|
Der Gärtner
Wohin ich geh und schaue, In Feld und Wald und Tal, Vom Berg hinab in die Aue: Viel schöne, hohe Fraue, Grüß ich dich tausendmal.
In meinem Garten find ich Viel Blumen, schön und fein, Viel Kränze wohl draus wind ich Und tausend Gedanken bind ich Und Grüße mit darein.
Ihr darf ich keinen reichen, Sie ist zu hoch und schön, Die müssen alle verbleichen, Die Liebe nur ohnegleichen Bleibt ewig im Herzen stehn.
Ich schein wohl froher Dinge Und schaffe auf und ab, Und, ob das Herz zerspringe, Ich grabe fort und singe Und grab mir bald mein Grab.
Jägerkatechismus
Was wollt ihr in dem Walde haben, Mag sich die arme Menschenbrust Am Waldesgruße nicht erlaben, Am Morgenrot und grüner Lust?
Was tragt ihr Hörner an der Seite, Wenn ihr des Hornes Sinn vergaßt, Wenn's euch nicht selbst lockt in die Weite, Wie ihr vom Berg frühmorgens blast?
Ihr werd't doch nicht die Lust erjagen, Ihr mögt durch alle Wälder gehn; Nur müde Füß und leere Magen - Mir möcht die Jägerei vergehn!
O nehmet doch die Schneiderelle, Guckt in der Küche in den Topf! Sonntags dann auf des Hauses Schwelle, Krau euch die Ehfrau auf dem Kopf!
Die Tierlein selber: Hirsch und Rehen, Was lustig haust im grünen Haus, Sie fliehn auf ihre freien Höhen, Und lachen arme Wichte aus.
Doch kommt ein Jäger, wohlgeboren, Das Horn irrt, er blitzt rosenrot Da ist das Hirschlein wohl verloren, Stellt selber sich zum lust'gen Tod.
Vor allen aber die Verliebten, Die lad ich ein zur Jägerlust, Nur nicht die weinerlich Betrübten; Die recht von frisch' und starker Brust.
Mein Schatz ist Königin im Walde, Ich stoß ins Horn, ins Jägerhorn! Sie hört mich fern und naht wohl balde, Und was ich blas, ist nicht verlorn! -
Der Kadett
Meine Liebste, die ist von allen Grade die Schönste nicht, Doch hat mir eben gefallen Ihr spielendes Augenlicht.
Da kann ich von Glücke sagen, Denn wär sie die Schönste just, Müßt ich mit allen mich schlagen Um die Eine nach Herzenslust.
Übermut
Ein' Gems auf dem Stein, Ein Vogel im Flug, Ein Mädel, das klug, Kein Bursch holt die ein.
Der Polack
Und komm ich, komm ich ohne Pelz, Mein' Liebste fragt mich aus: "Wo hast du lassen deinen Pelz?" Und macht sich doch nichts draus.
Da drüben ist gut Schnaps und Bier, Der Wirt bläst Klarinett, Da stritten wir, drei oder vier, Wer's schönste Liebchen hätt.
Ich aber trank aus deinem Schuh, Ließ meinen Pelz im Haus Und eine Handvoll Haar' dazu, Ich mach mir gar nichts draus.
Der Jäger
Was Segeln der Wünsche durch luftige Höh! Was bildendes Träumen im blühenden Klee! Was Hoffen und Bangen, was Schmachten, was Weh!
Und rauscht nicht die Erde in Blüten und Duft? Und schreitet nicht Hörnerklang kühn durch die Luft? Und stürzet nicht jauchzend der Quell von der Kluft?
Drum jage du frisch auch dein flüchtiges Reh Durch Wälder und Felder, durch Täler und See, Bis dir es ermüdet im Arme vergeh!
Der Landreiter
Ich ging bei Nacht einst über Land, Ein Bürschlein traf ich draußen, Das hat 'nen Stutzen in der Hand Und zielt auf mich voll Grausen. Ich renne, da ich mich erbos, Auf ihn in vollem Rasen, Da drückt das kecke Bürschlein los Und ich stürzt auf die Nasen. Er aber lacht mir ins Gesicht, Daß er mich angeschossen, Cupido war der kleine Wicht - Das hat mich sehr verdrossen.
