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Der 6. November 1632
Schwedische Heide, Novembertag, der Nebel grau am Boden lag, hin über das Steinfeld von Dalarn holpert, stolpert ein Räderkarr'n.
Ein Räderkarr'n, beladen mit Korn; Lorns Atterdag zieht an der Deichsel vorn, Niels Rudbeck schiebt. Sie zwingen's nicht, das Gestrüpp wird dichter, Niels aber spricht:
»Busch-Ginster wächst hier über den Steg, wir geh'n in die Irr', wir missen den Weg, wir haben links und rechts vertauscht, - hörst du, wie der Dal-Elf rauscht?«
»Das ist nicht der Dal-Elf, der Dal-Elf ist weit, es rauscht nicht vor uns und nicht zur Seit', es lärmt in Lüften, es klingt wie Trab, wie Reiter wogt es auf und ab.
Es ist wie Schlacht, die herwärts dringt, wie Kirchenlied es dazwischen klingt, ich hör' in der Rosse wieherndem Trott: Eine feste Burg ist unser Gott!«
Und kaum gesprochen, da Lärmen und Schrein, in tiefen Geschwadern bricht es herein, es brausen und dröhnen Luft und Erd', vorauf ein Reiter auf weißem Pferd.
Signale, Schüsse, Rossegestampf, der Nebel wird schwarz wie Pulverdampf, wie wilde Jagd so fliegt es vorbei; - zitternd ducken sich die zwei.
Nun ist es vorüber ... da wieder mit Macht rückwärts wogt die Reiterschlacht, und wieder dröhnt und donnert die Erd', und wieder vorauf das weiße Pferd.
Wie ein Lichtstreif durch den Nebel es blitzt, kein Reiter mehr im Sattel sitzt, das fliehende Tier, es dampft und raucht, sein Weiß ist tief in Rot getaucht.
Der Sattel blutig, blutig die Mähn', ganz Schweden hat das Roß gesehn; - auf dem Felde von Lützen am selben Tag Gustav Adolf in seinem Blute lag.
Verse zum Advent
Noch ist Herbst nicht ganz entflohn, Aber als Knecht Ruprecht schon Kommt der Winter hergeschritten, Und alsbald aus Schnees Mitten Klingt des Schlittenglöckleins Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah, Bunt auf uns herniedersah, Weiß sind Türme, Dächer, Zweige, Und das Jahr geht auf die Neige, Und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn, Heute bist du uns noch fern, Aber Tannen, Engel, Fahnen Lassen uns den Tag schon ahnen, Und wir sehen schon den Stern.
Alles still!
Alles still! es tanzt den Reigen Mondenstrahl in Wald und Flur, Und darüber thront das Schweigen Und der Winterhimmel nur.
Alles still! vergeblich lauschet Man der Krähe heisrem Schrei. Keiner Fichte Wipfel rauschet, Und kein Bächlein summt vorbei.
Alles still! die Dorfeshütten Sind wie Gräber anzusehn, Die, von Schnee bedeckt, inmitten Eines weiten Friedhofs stehn.
Alles still! nichts hör ich klopfen Als mein Herze durch die Nacht - Heiße Tränen niedertropfen Auf die kalte Winterpracht.
Die Balinesenfrauen auf Lombok
Unerhört, Auf Lombok hat man sich empört, Auf der Insel Lombok die Balinesen Sind mit Mynheer unzufrieden gewesen.
Und die Mynheers faßt ein Zürnen und Schaudern: »Aus mit dem Brand, ohne Zögern und Zaudern!« Und allerlei Volk, verkracht, verdorben, Wird von Mynheer angeworben, Allerlei Leute mit Mausergewehren Sollen die Balinesen bekehren. Vorwärts, ohne Sinn und Plan; Aber auch planlos wird es getan: Hinterlader arbeitete gut, Und die Männer liegen in ihrem Blut.
