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Vor dem ersten Aderlaß, am Tage vor dem Abendmahl
Was ich tue, was ich denke, Alles, was mit mir geschieht, Herr nach deinem Auge lenke Das auf meine Wege sieht. Herr, o wolle auf mein Flehen, Wenn mein Blut zu Tage springt, Heut mich wie ein Kind ansehen Das sein erstes Opfer bringt. Unter scharfen Marterruten, Unter eines Richters Schwert, Möcht' ich dir mein Heiland bluten. Wär' ich deiner Kronen wert. Aber, da mir nicht vergönnet Solch ein heilender Erguß, Geb' ich, weil die Fülle brennet, Ach! nichts, als den Überfluß. Alles doch hast du gegeben, Gott der zu den Schmerzen kam, Und im Blut hingab das Leben, Daß den Tod er von uns nahm. Meines fließt zu meinem Heile, Fließt zu deinem Ruhme nicht Herr mir deinen Schmerz mitteile, Wenn der Stahl die Quelle bricht. Gieb, daß deines Bluts ich denke, Wenn das meine niederrinnt, Und in deine Wunden senke Dein ohnmächt'ges schwaches Kind! Laß, was bös in meinen Sinnen. Alle heiße Erdenglut, Heut aus meinen Adern rinnen, Morgen dann gieb mit dein Blut. O wie hast du's gut bestellet, Meine Seele faßt es kaum, Daß dein Blut sich mir gesellet, Macht das meine heut ihm Raum.
All dein Blut hast du vergossen Mir zu tilgen das Gericht, Und es ist für mich geflossen, Aber ich, ich nahm es nicht. Hast auch deinen Leib gegeben, Für mich in des Richters Zorn, Und ich zage für das Leben, Trag' um dich auch keinen Dorn. Und ich weiß doch, es giebt Seelen Brennend so in reiner Glut, Daß sie deine Wunden zählen An sich selbst in Wunderflut. Ach weil ich nicht diesen gleiche Ist wohl böses Blut in mir, Gieb daß alles es entweiche, Jesus dann gefall' ich dir. Und ersetz' es geistlich wieder Morgen mir mit deinem Blut Vor dir sink' ich rein dann nieder. Wo die Büßerin geruht. Herr, du weißt ich wollt' bekennen, Was die Seele niederdrückt Felsen von dem Quell mich trennen Wo die Buße Gnade pflückt. Ich hab' nicht den Zaun durchbrochen, Herr vergieb uns unsre Schuld, Wär' durch Dornen gern gekrochen Heim in deiner Kirche Huld. Und ließ ich denn meine Sünden, Alle heut in meinem Blut, Wolle mich in ihm entbinden, Wie die Erd' in Sündenflut. Mit dem Blute wird verschuldet, Mit dem Blute wird versühnt, Du Herr hast die Pein erduldet, Ich, ich habe sie verdient. Und so komm' ich dann im Glauben Deines Blutes Gast zu sein, Keiner soll mir dieses rauben, Du warst mein, ach, mach mich dein.
Was mag dich nur betrüben?
Was mag dich nur betrüben? Daß du so traurig denkst. Du mußt wohl Buße üben, Weil du die Blicke senkst. Wie durch die stillen Wiesen Die Bächlein murmelnd gehn, Die Blumen, die dran sprießen, Wie die hinuntersehn,
So seh' ich zu, so horch' ich zu, Bin feundlich mit ihnen auf du und du, Und wollt' daß es mein Liebchen wär', Ei das begreift du wohl nimmermehr.
Was ist dir nur geschehen? Daß du so ganz allein Im dunkeln Wald magst gehen, Du mußt wohl närrisch sein. Wie grüne Büsche lauschen, Und Echo widerklingt, Was leis die Büsche rauschen, Und froh das Vöglein singt.
So horch' ich zu, so ruf' ich zu, Bin freundlich mit ihnen auf du und du, Und wollt', daß es mein Liebchen wär', Ei das begreifst du wohl nimmermehr.
Ich kann es wohl begreifen, Sieh nicht so vor dich hin, So wirst du wohl begreifen, Daß ich dein Liebchen bin. So laß uns tanzen, springen Im kühlen, grünen Wald, Die Töne laß erklingen, Daß alles freudig schallt,
Tur, lu, tu, tu, tur, lu tu, tu, Wir leben und schweben auf du, und du, Und wenn es nicht mein Liebchen wär' Ei so begriff' ich's wohl nimmermehr.
Was reif in diesen Zeilen steht ...
Was reif in diesen Zeilen steht, Was lächelnd winkt und sinnend fleht, Das soll kein Kind betrüben, Die Einfalt hat es ausgesäet, Die Schwermut hat hindurchgeweht, Die Sensucht hat's getrieben; Und ist das Feld einst abgemäht, Die Armut durch die Stoppeln geht, Sucht Ähren, die geblieben, Sucht Lieb', die für sie untergeht, Sucht Lieb', die mit ihr aufersteht, Sucht Lieb', die sie kann lieben, Und hat sie einsam und verschmäht Die Nacht durch dankend in Gebet Die Körner ausgerieben, Liest sie, als früh der Hahn gekräht, Was Lieb' erhielt, was Leid verweht, Ans Feldkreuz angeschrieben, O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit!
Weit bin ich einhergezogen...
