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Dichterglück
O Welt, bin dein Kind nicht von Hause, Du hast mir nichts geschenkt, So hab ich denn frisch meine Klause In Morgenrot mir versenkt.
Fortuna, streif nur die Höhen Und wende dein Angesicht, Ich bleibe im Wald bei den Rehen Flieg zu, wir brauchen dich nicht.
Und ob auf Höhn und im Grunde Kein Streifchen auch meine blieb, Ich segne dich, schöne Runde, Ich habe dich dennoch so lieb!
Glückliche Fahrt
Wünsche sich mit Wünschen schlagen, Und die Gier wird nie gestillt. Wer ist in dem wüsten Jagen Da der Jäger, wer das Wild? Selig, wer es fromm mag wagen, Durch das Treiben dumpf und wild In der festen Brust zu tragen Heil'ger Schönheit hohes Bild!
Sieh, da brechen tausend Quellen Durch die felsenharte Welt, Und zum Strome wird ihr Schwellen, Der melodisch steigt und fällt. Ringsum sich die Fernen hellen, Gottes Hauch die Segel schwellt - Rettend spülen sich die Wellen In des Herzens stille Welt.
Sommerschwüle
1
Ich klimm zum Berg und schau zur niedern Erde, Ich klimm hinab und schau die Berge an, Süß-melancholisch spitzt sich die Gebärde Und gift'ge Weltverachtung ficht mich an; Doch will aus Schmerz und Haß nichts Rechtes werden. Ermanne dich! - Ich bin doch wohl ein Mann? - Und ach! wie träge Silb aus Silbe schleichet, Mit Not hab ich den letzten Reim erreichet.
O weg mit Reim und Leierklang und Singen! Faß, Leben, wieder mich lebendig an! Mit deiner Woge will ich freudig ringen, Die tief mich stürzt, hebt mich auch himmelan. Im Sturme spannt der Adler seine Schwingen - Blas zu! da spür ich wieder, daß ich Mann! Viel lieber will ich raschen Tod erwerben, Als, so verschmachtend, lebenslang zu sterben.
2
Die Nachtigall schweigt, sie hat ihr Nest gefunden, Träg ziehn die Quellen, die so kohle sprangen, Von trüber Schwüle liegt die Welt umfangen, So hat den Lenz der Sommer überwunden.
Noch nie hat es die Brust so tief empfunden, Es ist, als ob viel Stimmen heimlich sangen: "Auch dein Lenz, froher Sänger, ist vergangen, An Weib und Kind ist nun der Sinn gebunden!"
O komm, Geliebte, komm zu mir zurücke! Kann ich nur deine hellen Augen schauen, Fröhlich Gestirn in dem verworrnen Treiben:
Wölbt hoch sich wieder des Gesanges Brücke, Und kühn darf ich der alten Lust vertrauen, Denn ew'ger Frühling will bei Liebe bleiben.
Frisch auf!
Ich saß am Schreibtisch bleich und krumm, Es war mir in meinem Kopf ganz dumm Vor Dichten, wie ich alle die Sachen Sollte aufs allerbeste machen. Da guckt am Fenster im Morgenlicht Durchs Weinlaub ein wunderschönes Gesicht, Guckt und lacht, kommt ganz herein Und kramt mir unter den Blättern mein. Ich, ganz verwundert: "Ich sollt dich kennen" Sie aber, statt ihren Namen zu nennen: "Pfui, in dem Schlafrock siebst ja aus Wie ein verfallenes Schilderhaus! Willst du denn hier in der Tinte sitzen Schau, wie die Felder da draußen blitzen!" So drängt sie mich fort unter Lachen und Streit, Mir tat's um die schöne Zeit nur leid. Drunten aber unter den Bäumen Stand ein Roß mit funkelnden Zäumen. Sie schwang sich lustig mit mir hinauf, Die Sonne draußen ging eben auf, Und eh ich mich konnte bedenken und fassen, Ritten wir rasch durch die stillen Gassen, Und als wir kamen vor die Stadt, Das Roß auf einmal zwei Flügel hatt, Mir schauerte es recht durch alle Glieder: "Mein Gott, ist's denn schon Frühling wieder?" Sie aber wies mir, wie wir so zogen, Die Länder, die unten vorüberflogen, Und hoch über dem allerschönsten Wald Machte sie lächelnd auf einmal halt. Da sah ich erschrocken zwischen den Bäumen Meine Heimat unten, wie in Träumen, Das Schloß, den Garten und die stille Luft, Die blauen Berge dahinter im Duft, Und alle die schöne alte Zeit In der wundersamen Einsamkeit. Und als ich mich wandte, war ich allein, Das Roß nur wiehert' in den Morgen hinein, Mir aber war's, als wär ich wieder jung, Und wußte der Lieder noch genung!