Die Männer. Aber groß anzuschaun Sind da noch sechzig stolze Fraun, All eingeschlossen zu Wehr und Trutz In eines Buddhatempels Schutz. Reichgekleidet, goldgeschmückt, Ihr jüngstes Kind an die Brust gedrückt, Hochaufgericht't eine jede stand, Den Feind im Auge, den Dolch in der Hand.
Die Kugeln durchschlagen Trepp und Dach - »Wozu hier noch warten, feig und schwach?« Und die Türen auf und hinab ins Tal, Hoch ihr Kind und hoch der Stahl (Am Griffe funkelt der Edelstein), So stürzen sie sich in des Feindes Reihn. Die Hälfte fällt tot, die Hälfte fällt wund, Aber jede will sterben zu dieser Stund, Und die Letzten, in stolzer Todeslust, Stoßen den Dolch sich in die Brust.
Mynheer derweilen in seinem Kontor, Malt sich christlich Kulturelles vor.
Wo Bismarck liegen soll
Nicht in Dom oder Fürstengruft, er ruh' in Gottes freier Luft draußen auf Berg und Halde, noch besser tief, tief im Walde; Widukind lädt ihn zu sich ein: »Ein Sachse war er, drum ist er mein, im Sachsenwald soll er begraben sein.«
Der Leib zerfällt, der Stein zerfällt, aber der Sachsenwald, der hält, und kommen nach dreitausend Jahren Fremde hier des Weges gefahren und sehen, geborgen vorm Licht der Sonnen, den Waldrand in Efeu tief eingesponnen und staunen der Schönheit und jauchzen froh, so gebietet einer: »Lärmt nicht so! - Hier unten liegt Bismarck irgendwo
Überlaß es der Zeit
Erscheint dir etwas unerhört, Bist du tiefsten Herzens empört, Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit, Berühr es nicht, überlaß es der Zeit. Am ersten Tage wirst du feige dich schelten, Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten, Am dritten hast du's überwunden; Alles ist wichtig nur auf Stunden, Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter, Zeit ist Balsam und Friedensstifter.
Die Frage bleibt
Halte dich still, halte dich stumm, Nur nicht fragen, warum? warum?
Nur nicht bittere Fragen tauschen, Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.
Wies dich auch aufzuhorchen treibt, Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.
Archibald Douglas
»Ich hab' es getragen sieben Jahr, und ich kann es nicht tragen mehr, wo immer die Welt am schönsten war, da war sie öd' und leer.
Ich will hintreten vor sein Gesicht in dieser Knechtsgestalt, er kann meine Bitte versagen nicht, ich bin ja worden alt,
Und trüg' er noch den alten Groll, frisch wie am ersten Tag, so komme, was da kommen soll, und komme, was da mag.«
Graf Douglas sprichts. Am Weg ein Stein lud ihn zu harter Ruh', er sah in Wald und Feld hinein, die Augen fielen ihm zu.
Er trug einen Harnisch, rostig und schwer, darüber ein Pilgerkleid, - da horch, vom Waldrand scholl es her wie von Hörnern und Jagdgeleit.
Und Kies und Staub aufwirbelte dicht, herjagte Meut' und Mann, und ehe der Graf sich aufgericht't, waren Roß und Reiter heran.
König Jakob saß auf hohem Roß, Graf Douglas grüßte tief, dem König das Blut in die Wangen schoß, der Douglas aber rief:
»König Jakob, schaue mich gnädig an und höre mich in Geduld, was meine Brüder dir angetan, es war nicht meine Schuld.
Denk nicht an den alten Douglas-Neid, der trotzig dich bekriegt, denk lieber an deine Kinderzeit, wo ich dich auf den Knieen gewiegt.
Denk lieber zurück an Stirling-Schloß, wo ich Spielzeug dir geschnitzt, dich gehoben auf deines Vaters Roß und Pfeile die zugespitzt.
Denk lieber zurück an Linlithgow, an den See und den Vogelherd, wo ich dich fischen und jagen froh und schwimmen und springen gelehrt.