Weit bin ich einhergezogen Über Berg und über Tal, Der treue Himmelsbogen Er umgibt mich überall. Unter Eichen, unter Buchen, An dem wilden Wasserfall Muß ich nun die Herberg suchen Bei der lieb Frau Nachtigall. Die im brünst'gen Abendliede Ihre Gäste wohl bedenkt, Bis sich Schlaf und Traum und Friede Auf die müde Seele senkt. Und ich hör' dieselben Klagen Und ich hör' dieselbe Lust Und ich fühl' das Herz mir schlagen Hier wie dort in meiner Brust. Aus dem Fluß, der mir zu Füßen Spielt mit freudigem Gebraus, Mich dieselben Sterne grüßen Und so bin ich hier zu Haus. Echo nimm dir recht zu Herzen Und erlern' die Melodie Meiner Freuden, meiner Schmerzen: Ameleya! Ameley! Blühet stolz ihr Königskerzen, Ameleya! Ameley! Wunderinseln, sel'ge Augen, Die ein liebes Antlitz sehn, In dem Monde untertauchen, In der Sonne auferstehn. Sonn und Mond, ihr lichten Hügel, Schließet ein die ird'sche Kluft Und das Leben senkt den Flügel In des Traumes Zaubergruft. Wo die Tiefe sich entsiegelt, Und die Liebe frank und frei In der ganzen Seele spiegelt Ameleya! Ameley!
Wenn der lahme Weber träumt, er webe...
Wenn der lahme Weber träumt, er webe, Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe, Träumt die stumme Nachtigall, sie singe, Daß das Herz des Widerhalls zerspringe, Träumt das blinde Huhn, es zähl' die Kerne, Und der drei je zählte kaum, die Sterne, Träumt das starre Erz, gar linde tau' es, Und das Eisenherz, ein Kind vertrau' es, Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche, Wie der Traube Schüchternheit berausche; Kömmt dann Wahrheit mutternackt gelaufen, Führt der hellen Töne Glanzgefunkel Und der grellen Lichter Tanz durchs Dunkel, Rennt den Traum sie schmerzlich übern Haufen, Horch! die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien Der erwachten Nacht ins Herz all schreien; Weh, ohn' Opfer gehn die süßen Wunder, Gehn die armen Herzen einsam unter!
Wenn der Sturm das Meer umschlinget ...
Wenn der Sturm das Meer umschlinget, Schwarze Locken ihn umhüllen, Beut sich kämpfend seinem Willen Die allmächt'ge Braut und ringet, Küsset ihn mit wilden Wellen, Blitze blicken seine Augen, Donner seine Seufzer hauchen, Und das Schifflein muß zerschellen. Wenn die Liebe aus den Sternen Niederblicket auf die Erde, Und dein Liebstes Lieb begehrte, Muß dein Liebstes sich entfernen. Denn der Tod kömmt still gegangen, Küsset sie mit Geisterküssen, hre Augen dir sich schließen, Sind im Himmel aufgegangen. Rufe, daß die Felsen beben, Weine tausend bittre Zähren, Ach, sie wird dich nie erhören, Nimmermehr dir Antwort geben. Frühling darf nur leise hauchen, Stille Tränen niedertauen, Komme, willst dein Lieb du schauen, Blumen öffnen dir die Augen. In des Baumes dichten Rinden, In der Blumen Kelch versunken, Schlummern helle Lebensfunken, Werden bald den Wald entzünden. In uns selbst sind wir verloren, Bange Fesseln uns beengen, Schloß und Riegel muß zersprengen, Nur im Tode wird geboren. In der Nächte Finsternissen Muß der junge Tag ertrinken, Abend muß herniedersinken, Soll der Morgen dich begrüßen.
Wer rufet in die stumme Nacht ? Wer kann mit Geistern sprechen? Wer steiget in den dunkeln Schacht, Des Lichtes Blum' zu brechen? Kein Licht scheint aus der tiefen Gruft, Kein Ton aus stillen Nächten ruft. An Ufers Ferne wallt ein Licht, Du möchtest jenseits landen; Doch fasse Mut, verzage nicht, Du mußt erst diesseits stranden. Schau still hinab, in Todes Schoß Blüht jedes Ziel, fällt dir dein Los. So breche dann, du tote Wand, Hinab mit allen Binden; Ein Zweig erblühe meiner Hand, Den Frieden zu verkünden. Ich will kein Einzelner mehr sein, Ich bin der Welt, die Welt ist mein. Vergangen sei vergangen, Und Zukunft ewig fern; In Gegenwart gefangen Verweilt die Liebe gern, Und reicht nach allen Seiten Die ew'gen Arme hin, Mein Dasein zu erweiten, Bis ich unendlich bin. So tausendfach gestaltet, Erblüh' ich überall, Und meine Tugend waltet Auf Berges Höh', im Tal. Mein Wort hallt von den Klippen, Mein Lied vom Himmel weht; Es flüstern tausend Lippen Im Haine mein Gebet. Ich habe allem Leben Mit jedem Abendrot Den Abschiedskuß gegeben, Und jeder Schlaf ist Tod. Es sinkt der Morgen nieder, Mit Fittichen so lind, Weckt mich die Liebe wieder, Ein neugeboren Kind. Und wenn ich einsam weine, Und wenn das Herz mir bricht, So sieh im Sonnenscheine Mein lächelnd Angesicht. Muß ich am Stabe wanken, Schwebt Winter um mein Haupt, Wird nie doch dem Gedanken Die Glut und Eil geraubt. Ich sinke ewig unter, Und steige ewig auf, Und blühe stets gesunder Aus Liebes-Schoß herauf. Das Leben nie verschwindet, Mit Liebesflamm' und Licht Hat Gott sich selbst entzündet In der Natur Gedicht. Das Licht hat mich durchdrungen, Und reißet mich hervor; Mit tausend Flammenzungen Glüh' ich zur Glut empor. So kann ich nimmer sterben, Kann nimmer mir entgehn; Denn um mich zu verderben, Müßt' Gott selbst untergehn.
Wenn die Sonne weggegangen...
Wenn die Sonne weggegangen, Kömmt die Dunkelheit heran, Abendrot hat goldne Wangen, Und die Nacht hat Trauer an. Seit die Liebe weggegangen, Bin ich nun ein Mohrenkind, Und die roten, frohen Wangen, Dunkel und verloren sind. Dunkelheit muß tief verschweigen, Alles Wehe, alle Lust, Aber Mond und Sterne zeigen, Was ihr wohnet in der Brust. Wenn die Lippen dir verschweigen Meines Herzens stille Glut, Müssen Blick und Tränen zeigen, Wie die Liebe nimmer ruht.