Kriegslied
Nicht mehr in Waldesschauern An jäher Klüfte Rand, Wo dunkle Tannen trauern, Siehst du die Brut mehr lauern Auf wüster Felsenwand.
Die Greifen nicht mehr fliegen, Lindwürm auf heißem Sand Nicht mehr mit Löwen kriegen, Auf ihren Bäuchen liegen Die Drachen im platten Land.
Doch wo das Leben schimmelt, So weit man reisen kann, Von Würmern es noch wimmelt, Und was auf Erden himmelt, Sie hauchen's giftig an.
Noch halten sie in Schlingen Die wunderschöne Braut, Bei Nacht hört man ihr Singen Die stille Luft durchdringen Mit tiefem Klagelaut.
Das ist die Brut der Natter, Die immer neu entstand: Philister und ihre Gevatter, Die machen groß Geschnatter Im deutschen Vaterland.
Sankt Georg, du blanker Streiter, Leg deine Lanze ein, Und wo ein wackrer Reiter, Dem noch das Herz wird weiter, Der steche frisch mit drein!
Eldorado
Es ist von Klang und Düften Ein wunderbarer Ort, Umrankt von stillen Klüften, Wir alle spielten dort.
Wir alle sind verirret, Seitdem so weit hinaus Unkraut die Welt verwirret, Findt keiner mehr nach Haus.
Doch manchmal taucht's aus Träumen, Als läg es weit im Meer, Und früh noch in den Bäumen Rauscht's wie ein Grüßen her.
Ich hört den Gruß verfliegen, Ich folgt ihm über Land, Und hatte mich verstiegen Auf hoher Felsenwand.
Mein Herz ward mir so munter, Weit hinten alle Not, Als ginge jenseits unter Die Welt in Morgenrot.
Der Wind spielt' in den Locken, Da blitzt' es drunten weit, Und ich erkannt erschrocken Die alte Einsamkeit.
Nun jeden Morgenschimmer Steig ich ins Blütenmeer, Bis ich Glücksel'ger nimmer Von dorten wiederkehr.
Frühlingsklage
Ach, was frommt das Wehen, Sprossen, In der schönen Frühlingszeit: Ist des Liedes Born verschlossen Und der Seele Freudigkeit, Die erst Blüten bringt den Sprossen Und den Frühling in die Zeit.
Gib den alten Frieden wieder, In der Brust den Sonnenschein, Gib die Laute mir und Lieder, Dann laß blühen oder schnein, Selbst weck ich den Lenz mir wieder, Sollt es auch der letzte sein!
An die Waldvögel
Konnt mich auch sonst mitschwingen Übers grüne Revier, Hatt ein Herze zum Singen Und Flügel wie ihr.
Flog über die Felder, Da blüht' es wie Schnee, Und herauf durch die Wälder Spiegelt' die See.
Ein Schiff sah ich gehen Fort über das Meer, Meinen Liebsten drin stehen - Dacht meiner nicht mehr.
Und die Segel verzogen, Und es dämmert' das Feld, Und ich hab mich verflogen In der weiten, weiten Welt.
Vorwärts!
Wie der Strom sich schwingt Aus den Wolken, die ihn tränken, Alle Bäche verschlingt, Sie ins Meer zu lenken - Drein möcht ich versenken Was in mir ringt!
Tritt nur mit in mein Schiff! Wo wir landen oder stranden, Erklinget das Riff, Bricht der Lenz aus dem Sande, Hinter uns dann ins Branden Versenk ich das Schiff!
Frühe
Im Osten graut's, der Nebel fällt, Wer weiß, wie bald sich's rühret! Doch schwer im Schlaf noch ruht die Welt, Von allem nichts verspüret.