O denk an alles, was einsten war, und sänftige deinen Sinn, ich hab' es gebüßet sieben Jahr, daß ich ein Douglas bin.«
»Ich seh' dich nicht, Graf Archibald, ich hör' deine Stimme nicht, mir ist, als ob ein Rauschen im Wald von alten Zeiten spricht.
Mir klingt das Rauschen süß und traut, ich lausch' ihm immer noch, dazwischen aber klingt es laut: Er ist ein Douglas doch.
Ich seh dich nicht, ich höre dich nicht, das ist alles, was ich kann, ein Douglas vor meinem Angesicht wär' ein verlorener Mann.«
König Jakob gab seinem Roß den Sporn, bergan ging jetzt sein Ritt, Graf Douglas faßte den Zügel vorn und hielt mit dem König Schritt.
Der Weg war steil, und die Sonne stach, und sein Panzerhemd war schwer; doch ob er schier zusammenbrach, er lief doch nebenher.
»König Jakob, ich war dein Seneschall, ich will es nicht fürder sein, ich will nur warten dein Roß im Stall und ihm schütten die Körner ein.
Ich will ihm selber machen die Streu und es tränken mit eigner Hand, nur laß mich atmen wieder aufs neu die Luft im Vaterland.
Und willst du nicht, so hab' einen Mut, und ich will es danken dir, und zieh dein Schwert und triff mich gut und laß mich sterben hier.«
König Jakob sprang herab vom Pferd, hell leuchtete sein Gesicht, aus der Scheide zog er sein breites Schwert, aber fallen ließ er es nicht.
»Nimm's hin, nimm's hin und trag es neu, und bewache mir meine Ruh', der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du.
Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow, und du reitest an meiner Seit', da wollen wir fischen und jagen froh als wie in alter Zeit.«
Kaiser Friedrich III. letzte Fahrt
»Ich sähe wohl gern (er sprach es stumm) noch einmal die Plätze hier herum, am liebsten auf Alt-Geltow zu, - und ihr kommt mit, die Kinder und du.«
Das Dorf, es lag im Sonnenschein, in die stille Kirche tritt er ein, die Wände weiß, die Fenster blank, zu beiden Seiten nur Bank an Bank, und auf der letzten - er blickt empor auf Orgel und auf Orgelchor und wendet sich und spricht: »Wie gern, vernähm' ich noch einmal ›Lobe den Herrn‹; den Lehrer im Feld, ich mag ihn nicht stören, Vicky, laß du das Lied mich hören.«
Und durch die Kirche, klein und kahl, als sprächen die Himmel, erbraust der Choral, und wie die Töne sein Herz bewegen, eine Lichtgestalt tritt ihm entgegen, eine Lichtgestalt, an den Händen beiden erkennt er die Male: »Dein Los war leiden. Du lerntest dulden und entsagen, drum sollst du die Krone des Lebens tragen. Du siegtest, nichts soll dich fürder beschweren: Lobe den mächtigen König der Ehren . .«
Die Hände gefaltet, den Kopf tief geneigt, so lauscht er der Stimme. Die Orgel schweigt.
Frühling
Nun ist er endlich kommen doch in grünem Knospenschuh. »Er kam, er kam ja immer noch«, die Bäume nicken sich's zu.
Sie konnten ihn all erwarten kaum, nun treiben sie Schuß auf Schuß; im Garten der alte Apfelbaum er sträubt sich, aber er muß.
Wohl zögert auch das alte Herz und atmet noch nicht frei, es bangt und sorgt: »Es ist erst März, und März ist noch nicht Mai.«
O schüttle ab den schweren Traum und die lange Winterruh', es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag's auch du!
Goodwin-Sand
Das sind die Bänke von Goodwin-Sand, sie sind nicht Meer, sie sind nicht Land, sie schieben sich, langsam, satt und schwer, wie eine Schlange hin und her.
