbel ihm zu, Und ruft ihm aus der Scheide: »So treu wie Stahl seist du!« Die Büchse, sie winket So freundlich und rein; So rein als wie sie blinket, Soll seine Ehre sein. Das tönt ihm so süße, Das schwellt ihm den Arm, Das macht, wie Liebchens Küsse, Soldatenherz so warm! Drum auf! es ertönen Trompeten voll Mut; In Vaterlandes Söhnen Wallt treues Heldenblut! Die Welt mag zerreißen Die Schwüre wie Spreu: Ich weiß ein Wort wie Eisen, Es heißt: Soldatentreu.
Stille Liebe
O dürft ich fragen, was aus ihrem Auge Oft so entzückend mir entgegenstrahlt, Was, wenn ich schnell mich ihrer Seite nahe, Die Wangen ihr mit hoher Röte malt! Ahnt sie, was meine Lippen ihr verschweigen, Was meine Brust mit stiller Sehnsucht füllt? Hofft ich zu kühn? ist es der Strahl der Liebe, Der so entzückend ihrem Blick entquillt? Warum hat doch ihr Händchen so gezittert, Als ich ihr gestern guten Abend bot, Und als ich ihr recht tief ins Auge schaute, Was machte sie auf einmal doch so rot? Sie hat die Rose, die ich ihr gegeben, So sorgsam ins Gebetbuch eingelegt; Warum wohl? da sie sonst so gerne Rosen Am Busen und am Sommerhütchen trägt. Warum schwieg sie auf einmal heute stille Und wußte nicht mehr, was ich sie gefragt? Hat sie gemerkt, was ich ihr gerne sagte? Ich hab ihr's doch mit keinem Wort gesagt! O hätt ich Mut! dürft ich Louisen sagen, Was mich so still, was mich so tief beglückt! O dürft ich fragen, was aus ihrem Auge Oft so entzückend mir entgegenblickt!
Treue Liebe (Weise: Ich hab ein kleines Hüttchen nur etc. etc.)
Steh ich in finstrer Mitternacht So einsam auf der fernen Wacht: So denk ich an mein fernes Lieb, Ob mir's auch treu und hold verblieb? Als ich zur Fahne fort gemüßt, Hat sie so herzlich mich geküßt, Mit Bändern meinen Hut geschmückt, Und weinend mich ans Herz gedrückt! Sie liebt mich noch, sie ist mir gut, Drum bin ich froh und wohlgemut; Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht, Wenn es ans treue Lieb gedacht. Jetzt bei der Lampe mildem Schein Gehst du wohl in dein Kämmerlein, Und schickst dein Nachtgebet zum Herrn, Auch für den Liebsten in der Fern! Doch, wenn du traurig bist und weinst, Mich von Gefahr umrungen meinst – Sei ruhig, bin in Gottes Hut, Er liebt ein treu Soldatenblut. Die Glocke schlägt, bald naht die Rund Und löst mich ab zu dieser Stund; Schlaf wohl im stillen Kämmerlein, Und denk in deinen Träumen mein.
Trost
Die Mißgunst lauscht auf allen Wegen, Daß sie der Liebe Glück verrät, Doch treue, zarte Liebe geht Auf tausend unbewachten Stegen; Ein Druck der Hand, ein flücht'ger Blick Sagt mir der Liebe süßes Glück. Und zog ich auch in weite Ferne, Es zog mit mir mein stilles Glück, Denn schau ich nicht der Liebe Blick, So blick ich auf zum Abendsterne; Wie ihres Auges stille Glut Strahlt er ins Herz getrosten Mut. Und wallen meine Tage trüber Und dringt kein Trost von ihr zu mir, Und dringt mein Sehnen nicht zu ihr, Kein Wort von ihr zu mir herüber; Mein stilles Glück ist nicht getrübt, Ich weiß ja doch, daß sie mich liebt. Drum klag ich nicht in weiter Ferne, Weil Neid der Liebe Weg belauscht, Wenn auch nicht Wort mit Wort sich tauscht, Mir strahlt ein Trost im Abendsterne; Aus seinen milden Strahlen quillt Mir meiner Liebe trautes Bild.
Turnerlust (Weise: Es ritt ein Jägersmann etc. etc.)