Wenn ich ein Bettelmann wär'
Wenn ich ein Bettelmann wär' Käm' ich zu Dir, Säh' Dich gar bittend an Was gäbst Du mir? - Der Pfennig hilft mir nicht Nimm ihn zurück, Goldner als golden glänzt Allen Dein Blick; Und was Du allen giebst Gebe nicht mir Nur was mein Aug' begehrt Will ich von Dir. Bettler wie helf' ich Dir? - Sprächst Du nur so, Dann wär' im Herzen ich Glücklich und froh. Laufst auf Dein Kämmerlein Holst ein Paar Schuh Die sind mir viel zu klein, Sieh einmal zu. - Sieh nur wie klein sie sind Drücken mich sehr, Jungfrau süß lächelst Du O gieb mir mehr.
Wie klinget die Welle!
Wie klinget die Welle! Wie wehet ein Wind! O selige Schwelle! Wo wir geboren sind. Du himmlische Bläue! Du irdisches Grün! Voll Lieb' und voll Treue, Wie wird mein Herz so kühn! Wie Reben sich ranken Mit innigem Trieb, So meine Gedanken Habt hier alles lieb. Da hebt sich kein Wehen, Da regt sich kein Blatt, Ich kann draus verstehen, Wie lieb man mich hat. Ihr himmlischen Fernen! Wie seid ihr mir nah; Ich griff nach den Sternen Hier aus der Wiege ja. Treib nieder und nieder Du herrlicher Rhein! Du kömmst mir ja wieder, Läßt nie mich allein. Meine Mühle ist brochen, Und klappert nicht mehr, Mein Herz hör' ich pochen Als wenn's die Mühle wär'. O Vater! wie bange War mir es nach dir, Horch meinem Gesange, Dein Sohn ist wieder hier. Du spiegelst und gleitest Im mondlichen Glanz, Die Arme du breitest, Empfange meinen Kranz.
Wie so leis die Blätter wehn ...
Wie so leis die Blätter wehn In dem lieben stillen Hain, Sonne will schon schlafen gehn, Läßt ihr goldnes Hemdelein Sinken auf den grünen Rasen Wo die schlanken Hirsche grasen In dem roten Abendschein. Gute Nacht, Heiapopeia Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia. In der Quellen klarer Flut Treibt kein Fischlein mehr sein Spiel, Jedes sucht, wo es ruht, Sein gewöhnlich Ort und Ziel Und entschlummert überm Lauschen Auf der Wellen leises Rauschen Zwischen bunten Kieseln kühl. Gute Nacht, Heiapopeia Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia. Schlank schaut auf der Felsenwand Sich die Glockenblume um, Denn verspätet über Land Will ein Bienchen mit Gebrumm, Sich zur Nachtherberge melden In den zarten blauen Zelten, Schlüpft hinein und wird ganz stumm. Gute Nacht, Heiapopeia Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia. Vöglein, euer schwaches Nest Ist das Abendlied vollbracht Wird wie eine Burg so fest. Fromme Vöglein schützt zur Nacht, Gegen Katz und Marderkrallen, Die im Schlaf sie überfallen, Gott, der über alle wacht. Gute Nacht, Heiapopeia Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia. Treuer Gott, du bist nicht weit, Und so ziehn wir ohne Harm In die wilde Einsamkeit, Aus des Hofes eitelm Schwarm. Du wirst uns die Hütte bauen, Daß wir fromm und voll Vertrauen Sicher ruhn in deinem Arm. Gute Nacht, Heiapopeia Singt, Gockel, Hinkel und Gackeleia.
Wohlan! so bin ich deiner los ...
Wohlan! so bin ich deiner los Du freches lüderliches Weib! Fluch über deinen sündenvollen Schoß Fluch über deinen feilen geilen Leib, Fluch über deine lüderlichen Brüste Von Zucht und Wahrheit leer, Von Schand' und Lügen schwer, Ein schmutzig Kissen aller eklen Lüste. Fluch über jede tote Stunde Die ich an deinem lügenvollen Munde, In ekelhafter Küsse Rausch vollbracht, Fluch über jede gottvergeßne Nacht, Die ich in deinem frechen Bett erhandelt, Die ich in toller Liebe überwacht, Wohl unter deinem Fenster hingewandelt, Wenn du mit andern in dem Werk befangen, Mit andrer Lüg' an anderm Mund gehangen. Mein Gott, mein Gott, er will sich mein erbarmen, Mein Herr hat mich befreit aus deinen Armen, Wohin dein Gott, der Satan mich geführt; Drum hab' ich nimmer dir dein Herz gerührt, Und wie ich mochte bitten, mochte flehen, Kein edles Wort hört' ich von dir erstehen, Du drohst, du elend Weib, dich zu ermorden, O könntest du's, es stürb' dein ganzer Orden, Doch spar' die Mühe nur, denn du bist längstens tot, Längst faulst du in dir selbst in Sünd' und Lügenkot. Schneidst du den Hals dir ab Und springst du in die Spree, Du findest nie ein Grab Die Spreu schwimmt in der Höh'. Des Todes heiliger Traum Wird nimmer dich erlösen Es stirbt ein grüner Baum, Doch nie ein dürrer Besen. Zur eignen Rute wirst du noch an deinem Rücken, Und höchstens reicht dein Leib dir einstens schlechte Krücken. Wohlan, du elend Weib, nun sind wir auf der Stelle Wo wir zuerst uns sahn, ich, du, und dein Geselle, Ich mein' den Teufel, Weib, der deine Seele reitet, Hör' wie sein Flügel rauscht, den über dir er breitet, Ich hör' den dunklen Fluß, es tönt die dumpfe Welle, Du Lügnerin leb wohl, leb schlecht, hier ist die