Und die Schiffe, die mit dem Sturm gerungen und die schäumende Wut der Wellen bezwungen, und die gefahren über die Welt, unzertrümmert, unzerschellt, sie sehen die Heimat, sie sehen das Ziel, da schiebt sich die Schlange unter den Kiel und ringelt Schiff und Mannschaft hinab, zugleich ihr Tod, zugleich ihr Grab.
Die See ist still, die Ebb' ist nah, Mastspitzen ragen hier und da, und wo sie ragen in die Luft, da sind es Kreuze über der Gruft; ein Kirchhof ist's, halb Meer, halb Land, - das sind die Bänke von Goodwin-Sand.
Gorm Grymme
König Gorm herrscht über Dänemark, er herrscht die dreißig Jahr, sein Sinn ist fest, seine Hand ist stark, weiß worden ist nur sein Haar, weiß worden sind nur seine buschigen Brau'n, die machten manchen stumm, im Grimme liebt er drein zu schau'n, - Gorm Grymme heißt er drum.
Und die Jarls kamen zum Fest des Jul, Gorm Grymme sitzt im Saal, und neben ihm sitzt, auf beinernem Stuhl, Thyra Danebod, sein Gemahl; sie reichen einander still die Hand und blicken sich an zugleich, ein Lächeln in beider Augen stand, - Gorm Grymme, was macht dich so weich?
Den Saal hinunter, in offner Hall', da fliegt es wie Locken im Wind, Jung-Harald spielt mit dem Federball, Jung-Harald, ihr einziges Kind, sein Wuchs ist schlank, blond ist sein Haar, blau-golden ist sein Kleid, Jung-Harald ist heut fünfzehn Jahr, und sie lieben ihn allbeid'.
Sie lieben ihn beid'; eine Ahnung bang kommt über die Königin; Gorm Grymme aber den Saal entlang auf Jung-Harald deutet er hin, und er hebt sich zum Sprechen, - sein Mantel rot gleitet nieder auf den Grund: »Wer je mir spräche, 'er ist tot', der müßte sterben zur Stund'.«
Und Monde gehn. Es schmolz der Schnee, der Sommer kam zu Gast, dreihundert Schiffe fahren in See, Jung-Harald steht am Mast, er steht am Mast, er singt ein Lied, bis sich's im Winde brach, das letzte Segel, es schwand, es schied, - Gorm Grymme schaut ihm nach.
Und wieder Monde. Grau-Herbstestag liegt über Sund und Meer, drei Schiffe mit mattem Ruderschlag rudern heimwärts drüber her; schwarz hängen die Wimpel; auf Brömsebro-Moor Jung-Harald liegt im Blut, - wer bringt die Kunde vor Königs Ohr? Keiner hat den Mut.
Thyra Danebod schreitet hinab an den Strand, sie hatte die Segel gesehn; sie spricht: »Und bangt sich euer Mund, ich meld' ihm, was geschehn«; ablegt sie ihr rotes Korallengeschmeid' und die Gemme von Opal, sie kleidet sich in ein schwarzes Kleid und tritt in Hall' und Saal.
In Hall' und Saal. An Pfeiler und Wand Goldteppiche ziehen sich hin, schwarze Teppiche nun mit eigener Hand hängt drüber die Königin, und sie zündet zwölf Kerzen; ihr flackernd Licht, es gab einen trüben Schein, und sie legt ein Gewebe, schwarz und dicht, auf den Stuhl von Elfenbein.
Eintritt Gorm Grymme. Es zittert sein Gang, er schreitet wie im Traum, er starrt die schwarze Hall' entlang, die Lichter, er sieht sie kaum, er spricht: »Es weht wie Schwüle hier, ich will an Meer und Strand, reich' meinen rotgoldenen Mantel mir und reiche mir deine Hand.«
Sie gab ihm einen Mantel dicht, der war nicht golden, nicht rot, Gorm Grymme sprach: »Was niemand spricht, ich spreche es: er ist tot.« Er setzte sich nieder, wo er stand, ein Windstoß fuhr durchs Haus, die Königin hielt des Königs Hand, die Lichter loschen aus.