Nur eine frühe Lerche steigt, Es hat ihr was geträumet Vom Lichte, wenn noch alles schweigt, Das kaum die Höhen säumet.
Zum Abschied
Der Herbstwind schüttelt die Linde, Wie geht die Welt so geschwinde! Halte dein Kindlein warm. Der Sommer ist hingefahren, Da wir zusammen waren - Ach, die sich lieben, wie arm!
Wie arm, die sich lieben und scheiden! Das haben erfahren wir beiden, Mir graut vor dem stillen Haus. Dein Tüchlein noch läßt du wehen, Ich kann's vor Tränen kaum sehen, Schau still in die Gasse hinaus.
Die Gassen schauen noch nächtig, Es rasselt der Wagen bedächtig - Nun plötzlich rascher der Trott Durchs Tor in die Stille der Felder Da grüßen so mutig die Wälder, Lieb Töchterlein, fahre mit Gott!
Vergebner Ärger
Im alten Hause steh ich in Gedanken; Es ist das Haus nicht mehr, der Wind mit Schauern Geht durch das Gras im Hof, und Eulen lauern In leeren Fenstern, die schon halb versanken.
Mich ärgern nur die jungen, kecken Ranken, Die wie zum Spott noch schmücken Tor und Mauern, Die grünen Birken, die mit falschem Trauern Leicht überm Grabe meiner Lieben schwanken.
So, Nachteul selber, auf dem öden Gipfel Saß ich in meines Jugendglücks Ruinen, Dumpfbrütend über unerhörten Sorgen;
Da blitzten Frühlingslichter durch die Wipfel, Die leuchtend unter mir das Land beschienen, Und nichts nach Eulen fragt der junge Morgen.
Der Wegelagerer
Es ist ein Land, wo die Philister thronen, Die Krämer fahren und das Grün verstauben, Die Liebe selber altklug feilscht mit Hauben - Herr Gott, wie lang willst du die Brut verschonen!
Es ist ein Wald, der rauscht mit grünen Kronen, Wo frei die Adler horsten, und die Tauben Unschuldig girren in den kühlen Lauben, Die noch kein Fuß betrat - dort will ich wohnen!
Dort will ich nächtlich auf die Krämer lauern Und kühn zerhaun der armen Schönheit Bande, Die sie als niedre Magd zu Markte führen.
Hoch soll sie stehn auf grünen Felsenmauern, Daß mahnend über alle stillen Lande Die Lüfte nachts ihr Zauberlied verführen.
Der Glücksritter
Wenn Fortuna spröde tut, Laß ich sie in Ruh, Singe recht und trinke gut, Und Fortuna kriegt auch Mut, Setzt sich mit dazu.
Doch ich geb mir keine Müh: "He, noch eine her!" Kehr den Rücken gegen sie, Laß hoch leben die und die - Das verdrießt sie sehr.
Und bald rückt sie sacht zu mir: "Hast du deren mehr?" Wie Sie sehn. - "Drei Kannen schier, Und das lauter Klebebier!" - 's wird mir gar nicht schwer.
Drauf sie zu mir lächelt fein: "Bist ein ganzer Kerl!" Ruft den Kellner, schreit nach Wein, Trinkt mir zu und schenkt mir ein, Echte Blum und Perl.
Sie bezahlet Wein und Bier, Und ich, wieder gut, Führe sie am Arm mit mir Aus dem Haus, wie 'n Kavalier, Alles zieht den Hut.
Der Schreckenberger
Aufs Wohlsein meiner Dame, Eine Windfahn ist ihr Panier Fortuna ist ihr Name, Das Lager ihr Quartier!
Und wendet sie sich weiter, Ich kümmre mich nicht drum, Da draußen ohne Reiter, Da geht die Welt so dumm.
Statt Pulverblitz und Knattern Aus jedem wüsten Haus Gevattern sehn und schnattern Alle Lust zum Land hinaus.
Fortuna weint vor Ärger, Es rinnet Perl auf Perl. "Wo ist der Schreckenberger? Das war ein andrer Kerl."
Sie tut den Arm mir reichen, Fama bläst das Geleit, So zu dem Tempel steigen Wir der Unsterblichkeit.