Der Bote
Am Himmelsgrund schießen So lustig die Stern, Dein Schatz läßt dich grüßen Aus weiter, weiter Fern!
Hat eine Zither gehangen An der Tür unbeacht', Der Wind ist gegangen Durch die Saiten bei Nacht.
Schwang sich auf dann vom Gitter Über die Berge, übern Wald - Mein Herz ist die Zither, Gibt ein'n fröhlichen Schall.
Die Jäger
Wir waren ganz herunter, Da sprach Diana ein, Die blickt' so licht und munter, Nun geht's zum Wald hinein!
Im Dunkeln Äuglein funkeln, Cupido schleichet leis, Die Bäume heimlich munkeln - Ich weiß wohl, was ich weiß!
Der Winzer
Es hat die Nacht geregnet, Es zog noch grau ins Tal, Und ruhten still gesegnet Die Felder überall; Von Lüften kaum gefächelt, Durchs ungewisse Blau Die Sonne verschlafen lächelt' Wie eine wunderschöne Frau.
Nun sah ich auch sich heben Aus Nebeln unser Haus, Du dehntest zwischen den Reben Dich von der Schwelle hinaus, Da funkelt' auf einmal vor Wonne Der Strom und Wald und Au - Du bist mein Morgen, meine Sonne, Meine liebe, verschlafene Frau!
Der Poet
Bin ich fern ihr: schau ich nieder Träumend in die Täler hier, Ach, ersinn ich tausend Lieder, Singt mein ganzes Herz von ihr. Doch was hilft die Gunst der Musen, Daß die Welt mich Dichter nennt? Keiner frägt, wie mir im Busen Sorge tief und Sehnsucht brennt.
Ja, darf ich bei Liebchen weilen: Fühl ich froh der Stunden Schwall Wohl melodischer enteilen Als der schönste Silbenfall, Will ich singen, Lippen neigen Sich auf mich und leiden's nicht, Und wie gerne mag ich schweigen, Wird mein Leben zum Gedicht!
Die Kleine
Zwischen Bergen, liebe Mutter, Weit den Wald entlang, Reiten da drei junge Jäger Auf drei Roßlein blank, lieb Mutter, Auf drei Rößlein blank.
Ihr könnt fröhlich sein, lieb Mutter Wird es draußen still: Kommt der Vater heim vom Walde, Küßt Euch, wie er will, lieb Mutter, Küßt Euch, wie er will.
Und ich werfe mich im Bettchen Nachts ohn Unterlaß, Kehr mich links und kehr mich rechts hin, Nirgends hab ich was, lieb Mutter, Nirgends hab ich was.
Bin ich eine Frau erst einmal, In der Nacht dann still Wend ich mich nach allen Seiten, Küß, soviel ich will, Küß, soviel ich will.
Die Stolze
Sie steckt mit der Abendrote In Flammen rings das Land, Und hat samt Manschetten und Flöte Den verliebten Tag verbrannt.
Und als nun verglommen die Gründe, Sie stieg auf die stillen Höhn, Wie war da rings um die Schlünde Die Welt so groß und schön!
Waldkönig zog durch die Wälder Und stieß ins Horn vor Lust, Da klang über die stillen Felder, Wovon der Tag nichts gewußt. -
Und wer mich wollt erwerben, Ein Jäger müßt's sein zu Roß, Und müßt auf Leben und Sterben Entführen mich auf sein Schloß!
Der Freiwerber
Frühmorgens durch die Winde kühl Zwei Ritter hergeritten sind, Im Garten klingt ihr Saitenspiel, Wach auf, wach auf, mein schönes Kind!
Ringsum viel Schlösser schimmernd stehn, So silbern geht der Ströme Lauf, Hoch, weit rings Lerchenlieder wehn, Schließ Fenster, Herz und Äuglein auf!