Was zieht dort unten das Tal entlang, Eine Schar im weißen Gewand – Wie mutig brauset der volle Gesang! Die Töne sind mir bekannt. Sie singen von Freiheit und Vaterland, Ich kenne die Scharen im weißen Gewand. Hurra! Hurra! Hurra! Die Turner ziehen aus. Die Turner ziehen ins grünende Feld Hinaus zur männlichen Lust; Daß Übung kräftig die Glieder stählt, Mit Mut sich füllet die Brust. Drum schreiten die Turner das Tal entlang, Drum tönet ihr mutiger froher Gesang: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! O sieh, wie kühn sich der Blick erhebt, Wenn der Arm den Gegner erfaßt! Und frei, wie der Aar durch die Lüfte schwebt, Fliegt auf der Turner am Mast; Dort schaut er weit in die Täler hinaus, Dort ruft er's froh in die Lüfte hinaus: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! Es ist kein Graben zu tief, zu breit, Hinüber mit flüchtigem Fuß! Und trennt die Ufer der Strom so weit, Hinein in den tosenden Fluß! Er teilt mit dem Arm der Fluten Gewalt, Und aus den Wogen sein Ruf noch schallt: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust! Er schwingt das Schwert in der starken Hand, Zum Kampfe stählt er den Arm; O dürft er's ziehen fürs Vaterland! Es wallt das Herz ihm so warm. Und sollte sie kommen, die herrliche Zeit, Sie fände den tapfern Turner bereit. Hurra! Hurra! Hurra! Wie ging's dann mutig in Feind! So wirbt der Turner um Kraft und Mut Mit Frührots freundlichem Strahl, Bis spät sich senket der Sonne Glut Und Nacht sich bettet im Tal; Und klingt der Abendglockenklang, Dann ziehn wir nach Haus mit fröhlichem Sang: Hurra! Hurra! Hurra! Du fröhliche Turnerlust!
Wilhelm der lieben Mutter an ihrem Geburtstage 1819
Was bring ich denn in Deiner Kinder Reihn O Mutter! Dir an Deinem Ehrentage? Darf ich Dir wohl zum Angebinde weihn Was heute ich im vollen Herzen trage? Nein Du verschmähest nicht was ich gefühlt, So nimm es hin, mög es Dir Freude bringen Und mög es aufwärts zu dem Vater dringen Der unsre Gute Mutter stets erhielt. Oh! sieh wie fröhlich alles zu Dir dringt, Wie sie Dir reichen ihre kleinen Gaben, Wie glücklich jedes, daß es etwas bringt, Wie glücklich sie sich dünken Dich zu haben. Doch hast der Gaben schönste Du erblickt? Die Liebe ist's die Dir aus allen Blicken Entgegendringt, das kindliche Entzücken Das Dich und uns an diesem Tag beglückt. Doch sag woher den tränenschweren Blick, Der uns betrübt an unsrem Freudentage? Ist nicht vollendet unsres Hauses Glück? So stört uns noch der Mutter stille Klage? Ist es Erinnerung was Dir das Auge trübt? Gedenkst Du wohl an die, so früh geschieden, Die schon enteilten zu dem ew'gen Frieden Die Du so zärtlich alle hast geliebt? Hernieder schwebten sie vom schönern Land Sie stehen hier in ihrer Kinder Kreise, Sie führen uns zur Mutter, Hand in Hand, Und rings um Dich erblickst Du keine Waise; Und leise lispeln sie Dir ihren Dank, Daß Du bewahrtest, wie Du fest geschworen, Die Kleinen, die sie nicht für sich geboren, Und daß das Werk so herrlich Dir gelang. Drum freut euch Kinder, freut euch und gedenkt Daß wo der Stern der Gnade aufgegangen Auch uns ein Licht der Liebe ward geschenkt, Das mit so warmer Treue uns umfangen. – Fest hoffen wir noch lange Dich zu sehn In heitrer Ruh umspielt von Deinen Lieben Bis Du uns zuführst den Geliebten drüben, Ja! dieser Glaube kann nicht untergehn.