Schwelle, Wo sich mein reuig Herz, von dir du Hexe scheidet, Verdorren mag der Fuß, der je dein Bett beschreitet, Ich hab' dich nie gekannt, ich hab' dich nie gesehen, Es war ein böser Traum, er muß hinuntergehen, Das lüderliche Buch, um das du mich betrogen, Aus dem du geile Brunst für andrer Lust gesogen, Ich werfe es hinab in diese schmutz'gen Wogen, Und mit ihm werf' ich hin, was ich für dich gefühlt, Daß sich die böse Glut, die mir das Herz zerwühlt, In dieses Flusses trüber Welle kühlt. Nimm hin den Scheidekuß, Ich geb' ihn ohn' Verdruß, Von mir sei dir verziehn, Wend' dich, zu Gott dahin, Und fleh', daß er verzeih', Dem Sünder steht es frei. Er ist für dich, für mich, für alle uns gestorben, Ich habe im Gebet mir Trost von ihm erworben. Ich gab des Heilands Bild in deine schnöden Hände, So bin durch dich ich auch zu einem Judas worden, Den Herrn hab' ich verkauft, an die, die ihn ermorden, Erbarm' dich meiner Seel', und zu dem Kreuz dich wende. O mache, daß an dir dies Bild ein Wunder tut, Und daß er dich erlöst mit seinem heiligen Blut, So darf ich ruhig sein, daß ich so fromme Gabe An dich, du elend Weib, so schnöd vergeudet habe, Nun wend' ich mich von dir, ich will in Friede gehn, Ich will unschuldig nun die Sterne wiedersehn, Ich will zu Gott dem Herrn um Hülfe für dich flehn, Daß dich die Gnade sein barmherzig mög' anwehn, Daß einen Engel er, zu dir ermahnen sende, Daß er dein elend Herz wie meines zu sich wende, So gehet nicht mein Schmerz, doch Leid und Lieb' zu Ende.
Loreley
Zu Bacharach am Rheine Wohnt eine Zauberin, Sie war so schön und feine Und riß viel Herzen hin. Und brachte viel zu schanden Der Männer rings umher, Aus ihren Liebesbanden War keine Rettung mehr. Der Bischof ließ sie laden Vor geistliche Gewalt - Und mußte sie begnaden, So schön war ihr' Gestalt. Er sprach zu ihr gerühret: »Du arme Lore Lay! Wer hat dich denn verführet Zu böser Zauberei?« »Herr Bischof laßt mich sterben, Ich bin des Lebens müd, Weil jeder muß verderben, Der meine Augen sieht. Die Augen sind zwei Flammen, Mein Arm ein Zauberstab - O legt mich in die Flammen! O brechet mir den Stab!« »Ich kann dich nicht verdammen, Bis du mir erst bekennt, Warum in diesen Flammen Mein eigen Herz schon brennt. Den Stab kann ich nicht brechen, Du schöne Lore Lay! Ich müßte dann zerbrechen Mein eigen Herz entzwei.« »Herr Bischof mit mir Armen Treibt nicht so bösen Spott, Und bittet um Erbarmen, Für mich den lieben Gott. Ich darf nicht länger leben, Ich liebe keinen mehr - Den Tod sollt Ihr mir geben, Drum kam ich zu Euch her. - Mein Schatz hat mich betrogen, Hat sich von mir gewandt, Ist fort von hier gezogen, Fort in ein fremdes Land. Die Augen sanft und wilde, Die Wangen rot und weiß, Die Worte still und milde Das ist mein Zauberkreis.
Ich selbst muß drin verderben, Das Herz tut mir so weh, Vor Schmerzen möcht' ich sterben, Wenn ich mein Bildnis seh'. Drum laßt mein Recht mich finden, Mich sterben, wie ein Christ, Denn alles muß verschwinden, Weil er nicht bei mir ist.« Drei Ritter läßt er holen: »Bringt sie ins Kloster hin, Geh Lore! - Gott befohlen Sei dein berückter Sinn. Du sollst ein Nönnchen werden, Ein Nönnchen schwarz und weiß, Bereite dich auf Erden Zu deines Todes Reis'.« Zum Kloster sie nun ritten, Die Ritter alle drei, Und traurig in der Mitten Die schöne Lore Lay. »O Ritter laßt mich gehen, Auf diesen Felsen groß, Ich will noch einmal sehen Nach meines Lieben Schloß. Ich will noch einmal sehen Wohl in den tiefen Rhein, Und dann ins Kloster gehen Und Gottes Jungfrau sein.« Der Felsen ist so jähe, So steil ist seine Wand, Doch klimmt sie in die Höhe, Bis daß sie oben stand. Es binden die drei Ritter, Die Rosse unten an, Und klettern immer weiter, Zum Felsen auch hinan. Die Jungfrau sprach: »da gehet Ein Schifflein auf dem Rhein, Der in dem Schifflein stehet, Der soll mein Liebster sein. Mein Herz wird mir so munter, Er muß mein Liebster sein! -« Da lehnt sie sich hinunter Und stürzet in den Rhein.
Die Ritter mußten sterben, Sie konnten nicht hinab, Sie mußten all verderben, Ohn' Priester und ohn' Grab. Wer hat dies Lied gesungen? Ein Schiffer auf dem Rhein, Und immer hat's geklungen Von dem drei Ritterstein:1
Lore Lay Lore Lay Lore Lay
Als wären es meiner drei.
14 – 15. April 1834
Vogel halte, laß dich fragen Hast du nicht mein Glück gesehn Hast du's in dein Nest getragen, Ei dein Glück, ei sage wen?
Eine feine zarte Rebe Und zwei Träublein Feuerwein Drüber Seidenwürmer Gewebe Drunter süße Maulbeerlein.
Hier hab ich's im Arm gewieget Hier am Herzen drückt ich's fest, Lieblich hat sich's angeschwiegen. Und du Vogel trugst's ins Nest.