So wie du bist, verschlafen heiß, Laß allen Putz und Zier zu Haus, Tritt nur herfür im Hemdlein weiß, Siebst so gar schön verliebet aus.
Ich hab einen Fremden wohl bei mir, Der lauert unten auf der Wacht, Der bittet schön dich um Quartier, Verschlafnes Kind, nimm dich in acht!
Jäger und Jägerin
Sie
Wär ich ein muntres Hirschlein schlank, Wollt ich im grünen Walde gehn, Spazierengehn bei Hörnerklang, Nach meinem Liebsten mich umsehn.
Er
Nach meiner Liebsten mich umsehn Tu ich wohl, zieh ich früh von hier, Doch sie mag niemals zu mir gehn Im dunkelgrünen Waldrevier.
Sie
Im dunkelgrünen Waldrevier Da blitzt der Liebste rosenrot, Gefällt so sehr dem armen Tier, Das Hirschlein wünscht, es läge tot.
Er
Und wär das schöne Hirschlein tot, So möcht ich jagen länger nicht; Scheint übern Wald der Morgen rot: Hüt schönes Hirschlein, hüte dich!
Sie
Hüt schönes Hirschlein, hüte dich! Spricht's Hirschlein selbst in seinem Sinn: Wie soll ich, soll ich hüten mich, Wenn ich so sehr verliebet bin?
Er
Weil ich so sehr verliebet bin, Wollt ich das Hirschlein, schon und wild Aufsuchen tief im Walde drin Und streicheln, bis es stille hielt.
Sie
Ja, streicheln, bis es stille hielt, Falsch locken so in Stall und Haus! Zum Wald springt 's Hirschlein frei und wild Und lacht verliebte Narren aus.
Der Tanzmeister
Wohlgerüstet war ich kommen; Siegsgewiß, doch wie zum Scherz Hat ein Blick mein Herz genommen - Wer kann kämpfen ohne Herz?
So vom Augenblick - geschlagen, Kniet ich Armer vor ihr hin, Hatt kein Herz nun, ihr zu sagen, Daß ich ihr Entherzter bin.
Die Braut
Wann die Bäume blühn und sprossen Und die Lerche kehrt zurück, Denkt die Seele der Genossen, Fühlet fern' und nahes Glück.
Selig Weinen sel'ger Herzen! Wenn das Herz nichts weiter will, Nicht von Lust erfüllt, noch Schmerzen, Aber fröhlich ist und still.
Frischer sich die Hügel kränzen, Heitrer lacht das weite Blau, Alle Blumen schöner glänzen Durch des Auges süßen Tau.
Und soll denn das Lieben leiden, Und, wer leidet, krank auch sein, Ach, so will ich keine Freuden, Und mag nicht gesund mehr sein!
Die Geniale
Lustig auf den Kopf, mein Liebchen, Stell dich, in die Luft die Bein! Heisa! ich will sein dein Bübchen, Heute nacht soll Hochzeit sein!
Wenn du Shakespeare kannst vertragen, O du liebe Unschuld du! Wirst du mich wohl auch ertragen Und noch jedermann dazu. -
Der verzweifelte Liebhaber
Studieren will nichts bringen, Mein Rock hält keinen Stich, Meine Zither will nicht klingen, Mein Schatz, der mag mich nicht.
Ich wollt, im Grün spazierte Die allerschönste Frau, Ich wär ein Drach und führte Sie mit mir fort durchs Blau.
Ich wollt, ich jagt gerüstet Und legt die Lanze aus, Und jagte all Philister Zur schönen Welt hinaus.
Ich wollt, ich säß jetzunder Im Himmel still und weit, Und früg nach all dem Plunder Nichts vor Zufriedenheit.
Der Glückliche
Ich hab ein Liebchen lieb recht von Herzen, Hellfrische Augen hat's wie zwei Kerzen, Und wo sie spielend streifen das Feld, Ach, wie so lustig glänzet die Welt!
Wie in der Waldnacht zwischen den Schlüften Plötzlich die Täler sonnig sich klüften, Funkeln die Ströme, rauscht himmelwärts Blühende Wildnis - so ist mein Herz!