Zum 17. Januar (An Grüneisen)
Dich benedeit mein Lied, du freudenvolle Sonne, Dich preise ich anjetzt, o Tag voll Glück und Wonne, An dem mein Ohm, der Herr Oberregierungsrat Grüneisen, diese Welt als kleines Kind betrat. Sein Nam ist wunderlich und doch voll tiefem Wesen, Als hätte man Grüneisen just für ihn erlesen; Denn grün bedeutet frisch, als wie ein grüner Baum, Der lustig blüht und sproßt an eines Baches Saum; Und Eisen, das ist stark, ganz über alle Maßen (Man kann daraus Geschirr und Öfen gießen lassen). Es dauert ewig fort, noch ewiger als Stein, Drum muß in deinem Namen auch das Eisen sein. Ein Eisen, grün und frisch, wie schöne Eichensprossen, Ein grüner Stamm, so fest, als wie aus Erz gegossen: Das ist das rechte Bild für einen weisen Mann, Der unter Schmerzen noch so heiter lächeln kann! Doch bleibt ihr Schmerzen fern, euch wollt ich gar nicht loben, Man braucht euch auch nicht hier, um seine Kraft zu proben Denn noch weit fröhlicher scherzt ohne euch sein Mund, Drum bleib er jetzt und noch viel Jahre lang gesund! So grün' und blühe fort, gußeiserner Grüneisen! Mögst dich, du grüner Stamm, wie Stahl und Erz erweisen. Der Herr behüte dich und segne deinen Lauf! Dies sind die Wünsche deines Neffen Wilhelm Hauff
Zur Erinnerung an die Neckarbrücke
Dort draußen auf der Brücke, Da liegt ein schönes Haus, Da fliegen Liebesblicke, Sie fliegen ein und aus. Dort draußen auf der Brücke, Saßen wir wohl tausendmal, Da streiften unsre Blicke Hinab ins schöne Tal. Wir sahn des Neckars Wogen Im Abendrot erglühn, Sahn, wie die Herden zogen Im jungen Wiesengrün. Da zogen Herrn und Damen An unsrem Blick vorbei; Sie wurden, wie sie kamen, Gemustert nach der Reih. Doch alle, welche kamen, Waren nicht so interessant, Als drei bildschöne Damen Nicht weit vom Neckarstrand. Nach ihrem Fenster drüben Ging wohl so mancher Blick, Oft kam von den drei Lieben Ein holder Blick zurück. Doch einen! ach! nur einen, Beglückt ein hold Gesicht; Drei Sonnen taten scheinen, Uns leuchtet keine nicht.
Zur Feier des 18. Junius I
Seid mir gegrüßt im grünen Lindenhain, Seid mir gegrüßt, ihr meine deutschen Brüder; Auf! sammelt euch in festlich frohen Reihn, Stimmt fröhlich an des Sieges Jubellieder; Daß heut der stolze Adler niedersank, Daß sich mein Volk einlöste mit dem Schwerte Sein Heldentum, der Freiheit Ruhm, die deutsche Erde, Trag's zu den Wolken, donnernder Gesang! Trübt auch die Wolke unsers Festes Glanz, Sind auch zerschlagen schon des Siegs Altäre, Die jüngst noch, in dem jungen Siegerkranz, Der Deutsche weihte seines Volkes Ehre; Mög Arglist auch und Trug mit finstrem Bann Dem Siegervolke noch die Zunge binden, Begeisterung, des Jünglings Dank soll's laut verkünden »Wer dort gekämpft, fiel nicht für einen Wahn!« Denn auferstehen soll ein neu Geschlecht, Wir fühlen Kraft in uns, uns dran zu wagen, Zu kämpfen für die Wahrheit und das Recht, Um deutsch zu sein, wie in der Vorzeit Tagen! Ein hoher Sinn stieg auf aus blut'gem Streit, Es kehrt der biedre Geist der Väter wieder, Und stolzer stehn, in deutscher Kraft und frei, o Brüder! Wir auf den Trümmern der vergangnen Zeit. Drum tretet mutig in die Kämpferbahn, Noch gilt es ja, das Ziel uns zu erringen! Fürs liebe Vaterland hinan! hinan! Doch nur von innen kann das Werk gelingen, Und nicht durch Völkerzwist, durch Waffenruhm, Nein, unser Weg geht durch Minervas Hallen; Laßt uns vereint zum Ideal, zum Höchsten wallen, Erschaffen uns ein echtes Bürgertum! Ja! so ersteht ein freies Vaterland, O Bruderbund, dies hast du dir erkoren! Hebt in die Lüfte auf die treue Hand, Dem Vaterlande sei es fest geschworen! O schöne Saat! der junge Stamm erblüht, Und schützend ragt er auf, wie Deutschlands Eichen, Blüh schöner Stamm, die Sonne kommt, die Schatten weichen, Und fern dahin die dunkle Wolke zieht. II (Weise: Raste, Scharnhorst! etc.) Ferne in der fremden Erde, Ruhet ihr bei eurem Schwerte, In des Todes sichrer Hut: Heil'ger Frieden Lohnt euch Müden Nach des Tages heißer Glut. Hörtet Siegesdonner schallen, Feindesfahnen saht ihr fallen, Als der Tod das Auge brach: Heil euch Lieben! Träumet drüben Von des Sieges goldnem Tag. Selig