Trost
Es haben viel Dichter gesungen Im schönen deutschen Land, Nun sind ihre Lieder verklungen, Die Sänger ruhen im Sand.
Aber solange noch kreisen Die Stern um die Erde rund, Tun Herzen in neuen Weisen Die alte Schönheit kund.
Im Walde da liegt verfallen Der alten Helden Haus, Doch aus den Toren und Hallen Bricht jährlich der Frühling aus.
Und wo immer müde Fechter Sinken im mutigen Strauß, Es kommen frische Geschlechter Und fechten es ehrlich aus.
An die Dichter
Wo treues Wollen, redlich Streben Und rechten Sinn der Rechte spürt, Das muß die Seele ihm erheben, Das hat mich jedesmal gerührt.
Das Reich des Glaubens ist geendet, Zerstört die alte Herrlichkeit, Die Schönheit weinend abgewendet, So gnadenlos ist unsre Zeit.
O Einfalt, gut in frommen Herzen, Du züchtig schöne Gottesbraut! Dich schlugen sie mit frechen Scherzen, Weil dir vor ihrer Klugheit graut.
Wo findst du nun ein Haus, vertrieben, Wo man dir deine Wunder läßt, Das treue Tun, das schöne Lieben, Des Lebens fromm vergnüglich Fest?
Wo findest du den alten Garten Dein Spielzeug, wunderbares Kind, Der Sterne heil'ge Redensarten, Das Morgenrot, den frischen Wind?
Wie hat die Sonne schön geschienen! Nun ist so alt und schwach die Zeit; Wie stehst so jung du unter ihnen, Wie wird mein Herz mir stark und weit!
Der Dichter kann nicht mit verarmen; Wenn alles um ihn her zerfällt, Hebt ihn ein göttliches Erbarmen - Der Dichter ist das Herz der Welt.
Den blöden Willen aller Wesen, Im Irdischen des Herren Spur, Soll er durch Liebeskraft erlösen Der schöne Liebling der Natur.
Drum hat ihm Gott das Wort gegeben, Das kühn das Dunkelste benennt, Den frommen Ernst im reichen Leben, Die Freudigkeit, die keiner kennt.
Da soll er singen frei auf Erden, In Lust und Not auf Gott vertraun, Daß aller Herzen freier werden, Eratmend in die Klänge schaun.
Der Ehre sei er recht zum Horte, Der Schande leucht er ins Gesicht! Viel Wunderkraft ist in dem Worte, Das hell aus reinem Herzen bricht.
Vor Eitelkeit soll er vor allen Streng hüten sein unschuld'ges Herz, Im Falschen nimmer sich gefallen, Um eitel Witz und blanken Scherz.
Oh, laßt unedle Mühe fahren, O klingelt, gleißt und spielet nicht Mit Licht und Gnad, so ihr erfahren, Zur Sünde macht ihr das Gedicht!
Den lieben Gott laß in dir walten, Aus frischer Brust nur treulich sing! Was wahr in dir wird sich gestalten, Das andre ist erbärmlich Ding.-
Den Morgen seh ich ferne scheinen, Die Ströme ziehn im grünen Grund, Mir ist so wohl! - die's ehrlich meinen, Die grüß ich all aus Herzensgrund!
Wünschelrute
Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort.
III. Zeitlieder
Wo ruhig sich und wilder Unstete Wellen teilen, Des Lebens schöne Bilder Und Kläng verworren eilen, Wo ist der sichre Halt? So ferne, was wir sollen, So dunkel, was wir wollen, Faßt alle die Gewalt.
Die Freunde
I
Wer auf den Wogen schliefe, Ein sanft gewiegtes Kind, Kennt nicht des Lebens Tiefe, Vor süßem Träumen blind.
Doch wen die Stürme fassen Zu wildem Tanz und Fest, Wen hoch auf dunklen Straßen Die falsche Welt verläßt:
Der lernt sich wacker rühren, Durch Nacht und Klippen hin Lernt der das Steuer führen Mit sichrem, ernstem Sinn.
Der ist vom echten Kerne, Erprobt zu Lust und Pein, Der glaubt an Gott und Sterne, Der soll mein Schiffmann sein!
II
An L...