Wie vom Gebirge ins Meer zu schauen, Wie wenn der Seefalk, hangend im Blauen, Zuruft der dämmernden Erd, wo sie blieb? - So unermeßlich ist rechte Lieb!
Der Nachtvogel
Liegt der Tag rings auf der Lauer, Blickt so schlau auf Lust und Trauer: Kann ich kaum mich selbst verstehen. Laß die Lauscher schlafen gehen! Nur ein Stündchen unbewacht Laß in der verschwiegnen Nacht Mich in deine Augen sehen Wie in stillen Mondenschein. In dem Park an der Rotunde, Wenn es dunkelt, harr ich dein. Still und fromm ja will ich sein. Liebste, ach nur eine Stunde! - Sieh mir nicht so böse drein! Willst du nie dein Schweigen brechen, Ewig stumm wie Blumen sein: O so laß mich das Versprechen Pflücken dir vom stillen Munde: Liebste, ach nur eine Stunde! In dem Park, an der Rotunde, Wenn es dunkelt, harr ich dein.
Coda
Und kann ich nicht sein Mit dir zu zwein, So will ich, allein, Der Schwermut mich weihn!
Die Nachtblume
Nacht ist wie ein stilles Meer, Lust und Leid und Liebesklagen Kommen so verworren her In dem linden Wellenschlagen.
Wünsche wie die Wolken sind, Schiffen durch die stillen Räume, Wer erkennt im lauen Wind, Ob's Gedanken oder Träume? -
Schließ ich nun auch Herz und Mund, Die so gern den Sternen klagen: Leise doch im Herzensgrund Bleibt das linde Wellenschlagen.
Der Dichter
Nichts auf Erden nenn ich mein Als die Lieder meiner Laute, Doch nenn den, der freud'ger schaute In die schöne Welt hinein! Alles Lebens tiefste Schöne Tun geheimnisvoll ja Töne Nur dem frommen Sänger kund, Und die Freude sagt kein Mund, Die Gott wunderbar gelegt In des Dichters Herzensgrund. Wenn die Welt, so wild bewegt, Ängstlich schaut nach ihren Rettern: Über aller Nebel Wogen Wölbt Er kühn den Friedensbogen, Und, wie nach verzognen Wettern, Rauscht die Erde wieder mild, Alle Knospen Blüten treiben, Und der Frühling ist sein Haus, Und der Frühling geht nie aus. - O du lieblich Frauenbild! Willst du bei dem Sänger bleiben? Blumen bind't ein streng Geschick: Wenn die tausend Stimmen singen, Alle Schmerzen, alles Glück Ewig lautlos zu verschweigen. Doch bei kühlem Mondenblick Regt ihr stiller Geist die Schwingen, Möcht dem duft'gen Kelch entsteigen. Sieh, schon ist die Sonn gesunken Aus der dunkelblauen Schwüle, Und zerspringt in tausend Funken An den Felsen rings und Bäumen, Bis sie alle selig träumen. Mit den Sternen in der Kühle Blühn da Wünsche, steigen Lieder Aus des Herzens Himmelsgrund, Und ich fühle alles wieder: Alte Freuden, junges Wagen! Ach! so viel möcht ich dir sagen, Sagen recht aus Herzensgrund, In dem Rauschen, in dem Wehen Möcht ich fröhlich mit dir gehen, Plaudern in der lauen Nacht, Bis der Morgenstern erwacht! -
An eine Tänzerin
Kastagnetten lustig schwingen Seh ich dich, du zierlich Kind! Mit der Locken schwarzen Ringen Spielt der sommerlaue Wind. Künstlich regst du schöne Glieder, Glühend-wild, Zärtlich-mild Tauchest in Musik du nieder Und die Woge hebt dich wieder.
Warum sind so blaß die Wangen, Dunkelfeucht der Augen Glanz, Und ein heimliches Verlangen Schimmert glühend durch den Tanz? Schalkhaft lockend schaust du nieder, Liebesnacht Süß erwacht, Wollüstig erklingen Lieder- Schlag nicht so die Augen nieder!