Armer, Mann, dein Glück ich wette, War ein Liebchen und kein Strauß Ging aus deinem Arm zu Bette Und du gingst allein zu Haus.
Meinst du? – Nun so sag mir Quelle Hast du nicht mein Glück gesehn Trug's ins Meer nicht deine Welle Ei dein Glück, ei sage wen?
Eine tauberauschte Rose Und zwei Rosentöchterlein Frühlingsträume ihr im Schoße, Wachten auf und schliefen ein.
Hier am Herzen hat's gehauchet, Süßen Duft, Goldbienen schwer Sind die Küsse eingetauchet. Fort ist's – Ach du trugst's ins Meer.
Armer Mann, dein Glück ich wette, Linder war dein Rosenlos Ging aus deinem Arm zu Bette Heim trugst du die Dornen bloß.
Meinst du, will ich Taube fragen, Hast du nicht mein Glück gesehn Nicht ins Felsennest getragen? – Ei dein Glück! – ei sage wen?
Eine goldne Honigwabe, Süßen Seim und Wachs so rein Aller Küsse Blumengabe Schlossen drin die Bienen ein.
Ach ich trug es an die Lippen Duftend, schimmernd, süß und lind Durft ein bißchen daran nippen War doch ein verwöhntes Kind.
Armer Mann, dein Glück, ich wette, Linder war's, als Honigseim, Ging aus deinem Arm zu Bette, Und du gingest einsam heim.
Meinst du? – will ich Echo fragen, Hast du nicht mein Glück gesehn, Und willst allen wieder sagen? Ei dein Glück, ei sage wen?
Einer Stimme süßes Klagen Locken, Flüstern, Wonn und Weh, Nachtigallen Traumeszagen Bitte, bitte, geh o geh!
Mir am Herzen hat's gewehet Alle Wonnen, allen Schmerz, Wie ein Kinderseelchen flehet Unter süßem Mutterherz!
Armer Mann! dein Glück, ich wette, War ein linder träumend Wort, Fleht' aus deinem Arm zu Bette, Du gingst einsam dichtend fort.
Meinst du. – Muß ich Rose fragen, Hast du nicht mein Glück gesehn Birgt dein Schoß nicht süßes Zagen. Ei dein Glück: Ei sage wen!
Süßes Duften, wachend Träumen, Hülle, Fülle, süß und warm Bienenkuß an Rausches Säumen Irrend, suchend, Rausches arm.
Hier am Herzen hat's geblühet, Meine Seele süß umlaubt, Liebe hat mein Blut durchglühet, Hoffnung hat doch nicht geglaubt.
Armer Mann, dein Glück ich wette Linder war's, als Trunkenheit Ging aus deinem Arm zu Bette Du gingst einsam, kühl, es schneit.
Meinst du, frage ich die Sterne, Habt ihr nicht mein Glück gesehn? Sterne sehn ja Augen gerne. Ei dein Glück? ei sage wen?
Lockennacht an Himmelsstirne Sinnend, minnend Doppellicht, Augen blitzend Glücksgestirne, Andern Sternen folg ich nicht.
Sah's von Tränen tief verschleiert Sah's von Sehnen tief durchglüht Sah's durchleuchtet, sah's durchfeuert Sah's wie Liebe blüht und flieht.
Armer Mann, dein Glück ich wette War ein linder Augenschein, Ging aus deinem Arm zu Bette, Durch die Nacht gingst du allein.
Meinst du, muß die Lilie fragen Hast du nicht mein Glück gesehn Reimt sich dir, doch darf's nicht sagen. Ei dein Glück, ei sage wen?
Eine, eine, sag nicht welche, Stand im Gärtchen nachts allein Sah o Lilie! deine Kelche Überströmt von Lichtesschein.
Hat von Lilien, Engeln, Sternen Schon an meiner Brust geträumt, Alle Nähen, alle Fernen Mir mit Dichtergold gesäumt.
Sel'ger Mann, dein Glück, ich wette Ist Emilie, fein und lieb Ging aus deinem Arm zu Bette Dir des Traumes Goldsaum blieb.
Meinst du, muß Emilien fragen, Hast du wohl mein Glück gesehn Hast du's in dein Bett getragen? – Ei dein Glück, o sage wen?
Ein Süßlieb, schwarzlaubge Linde Schwüle, kühle, süße Glut, Feuermark in Eises Rinde Hüpfend Kind in freudgem Blut.