Vor mir liegen deine Zeilen, Sind nicht Worte, Schriften nicht, Pfeile, die verwundend heilen, Freundesaugen, treu und schlicht.
Niemals konnte so mich rühren Noch der Liebsten Angesicht, Wenn uns Augen süß verführen, Und die Welt voll Glanz und Licht:
Als in Freundesaugen lesen Meiner eignen Seele Wort, Fester Treue männlich Wesen, In Betrübnis Trost und Hort.
So verschlingen in Gedanken Sich zwei Stämme wundertreu, Andre dran sich mutig ranken Kron an Krone immer neu.
Prächt'ger Wald, wo's kühl zu wohnen, Stille wachsend Baum an Baum, Mit den brüderlichen Kronen Rauschend in dem Himmelsraum!
III
An L...
Mit vielem will die Heimat mich erfreuen Ein heitres Schloß an blaugewundnem Flusse, Gesell'ge Lust, Mutwill und frohe Muße, Der Liebe heitres Spiel, süß zu zerstreuen.
Doch wie die Tage freundlich sich erneuen, Fehlt doch des Freundes Brust in Tat und Muße, Der Ernst, der herrlich schwelget im Genusse, Des reichen Blicks sich wahr und recht zu freuen.
Wo zwei sich treulich nehmen und ergänzen, Wächst unvermerkt das freud'ge Werk der Musen. Drum laß mich wieder, Freund, ans Herz dich drücken!
Uns beide will noch schön das Leben schmücken Mit seinen reichen, heitern, vollen Kränzen, Der Morgenwind wühlt um den offnen Busen!
IV
An Fräulein...
Schalkhafte Augen reizend aufgeschlagen, Die Brust empört, die Wünsche zu verschweigen, Sieht man den leichten Zelter dich besteigen, Nach Lust und Scherzen durch den Lenz zu jagen.
Zu jung, des Lebens Ernste zu entsagen - Kann ich nicht länger spielen nun und schweigen, Wer Herrlichs fühlt, der muß sich herrlich zeigen, Mein Ruhen ist ein ewig frisches Wagen.
Laß mich, solang noch trunken unsre Augen, Ein'n blühnden Kranz aus den vergangnen Stunden Dir heiter um die weiße Stirne winden;
Frag nicht dann, was mich deinem Arm entwunden, Drück fest den Kranz nur in die muntern Augen, Mein Haupt will auch und soll den seinen finden!
V
An Fouqué
1
Seh ich des Tages wirrendes Beginnen, Die bunten Bilder fliehn und sich vereinen Möcht ich das schöne Schattenspiel beweinen, Denn eitel ist, was jeder will gewinnen.
Doch wenn die Straßen leer, einsam die Zinnen Im Morgenglanze wie Kometen scheinen, Ein stiller Geist steht auf den dunklen Steinen, Als wollt er sich auf alte Zeit besinnen:
Da nimmt die Seele rüstig sich zusammen, An Gott gedenkend und an alles Hohe, Was rings gedeihet auf der Erden Runde.
Und aus dem Herzen lang verhaltne Flammen, Sie brechen fröhlich in des Morgens Lohe, Da grüß ich, Sänger, dich aus Herzensgrunde!
2
Von Seen und Wäldern eine nächt'ge Runde Sah ich, und Drachen ziehn mit glühnden Schweifen, In Eicheswipfeln einen Horst von Greifen, Das Nordlicht schräge leuchtend überm Grunde.
Durch Qualm dann klingend brach die Morgenstunde, Da schweiften Ritter blank durch Nebelstreifen, Durch Winde scharf, die auf der Heide pfeifen, Ein Harfner sang, lobt' Gott aus Herzensgrunde.
Tiefatmend stand ich über diesen Klüften, Des Lebens Mark rührt' schauernd an das meine, Wie ein geharn'schter Riese da erhoben.
Kein ird'scher Laut mehr reichte durch die Lüfte, Mir war's, als stände ich mit Gott alleine, So einsam, weit und sternhell war's da oben.
3
In Stein gehaun, zwei Löwen stehen draußen, Bewachen ewig stumm die heil'ge Pforte. Wer sich, die Brust voll Weltlust, naht dem Orte, Den füllt ihr steinern Blicken bald mit Grausen.