Wecke nicht die Zauberlieder In der dunklen Tiefe Schoß, Selbst verzaubert sinkst du nieder, Und sie lassen dich nicht los. Tödlich schlingt sich um die Glieder Sündlich Glühn, Und verblühn Müssen Schönheit, Tanz und Lieder, Ach, ich kenne dich nicht wieder!
Klage
Ich hab manch Lied geschrieben, Die Seele war voll Lust, Von treuem Tun und Lieben, Das Beste, was ich wußt.
Was mir das Herz bewogen, Das sagte treu mein Mund, Und das ist nicht erlogen, Was kommt aus Herzensgrund.
Liebchen wußt's nicht zu deuten Und lacht' mir ins Gesicht, Dreht' sich zu andern Leuten Und achtet's weiter nicht.
Und spielt mit manchem Tropfe, Weil ich so tief betrübt. Mir ist so dumm im Kopfe, Als wär ich nicht verliebt.
Ach Gott, wem soll ich trauen? Will Sie mich nicht verstehn, Tun all so fremde schauen, Und alles muß vergehn.
Und alles irrt zerstreuet - Sie ist so schön und rot - Ich hab nichts, was mich freuet, Wär ich viel lieber tot!
Trauriger Winter
Nun ziehen Nebel, falbe Blätter fallen, Öd alle Stellen, die uns oft entzücket! Und noch einmal tief' Rührung uns beglücket, Wie aus der Flucht die Abschiedslieder schallen.
Wohl manchem blüht aus solchem Tod Gefallen: Daß er nun eng ans blühnde Herz gedrücket, Von roten Lippen holdre Sträuße pflücket Als Lenz je beut mit Wäldern, Wiesen allen.
Mir sagte niemals ihrer Augen Bläue: "Ruh auch aus! Willst du ewig sinnen?" Und einsam sah ich so den Sommer fahren.
So will ich tief des Lenzes Blüte wahren, Und mit Erinnern zaubrisch mich umspinnen, Bis ich nach langem Traum erwach im Maie.
Trauriger Frühling
Mir ist's im Kopf so wüste, Die Zeit wird mir so lang, Wie auch der Lenz mich grüßte Mit Glanz und frischem Klang, Das Herz bleibt mir so wüste, Mir ist so sterbensbang.
Viel Vöglein lockend sangen Im blühenden Revier, Ich hatt mir eins gefangen, Jetzt ist es weit von mir, Viel Vöglein draußen sangen, Ach, hätt ich meins nur hier!
Begegnung
Ich wandert in der Frühlingszeit, Fern auf den Bergen gingen Mit Geigenspiel und Singen Viel lust'ge Hochzeitsleut, Das war ein Jauchzen und Klingen! Es blühte rings in Tal und Höhn, Ich konnt vor Lust nicht weitergehn.
Am Dorfe dann auf grüner Au Begannen sie den Reigen, Und durch den Schall der Geigen Lacht' laut die junge Frau, Ihr Stimmlein klang so eigen, Ich wußte nicht, wie mir geschehn - Da wandt sie sich in wildem Drehn.
Es war mein Lieb! 's ist lange her, Sie blickt' so ohne Scheue, Verloren ist die Treue, Sie kannte mich nicht mehr - Da jauchzt' und geigt's aufs neue, Ich aber wandt mich fort ins Feld, Nun wandr ich bis ans End der Welt!
Der Kranke
Vögelein munter Singen so schön, Laßt mich hinunter Spazierengehn!
"Nacht ist's ja draußen; 's war nur der Sturm, Den du hörst sausen Droben vom Turm."
Liebchen im Garten Seh ich dort stehn, Lang mußt sie warten, O laßt mich gehn.
"Still nur, der blasse Tod ist's, der sacht Dort durch die Gasse Schleicht in der Nacht."
Wie mir ergraute, Bleiches Gesicht! Gebt mir die Laute, Mir wird so licht!
"Was willst du singen In tiefster Not? Lenz, Lust vergingen, Liebchen ist tot!" -
Laßt mich, Gespenster, Lied, riegl auf die Gruft! Öffnet die Fenster, Luft, frische freie Luft!