22. Juni 1834. Nach Karlsbad
Den ersten Tropfen dieser Leidensflut, In der ich wehrlos, elend bin ertrunken, Und auch von dieser grimmen Glut, Die all mein Sein verzehrt, den ersten Funken, Des Traumes Blumenrand, wo ich geruht, Eh in des Schmerzes Abgrund ich gesunken. Das erste Tröpflein von dem Feuerblut, In das ich wagt, den Finger einzutunken, Um wehe mir! mit irrer Wut An Leib und Seele liebeszaubertrunken Von mir zu schleudern, weh! mein letztes Gut, Und weh! mit meinem Elend noch zu prunken Vor meiner Seele, arger Übermut! – Ich kenn das all, schiffbrüchig auf dem Meer Schwimmt drohend es in Trümmern um mich her. Weh! – der Syrene nackte Schulter blank, An der gescheitert ich den Sinn verloren, Zuckt dort empor und weh! – das Leibchen schlank, Das kranke Herz, das mich zu Tod geboren, Die Hand, die mich getauft, genährt mit Zaubertrank, Sie hebt sich drohnd – es schallt zu meinen Ohren: »Mein lieber armer Freund! wie krank! wie krank! Horch! Schlummerlied vom Schicksal eines Toren, Viel hättest du mir helfen, nützen können, Nun muß die Flut, die uns umarmt, uns trennen, Die Woge die mich kühlet, dich verbrennen!« Auf wundenvoller Straße Mußt du gespenstend gehen, Wo dir mit allem Maße Ich Quelle aller Wehen, Ich Welle aller Wonnen, Die Adern hab durchronnen. Wo mich, die dir vertrauet, Du schmählich hast verloren, Wo, was du kaum erbauet – O schon' des kranken Toren Schlaf, schreiendes Gewissen! – Du nieder hast gerissen! O Platz der Promenade! Haus, gelb mit zweien Pforten, Da fandst du Recht für Gnade, Bist hingerichtet worden, Wo du dich hast verschuldet, Hast du dein Recht erduldet. Dein Geist hat keinen Frieden Nach deinem Tod gefunden, Er muß mit ewgem Sieden Der Tränen mich umrunden, Weil Flammen er erweckte, Die kühle Woge deckte. Weh Flammen, grüne Flammen, Die nun mit blinden Trieben Dem Holze neu entstammen, Das er zur Glut gerieben, Und wenn es wieder grünet, Ist er noch nicht versühnet. Und wenn es wieder blühet Und weiß von Blüten kühlet, Und heiß von Früchten glühet, Ein Feuer dich durchwühlet, Das Feuer meiner Triebe, Das Feuer deiner Liebe. O Herr, hör laut im Traume Die arme Seele wimmern, Ach laß dir aus dem Baume Für sie ein Kreuz doch zimmern Und richt es auf am Pfade, Wo sie verlor die Gnade! Schreib drauf, weil er erwühlet Die Glut, die ich bedecket, Er nun die Flammen fühlet, Die selbst er hat erwecket, Bis Glut von meinem Herde Einst diese Glut verzehrte. Und bis die Promenade Ein Saatfeld goldner Körner Ein Erntefeld der Gnade, Und rings im Zaun nur Dörner, Und bis dies Kreuz wird blühen, Muß diese Seele glühen Bis dahin betet alle Für diese arme Seele, Daß sie nicht tiefer falle Und still die Tränen zähle, Bis Herzblut der Syrenen Heiß wird, wie Reuetränen. Und als sie so gesungen Ein bißchen süß gegaukelt, Und sich herum geschwungen Geschlungen und geschaukelt Rief sie: Gut Nacht mein Brüderchen Addio! schreib, mach Liederchen. Nun streifet mein Gebieterchen Schon ab das feine Miederchen Und streckt die reinen Gliederchen, O Engel seine Hüterchen, Deckt sie mit dem Gefiederchen, Und singt ihr kleine Liederchen, Baut eure keuschen Nesterchen Und legt ein englisch Pflästerchen Ans Herz dem neuen Schwesterchen, Daß es, was gut es eingeschnürt, Nun aufgeschnürt nicht gleich verliert!
7. Juni 1834 Aus einem Briefe nach Karlsbad
Was heiß aus meiner Seele fleht, Und bang in diesen Zeilen steht Das soll dich nicht betrüben Die Liebe hat es ausgesäet Die Liebe hat hindurchgeweht, Die Liebe hat's getrieben Und ist dies Feld einst abgemäht, Arm Lindi durch die Stoppeln geht, Sucht Ähren, die geblieben, Sucht Lieb, die mit ihr untergeht, Sucht Lieb, die mit ihr aufersteht, Sucht Lieb, die ich mußt lieben!
Abendständchen
Hör, es klagt die Flöte wieder, und die kühlen Brunnen rauschen! Golden weh'n die Töne nieder, stille, stille, laß uns lauschen! Holdes Bitten, mild Verlangen, wie es süß zum Herzen spricht! Durch die Nacht, die mich umfangen, blickt zu mir der Töne Licht!
Abschied dem Jahre 1834
Leb wohl du Jahr voll Tränen! O lasse mich an deinem letzten Tag Noch einmal selig wähnen, Daß ich an einem Kinderherzen lag!
Geh hin du Jahr voll Tränen! Tritt glaubend hin vor Gottes Thron, Er wird um krankes Sehnen Dich strenge richten, nimmer doch um Hohn!
O selig Jahr voll Tränen! War dir auch früh das tiefre Wort geraubt, So war der Strom der Tränen Zu ihren Füßen oft dir doch erlaubt!
O liebes Jahr voll Tränen! O dichte Saat, wie segnend reift dein Schmerz, O hochbelohnt! mein Sehnen! Ich fühlte jauchzend, ja! sie hat ein Herz!
O Jahr von heißen Tränen! Geheimnisvoller, als sie weiß, berauscht, Was all sie kann verschönen, Du hast in Tränen sterbend es belauscht.
O Jahr voll bittrer Tränen! Ist irgend Gottes Wahrheit offenbar, Ist vieles hier nur Wähnen, So opfre, weine darum am Altar!
O Jahr voll tiefer Tränen! Du magst vertraut dein armes müdes Haupt Ans Kreuz nur ruhig lehnen, Du hast geliebet, hast gehofft, geglaubt.
O teures Jahr voll Tränen! Du bist in bittrer Reue Flut getauft, Der wird uns auch versöhnen, Der uns mit seiner Weihe Blut erkauft.
Geh hin! du Jahr voll Tränen! Geh, werfe dich zu ihren Füßen hin! Und wasche sie mit Tränen Sag ihr, daß ich ihr armer Bruder bin!
Ihr Bruder ganz in Tränen, Ihr kranker Bruder, um die eigne Schuld, Um fremde Schuld in Tränen, Ihr Bruder weinend um der Väter Schuld!
O sterbe Jahr in Tränen Weil unsrer Väter Schuld die Kinder trennt, Und diesen scheint ein Wähnen Was unsre Mutter ewge Wahrheit nennt.
Leb wohl du Jahr voll Tränen, O lasse mich an deinem letzten Tag Noch einmal selig wähnen, Daß ich an einem Kinderherzen lag.
Abschied vom Rhein
Nun gute Nacht! mein Leben, Du alter, treuer Rhein. Deine Wellen schweben Klar im Sternenschein; Die Welt ist rings entschlafen, Es singt den Wolkenschafen Der Mond ein Lied.