Meine Gräber
Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut; meine Gräber liegen zu weit zerstreut, weit zerstreut über Stadt und Land, aber all in märkischem Sand.
Verfallene Hügel, die Schwalben ziehn, vorüber schlängelt sich der Rhin, über weiße Steine, zerbröckelt all', blickt der alte Ruppiner Wall, die Buchen stehn, die Eichen rauschen, die Gräberbüsche Zwiesprach tauschen, und Haferfelder weit auf und ab, - da ist meiner Mutter Grab.
Und ein andrer Platz, dem verbunden ich bin: Berglehnen, die Oder fließt dran hin, zieht vorüber in trägem Lauf, gelbe Mummeln schwimmen darauf. Am Ufer Werft und Schilf und Rohr, und am Abhange schimmern Kreuze hervor, auf eines fällt heller Sonnenschein, - da hat mein Vater seinen Stein.
Der Dritte, seines Todes froh, liegt auf dem weiten Teltow-Plateau, Dächer von Ziegel, Dächer von Schiefer, dann und wann eine Krüppelkiefer, ein stiller Graben die Wasserscheide, Birken hier und da eine Weide, zuletzt eine Pappel am Horizont, - im Abendstrahle sie sich sonnt. Auf den Gräbern Blumen und Aschenkrüge, vorüber in Ferne rasseln die Züge, still bleibt das Grab und der Schläfer drin, - der Wind, der Wind geht drüber hin
Immer enger...
Immer enger, leise, leise Ziehen sich die Lebenskreise, Schwindet hin, was prahlt und prunkt, Schwindet hoffen, hassen, lieben, Und ist nichts in Sicht geblieben Als der letzte dunkle Punkt.
Jan Bart
Jan Bart geht über den Vlissinger Damm. »Hür, Katrin, wir trecken tosamm; en Huus, en Boot, 'ne Zieg' un 'ne Kuh', wat mienst, Katrin? sy miene Fru.«
Katrin an ihrem Friesrock zog, »Ne, Jan, bist mi nich Mynherr 'noog.« Der nickt und lacht: »Na, denn adje.« Und nach Frankreich geht er und sticht in See.
Matrose, Maat, so fängt er an, auf der zweiten Reise: Steuermann, auf der dritten: Leutnant unter Du Quesne, auf der vierten: Flottenkapitän.
Und als es mit England kommt zum Krieg, wo Jan Bart erscheint, erscheint der Sieg, wie stolz das britische Banner auch weh', Jan Bart ist Herr und fegt die See.
Heut aber tritt er vor seinen Herrn, vor Louis quatorze. Der sieht ihn gern. »Willkommen, Jan Bart, in diesem Saal, ich ernenn' Euch zu meinem Groß-Admiral.«
Jan Bart verneigt sich: »Majestät, was klug und recht ist, kommt nie zu spät.« Alles starrt auf den König, der aber lacht, - Jan Bart hat sich wieder heim gemacht.
Und am Vlissinger Damm, an alter Stell', sitzt wieder Katrin auf ihrer Schwell', ihren Ältesten hält sie bei der Hand, der Jüngste liegt und spielt im Sand.