Im Herbst
Der Wald wird falb, die Blätter fallen, Wie öd und still der Raum! Die Bächlein nur gehn durch die Buchenhallen Lind rauschend wie im Traum, Und Abendglocken schallen Fern von des Waldes Saum.
Was wollt ihr mich so wild verlocken In dieser Einsamkeit? Wie in der Heimat klingen diese Glocken Aus stiller Kinderzeit - Ich wende mich erschrocken Ach, was mich liebt, ist weit!
So brecht hervor nur, alte Lieder, Und brecht das Herz mir ab! Noch einmal grüß ich aus der Ferne wieder, Was ich nur Liebes hab, Mich aber zieht es nieder Vor Wehmut wie ins Grab.
Die Hochzeitsänger
Fernher ziehn wir durch die Gassen, Stehn im Regen und im Wind, Wohl von aller Welt verlassen Arme Musikanten sind. Aus den Fenstern Geigen klingen, Schleift und dreht sich's bunt und laut, Und wir Musikanten singen Draußen da der reichen Braut.
Wollt sie doch keinen andern haben, Ging mit mir durch Wald und Feld, Prächtig in den blauen Tagen Schien die Sonne auf die Welt. Heisa: lustig Drehn und Ringen, Jeder hält sein Liebchen warm, Und wir Musikanten singen Lustig so, daß Gott erbarm.
Lachend reicht man uns die Neigen, Auf ihr Wohlsein trinken wir; Wollt sie sich am Fenster zeigen, 's wäre doch recht fein von ihr. Und wir fiedeln und wir singen Manche schöne Melodei, Daß die besten Saiten springen, 's war, als spräng mir's Herz entzwei.
Jetzt ist Schmaus und Tanz zerstoben, Immer stiller wird's im Haus, Und die Mägde putzen oben Alle lust'gen Kerzen aus. Doch wir blasen recht mit Rasen Jeder in sein Instrument, Möcht in meinem Grimm ausblasen Alle Stern am Firmament!
Und am Hause seine Runde Tritt der Wächter gähnend an, Rufet aus die Schlafensstunde, Und sieht ganz erbost uns an. Doch nach ihrem Kabinette Schwing ich noch mein Tamburin, Fahr wohl in dein Himmelbette, Weil wir müssen weiterziehn!
Der letzte Gruß
Ich kam vom Walde hernieder, Da stand noch das alte Haus, Mein Liebchen, sie schaute wieder Wie sonst zum Fenster hinaus.
Sie hat einen andern genommen, Ich war draußen in Schlacht und Sieg, Nun ist alles anders gekommen, Ich wollt, 's wär wieder erst Krieg.
Am Wege dort spielte ihr Kindlein, Das glich ihr recht auf ein Haar, Ich küßt's auf sein rotes Mündlein: "Gott segne dich immerdar!"
Sie aber schaute erschrocken Noch lange Zeit nach mir hin, Und schüttelte sinnend die Locken Und wußte nicht, wer ich bin. -
Da droben hoch stand ich am Baume, Da rauschten die Wälder so sacht, Mein Waldhorn, das klang wie im Traume Hinüber die ganze Nacht.
Und als die Vögelein sangen Frühmorgens, sie weinte so sehr, Ich aber war weit schon gegangen, Nun sieht sie mich nimmermehr!
Bei einer Linde
Seh ich dich wieder, du geliebter Baum, In dessen junge Triebe Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?
Wie anders ist seitdem der Äste Bug, Verwachsen und verschwunden Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug, Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!
Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du, Und nichts an mir wollt weilen, Doch meine Wunde wuchs - und wuchs nicht zu, Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.
Vom Berge
Da unten wohnte sonst mein Lieb, Die ist jetzt schon begraben, Der Baum noch vor der Türe blieb, Wo wir gesessen haben.
Stets muß ich nach dem Hause sehn, Und seh doch nichts vor Weinen, Und wollt ich auch hinuntergehn, Ich stürb dort so alleine!