Der Schiffer schläft im Nachen Und träumet von dem Meer; Du aber, Du mußt wachen Und trägst das Schiff einher. Du führst ein freies Leben, Durchtanzest bei den Reben Die ernste Nacht.
Wer dich gesehen, lernt lachen; Du bist so freudenreich, Du labst das Herz der Schwachen Und machst den Armen reich. Du spiegelst hohe Schlösser Und füllest große Fässer Mit edlem Wein.
Auch manchen lehrst du weinen. Dem du sein Lieb entführt; Gott wolle die vereinen, Die solche Sehnsucht rührt: Sie irren in den Hainen, Und von den Echosteinen Erschallt ihr Weh.
Und manchen lehret beten Dein tiefster Felsengrund; Wer dich im Zorn betreten, Den ziehst du in den Schlund: Wo deine Strudel brausen, Wo deine Wirbel sausen, Da beten sie.
Mich aber lehrst du singen: Wenn dich mein Aug ersieht, eine freudeselig Klingen Mir durch den Busen zieht; Treib fromm mir meine Mühle, Jetzt scheid ich in der Kühle Und schlummre ein.
Ihr lieben Sterne, decket Mir meinen Vater zu. Bis mich die Sonne wecket, Bis dahin mahle du: Wirds gut, will ich dich preisen, Dann sing in höhern Weisen Ich dir ein Lied.
Nun werf ich dir zum Spiele Den Kranz in deine Flut: Trag ihn zu seinem Ziele, Wo dieser Tag auch ruht. Gut Nacht, ich muß mich wenden, Muß nun mein Singen enden, Gut Nacht, mein Rhein!
Als hohe in sich selbst verwandte Mächte …
Als hohe in sich selbst verwandte Mächte In heilger Ordnung bildend sich gereiht, Entzündete im wechslenden Geschlechte Die Liebe lebende Beweglichkeit, Und ward im Beten tiefgeheimer Nächte, Dem Menschen jene Fremde eingeweiht, Ein stilles Heimweh ist mit dir geboren, Hast du gleich früh den Wanderstab verloren.
Die Töne ziehn dich hin, in sanften Wellen, Rauscht leis ihr Strom in Ufern von Kristall, Sirenen buhlen mit der Fahrt Gesellen, Aus Bergestiefen grüßt sie das Metall, Der Donner betet, ihre Segel schwellen, Aus Ferne rufet ernste Widerhall; Die Wimpeln wehn in bunten Melodien, O wolltest du mit in die Fremde ziehen.
Die Farben spannen Netze aus, und winken Dir mit des Aufgangs lebenstrunknem Blick, In ihren Strahlen Brüderschaft zu trinken. Am Berge weilen sie, und sehn zurück – Willst du nicht auch zur Heimat niedersinken? Denn von den Sternen dämmert dein Geschick, Die fremde Heimat, spricht es, zu ergründen, Sollst du des Lichtes Söhnen dich verbünden,
Auch magst du leicht das Vaterland erringen, Hast du der Felsen hartes Herz besiegt, Der Marmor wird in süßem Schmerz erklingen, Der tot und stumm in deinem Wege liegt: Wenn deine Arme glühend ihn umschlingen, Daß er sich deinem Bilde liebend schmiegt; Dann führt dich gern zu jenen fremden Landen, Dein Gott, du selbst, aus ihm und dir erstanden.
Dich schreckt so stiller Gang, so schwer Bemühen, Du sehnest dich in alle Liebe hin, Des Marmors kalte Lippe will nicht glühen, Die Farbe spottet deiner Hände Sinn, Die Töne singen Liebe dir und fliehen, Gewinnst du nicht, so werde selbst Gewinn, Entwickle dich in Form, und Licht, und Tönen, So wird der Heimat Bürgerkranz dich krönen.
O freier Geist, du unerfaßlich Leben, Gesang der Farbe, Formen-Harmonie, Gestalt des Tons, du hell lebendig Weben, In Nacht und Tod, in Stummheit Melodie, In meines Busens Saiten tonlos Beben, Ersteh' in meiner Seele Poesie: Laß mich in ihrer Göttin Wort sie grüßen, Daß sich der Heimat Tore mir erschließen.
Ein guter Bürger will ich Freiheit singen, Der Liebe Freiheit, die in Fremde rang, Will In der Schönheit Grenzen Kränze schlingen, Um meinen Ruf, des Lebens tiefsten Klang, Mir eignen, ihn mit Lied und Lieb erringen, Bis brautlich ganz in Wonne mein Gesang, Gelöst in Lust und Schmerz das Widerstreben, Und eigner Schöpfung Leben niederschweben.
Am Tage vor dem Abendmahl
Was ich tue, was ich denke, Alles, was mit mir geschieht, Herr! nach deinem Auge lenke, Das auf meine Wege sieht.
Am Ufer bin ich gangen …
Am Ufer bin ich gangen, Sie schifften auf dem See, Mein Herz war voll Verlangen, Ich trug ein heimlich Weh; Ein Weh, ein Wohl zu sein So ganz allein, allein, allein!
Ich hab hinaus getragen Mein Herz, und der es liebt, Der muß zu Haus verzagen, Der ist zum Tod betrübt, Und hört die Turtel schreien So ganz allein, allein, allein!
So ging ich wohl zwei Stunden, Und ob ich sein gedacht Nur wenige Sekunden, Das hüll ich in die Nacht Des stummen Herzens ein So ganz allein, allein, allein!
Es stürmt, der See schlägt Wellen, Unheimlich saust der Wind, Nie will ich mich gesellen, Ich wirres, irres Kind, Dem, der mich liebt mit Pein So ganz allein, allein, allein!
Und sollt er auch erblinden In seiner Tränen Flut, Nie will ich mich verbinden, Dem ich am Herz geruht; Stirbt er, grabt mir ihn ein So ganz allein, allein, allein!