Er grüßt sie lachend und noch einmal: »Katrin, ich bin nu Groß-Admiral, Katrin, w'rüm biste nicht mit mi goahn?« »Joa, wenn ick't wußt hätt, hätt ick't doahn.«
John Maynard
John Maynard! »Wer ist John Maynard?« »John Maynard war unser Steuermann, Aus hielt er, bis er das Ufer gewann, Er hat uns gerettet, er trägt die Kron, Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. John Maynard.«
* * *
Die »Schwalbe« fliegt über den Erisee, Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee; Von Detroit fliegt sie nach Buffalo - Die Herzen aber sind frei und froh, Und die Passagiere mit Kindern und Fraun Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun, Und plaudernd an John Maynard heran Tritt alles: »Wie weit noch, Steuermann?« Der schaut nach vorn und schaut in die Rund: »Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund.«
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei - Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei, »Feuer!« war es, was da klang, Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang, Ein Qualm, dann Flammen lichterloh, Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt, Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt, Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht, Am Steuer aber lagert sich´s dicht, Und ein Jammern wird laut: »Wo sind wir? wo?« Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht, Der Kapitän nach dem Steuer späht, Er sieht nicht mehr seinen Steuermann, Aber durchs Sprachrohr fragt er an: »Noch da, John Maynard?« »Ja,Herr. Ich bin.« »Auf den Strand! In die Brandung!« »Ich halte drauf hin.« Und das Schiffsvolk jubelt: »Halt aus! Hallo!« Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -
»Noch da, John Maynard?« Und Antwort schallt's Mit ersterbender Stimme: »Ja, Herr, ich halt's!« Und in die Brandung, was Klippe, was Stein, Jagt er die »Schwalbe« mitten hinein. Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so. Rettung: der Strand von Buffalo!
* * *
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt. Gerettet alle. Nur einer fehlt!
* * *
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n Himmelan aus Kirchen und Kapell'n, Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt, Ein Dienst nur, den sie heute hat: Zehntausend folgen oder mehr, Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab, Mit Blumen schließen sie das Grab, Und mit goldner Schrift in den Marmorstein Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein: »Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand Hielt er das Steuer fest in der Hand, Er hat uns gerettet, er trägt die Kron, Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. John Maynard.«
Mein Leben
Mein Leben, ein Leben ist es kaum, Ich gehe dahin als wie im Traum.
Wie Schatten huschen die Mensch hin, Ein Schatten dazwischen ich selber bin.
Und im Herzen tiefe Müdigkeit - Alles sagt mir: Es ist Zeit ...
Mittag
Am Waldessaume träumt die Föhre, am Himmel weiße Wölkchen nur; es ist so still, daß ich sie höre, die tiefe Stille der Natur.
Rings Sonnenschein auf Wies' und Wegen, die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach, und doch, es klingt, als ström' ein Regen leis tönend auf das Blätterdach.
Ein neues Buch, ein neues Jahr
Ein neues Buch, ein neues Jahr Was werden die Tage bringen?! Wird's werden, wie es immer war, Halb scheitern, halb gelingen?
Ich möchte leben, bis all dies Glühn Rücklässt einen leuchtenden Funken. Und nicht vergeht, wie die Flamm' im Kamin, Die eben zu Asche gesunken.
»Und alles ohne Liebe«
Die Mutter spricht: »Lieb Else mein, Wozu dies Grämen und Härmen? Man lebt sich ineinander ein, Auch ohne viel zu schwärmen; Wie manche nahm schon ihren Mann, Daß sie nicht sitzen bliebe, Und dünkte sich im Himmel dann Und – alles ohne Liebe.«
Jung-Else hört's. Sie schloß das Band, Das ewge, am Altare, Und lächelnd nahm des Gatten Hand Den Kranz aus ihrem Haare; Ihr war's, als ob ein glühend Rot Sich auf die Stirn ihr schriebe, Sie gab ihr Alles, nach Gebot, Und – alles ohne Liebe.
Der Mann ist schlecht: er liebt das Spiel Und guten Trunk nicht minder, Sein Weib zu Hause weint zu viel, Und ewig schrein die Kinder; Spät kommt er heim, er kost, er schlägt, Nachgiebig jedem Triebe; Sie trägt's, wie nur die Liebe trägt, Und – alles ohne Liebe.
Sie wünscht sich oft, es wär vorbei, Wenn nicht die Kinder wären, So aber sucht sie stets aufs neu Zum Guten es zu kehren; Sie schmeichelt ihm, und ob er dann Auch kalt beiseit sie schiebe, Sie nennt ihn »ihren liebsten Mann« Und – alles ohne Liebe.