Dir wächst dein Herz noch bei der Wälder Sausen, Dich rühren noch die wilden Riesenworte, Nur Gott vertraund, dem höchsten Schirm und Horte - So magst du bei den alten Wundern hausen.
Ob auch die andern deines Lieds nicht achten, Der Heldenlust und zarten Liebesblüte, Gedanken treulos wechselnd mit der Mode:
So felsenfester sei dein großes Trachten, Hau klingend Luft dir, ritterlich Gemüte! Wir wollen bei dir bleiben bis zum Tode.
Der Riese
Es saß ein Mann gefangen Auf einem hohen Turm, Die Wetterfähnlein klangen Gar seltsam in den Sturm.
Und draußen hört' er ringen Verworrner Ströme Gang, Dazwischen Vöglein singen Und heller Waffen Klang.
Ein Liedlein scholl gar lustig: Heisa, solang Gott will! Und wilder Menge Tosen; Dann wieder totenstill.
So tausend Stimmen irren, Wie Wind' im Meere gehn, Sich teilen und verwirren, Er konnte nichts verstehn.
Doch spürt' er, wer ihn grüße, Mit Schaudern und mit Lust, Es rührt' ihm wie ein Riese Das Leben an die Brust.
Sängerfahrt
Kühlrauschend unterm hellen Tiefblauen Himmelsdom Treibt seine klaren Wellen Der ew'gen Jugend Strom.
Viel rüstige Gesellen, Den Argonauten gleich, Sie fahren auf den Wellen Ins duft'ge Frühlingsreich.
Ich aber faß den Becher Daß es durchs Schiff erklingt, Am Mast steh ich als Sprecher, Der für euch alle singt.
Wie stehn wir hier so helle! Wird mancher bald schlafen gehn, O Leben, wie bist du schnelle, O Leben, wie bist du schön!
Gegrüßt, du weite Runde, Burg auf der Felsenwand, Du Land voll großer Kunde, Mein grünes Vaterland!
Euch möcht ich alles geben, Und ich bin fürstlich reich, Mein Herzblut und mein Leben, Ihr Brüder, alles für euch!
So fahrt im Morgenschimmer! Sei's Donau oder Rhein, Ein rechter Strom bricht immer Ins ew'ge Meer hinein.
In das Stammbuch der M.H.
Akrostichon mit aufgegebenen Endreimen
Ist hell der Himmel, heiter alle Wellen, Betritt der Schiffer wieder seine Wogen, Vorüber Wald und Berge schnell geflogen, Er muß, wohin die vollen Segel schwellen.
In Duft versinken bald all liebe Stellen, Cypressen nur noch ragen aus den Wogen, Herüber kommt manch süßer Laut geflogen, Es trinkt das Meer der Klagen sanfte Quellen. Nichts weilt. - Doch zaubern Treue und Verlangen, Da muß sich blühnder alte Zeit erneuern, Oeffnet die Ferne drauf die Wunderlichtung, Ruht dein Bild drin, bekränzt in heil'ger Dichtung. - Fern laß den Freund nach Ost und West nur steuern, Frei scheint er wohl - du hältst ihn doch gefangen!
In E..s Stammbuch
Mit einem Blatte, ein Bergschloß vorstellend
In klaren Ebenmaßen, schön gefugt, Gleich dem Palaste freundlich sich erhebend, Stark wie die Burg, die von dem Fels dort lugt, In ernster Höh der alten Freiheit lebend, Gleich jenem Turm stets nach dem Höchsten strebend, Schloß, Burg und was da irdisch, überflügelnd - Dabei, still wie die See dort, im Gemüt Des Himmels Blau und was auf Erden blüht, In frommer Klarheit ewig heiter spiegelnd; Vor allem dann fern über Strom und Land Den alten Freunden treulich zugewandt!
Auf dem Schwedenberge
Da hoben bunt und bunter Sich Zelte in die Luft, Und Fähnlein wehten munter Herunter von der Kluft.
Und um die leichten Tische, An jenem Bächlein klar, Saß in der kühlen Frische Der lust'gen Reiter Schar.
Eilt' durch die rüst'gen Zecher Die Marketenderin, Reicht' flüchtig ihre Becher, Nimmt flücht'ge Küsse hin.