Verlorne Liebe
Lieder schweigen jetzt und Klagen, Nun will ich erst fröhlich sein, All mein Leid will ich zerschlagen Und Erinnern - gebt mir Wein! Wie er mir verlockend spiegelt Sterne und der Erde Lust, Stillgeschäftig dann entriegelt All die Teufel in der Brust, Erst der Knecht und dann der Meister, Bricht er durch die Nacht herein, Wildester der Lügengeister, Ring mit mir, ich lache dein! Und den Becher voll Entsetzen Werf ich in des Stromes Grund, Daß sich nimmer dran soll letzen Wer noch fröhlich und gesund!
Lauten hör ich ferne klingen, Lust'ge Bursche ziehn vom Schmaus, Ständchen sie den Liebsten bringen, Und das lockt mich mit hinaus. Mädchen hinterm blühnden Baume Winkt und macht das Fenster auf Und ich steige wie im Traume Durch das kleine Haus hinauf. Schüttle nur die dunklen Locken Aus dem schonen Angesicht!
Sieh, ich stehe ganz erschrocken: Das sind ihre Augen licht, Locken hatte sie wie deine Bleiche Wangen, Lippen rot - Ach, du bist ja doch nicht meine, Und mein Lieb ist lange tot! Hättest du nur nicht gesprochen Und so frech geblickt nach mir, Das hat ganz den Traum zerbrochen Und nun grauet mir vor dir. Da nimm Geld, kauf Putz und Flimmern, Fort und lache nicht so wild! O ich möchte dich zertrümmern, Schönes, lügenhaftes Bild!
Spät von dem verlornen Kinde Kam ich durch die Nacht daher, Fahnen drehten sich im Winde, Alle Gassen waren leer. Oben lag noch meine Laute Und mein Fenster stand noch auf, Aus dem stillen Grunde graute Wunderbar die Stadt herauf. Draußen aber blitzt's vom Weiten, Alter Zeiten ich gedacht, Schauernd reiß ich in den Saiten Und ich sing die halbe Nacht. Die verschlafnen Nachbarn sprechen Daß ich nächtlich trunken sei - O du mein Gott! und mir brechen Herz und Saitenspiel entzwei!
Das Ständchen
Auf die Dächer zwischen blassen Wolken scheint der Mond herfür, Ein Student dort auf der Gassen Singt vor seiner Liebsten Tür.
Und die Brunnen rauschen wieder Durch die stille Einsamkeit, Und der Wald vom Berge nieder, Wie in alter, schöner Zeit.
So in meinen jungen Tagen Hab ich manche Sommernacht Auch die Laute hier geschlagen Und manch lust'ges Lied erdacht.
Aber von der stillen Schwelle Trugen sie mein Lieb zur Ruh - Und du, fröhlicher Geselle, Singe, sing nur immer zu!
Klang um Klang
1
Es ist ein Klang gekommen Herüber durch die Luft, Der Wind hat's gebracht und genommen, Ich weiß nicht, wer mich ruft. Es schallt der Grund von Hufen, In der Ferne fiel ein Schuß - Das sind die Jäger, die rufen, Daß ich hinunter muß!
2
Das sind nicht die Jäger - im Grunde Gehn Stimmen hin und her. Hüt dich zu dieser Stunde, Mein Herz ist mir so schwer! Wer dich liebhat, macht die Runde, Steig nieder und frag nicht, wer! Ich führ dich aus diesem Grunde - Dann siehst du mich nimmermehr.
3
Ich weiß einen großen Garten, Wo die wilden Blumen stehn, Die Engel frühmorgens sein warten, Wenn alles noch still auf den Höhn. Manch zackiges Schloß steht darinne, Die Rehe grasen ums Haus, Da sieht man weit von der Zinne, Weit über die Länder hinaus.
Neue Liebe
Herz, mein Herz, warum so fröhlich, So voll Unruh und zerstreut, Als käm über Berge selig Schon die schöne Frühlingszeit?
Weil ein liebes Mädchen wieder Herzlich an dein Herz sich drückt, Schaust du fröhlich auf und nieder, Erd und Himmel dich erquickt.