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand, Und kam die goldene Herbsteszeit Und die Birnen leuchteten weit und breit, Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl, Der von Ribbeck sich beide Taschen voll, Und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?« Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit, Wieder lachten die Birnen weit und breit; Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins Grab.« Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, Trugen von Ribbeck sie hinaus, Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht Sangen »Jesus meine Zuversicht«, Und die Kinder klagten, das Herze schwer: »He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht - Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht; Der neue freilich, der knausert und spart, Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt. Aber der alte, vorahnend schon Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn, Der wußte genau, was damals er tat, Als um eine Birn' ins Grab er bat, Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab, Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, Und in der goldenen Herbsteszeit Leuchtet's wieder weit und breit. Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her, So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?« Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Summa Summarum!
Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden [Fast wär ich auch mal Hofrat geworden], Ein bißchen Namen, ein bißchen Ehre, eine Tochter "geprüft", ein Sohn im Heere, Mit siebzig 'ne Jubiläumsfeier, Artikel im Brockhaus und im Meyer ... Altpreußischer Durchschnitt, Summa Summarum, Es drehte sich immer um Lirum Larum Um Lirum Larum Löffelstiel. Alles in allem - es war nicht viel.
Die Brück' am Tay
When shall we three meet again Macbeth
»Wann treffen wir drei wieder zusamm'?« »Um die siebente Stund', am Brückendamm.« »Am Mittelpfeiler.« »Ich lösche die Flamm'.« »Ich mit.« »Ich komme vom Norden her.« »Und ich von Süden.« »Und ich vom Meer.« »Hei, das gibt ein Ringelreihn, Und die Brücke muß in den Grund hinein.« »Und der Zug, der in die Brücke tritt Um die siebente Stund'?« »Ei der muß mit.« »Muß mit.« »Tand, Tand, Ist das Gebilde von Menschenhand.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus - Alle Fenster sehen nach Süden aus, Und die Brücknersleut', ohne Rast und Ruh Und in Bangen sehen nach Süden zu, Sehen und warten, ob nicht ein Licht Übers Wasser hin »ich komme« spricht, »Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug, Ich, der Edinburger Zug.«
Und der Brückner jetzt: »Ich seh einen Schein Am anderen Ufer. Das muß er sein. Nun Mutter, weg mit dem bangen Traum, Unser Johnie kommt und will seinen Baum, Und was noch am Baume von Lichtern ist, Zünd' alles an wie zum heiligen Christ, Der will heuer zweimal mit uns sein, - Und in elf Minuten ist er herein.«
Und es war der Zug. Am Süderturm Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm, Und Johnie spricht: »Die Brücke noch! Aber was tut es, wir zwingen es doch. Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf, Die bleiben Sieger in solchem Kampf, Und wie's auch rast und ringt und rennt, Wir kriegen es unter: das Element.«
»Und unser Stolz ist unsre Brück'; Ich lache, denk ich an früher zurück, An all den Jammer und all die Not Mit dem elend alten Schifferboot; Wie manche liebe Christfestnacht Hab ich im Fährhaus zugebracht, Und sah unsrer Fenster lichten Schein, Und zählte, und konnte nicht drüben sein.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus - Alle Fenster sehen nach Süden aus, Und die Brücknersleut' ohne Rast und Ruh Und in Bangen sehen nach Süden zu; Denn wütender wurde der Winde Spiel, Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel', Erglüht es in niederschießender Pracht Überm Wasser unten ... Und wieder ist Nacht.
»Wann treffen wir drei wieder zusamm'?« »Um Mitternacht, am Bergeskamm.« »Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«
»Ich komme.« »Ich mit.« »Ich nenn euch die Zahl.« »Und ich die Namen.« »Und ich die Qual.« »Hei! Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.« »Tand, Tand, Ist das Gebilde von Menschenhand.«
Zuspruch
Such nicht immer, was dir fehle, Demut fülle deine Seele, Dank erfülle dein Gemüt. Alle Blumen, alle Blümchen, Und darunter selbst ein Rühmchen, Haben auch für dich geblüht!
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