Da war ein Toben, Lachen, Weit in den Wald hinein, Die Trommel ging, es brachen Die lust'gen Pfeifen drein.
Durch die verworrnen Klänge Stürmt' fort manch wilde Brust, Da schallten noch Gesänge Von Freiheit und von Lust.
Fort ist das bunte Toben, Verklungen Sang und Klang, Und stille ist's hier oben Viel hundert Jahre lang.
Du Wald, so dunkelschaurig, Waldhorn, du Jägerlust! Wie lustig und wie traurig Rührst du mir an die Brust!
Lieber alles
Soldat sein, ist gefährlich, Studieren sehr beschwerlich, Das Dichten süß und zierlich, Der Dichter gar possierlich In diesen wilden Zeiten. Ich möcht am liebsten reiten, Ein gutes Schwert zur Seiten, Die Laute in der Rechten, Studentenherz zum Fechten. Ein wildes Roß ist's Leben, Die Hufe Funken geben, Wer's ehrlich wagt, bezwingt es, Und wo es tritt, da klingt es!
Sonette
An A...
1
Die Klugen, die nach Gott nicht wollten fragen, Den heil'gen Kampf gern irdisch möchten schlichten, Zum Tod kein Herz, nicht Lieb, sich aufzurichten, Verzehren sich nur selbst in eitlen Klagen.
Sind alle eure Schiffe denn zerschlagen: Sieht man die heil'ge Flagge dich aufrichten, Vom Liebessturm, der jene mußt vernichten, Dein junges Schiff siegreich hinweggetragen.
Südwinde spielen lau um Laut und Locken, Im Morgenrot des Hutes Federn schwanken, Und Gottes Atem macht die Segel schwellen.
Wen noch die alten Heimatklänge locken, Dem füllt der Segel wie der Töne Schwellen Die Brust mit jungen, ewigen Gedanken.
2
Wir sind so tief betrübt, wenn wir auch scherzen, Die armen Menschen mühn sich ab und reisen, Die Welt zieht ernst und streng in ihren Gleisen, Ein feuchter Wind verlöscht die lust'gen Kerzen.
Du hast so schöne Worte tief im Herzen, Du weißt so wunderbare, alte Weisen, Und wie die Stern am Firmamente kreisen Ziehn durch die Brust dir ewig Lust und Schmerzen.
So laß dein' Stimme hell im Wald erscheinen! Das Waldhorn fromm wird auf und nieder wehen, Die Wasser gehn und einsam Rehe weiden.
Wir wollen stille sitzen und nicht weinen, Wir wollen in den Rhein hinuntersehen, Und, wird es finster, nicht von sammen scheiden.
3
Es will die Zeit mit ihrem Schutt verdecken Den hellen Quell, der meiner Brust entsprungen, Umsonst Gebete himmelan geschwungen, Sie mögen nicht das Ohr der Gnade wecken.
So laß die Nacht die grausen Flügel strecken, Nur immerzu, mein tapfres Schiff; gedrungen! Wer einmal mit den Wogen hat gerungen, Fühlt sich das Herz gehoben in den Schrecken.
Schießt zu, trefft, Pfeile, die durchs Dunkel schwirren! Ruhvoll um Klippen überm tück'schen Grunde Lenk ich mein Schiff, wohin die Sterne winken.
Mag dann der Steuermann nach langem Irren, Rasch ziehend alle Pfeile aus der Wunde, Tot an der Heimatküste niedersinken!
Der Geist
Nächtlich dehnen sich die Stunden, Unschuld schlaft in stiller Bucht, Fernab ist die Welt verschwunden, Die das Herz in Träumen sucht.
Und der Geist tritt auf die Zinne, Und noch stiller wird's umher, Schauet mit dem starren Sinne In das wesenlose Meer.
Wer ihn sah bei Wetterblicken Stehn in seiner Rüstung blank: Den mag nimmermehr erquicken Reichen Lebens frischer Drang. -
Fröhlich an den öden Mauern Schweift der Morgensonne Blick, Da versinkt das Bild mit Schauern Einsam in sich selbst zurück.