Schon zittern ihm die Schmerzen Um das gebrochne Herz Gleich stillen Totenkerzen; Ich laß ihn, reißt der Schmerz Ihm gleich durch Mark und Bein, So ganz allein, allein, allein!
Es war sein ganzes Leben Im bittern Weh verglüht, Da hab ich ihn umgeben, Da ist er neu erblüht; Mein ist er, ich nicht sein So ganz allein, allein, allein!
Wohin, wohin mich wenden? Ich armes Waiselein, Von allen Felsenwänden Hör ich das Echo schrein, Arm Kind, o du mußt sein So ganz allein, allein, allein!
Die Wellen sind Gesellen, Die Vöglein zwei und zwei, In Ufern gehn die Quellen, Sein Echo hat mein Schrei, Und ruft vom Felsenstein So ganz allein, allein, allein!
Viel bin ich umgezogen, Hab redlich angeblickt, War liebevoll gewogen, Hab freundlich zugenickt! Die Wahrheit ließ der Schein So ganz allein, allein, allein!
Und wem ich bot zu trinken, Der ward so schwer berauscht, Er ließ den Becher sinken, Und hat ihn leicht vertauscht, Den Zauberbecher mein So ganz allein, allein, allein!
Du einsam Kreuz am Pfade! Scheu blicke ich hinan, O süßer Herr der Gnade Blick doch dein Schäflein an! Treib treuer Hirt mich ein Bald ganz allein, allein, allein!
Da spricht's: Tu keinem andern, Was dir nicht soll geschehn, Willst du nicht einsam wandern, So laß nicht einsam stehn, Laß nicht, willst du nicht sein So ganz allein, allein, allein!
Will keiner mir begegnen Auf diesem öden Pfad, Soll ich die Welt gesegnen, Verlassen am Gestad? Da schallt ein Tritt – es naht Wer ist's? – sein will ich sein So ganz allein, allein, allein!
Sag liebrer Wandrer, bist du's, So biete mir gut Zeit. »Gelobt sei Jesus Christus!« – In alle Ewigkeit. Ach ja, wenn es soll sein So ganz allein, allein, allein!
In Trauer begonnen, In Reue vollendet Zum Kreuz gewendet Mit Tränen beronnen.
An + + +
Ach! so fühlst du ihn denn auch Diesen Glanz, so keusch und milde Wie des Schöpfers Lebenshauch Auf dem ersten Ebenbilde.
Also hob im ersten Tau, Wie ein Kind im Heiligtume, Auf des Paradieses Au Still ihr Haupt die erste Blume.
Ach! dies ist kein irdscher Glanz, Unerneuert, unverloren, Ewig aus dem Lichte ganz Vor der Sünde ausgeboren.
Dieses Weiß und dieses Rot Ist noch nie gerichtet worden, Keine Sünde und kein Tod Kann je dieses Leben morden.
Nie erröten wird dies Weiß, Dieses Rot wird nie erbleichen, Denn in diesen Farbenkreis Kann nicht Scham, nicht Schrecken reichen.
Aus dem Himmelgarten sind Diese tiefen Blumenfarben, Die zum Kranz das fromme Kind Nahm aus reifer Ähren Garben.
Diese Anmut ist kein Schein, Ist auch nicht der Glanz der Jugend; Nichts vermag so schön zu sein, Als der ewge Glanz der Tugend.
An dem Feuer saß das Kind …
An dem Feuer saß das Kind, Amor, Amor, Und war blind; Mit dem kleinen Flügel fächelt In die Flamme er und lächelt, Fächle, lächle, schlaues Kind!
Ach, der Flügel brennt dem Kind, Amor, Amor Läuft geschwind! »O, wie mich die Glut durchpeinet!« Flügelschlagend laut er weinet, In der Hirtin Schoß entrinnt Hülfeschreind das schlaue Kind.
Und die Hirtin hilft dem Kind Amor, Amor, Bös und blind. Hirtin, sieh, dein Herz entbrennet, Hast den Schelm du nicht gekennet? Sieh, die Flamme wächst geschwind, Hüt dich vor dem schlauen Kind!
An eine schöne Erscheinung am Dreikönigstage
Nicht allen war der Himmel gleich geneigt, Und jeglichem ist andre Pflicht gegeben, Wie mancher betet an, wie manche Lippe schweigt, Der andere darf nur die Blicke heben. Der König Gold, der Weise Myrrhen reicht, Und Weihrauchwolken läßt der Melchior schweben. Der Kinder Lallen und der Liebe Stammeln, Des Sängers Lied muß sich zum Dienste sammeln.
Es hat der Herr sich eine Welt erbaut, Er hat sie mit der Schönheit ausgeschmücket, Er hat sie dem Gesetze anvertraut, Sein Siegel auf des Menschen Stirn gedrücket. O selig, wer in solche Augen schaut, Die solche Seligkeit der Welt entzücket, Ihm ist der Herr, ihm ist das Reich erschienen, Er weiß, er weiß, wo's lieblich ist zu dienen.
Wie gütig ist der Herr, der überall. Da wo ich bin, da will er mir erscheinen, Und wo ich sing, grüßt ihn der Silben Hall, Und wo ich denke, kann ich ihn nur meinen,
Ihn lob ich lachend mit der Freude Schall, Ihn ehrt der Trauer still bescheidnes Weinen. Und was mich rührte, darf ich stolz auch singen, Denn nur zu ihm erheben sich die Schwingen.
Mir ward ein Aug, was herrlich ist, zu sehen, Ein Herz ward mir, was würdig ist, zu hegen, Die Sonne will mir auf- und untergehen, Der Anmut geh ich treu und fromm entgegen; Vor dir, du schöner Mensch, mag gern ich stehen, Dir, mir zulieb nicht, nein, nur Gottes wegen. Sei irdisch Himmel mir, und himmlich Erde, Daß Freundesdienst ein Gottesdienst mir werde.
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