preis ich eure Lose In der Erde kühlem Schoße, Denn ihr saht der Freiheit Licht! Saht sie steigen Über Leichen, Wie die Sonn durch Wetter bricht. Hier in eurem Siegestale, Denken wir beim Todesmahle Innig eurer Siegerschar, Und wir gießen, Euch zu grüßen, Tränen auf den Festaltar. III (Weise: Wo Mut und Kraft) Reiß ab den Trauerflor, der dich verhüllte, Schwing dich herab und brich den dumpfen Schmerz, Nach dir, nach dir, nach deinem Götterbilde Sehnt sich so innig deiner Söhne Herz; O komm, die Schwerter blinken, Des Altars Kränze winken, Für dich, o Freiheit, ist der Hain geschmückt, Zu deinem Kranz die Blumen dort gepflückt. Denn, wo ein Volk, der Knechtschaft Joch zu brechen, Sich Mann für Mann die treue Rechte beut Und sich erhebt, die alte Schmach zu rächen, Und Gut und Leben für das Höchste weiht, Da steigt aus Himmelhöhen Herab dein süßes Wehen, Du fliegst voran, du ziehst das Siegerschwert Und stehst mit ihnen für der Heimat Herd. Und wo im Tal die Banner sich entrollen, Zu Sieg und Tod die Kriegsdrommete klingt, Wo sie für dich das Herzblut freudig zollen, Und aufs ersiegte Land der Jüngling sinkt: Da schwebst du mild hernieder, Führst die gefallnen Brüder Im Siegesdonner aus dem blut'gen Tal Hinauf, hinauf in deinen Heldensaal. Doch wo ein Volk aus seinen Freudeträumen Zu armer, trüber Wirklichkeit erwacht, Wo aus der Morgenröte goldnen Säumen Ein trübes Licht in kalten Nebeln tagt, Entschwebte da auf immer Dein froher Hoffnungsschimmer? – Du weilest noch – ein Stamm ist dir noch treu, Groß ist der Mut, wie klein die Schar auch sei! Wo ein Gefühl in jeder Brust geklungen, Wo eine Sehnsucht aus dem Auge quillt, Wo Jünglingsherzen eine Glut durchdrungen, Da säumst du nicht, du holdes Götterbild: Drum senke dein Gefieder Zu deinem Altar nieder! Du nahst, du nahst – ich höre deinen Gang Hoch über unsrer Hymnen Festgesang. IV So nahst du wieder, holde Siegesfeier, Die unsre Brust mit süßen Träumen füllt, Die mit der Freude dichtgewebtem Schleier Das trübe Bild der Gegenwart verhüllt; Du nahst – und alle Herzen schlagen freier, Gesang und Jubel tönet durchs Gefild, Und meiner Brüder frohe Blicke sagen: »Es war mein Volk, das diese Schlacht geschlagen!« Es war mein Volk! und nicht die frohen Binden Von Eichlaub sollten schmücken das Gelag; Wohl sollten wir Zypressenkränze winden, Um mancher Hoffnung frühen Sarkophag; Doch – den Gefallnen laßt uns Kränze winden, Und einmal noch am frohen Siegestag, Weil rings um uns des Sieges Früchte welken, Laßt uns in der Erinnrung Träumen schwelgen. Drum grüß ich dich, du Feld, wo sie gefallen, Wo froh ihr Aug im Siegesdonner brach! Drum grüß ich euch in euern Wolkenhallen, Ihr Tapfern, die ihr tilgtet unsre Schmach! Euch tapfern Sängern, euch ihr Helden allen, Euch tönen unsre Liebesgrüße nach, Und euch, die ihr dem Auge schnell entschwunden, Der jungen Freiheit kurze Frühlingsstunden! Und hätte man den Denkstein euch zerschlagen Und eure Kränze in den Staub gedrückt: Die Blumen haben in des Frühlings Tagen Der Helden Grab mit neuem Grün geschmückt. So keimt auch unsre Hoffnung unter Klagen; Denn ob der Sturm sie Blatt für Blatt zerpflückt, Neu sproßt sie aus dem Hügel eurer Leichen, Und Gott wird wachen über ihren Zweigen. V Wo eine Glut die Herzen bindet, Wo Aug dem Auge nur verkündet, Was Sehnsucht in dem Herzen spricht; Wo, wenn der Sturm die Form zerspaltet, Die Gottheit in den Trümmern waltet, Kennt man der Liebe Trennung nicht. Heran, ihr Brüder! Nord und Süden, Ob euch des Herrschers Wink geschieden, Laßt uns ein Volk von Brüdern sein: Schließt ja in Schönbunds weiten Auen Von allen Strömen, allen Gauen Ein Rasen unsre Brüder ein. Wohl ist der Siegsgesang verklungen, Ganz anders wird jetzt vorgesungen, Ganz andre Weisen spielt man vor; Doch tönt, von Wehmut fortgetragen, Ein Ton noch aus den bessern Tagen. Und schlägt an manch empfänglich Ohr. Hört ihr auf Frühlings leichten Schwingen Den alten Ton herüberklingen Von unsrer Brüder Schlachtgefild? Der Einklang ist's von tausend Tönen, Der mächtig in Germanias Söhnen Zu der Begeistrung Wogen schwillt.
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