Und ich hab die Fenster offen, Neu zieh in die Welt hinein Altes Bangen, altes Hoffen! Frühling, Frühling soll es sein!
Still kann ich hier nicht mehr bleiben, Durch die Brust ein Singen irrt, Doch zu licht ist's mir zum Schreiben, Und ich bin so froh verwirrt.
Also schlendr ich durch die Gassen, Menschen gehen her und hin, Weiß nicht, was ich tu und lasse, Nur, daß ich so glücklich bin.
Frühlingsnacht
Übern Garten durch die Lüfte Hört ich Wandervögel ziehn, Das bedeutet Frühlingsdüfte, Unten fängt's schon an zu blühn. Jauchzen möcht ich, mochte weinen, Ist mir's doch, als könnt's nicht sein! Alte Wunder wieder scheinen Mit dem Mondesglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagen's, Und in Träumen rauscht's der Hain, Und die Nachtigallen schlagen's: Sie ist Deine, sie ist dein!
Frau Venus
Was weckst du, Frühling, mich von neuem wieder? Daß all die alten Wünsche auferstehen, Geht übers Land ein wunderbares Wehen; Das schauert mir so lieblich durch die Glieder.
Die schöne Mutter grüßen tausend Lieder, Die, wieder jung, im Brautkranz süß zu sehen; Der Wald will sprechen, rauschend Ströme gehen, Najaden tauchen singend auf und nieder.
Die Rose seh ich gehn aus grüner Klause Und, wie so buhlerisch die Lüfte fächeln, Errötend in die laue Flut sich dehnen.
So mich auch ruft ihr aus dem stillen Hause - Und schmerzlich nun muß ich im Frühling lächeln, Versinkend zwischen Duft und Klang vor Sehnen.
Erwartung
O schöne, bunte Vögel, Wie singt ihr gar so hell! O Wolken, luft'ge Segel, Wohin so schnell, so schnell?
Ihr alle, ach, gemeinsam Fliegt zu der Liebsten hin, Sagt ihr, wie ich hier einsam Und voller Sorgen bin.
Im Walde steh und laur ich, Verhallt ist jeder Laut, Die Wipfel nur wehn schaurig, O komm, du süße Braut!
Schon sinkt die dunkelfeuchte Nacht rings auf Wald und Feld, Des Mondes hohe Leuchte Tritt in die stille Welt.
Wie schauert nun im Grunde Der tiefsten Seele mich! Wie öde ist die Runde Und einsam ohne dich!
Was rauscht? - Sie naht von ferne! - Nun, Wald, rausch von den Höhn, Nun laß Mond, Nacht und Sterne Nur auf- und untergehn!
Leid und Lust
Euch Wolken beneid ich In blauer Luft, Wie schwingt ihr euch freudig Über Berg und Kluft!
Mein Liebchen wohl seht ihr Im Garten gehn, Am Springbrunnen steht sie So morgenschön.
Und wäscht an der Quelle Ihr goldenes Haar, Die Äugelein helle, Und blickt so klar.
Und Busen und Wangen Dürft ihr da sehn. - Ich brenn vor Verlangen, Und muß hier stehn!
Euch Wolken bedaur ich Bei stiller Nacht; Die Erde bebt schaurig, Der Mond erwacht:
Da führt mich ein Bübchen Mit Flügelein fein, Durchs Dunkel zum Liebchen, Sie läßt mich ein.
Wohl schaut ihr die Sterne Weit, ohne Zahl, Doch bleiben sie ferne Euch allzumal.
Mir leuchten zwei Sterne Mit süßem Strahl, Die küß ich so gerne Vieltausendmal.
Euch grüßt mit Gefunkel Der Wasserfall, Und tief aus dem Dunkel Die Nachtigall.
Doch süßer es grüßet Als Wellentanz, Wenn Liebchen hold flüstert: "Dein bin ich ganz."
So segelt denn traurig In öder Pracht! Euch Wolken bedaur ich Bei süßer Nacht.
|