Klage
1809
O könnt ich mich niederlegen Weit in den tiefsten Wald Zu Häupten den guten Degen, Der noch von den Vätern alt,
Und dürft von allem nichts spüren In dieser dummen Zeit, Was sie da unten hantieren, Von Gott verlassen, zerstreut;
Von fürstlichen Taten und Werken, Von alter Ehre und Pracht, Und was die Seele mag stärken, Verträumend die lange Nacht!
Denn eine Zeit wird kommen, Da macht der Herr ein End, Da wird den Falschen genommen Ihr unechtes Regiment.
Denn wie die Erze vom Hammer, So wird das lockre Geschlecht Gehaun sein von Not und Jammer Zu festem Eisen recht.
Da wird Aurora tagen Hoch über den Wald hinauf, Da gibt's was zu singen und schlagen, Da wacht, ihr Getreuen, auf.
An . . .
Wie nach festen Felsenwänden Muß ich in der Einsamkeit Stets auf dich die Blicke wenden. Alle, die in guter Zeit Bei mir waren, sah ich scheiden
Mit des falschen Glückes Schaum, Du bliebst schweigend mir im Leiden, Wie ein treuer Tannenbaum, Ob die Felder lustig blühn, Ob der Winter zieht heran, Immer finster, immer grün - Reich die Hand mir, wackrer Mann.
Nachtfeier
1810
Decket Schlaf die weite Runde, Muß ich oft am Fenster lauschen, Wie die Ströme unten rauschen, Räder sausen kühl im Grunde, Und mir ist so wohl zur Stunde; Denn hinab vom Felsenrande Spür ich Freiheit, uralt Sehnen, Fromm zerbrechend alle Bande, Über Wälder, Strom und Lande Keck die großen Flügel dehnen.
Was je Großes brach die Schranken, Seh ich durch die Stille gehen, Helden auf den Wolken stehen, Ernsten Blickes, ohne Wanken, Und es wollen die Gedanken Mit den guten Alten hausen, Sich in ihr Gespräch vermischen, Das da kommt in Waldesbrausen. Manchem füllt's die Brust mit Grausen, Mich soll's laben und erfrischen!
Tag und Regung war entflohen, Übern See nur kam Geläute Durch die monderhellte Weite, Und rings brannten auf den hohen Alpen still die bleichen Lohen, Ew'ge Wächter echter Weihe, Als, erhoben vom Verderben Und vom Jammer, da die dreie Einsam traten in das Freie, Frei zu leben und zu sterben.
Und so wachen heute viele Einsam über ihrem Kummer; Unerquickt von falschem Schlummer, Aus des Wechsels wildem Spiele Schauend fromm nach einem Ziele. Durch die öde, stumme Leere Fühl ich mich euch still verbündet; Ob der Tag das Recht verkehre, Ewig strahlt der Stern der Ehre, Kühn in heil'ger Nacht entzündet.
Zorn
1810
Seh ich im verfallnen, dunkeln Haus die alten Waffen hangen, Zornig aus dem Roste funkeln, Wenn der Morgen aufgegangen,
Und den letzten Klang verflogen, Wo im wilden Zug der Wetter, Aufs gekreuzte Schwert gebogen, Einst gehaust des Landes Retter;
Und ein neu Geschlecht von Zwergen Schwindelnd um die Felsen klettern, Frech, wenn's sonnig auf den Bergen, Feige krümmend sich in Wettern,
Ihres Heilands Blut und Tränen Spottend noch einmal verkaufen, Ohne Klage, Wunsch und Sehnen In der Zeiten Strom ersaufen;
Denk ich dann, wie du gestanden Treu, da niemand treu geblieben: Möcht ich, über unsre Schande Tiefentbrannt in zorn'gem Lieben,
Wurzeln in der Felsen Marke, Und empor zu Himmelslichten Stumm anstrebend, wie die starke Riesentanne, mich aufrichten.
Symmetrie
1810
O Gegenwart, wie bist du schnelle, Zukunft, wie bist du morgenhelle, Vergangenheit so abendrot! Das Abendrot soll ewig stehen, Die Morgenhelle frisch dreinwehen, So ist die Gegenwart nicht tot.
Der Tor, der lahmt auf einem Bein, Das ist gar nicht zu leiden, Schlagt ihm das andre Bein entzwei, So hinkt er doch auf beiden!
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